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Ausgabe dafür stieg von 16 000 Mk. im Jahre 1904 auf 87 500 Mk. im Jahre 1908, worunter 12 000 Mk. für ®e= Hütter für je einen Denkmalspfleger in jeder Provinz für Baudenkmäler, einen Denkmalspfleger für Altertümer und beweg- liehe Gegenstände und eine nebenamtliche Hilfskraft, die mit den Funktionen eines Landes-Urkundenpflegers bestellt war, in der Haus- und Staatsarchiv-Direktion. Unter den 25 500 Mk. für sachliche Ausgaben bestnden sich als zweite Rate für die Karmeliter-Klosterkirche zu Hirschhorn 5000 Mk., für das Rathaus zu Büdingen als erste Rate 3500 Mk. und für die Wiederherstellung der Katharinenkirche zu Oppenheim ebenfalls 3500Mk.; für letztere war schon in früheren Jahren ein StaatSzuschusi von insgesamt 214 390 Mk. zur Verfügung gestellt worden. Ein weiterer Betrag von 10 000 Mk. ist alljährlich für staatliche Aufwendungen in besonderen Fällen zur Erhaltung und Wiederherstellung, sowie zur Anfnahine nicht staatlicher Baudenkmäler, Altertümer und beweglicher Denkmäler, ferner für Ankauf von Denkmälern und Fundstätten, für Aiisgrabungen 2C. bestimmt. Als einmalige Ausgabe sind auch 1500 Mk. bestimmt für einen Jahresbericht über Denkmalspflege, der kurz alles das zusammenfassen und mit Abbildungen versehen weiteren Kreisen zugänglich niachen soll, was seit Erlast des Denkmalschutzgesetzes auf den, Gebiete der Denkmalspflege in Hessen geleistet worden ist, Ein solcher Bericht erscheint der Regierung notwendig soivohl mit Riicksicht auf den Nutzen, welcher der Sache der Denkmalspflege im Grostherzogtum daraus erwächst, als auch mit Rücksicht auf die Stellung, die Heffen den übrigen Staaten gegenüber als einziges deutsches Land, das ein Denkmalsschutzgesetz besitzt, einnimmt, und endlich auch aus wiffenschaftlichen Rücksichten.
Sehr beachtenswert ist auch eine weitere Position im Etat des Ministeriums der Finanzen, in dem bei Kap. Bauwesen 9000 Mk. für Erhaltung und Restauration staatlicher Bau- und Kunstdenkmäler gefordert werden. Der Betrag wird, ivie in früheren Jahren, für eine größere Anzahl von Gebäuden, Schloß- und Burgruinen verwendet, die die Bedeutung von geschichtlichen Altertümern und Kunstdenkmälern haben und bereu notdürftige laufende Unterhaltung zu Lasten anderer Fonds geschieht. Es kommen hierbei hauptsächlich in Betracht: Burgruine Frankenstein, Klosterkapelle zu Lorsch, Schloßruine Alsbach, Echloßruine zu Auerbach, Schloßruine Starkenburg, Schloßruine Lindenfels, Schloß zu Hirschhorn, Burgruine Schadeck ^Schwalbennest), Burgruine Hinterburg bei Neckarsteinach, Kaiserpsalzkapellc in Wimpfen, Beste Otzberg, vorm. Abtei Seligenstadt, Wasserburg beiSeligenstadt, Burgrriine Staufen- berg, Burg zu Friedberg, Kapersburg, Schloßruine M ü n z e n b e r g, Burgruine L i ß b e r g, Schloßruine Ulrich- stein, Wartturm bei Nierstein, Schloßruine Landskcon, Schloßruine Schwa bsburg und andere Bauwerke. Die Kapersburg mit dem alten Rö m crka st e ll ist bekanntlich im Jahrel903 zum Zivecke der Erforschung und derSicherun'g gegen weiteren Verfall für die Großh. Hausdomänen erworben worden. Mit den Arbeiten zur Erforschung und Aufdeckung des Kastells nebst Bad, Kolonnenweg re. wurde schon 1906 begonnen. Das römische Bad daselbst ist nunmehr gesichert und mit der Aufdeckung und Sicherung des Kastells ist der Anfang gemacht. Darüber hat an dieser Stelle in Nr.165 u. 166 d. Fam.-Blätter, Jahrg.1907, Oberlehrer He linke-Friedberg erschöpfendgesprochen. Zur Deckung der Kosten wird jetzt als erste Nate der Betrag von 3000Mk.gesordert u. ferner zwecks systematischer Weiterführung dieser Arbeiten für eine Reihe von Jahren eine ähnliche Anforderung in Aussicht gestellt.
