Ausgabe 
22.6.1908
 
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gesunden Menschenverstandes Vom Atlantischen bis znm Stillen Ozean, fast sprichwörtlich ist, bei den neugierigen Bankers, die sich mit den Liebhabereien ihrer oberen Zehntausend eingehend beschäftigen, erneutes Lächeln und Kopfschütteln verursacht hat.

E i n n e u e s S ch u tz m i t t e l f ü r O b ft b ä u m e gegen Parasiten hat M. Pickerrng von der Obstfarm in Woburn gefunden. Er verwendete bisher eine Paraffin-Emulsion mit Aetz-- natvon. Pickering hat dies Mittel verbessert, indem er basisches Kupferfulfat mit Ocl und Mass r emulgierte uild dann Natron­lauge hinznfügte. Damit enthält diese Woburnmischung sämtliche Körper, die sowohl im Frühling als im Winter zur Wirkung ge­bracht werden sollen, und eine einmalige Bespritzung erzielt das­selbe, was bisher in drei Operationen erreicht wurde.

* Der Schein trügt. Eines Tages fuhr iir einer New- yorker Straßenbahn eine Dame, die in ihrer Börse zufällig viel Geld hatte. An einer. Haltestelle bestieg den Wagen ein Herr, den sie auf den ersten Blick als einen Taschendieb zu er­kennen glaubte. Als er sich neben sie setzte, dachte sie mit Zittern an ihre wohlgefüllte Börse und beschloß, sie auf das schärfste zu bewachen. Plötzlich legte ihr verdächtiger Nachbar seine Hand zur Seite. Sie fühlte sie heruntergleiten und ihre Börse be­rühren. In diesem Augenblick legte sie ebenfalls ihre Hand nieder und ergriff den Fremden beim Handgelenk. Er wehrte sich nicht, und sie war in einiger Verlegenheit, was sie nun beginnen sollte; doch sie dachte, daß, wenn er versuchen sollte, sich zu befreien, sie ihn am Handgelenk hatte, mit der Hand in ihrer Tasche. So saß sie ruhig da und wartete, daß ihr Nachbar die erste Bewegung machen sollte. Auf diese Weise fuhren sie eine lange Strecke dahin, als an einer Haltestelle der Fremde Miene machte, sich zu erheben.Wenn Sic meinen Arm loslassen würden, gnädige Frau," sagte er kaltblütig,möchte ich aus­steigen." Bei diesen Worten erhob er sich halb, und zu ihrer Bestürzung gewahrte die Dame, daß seine Hand sich nicht in ihrer Tasche, sondern in der seines eigenen Ulsters befand. Das Kleidungsstück hing so herunter, daß seine Hand sich gegen ihre Börse gepreßt hatte, doch ohne diese berührt zu habe». Sie hatte ihn also ohne Grund beim Handgelenk festgehalten. Boller Bestürzung gelang cs ihr dennoch, ihm den Grund ihres Ver­haltens darzulegen. Der Fremde lächelte und ging hinaus, wäh­rend ein anderer Herr sich vorwärts beugte und sagte:Wissen Sie nicht, wer das war? Das war der Millionär Rüssel Sage!"

* Sturm und Drang. A.:Wie weit ist denn Ihr Sohn mit dem Studium?" B.:Er scheint jetzt aus der Sturni- in die Trankperiode zu kommen."

Wissenschaftliches.

T a s sch i e s e G c s i ch t u n.d s e i n e U r s a ch e n. Schon der Anblick im täglichen Leben gestattet, bei einzelnen Menschen wahrzunehmen, daß die rechte und linke Hälfte des Gesichts nicht symmetrisch sind. Cesare Lombroso hat derartige Verschiedenheiten «der wenigstens ihre erheblicheren Grade, als Entartnngsstigma, als Mißbildung, angcsprochen und sie dadilrch auf eine Stufe mit gewissen Anomalien des äußeren Gehörgangcs, des Gaumens usw. gestellt. Eine durchaus entgegengesetzte Ansicht vertritt auf Grund eines höchst reichhaltigen Untersuchnngsmaterials Richard Liebreich. Seme in den Sitzungsberichten der Pariser Akademie der Wissenschaften veröffentlichten Forschungsergebnisse lassen ihn annehmen, daß die unsyminetrische Entivicklung der beiden Gesichls- halften eine durchaus normale und ganz allgemein anftretende Erscheinung sei, die als unmittelbare Folge des aufrechten tztanges gedeutet werden müsse. Er gründet den ersten Teil seiner Be­hauptung auf Messungen an etwa 2000 Schädeln des Pariser Anthropologischen Museums des Jardin des Plautes, an 3000 des Eollegro Romano in Rom und an 400 der Medizinschule in Kairo, sowie auf eine Fülle von Ziffernmaterial aus Beobach­tungen an Lebenden, so daß alle Rassen auch aus längst ver­gangenen, ia vorgeschichtlichen Zeiten berücksichtigt worden sind insgesamt lassen sich drei verschiedene Formen der Assymetric unterscheiden. Tie erste und weitaus häufigste ist durch Ben fchiedcnheiten der Backenknochen in beiden Gesichtshälften gekenn­zeichnet. Ter rechte stellt in seinem am meisten hervorstehenden E nahezu einen rechten Winkel dar, während der linke sich m etwas offenerem Bogen nach rückwärts und oben abbiegt. Da­durch nehmen die Ränder der Augenhöhlen rechts und link"

