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Das haben ihnen die elegante!! Damen nun abgesehen und lassen ähnliche Gehänge ans Leder ihre Pelze verzieren. Ist das eine Ehre, die man den mutigen Pionieren des Handels im fernen Sibirien zuteil werden lässt? Wohl schwerlich. Denn unsere Frauen denken kaum darüber nach, welch mühevoll gefährlicher Arbeit sie die herrlichen Pelze verdanken, die ihren Teint und ihre Schönheit so wundervoll heben und zur Geltung bringen. Die kostbarsten Felle werden noch immer in Sibirien gefunden, und sie sind dort bereits so selten, daß man nur von der Eröffnung weitetet Jagdgebiete in diesem unbekannten Lande eine Bereiche­rung des Pelzmarktes und ein Fällen der ins Ungemessene ge­stiegenen Preise erwarten kann. Die wertvollsten Tiere, das kleine zierliche Hermelin, der weiße, rote oder schwarze Fuchs dürfen nicht geschossen werden, weil sonst das Fell verletzt würde. Geschickte Jäger erlegen sie durch einen Pfeilschuß in den Kopf und ziehen ihnen dann mit höchster Sorgfalt das Fell ab, das« sie eifersüchtig und mißtrauisch in einem unzugänglichen Versteck aufbewahren, um es vor Räuber» und Feinden zu schützen. Schon diese rohen Felle repräsentieren nämlich beträchtliche Werte; so kosten z. B. schöne Felle des russischen Zobels schon an Ort und Stelle seiner Erlegung ebensoviele hundert Rubel als sie später Tausende wert sind, wenn sie durch die Hände der Kaufleute und Verarbeiter gegangen sind. Ebenso gesucht siud bie, Pelze, des russischen Fuches, deren warmer dunkler Ton sich mit einem feinen glänzenden Silbcrlicht vermählt. Ein Jäger, dem es nach Wochen des Suchens gelingt, ein hervorragend schönes Exemplar, mit feinen weißen Flecken gesprenkelt, zu erbeuten, fühlt sich für all seine Entbehrungen reichlich belohnt, denn dieses einzige Fellchen kann ihm schon 4000 M. einbringen; 800 M. ist der Normalpreis, der dem Jäger für solch einen Fuchspelz bezahlt wird. Schwarzer Zobel kommt auch aus China und Japan, aber er ist weniger kostbar und hat nicht den schimmernden seidigen Glanz. Eine reiche Aus-- beute liefern die nördlichen Distrikte von Kanada, wo der Handel manchmal ebenso lebhaft ist tote in den Läden von Irkutsk, wenn auch Nicht so hohe Preise erzielt werde».

* Anstößige Liedertexle. Am königlichen katholischen Gymnasium Paulinuni in Münster i. W. ist, Ivie die Köln. Ztg. schreibt, für den Gesangunterricht eilt Liederbuch im Gebrauch, betitelt:Liederkranz für die studierende Jugend. Zum Gebrauche an Gymnasien, Progymnasien, Rektorat- und höheren Stadtschulen sowie Präparandenanstalten, herausgegeben von G. Heine, Ge­sanglehrer am kgl. Gymnasium zu Münster i. W. Elfte Auflage. Münster i. W., Verlag von C. Bisping, Tie getroffene Lieder­auswahl >väre recht güt zu nennen, weint nicht ein gewisses Be­streben erkennbar wäre, Liedertexte, die auf Liebe oder überhaupt das Dasein eines andern Geschlechts hindeuten, geflissentlich fern- zuhalten, wodurch eine Saite unseres so reichen deutschen Volks­liedes gar nicht zum Erklingen kommt. So hat z. B. unter den 100 Liedern, und zwar meist den gangbarsten Volksliedern, das gemiitvolle LiedIn einem kühlen Grunde, da geht ein Mühlen­rad, mein Liebchen ist verschwunden, das dort gewöhnet hat", ob- wvhl es eines der beliebtesten Volkslieder ist, keine Aufnahme gefunden. Bei einigen Liedern indes, die man anscheinend doch nicht missen wollte, hat man sich mit einer Verbesserung des Textes geholfen, wovon folgende Proben angeführt seien. Das VolksliedEs ist bestimmt in Gottes Rat" lalltet in der dritten Strophe:

Nach dem Tert des Dichters: l llnb hat dir Gott ein Lieb beschert, Nnd hältst du sie recht innig wert, Tie Deine

Es werden wohl acht Bretter sein, Ta legst du sie, wie Haid! hinein Daun weine.

In der Verbesserung: Und batdirGottwasLiebs beschert, Und hältst du e5 recht innig wert, Das Deine

Es wird nur wenig Zeit wohl sein, Da bleibest du so gar allein, Daun weine.

Ebenso ist einer Reinigung unterzogen das LiedZwischen Frank­reich und dem Böhnterwatd, dessen dritte Strophe lautet:

Nach der Dichtung: Ist ein Land, es heißt Italia, Blüh'» Orangen und Zitronen, Singe! sprach bte Römerin, Itnb ich sang zum Norden hin: Nur in Deutschland, da Mus; mein Schätztet» wohnen.

Nach dem gereinigten Texte: Ist ein Land, es heißt Italia, Orangen blüh'» dort und Zitronen, Sehnsucht faßte meinen Sinn, Und ich saug nach Norden hin: Nur in Deutschland, da Macht' ich ewig wohnen.