Der Fürst der Diebe.
Georg Manolescu, der „Fürst der Diebe", ist am Anfang des Monats in Mentons verstorben. Mit ihm ist eine der merk- w-ürdigsteu Abenteuergestalten der Gegenwart dahiligegangcn, deren (im Verlag T-r. P. .Langenscheidt in Gwß-Lichtcrfelde) er- schieneue Memoiren großes Aufsehen erregt haben und eine Fund- grübe für das Studium der Berbrecherseele geworden sind.
Manolescu entfloh als Knabe Schule und Elternhaus und Jnnserte stehlend in den Straßen Konstantinopels. Er war mit 17 Jahren in Wien ein vollendeter Höchst,Mer. .Ein livviexter
Diener saß auf dem Bock, wenn der „Fürst Lahovary" int elc> ganten Kupee bei den Pariser Juwelieren vorfuhr, um Reich- tiimer zu stehlen. Er war in London und Tokio zu Haust, in Berlin, Wien, Petersburg und Amerika, und die Gesamtsumm« seiner Diebstähle wird auf 2 Ve Millionen Franks beziffert. Er verspielte in Monte Carlo Hunderttausend^ unü grub aus den Goldfeldern Kanadas. Er heiratete mit 28 Jahren eine deutsche! Gräfin und wurde ivenig später als Dieb abgefaßt. Er scywamnr in dem goldenen Strom der internationalen Aristviratic und Halbwelt und brüstte, tags darauf in Ketten geschmiedet, schweren Freiheitsstrafen entgegen. Er tvnrde für wahnsinnig erklärt, entsprang aus dem Jrrenhause, nahm sein Abenteuerleben wroi der ans, wnrbo aulS neue verhaftet . . . um als . glücklicher Mensch, in zweiter Ehe mit einer Millionärin verheiratet, jetzr zu sterben. Tas sind ein paar Stichworte aus. dem Leben des rumänischen Hoteldiebs und Hochstablers, den die Welt als den „Fürsten der Diebe" kennt, fürchtet und bewundert. _
Eine seltsame Schicksalsfügung zeigt sich darin, dag Mano- lescu mr der einzigen ehrlichen Arbeit seines Lebens — beim Goldgraben in Alaska, wo er sich den Arm brach — zu Grunde gegangen ist. Nachdem fein Verleger sich des ganzllcy mittels los in Amerika Dastehenden angenommen und ihm die Mittel zur Reise nach Mailand und Existenz dort gegeben hatte, ver-, lobte sich Manolescu nach seiner Scheidung von seiner ersten Frau, einer deutschen Reichsgräfin, mit der Tochter eines Pa-, riser Ingenieurs, die ihriv mehrere Millionen in die Ehe bracht^ Seitdem" hat er sich nach dem Zeugnis des rumänischen rwnsuls in Mailand völlig vorwurfsfrei geführt, bis ihn sein trautet rechter Arm, der in mehreren Operationen stückweise abgenommeN werden mußte, auf das Krankenlager warf, von dem er nicht wieder aufstehen sollle. Er erreichte ein Alter von 36 V2 Zähren Versöhnend wirkt die Tatsache, daß die französische RegterunA. dem Hochstabler, der laut Urteil stoch ftir' ange Jahre aus Jran'kreich ausgewiesen war, iuiebenplt die Rückkehr nach Paris in den letzten zwei Jahren gestattet hat, uirt die nötigen Operationen von dortigen Autoritäten vornehMn in lassen. _______________
