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roleon der späteren Jahre, der schwerkvanke, innerlich auf“ geriebene Mann, der sich fremdem Einfluss? nicht mehr cnt-
Eingreifen in die russisch-türkische» Gegensätze, die Mcklich- Durchführung des Krimkrieges hoben die Macht Napoleons bald auf einen Höhepunkt. Zehn Jahve lang tiort 18i>6 bis 1866 hat er diese dominierende Stellung 5-11 behaupten gewusst, indem er sich die Einheitsbewegungen y.t stauen und Deutschland, bereit unaufhaltsame Kraft und Notivendigkeit er erkannt hatte, zu Nutze machen wollte; rN der Unterstützung dieser Bestrebungen suchte er seinen eigenen Borten zu erreichen und seine ilberraaende Macht zu beweisen. ?lber die er rief, die Geister, konnte er nicht mehr bannen. Sie waren über- inLchtiger als er, und Italiens Einigung vollzog sO wider seinen Willen aus der Gewalt einer grossen idealen Erhebung heraus, wie Napoleon sie nicht geahnt hatte. Nnd als ihm dann 1866 zu Mginu des Krieges zwischen Preußen nnd Oesterreich noch einmal alle Macht in die Hände gegeben zu sein schien, als von seinem Eingreifen das Schicksal abhing, da ließ er den grossen Augenblick unbenutzt voviibergehen und nahm erst bte Vermittlerrolle an, als es zu spät war, als Preussen seiner nicht mehr bedurfte. Sein Stern !var im Sinken. Schoii seine großen überseeischen Plane hatten nicht den Erfolg gehabt, den seine Phantasie geträumt hatte; das gewonnene Mexiko, diese« „grösste Gedanke feiner Regierung" musste aufgegeben werden; die zarten Gespinste seines rastlos arbeitenden plänesüchtigen Geistes zerrissen an den scharfen Kanten der Wirklichkeit. Als sich dann endlich der todkranke, ganz haltlos gewordene Herrscher, dem die von ihm geschaffene Situation über den Kopf gewachsen war, zum Kriege mit Deutschland drängen ließ, war er bereits ein verlorener Mann, der ausgcspielt hatte. Aber bis zum letzten Atemzuge ist das unruhige Feuer einer nach Macht und Neuerungen begierigen Seele in ihm nicht erloschen; auch der gestürzte Herrscher hat in der Einsamkeit von Chiselhurst noch immer die bonapartiflische Propaganda getrieben, sich gegen den Fluch „der Vernichtung und des Verrats von Frankreich" gewehrt nnd in Aufsätzen und Broschüren für seine Sache gekämpft, bis er am 9. Januar 1873 sein Leben beschloss.
Praktische Ratschläge zur Reformtracht.
Gar oft lassen sich Damen, denen der Arzt irgend eines Leidens wegen die Reformkleidung angeraten hat, abschrecken, diese so sehr gesundheitsdienliche Veränderung ihrer Garderobe vorzunehmen, durch die immer noch sehr hohen Preise, die für die betreffende Unterkleidung in Wäschegeschäften gefordert werden. Hat man nun gar als Familienmutter mit knappen Mitteln zu rechnen, so mutz man einfach von diesen Ausgaben zuviickstehen. Solchen möchte ich nachstehend einige Ratschläge geben, wie man kostenlos aus vorhandenen Mitteln sich das Nötige beschaffen kann. Nehmen wir an, es solle ein halbes Dutzend Hemdhosen hergestellt werden; dazu wählt man aus der bisher getragenen Leibwäsche sechs Hemden und Beinkleider (vielleicht im Ausputz was Spitze oder Stickerei betrifft zusammenpassend), schneidet die Hemden bis Hüftlange ab, trennt von den Beinkleidern, die oben am Rande eingekräust sind, den Bund und setzt beide Teile zur Hemdhose zusammen! Will man den Hemdteil etwas enger haben, können die Nahte unter dem Arm noch eingenäht oder vorn Brustfalten abgenäht werden. Vorn am Hemd wird der Schlitz länger geschnitten und mit Ueber- und Untertrittleiste versehen und die Beinkleidränder (bei offenen Beinkleidern) vor den: Verbinden mit dem Hemdteal 5 bis 6 Zentimeter breit übereinandergesteppt. Verwendet man geschlossene Beinkleider, die hinten in einen Bund gefasst sind, zum Äusknöpfen eingerichtet, So setzt man dem Rückenteil des Hemdes einen doppelten Stoff- treifen am unteren Rand unter, nm hier die, zum Bund passenden Knöpfe anzunähen. Auch schneidet man den Hemdrücken der Länge nach auf, besetzt die Ränder mit Ueber- und Untertrittleiste und bringt Knopfschlutz an. Ueber dieser Hemdhose wird, das wärmende Korsett zu ersetzen eine Pickenbarchent-Untertaille als Leibchen getragen, die ohne Brustfalten gearbeitet wird (bei vorhandenen Barchenttaillen trennt man die Brustfalten einfach auf) und am unteren Rand einen festen Stoffstreisen auf- oder unter--- gesteppt erhält, dem rings Knöpfe zum Anknöpfen eines Anstands- rockes aufgenäht werden. Unterröcke sind gewöhnlich in der hinteren Mitte mit Falten oder eingekräust in einen rundgeschnittenen Bund gesteppt; diese Falten zieht man zur gewünschten Weite auseinander, fetzt einen schmalen geraden Bund auf und schürzt diesem die Knopflöcher ein, senkrecht! Das Leibchen erhält noch au beiden Setten angesetzte kurze Laschen aus doppeltem Stoff mit Knöpfen zum Ankitöpfen der Strumpfbänder, da ein festes, rings das Bem umschliessendes Gummistrumpfband ebenfalls sehr nn- gesnnd ist.
