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d'arstellt. Solche Arbeit kann aber mir verrichtet werden, ivetttt ihr als Äquivalent Ruhe und Erholung in richtigem Kerhältnis gegenübergestellt wird.
* ttn ge dr uck te V er s e v on Wil h elinBus ch. Aus Mailand wird geschrieben: Mehr als zlvanzig Jahre suid verflossen, seitdem ich mich das erste Mal journalistisch betätigte. Wir, das heißt fiinfunddreißig Gymnaftalstuben- ten, standen vor der Maturitätsprüfung und büffelten, was es nur Zeug hatte, um sie mit Ehren zu bestehen. Trotzdem dachten wir aber auch schon recht sehnstichtsvoll an die Kneipe, die nach der glücklichen Bolleiidung des gefürchteten Abiturientenexamens stattfiuden sollte, rind bereiteten eine Kneipzeitung vor, die ich im Verein mit einem Kollegen redigierte. Wir waren aber recht ehrgeizig und wollten nicht ,iur die zweifelhaft guten Verse aus unserer Feder gedruckt sehen, soudem auch poetische Beiträge wirklicher Dichter, und so wandten ivir uns mit Bettelbriefen an eine stattliche Anzahl von deutschen Dichtern. Unsere Bitten wurden von deren zehn liebenswürdig erhört, und unter diesen war auch Wilhelm Busch, der uns aus Wiedensahl, datiert voul 20. Juni 1887, folgende Widmung sandte:
Wohl ehedem, da trank des Weines Auch ich mein Teil, und zwar teilt kleines. Nun aber muß ich mich bequemen. Das Ting inehr objektiv §it nehmen, Und, still verborgen hinter'm Zaun, Wenn andre trinken, zuzuschaun.
Und wahrlich! Wenn man fitnfundfünfzig, Dann ist es Zeit, daß die Vernunft sich Vernehmen läßt ititb weise spricht:
„Hör', Alter! Das bekömmt dir nicht!" Auch spürt inan, daß moit gar nicht mehr So liebenswürdig, wie vorher.
Da ich denn also fürderhin Zur Zierde nicht zu brauchen bin. Und wäre nur wie dürres Reisig Im frischen Kranz der fünfunddreißig, Uttb weil mein Saitenspiel schon.staubig. So seh' ich, fühl' ich, denk' ich, glaub' ich, .Es ist für mich weitaus das tiefte, Ich bleib' bo.it diesem Jubelfeste, Von Faß und Spaß und Glas und Naß ZU Haus mit meinem Brummelbaß.
B ew nnderungswert. Schwiegersohn: „Aber wie siehst Tn denn aus, liebe Schwiegermutter?" — Tochter: „Eine Schnake hat Mama gestochen!" — Schwiegersohn: „Jst's möglich, jo ein kleines Tier und so mutig!"
Seufzer. Bäuerin: ,Mit den» Milchgeschäft ist's wirklich ein Elend! 's eine Mal melken die Kühe schlecht, 's andere Mal istloieder — Wassermangel!"
Literarisches.
— Der Ku n st w a r t. Halbmonatschan für Ausdrucks- kultur auf allen Lebensgebieten. Herausgeber: Ferdinand Abe- narins. Verlag von Georg D. W. Callweh in München. (Vierteljährlich 4 Mk., das einzelne Heft 75 Pfg.) Inhalt des zweiten Ätnuarheftcs 1908: Segantini. Vom Herausgeber. — Zwifchen- ansmusik als Kulturträger. Eine Anregung. Bon Richard Bat- ka. — Lose Blätter: Ans neuen Dramen: Aus Wilhelm von Schätzens „Meros". Aus „Fiorenza" von Thomas Mann. Aus Heinrich Lilienfeins „Großem Tag". — Rundschau: Der Forscher als Künstler (G. Stolterfothl — Von Stefan George (W. Rath) — „Wilde" und „gebändigte" Form (<£. Spitteler und Avenarius) — Berliner Theater (Fr. Dusel) — Hamburger Theater (H. Franck) — Vom Theaterspielplan (Ferd. Grcgori) —• Turmmusik — Massenet in Berlin (L. Schmidt) — Allerhand kleinere Chorwerke (G. Göhler) — Segantinis Andenken — Von der Kunst unsrer Zeit (Segantini) — Hebbel und Th. Th. Heine — Die neuen Zehnmarkscheine (Avenarius) — Januar (A. Thümer) — Die Wiedereroberung harmonischer Kultur (F. Schumacher) — Zum Hardenschcn Prozesse (Avenarius) — „Kinder des Vaterlandes" (Häfker) .— Vom englischen Romatt der letzten Jahre (A. v. Gleichen-Rußwurm) — Die Wurzeln der Frauenbewegung (R. Mavreder) — Die hohe Schule (H. Losch). — Bilder- und Notenbeilagen: Segantini, Die beiden Mütter: Frühlingsweide: Alpenwiese: Nirwana: Die Liebe an der Lebensquelle: Bildnis Segantinis. — Konta, Die Monduhr; Rei- chardt, Warnung (Klavierbegleitung): Harder, Ständchen.
