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schätzenswerte Holzgcräte und Ledersachen, unter letzteru 25 Schuhsohlen und fünf ganze Schuhe. Unter diesen befinden sich einige neue Typen mit prächtiger durchbrochener Arbeit. Von den vielen keramischen Funden seien die .Honigtöpfe erwähnt, die an Schnüren an der Decke aufgehängt wurden. Zwei tragen die Angabe des Gewichts: 5 und 6 Pfund. Die Ziegel haben Stempel der 4. Räterkohorte (diese aus Tirol und Bayern sich ergänzende Truppe lag lange ans der Saalburg in Garnison), der 8/ und 22. Legion. 123 aufgefundene Münzen stammen meist aus der Zeit von Domitian bis Hadrian.
* S ch ulnnterricht v o r 4 0 0 0 I a h r c n. Der amerik. Orientalist Professor H. V. Hilprccht hat in der Nähe von Nipur Ausgrabungen veranstaltet und dabei 10 000 Keilschrifttafeln gefunden, die nichts anderes als Schultafelir darstellen. Die Tempelschüler in Babylon bedienten sich ihrer beim Unterricht. Ans dem Zustand dieser Schreibübiiiigen läßt sich, wie Dr. Max Maas in der Frankfurter Wochenschrift „Unischau" berichtet, ganz deutlich erkennen, ivie der Priester den Unterricht in einer solchen Tempelschule erteilte. Ailf der linken Seite der Keilschrifttafel wurde voiu Lehrer die Aufgabe uiedergeschricbcil. Ter Schüler kopierte sie dann rechts. War der Lehrer mit der Leistung zufrieden, so kratzte er die rechte Seite der oberen Tonlage ab. Die Abschrift des Schülers hat die vorgeschricbene Aufgabe des Lehrers auf vielen beschädigten Tafeln vervollständigen helfen. Die meisteir dieser uralten Schreibübungen cnt- halteii Rechenaufgaben, iit denen sehr oft die Zahl 12 960 000 wiederkehrt. Die Zahl scheiiit auf die Platonische hinzudeuten, und der Münchener Orientalist Professor Fritz Fominel hat sie durch die Phönixperiode zu erklären versucht, die aus Prä- zessionsperiodeii (500 X 25 920 — 12 960 000) gleich platonischen Jahren besteht. Die Schüler zu Nipur müssen also das Borrücken der Tag- und Nachtgleichen bereits gekannt haben. Hilpert weift auch darauf hin, daß viele Jahrtausende vergangen sein muffen, ehe man den Monaten des Jahres Namen gab. Die Sonne muß beim Frühlingsanfang damals int Zeichen des Krebses oder gar des Löiven gestanden haben, wenn die Monatsnamen Elul und Tammuz für Februar und März einen Sinn haben sollen. Ter Wiener Astronom von Littvio hat das Jahr 6770 v. Ehr. als den Zeitpunkt bezeichnet, in welchem der Frühlingspunkt im Zeichen des Krebses lag. Tie beideii Monats- Namen stammen also ans deut siebente,i oder achtelt Jahrtausend vor Christi Geburt.
— Die verkaufte „Times". Die „Times", einst eine Weltmacht, die mit Königen und Kaisern auf gleichem Fuße verkehrte, die „Times", die Napoleon I. wegen ihrer Artikel gegen ihn verklagen wollte, die „Times", die eilt ewiges Fideikommiß der altberühmten, von Zola verherrlichten Familie Walter zu sein schien, nun geht sie in die Hände eines Zeitungsspekulanteil ja la Scherl ob. Huck über, und damit ist wohl die große Zeit ihrer Geschichte endgültig abgeschlossen. Was machte nur itt jetten älteren Tagen, da die „Times" wirklich noch die „Times" war, das Geheimnis ihrer in der englischeit wie in der Weltpresse durchaus einzigen Stellung aus? Mait findet hierauf keine andere Ant- lvort, als: ihr Prestige. Sie war weder die älteste der englischen Zeitungen (ihre erste Nuinnrer ist erst am 13. Januar 1783 erschienen), noch konnte matt sie etwa unbedingt beit anderen englischen Blättern überlegen nennen. Und dennoch konnte ein Geistlicher, .bet Archidiakon Denisen, einmal in einer Predigt sagen: „Wenn in England die Bibel etwas behaupten würde und die „Times" das Gegenteil davon, so würden von 510 Personen 500 der.„Timesch Glauben schenken." Ten entscheidenden Umschwung in seiner Geschichte verdankt — und das ist eine hübsche Ironie — dies deutschenhetzerische Blatt letzten Siitnes der Erfindung eines Deutschen. Die „Times" hieß ursprünglich „Daily Universal Register" und zeichnete sich von Anfaiig an durch die Kühnheit Und Freimütigkeit ihrer Redeweise aus. Damals, unter Walter I. Mimte man sie ihres Charakter wegen wohl den „T-onuerer"! Sein Sohn aber, Walter II., hatte die Einsicht, die ganze Tragweite der Erfindung der Schnellpresse zu erfassen, die Friedrich König damals erfunden hatte. Ztvei Jahre nach dem Tode seines BaterS, am 29. November 1809, druckte er zuin ersten Male mit Dampf und lief so allen Nebenbuhlern den Rang ab. Es war ein Riesensieg, und die Fühverstellung der „Times" war durch ihn Unendlich befestigt. Tie Zeit tunt äußerst bewegt, man wartete Mit Spannung auf Nachrichten vom Kontinente, wo der Ent- schetdungskampf gegen Napoleon int Gange war — und die „Ti- Mes 'ivkir es, die die Neugier aut schnellsten zu befriedigen imstande war. So wuchs das Blatt schnell. Walter II. selbst aber ward dabet Besitzer eines herrlichen Gutes und Parlaments-- Mitglied. Als Unternehmen ist die „Times" int Laufe des 19. Jahrhunderts ms Riesenhafte gewachsen. 