Für einen folgenden Unterrock, der an ein Schirtittg- ober Futterswffletbchen geknöpft wirb, gilt das vorhergesagte. — Vorhandene Kletderröcke können auch „reformiert" werben; man zieht den, oben vom Bund abgetrennten Rock etwa eine Hand breit bis über den Taillenschluss herauf, steckt die Mhte ab, dass der Körper nur lose umschlossen wird, macht den Rand durch Gegen-
steppcu von geraden Streifen oder Baud von links sauber und bringt sogenannte Schnlterträger an, d. s. gerade geschnitten, nach den Schultern zu sich verbreiternde Streifen, gefüttert und mit Stepperei ober sonstiger Stickerei geziert, auch mit Frisuren, besetzt, die vorn am Rockbund airgenäht werden, sich über diel Schulter legen und im Rücken über Kreuz dem Rockbund angekuöpft werden. Dem unteren Rockrand ist durch eine an- ober ausgesetzte Frisur die nötige Länge wieder zu geben; eine lose Bluse verooll- ftänbigt das Resorntkostüm. In dieser Weise ist alles nach Vorschrift geändert mit wenig oder gar keinen Kosten. A. H.
VSUMZMESA.
* Ein botanisches Unikum. Schloss Schönbrunn besitzt, wie wir im 14. Heft der illustrierten Zeitschrift „Ueber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche BerlagK-Anstalt) lesen, in einem seiner Treibhäuser ein Bäumchen, das man sonst auf der ganze» Erde vergeblich suchen würde. Es hat einen klobigen, unförmige« Stamm, der höchstens einen halben Meter misst und mit einer lvarzigeu Rinde bedeckt ist. Daraus spriessen sonderbar verzweigte krause Aestchen, die ebenso krause Blättchen tragen,- zwischen denen, kleinen Sternen gleich, grüne Blüten stehen. Bor langen Jahren, wann und durch wen, lässt sich leider nicht mehr bestimmen, wurde das Bäumchen, Fockea capensis ist sein Name, ans seiner Heimat, dem Kaplande, nach Wien gebracht und gedieh bei entsprechender Pflege prächtig. Seitdem ist es in seine« Heimat auAgestvrben, der fortschreitenden Kultur gewichen. Auch in keinem zweiten Glashause der Welt hat es Schutz gefunden. Samen zu gewinnen, aus denen man ein zweites Exemplar züchten könnte, ist auch unmöglich,^weil des Bäumchen keinen Blutenstaub besitzt, so daß die Fookea Schönbrunns wohl ein Uni tu in bleiben wird.
* Dänema r k wird sich bald w ei b l ich e r Ei s e n b a h n- beomten zu „erfreuen" haben: Der dänische Verkehrsminister hat eine Sensation erregende Versiigung erlassen, wonach es den im Kontordienst beschäftigten weiblichen Angestellten der Staatseisenbahnen zukünftig auch gestattet sein soll, im äusseren Stationsdienst 31t fungieren, wenn eine Probe daraufhin günstig ausfällt. Es wird also in Dänemark vermutlich bald auch weibliche Stationsvorsteher und Betriebsinspektoren geben. Einige kleinere Privatbahnen im Lande, so die sogenannte „Weiberbahn" in Jütland, beschäftigen schon Damen im Aussendienst und wollen damit die besten Erfahrungen gemacht haben. Minister Högsbro ist überhaupt als ein Freund der Verwendung weiblicher Arbeitskraft bekannt und darum bei den weiblichen Angestellten seines Ressorts mehr beliebt als bei den männlichen Beamten, die sieh über die Verschlechterung des Avancements durch die Frauen beklagen, Der galante Minister hat dabei nicht etwa Lohnersparnisse im Auge; viel- niehr vertritt er den Grundsatz der Gleichstellung von Männern und Frauen in denselben Dienstfunktionen.
Des Weibes Lächeln.
Weh dem, der im Schmerze zu lächeln versteht; feilt Schmerz ist ein doppelter. Smiles.
Ein Lächeln, durch das ein Antlitz verschöllt wird, ist ein gutes, heiliges Lächeln; ein Lächeln, durch das es verhässlicht wird, ist ein böses, vor dem man sich hüten soll. Jefferson.
Man kann lächeln und immer lächeln, und doch ein Schurke sein. Shakespeare.
Wer selten lächelt, verrät durch dieses Lächeln, wies um ihn auSsieht. Wer immer lächelt, verrät, dass et etwas zu verraten fürchtet: entweder seine Dummheit oder seine Schlechtigkeit.
Bernhard Shaw.
In unserem Lächeln zeigt sich die ganze AnsdrnckSlähigkeit unserer Seele- Mdme. de Stadl.
Lächeln verschönt, Lächeln, versöhnt, Lächeln verhöhnt.
Robert Byr.
Der ewig Finstere ist sicherlich ein besserer Mensch als der ewig Lächelnde. Oskar Wilde.
DaS schönste Lächeln ist das Lächeln der Liebe. Alsteri.
Rätsel.
In sremdem Lande sind'st du mich Als mächtigen Baum im Walde. Jedoch streichst du ein Zeichen ab, Dann bleibt wohl an des Baumes statt Ein Fluss im Deutschen Lande.
Giessen, Karl Horepseck.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Gießen.
Redaktion: P. W i t t k 0. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl 'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Giessen.


