rrr. 96
|908
0
BBS
itiÄ.Rjß
Wirket, so lange es Tag ist.
Roman von Maximilian Böttcher,
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Wilhelm Bariikow, noch etwa dreißig, vierzig Meter von Bannemann entfernt, stand still, itnb während die Kolonne hinter ihm wie auf ein gegebenes Kommando Halt machte, sagte er laut und entschlossen: . „
„Ich -vill mit -den fremden Webern reden, will ihnen sagen ...
"Ach, halten Sie Ihren Mund nnd scheren Sie sich nach Hause, aber schleunigst," unterbrach ihn der Forstmeister. Dann wandte er sich zu den Prokuristen um, die mit verlegenen Mienen vor ihrem Arbeitertransport standen.
„Herr Frankenstein ist wohl in Berlin geblieben? fragte er. „Na gut, ordnen Sie Ihre Leute in Reihen zu vier Mann. Kuntze," befahl er einem Gendarm, „helfen Sie, daß die Sache vorwärts geht; Hermann, mein Pferd," rief er dem andern zu.
Der brachte den Fuchswallach heran, und Bannemann schwang sich in den Sattel. „
Heinz Vollrath war unterdes auf die Streikenden, die wieder wie eine Maner standen, zugeschritten und sprach zu ihnen. Aber die Gesichter verrieten, daß seine Worte keinen Eindruck machten.
„Die. Leute , sind in Reihen zu vier Mann angetreten," meldete,".Hände an der Hosennaht, der lange Gendarm Kuntze seinem Vorgesetzten. _
Bannemann richtete sich steiler im Sattel auf, nahm bte Zigarre ans dem Munde und rief: _
„Also noch einmal fordere ich Euch auf: macht Platz da. Wenn Ihr nicht gehorcht, ist das Widerstand gegen die Staatsgewalt, Landfriedenbruch; und Ihr habt die Folgen, die sehr böse sein dürften, zu tragen . . . Kuntze und Hermann an die Tote," befahl er. „Vor . . -" Mitten im Wort brach er ab, schien sich zu besinnen. „Weichen wir aus;" fuhr er dann fort, Tote rechts schwenkt — über den Bahnkörper hiniiber — marsch." Er ritt an, auf das Bahngeleise hinauf. Die Kolonne hinter ihm setzte sich langsam, Lögernd in Bewegung.
Vorwärts . . schneidet denen, die Euch Euer Brot nehmen wollen, den Weg ab," rief Wilhelm Bartikow und stürmte über den Bahnkörper hinüber. „
Der Vorsteher, der bisher vor dem Stationsgebäude gestanden hatte, retirierte schleunigst in seinen Dienstraum.
Bannemann, mitten auf dem Geleise haltend, zog seine Pistole.
„Halt da vorn, augenblicklich," schrie er. „Wer sich einen Schritt von der Stelle rührt, auf der er jetzt steht, der >vird 'über den Haufen geschossen." ’ , t ■
Die Schönauer, die sich zu zwei weitreichenden Gliedern auseinander gezogen hatten, die Knittel und Stöcke hiebbereit, stutzten und standen kaum zwanzig Schritt von Bannemann entfernt.
„Feiglinge!" rief Wilhelm Bartikow und riß blitzschnell einen Revolver aus der Tasche. „Vorwärts, wer Courage hat." Mit Krastanstrengnng versuchte er sich dabei von Heinz Vollrath loszureißen, der ihm nachgesetzt war und seinen Arm mit eisernen
Griff umklammerte. Schulter an Schulter standen die beiden.
„Wilhelm ..... Wilhelm," beschwor Heinz mit heiserer Stimme.
Der Forstmeister überflog die Situation, in seinen Augen leuchtete ein fahler, flackernder Glanz auf. Die Pistole hatte er chußbereit erhoben. „ „ „
Bartikow zerrte sich, von Vollraths Faust gehalten, einen halben Schritt vorwärts.
Pitsch! knallte die mit rauchlosem Pulver geladene Patrone. Heinz taumelte und griff sich mit der Hand an die Stirn. Blut. Aber es konnte wohl nicht schlimm sein ....
„Gehen Sie tveg, Donnerwetter!" schrie Bannemann, vor dem Blick, mit dem ihn Heinz streifte, erbleichend.
, Meuchelmörder!" schrie Bariikow, schwang seinen Revolver und rannte, da ihn Vollraths Arm nicht mehr zurückhielt, gegen den Forstmeister los. .
Pitsch! knallte dessen Pistole zum zweitenmal. Wilhelm warf beide Arme über den Kopf und fiel dann mit einem gurgelnden Laut rücklings zu Boden. ;
Bannemann schoß noch dreimal, ohne bte Pistole abzipetzen, traf einen in den Arm, einen in die Schulter und einen in den Unterleib. Dann schlug ihm ein sausender Knüttelhieb die Waffe aus der Hand.
„Himmeldonnerwetter," schrie 58-annenmnn seine Gendarmen att, als er sich plötzlich int Rücken des Feindes sah, und versuchte den lahmgeschlagenen Ann mit schmerzhafter Grimasse gerade zu strecken, „warum haben Sie nicht auch geschossen?
„Ich — ich —" stotterte Kuntze.
„Der Herr Forstmeister haben teilten Befehl gegeben, fiel der dicke Hermann ein, der sich dem Blick seines Vorgesetzten gegenüber rascher zu fassen veriuochte.
Heinz Vollrath kniete neben dem Jugend,reunde und druckte ihm die starr gewordenen Angen zu. Dann ivandte er sich zu dem Mann — es war ein Barthelscher Töpfer —, der mit dem Schuß im Unterleibe sich stöhnend am Boden krümmte. Die anderen beiden Verivnndeten hatten es für ratsam gehalten, im Walde zu verschwinden. .. .
„Tragen Sie den Mann ins Stationsgebäude und bestellen Sie den Arzt," befahl Bannemann, aus den Töpfer deutend, seinen Gendarmen. Dann ritt er auf Vollraths zu.
„Ich bin außer mir, daß meine Kugel Sie gestreift hat, sagte er. „Daß Sie sich aber auch so leichtfertig der Gefahr aus- setzten . . . -" ,
„Ja," entgegnete Heinz, der hochanfgerichtet dastand, .ohne den Blutstrom zu stillen, der ihm von der blassen Stirn rieselte, „ja es scheint, daß auch der beste Schütze einmal sein Ziel verfehlt." Er wandte dem Forstmeister bett Rücken und ging in den Marteraum, in den die Gendarmen eben den wimmernden Töpfer trugen.
Schon ehe Dr. Schröder kam, war der Mann tot.
Aber noch eilt drittes Opfer forderte dieser Frühlingstag.
Pfarrer Reichardt befahl, daß man ihm seine Amtstracht anlege und ihm auf einen Wagen Hülse, damit er sich „den Besessenen entgegenstellen, und den Zorn des Himmels hevabilebcu.