1830, als noch die Stempelgebuhren in England bestanden, bezahlte Walter für die „<.ames an solchen allem 70 000 Psnitd, das heißt rund ein und eilte halbe Million Mark im Jahre. In dem Niesenhause der „Garnes werden die Maschinen und alles, was im Betriebe gebraucht wird, m eigenen Werkstätteti hergestellt — ausge- tommen das Papier. Bon der ungeheueren Größe der Ausgaben, die sich bht „Times' bis itr die neueste Zeit hinein gemacht hat,
Redaktion: P. Witiko. — Rotationsdruck und Vertag der Brü
um auf der Höhe zu bleiben, mag die Tatsache Zeugnis ablegen, daß der russisch-japanische Krieg, zu dem die Zeitung einen be- sondeven Tampsor mit drahtloser Telegraphie entsandt hatte, sie 50 000 Pfund oder 1 Million Mark gewstet hat. Tast cs aber der „Times" nicht gut ging, das war schon seit längerer Zeit betäniit. Tie stolze Dynastie Walter hatte sich vereits bequemen müssen, amerikanischen Eiitflnß bei ihrer Zeitung Rautn zu geben, der viel besprochene „Book Club" gab sich zwar als ein rein gemeinnütziges Unternehmen, hatte aber itt Wahrheit den Zweck, dem sinkenden Abonneutensiande der „Times" wieder auf die Beine zu helfen, und mut ist das Ende da und die „Times" geht einfach in den Pearson-Konzern ein.
* F ü r 200 Millionen Tabak betrau ch t. Das österreichische Finanzministerium veröffentlicht jetzt die Statistik über den Tabakverbrauch im Jahre 1906. Hieraus! geht hervor, daß die Oesterreicher in dem betreffenden Jahr 'für 200 Millionen Tabak verbraucht haben, was einer Steigerung des Konsums um etwa 10 Millionen gegenüber dem vorhergehenden Jahre entspricht. — Interessant ist es, das; der -Verbrauch von Zigarren bedeutend gestiegen ist. Der Verbrauch von Rauchtabak hat sich dagegen verringert. Der Verbrauch von Schnupftabak während des Jahres 1906 ist im Verhältnis zum Verbrauch der anderen Tabaksorten nur gering; et beläuft sich auf etwa 300 000 Mark.
* Was aus alten Stiefeln wird. Alte Stiefel pflegt man im Haushalt als durchaus unnütz wegzuwerfen. Die Industrie aber, die so leicht keinen Abfall umkommen läßt, sammelt sie wieder, um das alte Leder zu verarbeiten. Das Leder lvird zerschnitten und einige Tage lang in Chlorschwefet gelegt, wodurch es hart und brüchig iuirb; hierauf wird es gewaschen- getrocknet und schließlich gemahlen. Dann kann man aus diesem Pulver, das mit einem geeigneten Klebemittel vermengt ivird, eine hart- gummiähnliche Masse Herstellen, aus der Kämme, Knöpfe und dergleichen gepreßt werden.
Literarisches.
— „H ei ma tlieber" von Clara Schobest. (Mag^ deburg, R. Zacharias.) Zn dm lyrischen Jvnglenven, die widerlich sind ivie angefaültr Orangen, gehört Clara Schobest, eine Sondershäuser Lehrerin, nicht. Bon schlichter Art, peitscht sie nicht die Nerven ans und verliert sich auch nicht ins Artistische im ©tote Stefan Georges und seiner heute in unserer Jugend leider überhand nehmenden „Schule". Clara Schobest prunklose Lyrik macht uns vielmehr warm, macht uns weinen mit ihrem stillen Lebensleibe, und wir folgen ihr in ihre fromme Mädcheu- einsamkeit mit hiugebeubem Mitgefühl, in weltferne Enge und Friedsamkeit. Sie ist eine von denen, die aus den Martern und Sorgen des Lebens ihr Lied verdichten. Sie tändelt nicht und hak nichts von der Süße parfümierter Salons, in denen in. unmännische Weichlichkeit verfallene, gedaitkenlos im. Wort- ra tisch sich wiegende greisenhafte Jünglinge ihre müden Glieder recken. Clara Schobest hat sich durchgerungen zu der Anschauung, daß das Glück nicht „da draußen" liegt. Tas Kreuz auf Golgatha gilt ihr als „cwge Heimat für die Heimatlosen", -o.
Goldene Worte.
Glücklich ist nicht, wer hak, was er wünscht, sondern wer nicht wünscht, was er nicht hat. * Julius Ansonins,
Ich kann leichter Zwanzigen lehren, iun5 zu tun gut ist, als einer von. den Zwanzigen sein und meine eigenen Lehren befolgen. Shakespeare.
In der Einsamkeit frißt sich der einzelne selbst auf, in dec Vielsamkett fressen ihn die vielen. Nun wähle!
__Nietzsche.
Silbenrätsel.
Die erste Silbe mein
Kann Kaiser und ein Beitler sein.
Ist die zweite gut bestellt, Es Jedcruiauu drin wohl gefällt. Ganz ist es eine große Stadt, Die viele reiche Leute hat.
Auslösung in nächster Nummer
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummerr Lauierbach.
b l'ickcn Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-


