Lamstag den 22. Februar
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Kelmuih von Lorrsen.
Roman noit Ursula Zöge von Manteuffel.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Loysen blickte über die Felder, auf denen das junge Getreide mächtig emporschoß, und schwieg beharrlich. Es kümmerte ihn auch sehr wenig, was die da sagten oder verschwiegen. Er dachte daran, daß ihm Edeltrant unbewußt verraten hatte, sie werde morgen vormittag um gehn Uhr nach deut Vorwerk reiten, auf welchem sich die Schäferei befand.
Infolgedessen hielt er am nächsten Morgen um die Zeit schon eine ganze Weile regungslos auf einer kleinen Anhöhe zwischen dem Ort Rothaide und dem Vorwerk, und als er die schlanke Reiterin auf der flotten Braunen den Feldweg daherkommen sah, ritt er ihr entgegen und grüßte schon von weitem. In mächtigem Sprunge nahm der Rappe den tiefen Weggraben, unb sie rief heiter:
„Bravo!"
„Geht es Wilhelmi gut?"
„Leider nicht besonders. Er hatte eine schlaflose Nacht."
„Das tut mir furchtbar leid. Denn daran kann nur unser Massenbesuch schuld sein."
„Ich wundste mich, drüber. Er liebt es, liebe Menschen zu sehen, nitb ist ja jetzt immer wohl gewesen. Ihre Geschwister sind aber wirklich sehr liebe Menschen."
„Finden Sie? Nun, ich sage Ihnen, Bardes hallt heute wider vom Preise Ihrer Liebenswürdigkeit."
„Ach, wie überflüssig — was aber sagen sie über Wilhelm?" „Sie finden ihn außerordentlich gekräftigt. Er hat, so sagt meine Schwester, in jeder Weise Fortschritte gemacht, seit sie ihn gesehen. Sein Gang ist fester, seine Haltung straff, sein Aussehen g-esuud geworden."
' Sie trank diese AuUvort gleichsam eilt.
„Tanke Ihnen!" sagte sie leise.
„Darf ich Sie, da Wilhelm doch wohl besser allein bleibt, eilt Stück begleiten?"
„Oh, gern! Bitte!"
Sie ritten nun tntf Schritt den Weg entlang.
Soviel wußte er nun schon, daß er sich hüten mußte, ihre Unbefangenheit durch Huldigungen zu stören. Ganz allmählich galt es vorzugehen auf dem einzig möglichen Wege zu ihrem Herzen. Dieser Weg aber hieß. Wilhelm. Ihre volle Aufmerksamkeit gehörte dem, der mit ihr über den Bruder sprach. War dies Thema, für den Augenblick erschöpft, so sprachen sie über Bücher, über Lebensansichten, sehr oft über die Frauenfrage, für welche sich .Edeltraut, angeregt durch ihre Freundinnen, die Fräuleiir von Wahrendorfs in Berlin, erwärmen konnte. Ihre Ansichten gingen selten auseinander, und wenn es geschah, versuchte Loysen es, die seiuigen ihrer Auffassung anzupassen, um ihr zu gefallen. Lernte er sie immer besser kennen, grade so wie sie lvar, in ihrer ruhigen Lebhaftigkeit und graben Wahrhaftigkeit, so sollte auch sie sich kein günstigeres Bild von ihm machen, als er verdiente.
Tas erschien ihm ehrlich und gerecht. Wenn er ihr von
seinem Berufsleben und dem Schauplatz desselben sprach hütet«! er sich vor Schönfärberei. Sie soll ihm nicht dereinst sagest müssen: du hast mir ein Paradies vorgemalt rind ich finde eine primitive Kleinstadt in öder Landschaft. Er versuchte aber ihr trotz alledem sein Leben, seine Arbeit und seine Freunde schost jetzt lieb zu machen, Auch die eigentümliche Poesie der an mittels altevliche Seiten mahnenden Bauart der alten Stadt Klippingest mit ihrem Wall, der Stadtmauer, daran Ginster und junge Birken sich festklammerten, und dem alten Stadttor, ferner der Reiz des weiten Moor- und Heidelandes sollte ihr vertraut werden, ehe er sie hinbrachte. Anfänglicher Mißerfolg schreckte ihn nicht ab. Heute horte sie besonders aufmerksam zu, spielte mit der Gerte in der Mähne ihres Pferdes und lächelte.
„lieber kurz oder lang komme ich mal nach Klippingen!" sagte sie plötzlich.
Tas kam ihm so unerwartet, fast erschreckend, daß er zu- jämmeufuhr.
„Edellraut!" stieß er hervor, ohne zu wissen, daß er sie einfach beim Namen gerufen..
Sie nahm das gar nicht übel, sondern sagte heiter:
„Ihr Erstanneil beweist mir, daß Sie noch nichts wisse», sonst hätten Sie sich den Zusammenhang wohl gereimt. Mist weiß ich nicht, ob ich schon davon sprechen darf, aber schließlich geht es Sie genau so viel an wie mich, und ich sehne nrich geradezu danach«, mit Ihnen drüber sprechen zu können."
Sie stockte.
„Mein gnädigstes Fräulein," verbesserte er seine vorige Intimität, „wissen Sie, ivas Sir treiben? Vivisektion. Ich fühle mich so gewissermaßen auseinandergezerrt — wird das noch lange dauern?"
Nun lachte sie herzlich.
,/Kein, nein. Sie Aermster. Ich will es nutz sagen. Meine beste Freundin hat sich mit Ihrem besten Freunde verlobt."
Loysen war starr.
„Schnadewitz verlobt?" Unmöglich!"
„Helene Wahrendorf verlobt? — Unmöglicher!" unterbrach sie ihn, „ich bitte Sie, Herr von Loysen, was wollen Sie? Ihr Freund ist nach Ihrer Beschreibung ein im Grunde vortrefflicher, aber äußerlich sehr stachltcher Gesell. Weshalb soll er sich nicht verloben? Glauben Sie, daß alle Ehemäimer schön und liebens- würdig sind?"
Er ließ den kleinen Fchdehmrdschuh vorläufig liegen und versetzte fast hitzig:
„Er ist als Bräutigam undenkbar, weil er ein Frauenfeind ist — ein Kuriosum."
„Ja, das weiß ich nicht. Auguste Wahrendorf schreibt mir, er sei so verliebt, daß sie ihren Spaß dran habe. Auguste ist Helenens jüngere Schwester. Weshalb nun denn soll er sich nicht verloben? Aber sie — sie! Nimmt dies stille, bescheidem Mädchen, die in ihrem unermüdlichen christlichen Walten mrd Wirken wie geschaffen ist zur Diakonissin oder zu einer Missionarsfrau, einen borstigen Reitersmann! Ihr ganzes Leben ist Werke» der Nächstenliebe gewidnret, unscheinbar und unbemerkt ging sis ihren Weg, teilte nicht einmal Augustens Vorliebe für Knust