* Tanuusaltertümer. Der Kamm des Tamms trägt eine Reihe von Befestigungen der Ureinwohner: die Rmgwalle^ und solche der römischen Eroberer: die Kastelle , Tie Forschungen der letzten Jahre haben beiden ihre Aufmerksamkeit zugewandt. Ueber die Ringwälle hat Thomas (Frankfurt a. M^ eine Reihe ausgezeichneter Arbeiten geliefert. Vornehmlich ist. es der große Ringwall der Althöfer Mauer und der Gold- orube, der sich jetzt als weit größere Befestigungsanlage als der stattliche Altkönigringwall herausstellt, nmschll.At doch bet Wall eine Fläche von 1506 500 Quadratmetern! Ter Forsche» weist nach, daß die Bewohner dieser Anlage cn Holzgeb,mden mit ovalem ober kreisrundem Grundriß gehaust haben. Oü diese Siedelnngen aber dauernd waren ober ob die Einwohne» derNmgegend den schüssendm Wall nur m Zelten der Verfolgung als sicherste Zufluchtsstätte aufsuchten, bedarf noch der Aufklärung. Hameran nimmt das erstere an, und laßt die Stadtanlage zuerst von den Galliern, bann von den ebenfalls gallischen, Ubiern bewohnt sein; er ist nicht abgeneigt m ihr das vielerörterte Artannon des Ptolemäus zu sehen. Von romischcii Befestigungen int Taunus sind im letzten Jahre in dreien groger» Ausgrabungen gemacht worden. Bei dem von den beiden ^acobr ausgegrabenen Lager am Feldberg, das ^me Grundslache vost rund 6600 Quadratmetern bedeat, ist der 06O Meter westlich vom Kastell liegende große Militärfriedhof werter ausgegrabest worden; die Gräber sind durchweg Wandgräber, die in zwei Arteli zerfallen; solche, in deren Mitte ent oder mehrere Krüge zur Aufnahme von Flüssigkeiten standen, und solche, bet denen eine Urne mit der Asche des Koten den Hauptinhalt bildete. In dem iiördlich von Wiesbaden, gelegenen Zngnrantelkastelt wurden weitere Kellerwohnungen aufgedeckt. Em ^eU der Garnison scheint in diesen viereckigen Erdvertrefnngen, dec ein bis zum Boden herabgehendes Satteldach trugen, gewohnt zu haben Ferner zeigten die Ausgrabungen, daß tue große wg.; ExerzierhÄle sich noch weiter südivärts erstreckte und funf- schifsig Ivar. Auch auf der Saalburg waren die Grabungen sehr ergiebig. Bor allem stellte sich heraus, daß der links vor dem Dekumantor gelegene Bau, den man als Ausspann bezeichnete,- citteit anderen Grundriß hat als num bisher vermutete: man fand mitten im Gebäude einen atrmmahnlichen Hof. unter der Häuferanlage kamen Pfostenlöcher, Heizungen und zwer holz- versckmlte Brunnen zum Vorschein, die eine Menge von Fund- stücken bargen. Der beim Qnästorium liegende Brunnen wurde ebenfalls äusgegraben, desgleichen (als 79.!) der neuaufgefundene; beim Militärbad. Ganz nahebei kamen unter dem Erdwchr- gang vier kreisrnnde Backöfen zutage; man geht wogt nicht tetjl, wenn man in ihnen die Feldbäckerei sieht, und zwar ue des Lagers, das vor dem Steinlager bestand, und dessen Mauern au» .Holzrosten und Steinsetzungen bestanden. Unter , der erst tm Anfang des vorigen Jahrhunderts angelegten Usinger Lani>> straße svurde ein weiterer Teil des Tolichenums bloßgelegr^ ebenso fünf Gräber der Genossen des Dolichenuskults. BesonderA wertvolle Funde ergaben wie immer die Brunnen, in erster X.une