Stellung ein, während sie rechts in der Ebene liegen stehen sie links in einer nach rückwärts gc- ueigten Flache. Ebenso wird der Oberkiefer unsvmmetrisch, so tritt rechts tiefer ist als links. ' Recht deutlich

A arVer Mumie Rhamses des II. hervor. Bei leiten M Herren Form treten die gleichen Verschiedeu- umgekehrter Wege auf: was vorhin rechts zu be­obachten war, erscheint hier links. Ebenso selten ist die dritte

- die unregelniaßige Assymmetrie. Tie Ursache ist in dem Laae^d^Re^?^ Embryonallebens zu finden, tvo bei normaler Lage das Becken der Mutter euren Druck auf die linke Wange

rr rLK r, auf rvchte des Kindes übt, wodurch die beiden ersteren Formell der Assymmetrie bedingt werden Die dritte Form entsteht bei Hochlage des Kvpfes, wo gar kein Truck ftattfindet, aber durch Vererbung eine undeutliche und regel-

2^miiietrte erscheint. , Ta nun die Lage des Kindes von den Maßen des Beckens und diese wieder von der Krümmung des rtin^eU des Rückgrats abhängt, die für den aufrechten

mittelbar^ Ergebnis' bie ^«rie als dessen un-

178T swechsezwischen Schiller und Lotte 05- Herastsgegeben und erläutert von Wilhelm Flelitz. Mit Portrat von Lotte von Lengefeld. Fünfte Auflage 3 Baude. Gebunden Mk. 3 lVeriaa der m a-Ucir?/' Buchhandlung Skachfolgcr in Stuttgart und Berlin') - Emitte von M^^Eußwurm, die Tochter Schillers, hat noch bei Lebzeiten '®'cr* dem deutschen Volke geschenkt,als ein teures V-r- machtnis meiner seligen Eltern", wie sie in ihrem Vorworte sagt. Lie zweite bis fünfte Auflage wurde von Prof. Dr Fielitz herausgegeben und ergänzt. Zn den Briefen Schillers und Lottens de» wahren der Freundschaft und des Brautstandes, auf 9(u^0rt(be beschränkt hatte, traten auch ihre Briefe aus der Chezeit, und ferner wurde die Korrespondenz Schillers mit Karolinc, der Schwester Lottens, in die Sammlung auf- senvmmen. Lte vorliegende Eottasche Ausgabe bietet somit ein nfn-rtre.l.c§ Bild der einzigen großen Liebe Schillers r-n ÄbistMitigen intimen Geistesfreundschaft mit der Schwester der Geliebten. Dieser Dreiklang ist es, der dem Briefwerk einen über seine literarhistorische Bedeutung weit hinausgehenden eiüe^MnbiknaisM , ~'enP kein Romandichter vermöchte

rlmJ.fanterc Handlung zu erfinden und dar-

<jte JIcb bier vor unseren Augen abspiclt in den W9ge6ö^LT ei)atattere' bie »» den feinsten

c,.. ~ Hans von H-offensthal: Das Buch vom er Mart. Roman. Verlag von Egon Fleischet n. Co., Berlin W. Preis: 4 Mark. Des Verfassers Heimat ist Südtirol, und er zaubert heimische Naturbilder von packender Kraft und Anschaulichkeit vor uns hin. Doch bald fuhrt er den Helden der Erzählung aus der Heimat fort, hinaus ttt die Mühsale des sozialen Lebens. Hier ist

m and es einfachen Soldaten, der Hof und Scholle verlassen mußte, um dem Staat in dreijähriger DiMistzeit seinen Sold zu tilgen: das Buch vom Tiroler Kaiserjager Mart. Aus den drei Jahren ioerden mehr. fton* Hine, die ihren Ursprung in Martin Jnsams Jugend, in Marts Liebe haben, tvachsen herauf, gewinnen Gewalt, Ueber- gewalt und branden in wuchtigen Stürmen. Daheini brennt Wald und Hof, brennt Wald und Vaterhaus nieder. In die Einsamkeit des Garnisonsgesängnisses dringt kein Schrei, kommt keines Feuers schaurige Helle. Erst als das graue Tor sich öffnet, als Mart heimwärts wandert, erst jetzt erfährt er alles und- kniet vor Trümmern. Es gibt ein Ausrichten aus allen Schicksalsschlägen, aus allen Nöten, ein Wieder- sichfinden aus allen Mißverständnissen und aller Vergangen­heit. Versöhnlich, ruhig zeigt uns der Dichter den Weg. Mart genest an der Brandstätte hebt sich der neue Jnsaui- hof empor. Es geht langsam, wie auch das ersehnte Liebes­glück ans allen Wirrnissen sich wieder aufrichtet und sich wieder festigt. Aber es geht. Martin Infam hat keine dreißig Jahre. Er war schon einmal alt geworden und hat doch Jugend, Wachstum und Frieden, neues Leben, ebenso wie der wiedererwachseude Wald, von neuem und dauernd gefunden.

Goldene Worte.

Durch den Irrweg führt sein gutes Glück

Manchen ans die rechte Bahn zurück;

Doch den Irrweg d'rum zum Führer wählen, Heißt erst recht, den rechten Weg verfehlen.

Anastasiu s G r ü n.

Rätsel.

Schreibt man es grob, so will es machen Bekannt die .Frucht, die lieblich schmeckt;

Doch klein geschrieben, gills dein Schwachen,

. Dem jeder Knall schon Furcht erweckt.

G i-e ß e ii. p.

Auflösung in nächster Nummer?

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Lage r.

aiebattioH: P.Wittko. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.