Man beachte hierbei auch die stilistischen Korrekturen. Diese verbesserten Liedertexte tragen in dem Buche als Unterschrift die Namen der Dichter Frist. v. Feuchtersleben und Hoffmann von Fallersleben, als ob es sich um eine echte Wiedergabe handelte. Anstatt solche Verballhornungen vorzunehmen, hätte inan besser getan, das Verfahren anzuwenden, das bei der Wiedergabe des bekannten Westsolenliedes von Emil RittershauS beliebt worden ist, dessen herrliche dritte Strophe;

Und uns're Frauen, uns're Mädchen, Mit Augen blau wie Himmelsgrund, Sie spinnen nicht die Liebesfädchen Zum Scherze für die müß'ge Stund'. Ei» frommer Engel, Tag und Nacht Hält tief in ihrer Seele Wacht,

Und treu in Wonne, treu in' Schmerz, Bleibt bis zum Tod ein liebend Herz. Glückselig, wessen Arm umspannt Ein Mädchen ans Westfalenland.

ausgemerzt worden ist. In dem Vorworte zu dem Liederbuche ist mit Sperrdruck hervorgehoben, das Verzeichnis der anfgenommene» Lieder habe vor dem Drucke dem königlichen Provinzialschnlkol- legium in Münster und der Lehrerkonfereitz der Anstalt vorgelegen und deren volle Billigung erfahren, weshalb das Buch auch un­bedenklich zur Einführung an andern höheren Lehranstalten emp­fohlen werden könne. Es scheint wohl nur das Verzeichnis der Lieder vorgelegt worden zu sein ohne die Texte selbst. Man sollte meinen, cs sei gerade für die studierende Jugend ein überaus wichtiges Erziehungsmittel, der natürlich-sittlichen homerischen und der flachen Horazischen Auffassung von der Frauenliebe die idcate des deutschen Liedes gegenüber zu stellen. Jedenfalls aber wird man sich fragen müssen, welche Wirkung es in pädagogischer Hin­sicht anf das Gemüt eines Gymnasiasten üben muß, wenn er die Lieder, welche Gemeingut des Volkes geworden sind, um richtigen Texte kennen lernt nnd sich dessen inne wird, daß womöglich int eigenen Elternhause Liedertexte gesungen werden, die für die Schüler beanstandet worden sind.

* D e r t n t e r e s s a n t e G o l d f i s ch. Ein Fischhändler in Brightorr hielt teils ztt seinem Vergnügen, teils zur Anlockung der Käufer einen lebenden Goldfisch in seinem! Schaufenster. Das Interesse für diesen Goldfisch muß sehr groß gewesen sein, denn eines Tages befestigte der Besitzer, vieler Fragen ntüde, neben der Goldfischkuppel ein Plakat: folgenden Inhalts:Dies ist ein Goldfisch. Er ist lebendig. Er ist nicht verkänflich. Wir haben nur diesen einen. Bekommen haben wir ihn durch einen Knaben. Wo der ihn herbekommen hat, wissen wir nicht. Die Flüssigkeit, in der er schwimmt, ist Wasser. Das' Wasser ist aus einem gewöhnlichen Brunnen. Wann er schläft, lvissen wir nicht. Auch nicht, wie alt er ist und wie lange er noch leben wird. Er beißt nicht. Er kann nicht herausspringen. Er frißt alles, was wir ihm geben. Tas Wasser, das er trinkt, entbehren wir weiter nicht.t Wenn er tot ist, beabsichtigen wir uns fernen neuen mizu- schafsen." Das letzte ist verständlich.

* Hals frei! Aus spezialürztlicheu Kreisen lvird uns berichtet, daß nicht nur die großen Damenhüte Kopfnerven- krankheiten Hervorrufen, sondern daß auch die hohen Kragen der Damen der Gesundheit schädlich seien, weil sie fetrtei Lust und kein Licht an die Oberhaut der Schild-Drüse (glan- dula thyrevidea) gelangen lassen, welche in der Mitte des vorderen Teiles des Halses, dicht vor dem Bogen des Ring­knorpels und dem oberen Ende der Luftröhre liegt. Dir Schild-Drüse ist sehr reich an Btntgefäßen und erreicht bei Erwachsenen die Größe eines Hühnereies. Ihre Erschlaffung erzeugt den bekannten Kropf. Frauen, denen diese Drüse operativ entfernt wurde, verloren nach und nach ihre geisti­gen Energien und verblühten rasch. Da das Freitragen des Halses diese Drüse stärkt, erscheinen solche Frauenkleidev die Gesundheit am besten zu fördern und zu erhalteu, dir mit Ausschnitteu nach Art der Matrosenjäckchen versehen sind.

* Schüttel w i tz. Jüngst war ich zu einer reizenden kleinen Herrengesellschaft geladen. Die Uhr zeigte eine U-mlich vor­gerückte Stunde, als wir nachschwerer Sitzung" ausbra en. Ich ging ein Stück Wegs mit Geheimrat M., der ob seiner Bonmots eilten gewissen Ruf genießt.Ja, ja," meinte der alte Herr, und stützte sich schwer auf meinen Arm,es ist halt immer dieselbe Geschichte: Mit 'nem weißen Schlips kommt man, und mit 'nem leisen Schwips geht man."

Charade,

Die erste gar wichtig, ein jeder hals gern, Der Nachricht erwartet von nah und fern; Zwei andre, belehrend und bildend zugleich, Oft fleißig ftubieri von arm und von reich; Das Ganze der ersten bescheidenstes Kind, llnb doch ist wohl jeber ihm freundlich gesinnt. Ich.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Schieberatsels in voriger Nummert

Waldemar

Nadbob Eva Ceba» fiaut Echterdingen. A bven t.

Redattion: E. Anderson- IRotatnmsbuid uni Deilas bei Brühl'Ichev UntversuätL-Buch- und Slemdruckerei, LU Lange, Gießen.