Gesmrdheitspsiege.
— Gesund'heitsleyre für Frauen. Von weil. Dr. Rol. Sticher, Privatdozent unb Frauenarzt in Breslau. Mit 13 Abbildungen im Text. („Ans Natur und Geistes- welt." Sammlung wstssenschaftlich-gemeinverständlicher Dar- stellltngen ans allen Gebieten des Wissens. 171. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Geb. 1.25 Mk. — Hier liegt ein Bnch vor, das in erster Linie für verheiratete Frauen geschrieben ist, aber auch vorurteilslos uud gesund denkenden jungen Mädchen in die Hand gegeben werden kann. Mit Recht verlangt der Verfasser als Arzt, daß die für die Lebensführung wichtigsten Tatsachen, welche die medizinische Forschung ergeben hat, geistiges Allgemeingut werden. Ein solches Wissen soll dem Laien eine Richtschnur für eine zweckmäßige Lebensführung feilt, ihn vor eingebildeten Krankheiten bewahren unb ihn, gerade in der Erkenntnis, daß jede Krankheit ein außerordentlich kompliziertes Gebilde ist, vor der Selbsttiehandlung schützen, ihm vielmehr einschürfen, daß es ihm als Laie unmöglich ist, selbst über feinen oder der andern Gesundheitszustand ein richtiges Bild zu gewinnen, so daß also für die Diagnose der Arzt der einzige Sachverständige ist und bleiben muß. Der' Verfasser belehrt in anschaulicher und klarer Weise zunächst über die Hygiene des Kindesalters und die Fährnisse während der Zeit der körperlichen Entwicklung, bespricht sodann die Vorgänge der Menstruation, über die meist eine ganz falsche Ansicht herrscht, unb behandelt ausführlich die Probleme der Ehe, Schwangerschaft, Geburt und des Wochenbetts. Es folgen Betrachtungen über die Gründe der Fruchtbarkeit tieztv. Unfruchtbarkeit. Endlich handelt er über die geistige Ansbildung, verlangt dabei Verlangsamung des Tempos und legt "bie Gründe für die Berufsschäbigungen und für die Nervosität dar. Eine Reihe von Abbildungen veranschaulicht die wichtigsten behandelten Vorgänge.
Weggefährte».*)
Abends, ivcnn ich heimwärts Auf demrauhenAckerpfad (schreite Hat ein sonderbar Geleite Ost sich heimlich mir genaht.
Müdes Volk, gebeugt den Nacken llnd die Arme schlaff und schwer, Wandeln sie mit Karst und Hacken Stiste Leute, nebenher.
Abgestorbne Werkgcnossen, Die den gleichen Grund bebaut, Gleicher Sonne Glanz genossen, Gleichen Sternen stumm vertraut. Der dort mit der Axt, der breiten, War's, der einst den Wald erschlug Und aus kaum verglühten Scheiten Bresche legte für den Pflug.
Andre solgen,Schwertund Spaten Glitzern in der gleichen Hand. Müdling jeder. Ihre Täten Hat kein Sang, kein Buch genannt.
Jener, steis und ungebrochen, Ist mein Ahne, hart wie Stein, Der das trotz'ge Wort gesprochen: Laßt uns stolze Bauern sein! —
Wenn der Heimstat tLichtcrfunkeln, Winkt mir nah des Herdes Glück, Dann bleibt ohneGruß, imDunkelir Festgebannt, die Schar zurück.
Einer lächelt: Hold und teuer Sei dir Erdenltcht und Sein!
Kehrt ein andrer einst ans Feuer, Ziehst du nmnschlos mit feldein.
*) Dieses Gedicht des Schweizer Bauern A, Huggen» berger entnehmen ivir dem „Luzerner Tagblalt". Wir glauben nicht, daß viele der pomphast angepriesenen jüngsten Lyrikbücher Kraftvolleres enlhallen.
Goldene Worte.
Gut ist das Beten, besser ist das Handeln, Gut ist das Knieen, besser ist das Wandeln;
Doch fehlt die Kraft dir, fühlst du dich zertreten, Tann besser ist's, zu knieen und zu beten.
Atü dieser Erde kann kein Mensch dem anderen sagen, wie er ihn liebe; die Freundfchast und die Liebe gehe» immer mit verschlossenen Lippen über diese Erde tmd der innere Mensch hat keine Zunge. --- Jean Paul.
Rätsel.
Ich bin ein Freund dir lieb und wert.
Wenn abends du zu Hause, llnd lächle stets dir freundlich zu I» deiner stillen Klause.
Doch wenn das Winterkleid bedeckt
Den Baum und das Gestätide, Bin ich — ist das nicht tvunderbar? — Dir eine Tafelfreiide. A. A m in a n n
Auslösung in nächster Nummer.
Auflöfimg des Buchstabenrätsels in voriger.Nummer: Gewinnen, Gewissen.
Redaktion: P. Wittko. — Notationsdrtick und Verlag der Brühl'sehen Universitäts-Buch» und Steindruckcrei, R. Lange, Gießen.


