Ausgabe 
21.12.1908
 
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Tidite RingeU des Jünglings iutb des MmtneS uni geistige Und ( materielle Existenz warf das Weihnachtsfefl immer cm Fünkchen Glanz, das die trostvolle Ahnung von einer Versöhnung unt allem ' Leid der Erde mit sich brachte. HebbelS stetige Liebe mm Weih- nachtsfest entquillt wohl der tiefen Bedeutung, die man gerade im hohen Norden Deutschlands dem christlichen Feste beilegt, Ivo in die Weihnacht noch altgermanische Klänge,hinemtönen vom Fest der Sonnenwende irud von Wodans winterlichen Fahrten, sie hat ihren tiefen Grund aber vor allein darin, daß nach Hebbels Schilderung das Weihnachtsfest tu der Tat der einzige Lichtblick war, der die ounkle Arnmt der Maurerfamilte durchbrach:Dann girrgS auch bei iuls hoch her!" schreibt der DGter spater ans seinen Jugenderinnernngen heraus an die treue Begleiterin ieiner schwersten Jahre, an Elise Leusing.Es gab ettvas besseres zu elfen, Hader und Jank der Eltern ruhten und mein kindliches Herz taute aus!" , t rr

Freilich ist dieses Hochhergehen nur sehr relativ ait_ fasten und nicht ohne tiefste Rührung kaiin man den Bericht, Hebbels über das heimatliche Weihuachtsfest lesen. Aber so spärlich ote Fünkchen lvaren, die das Fest in Hebbels Elternhaus htnemtrug, sie waren strahlend und verbreiteten ein warmes Glück, gerade weil die Proletariertage der Maurerfamilie farblos und ohne Lichter in Niedrigkeit dahinzogen biS auf diesen einen heiligen Tag des Jahres.Dann wurde voii den blauen Hirschlellern gegessen so genannt, weil in ihrer Mitte ein Hirsch gemalt war, den mein Water gewöhnlich mit Kreide aus den Tisch nachzuzeichnen pflegte, es gab einen Mehlbeutel, zuweilen wohl gar nut Rosinen und Pflaumen gefüllt, später ward ein guter Tee getrunken, haupt­sächlich der lieben Mutter wegen, die ohne Tee nur halb ver- - gniigt sein konnte. Bevor das Essen kam, saug der Vater m Gemeinschaft mit mir und dem Bruder ein geistliches Lied, nachher Uiusste ich aus der ehrwürdigen dickbäuchigen Postille mit den vielen Holzschnitten das Evangelium und eine Predigt Vorlesern Die Eltern mären heiter, auch der Vater, den wir Kinder fast, das ganze Jahr nicht heiter sahen, die dumpfen, erstickenden Ge­spräche über die Schwierigkeiten, Brot Herbeiznschafsen, unter- blieoen lagen doch meistens zwei oder drei köstliche breite Wecken im Schrank Scherz und Lachen waren erlaubt, und wir Ander dünkten uns im Himmel. Dazu am Weihnachtsabend der schöne Gedanke: Diese Herrlichkeit dauert zwei volle Tage!

Tas erste Weihuachtsfest nach dem Weggang aus der,Heimat verlebte der junge Dichter in Hamburg, gemeinsam mit Elpe Leusing, deiii trenesteii und opferwilligsten Mädchen, das je etnej Dichters Lebensweg gekreuzt hat. Diese Weihnachtsstiinden des Jahres 1835 waren voll des ungetrübtesten Glückes. Licht leuchtete noch lange hinüber in Hebbels Studentenzeit und hielt die Erinnerung wach. Kein Weihnachtsabend in der Fremde, wo den ringenden Dichter die Not ums Bitterwemgste dev Lebens mit harten Fäusten anpackt, vergeht, ohne daß. ihn die Sehnsucht nach einer Wiederkehr solcher Stunden überwältigt. , Einsam,, uu enger, ärmlicher Studentenbude begeht er bei Aassee, seinem.Lieb­lingsgetränk, einigen Rüssen und Lebkuchen, das Fest des heiligen Abends, lesend, schreibend, denkend, oder sich seinen Hosfiiuugen und Zukunftsphantasicii hingehend. Und plötzlich gmftt.dann die Sehnsucht in ihm auf nach dem stillen, friedevollen Stübchen Elisens und nach ihrer hingebungsvollen Liebe. Aber er vertröstet sich aus die Zukunst; herrliche Weihnachten wurden ste oeremst noch miteinander feiern, beim noch.habe er trotz alstr Not de.- Lebens die Fähigkeit zur Freude nicht verloren.,Vertrösten! ruft er ihr dann nach Hamburg hinüber,welch,emcoigeborenes, hanauerottes Wort! Nein! wir ivollen uns dwse Wechnach da­durch versüßen, daß wir mit aller Innigkeit und Elutdes^H erzeig an das künftige denken, und uns ausmalen, uns m den Glan, versenken, mit dem eS uns übergießen wird! Aber erjt !boS Jalw 1839 führte sie in Hamburg wieder zusammen. Dreimal Sann der Dichter nun daS Weihuachtsfest gemeinsam mit Elise Leusing feiern, bis ihn der Winter 184,2 ms -..uslaud führt. Weihnachten 1842 sitzt Hebbel einsam un kalten Zimmer in ^re'ibaaeu mit lliigeduld die Gewährung eines NelsestipcndiumS ?rmaS iini das er den König Christian VIII. von Dänemark «ebetcl hatte. 1843 feiert er traurige Weihnachten in Paris. Sein und Elise Leusiugs Söhnchen Max war einige Wochen vor dem Feste gestorben und auf ihm, selber lastet harter dennje> ine materieller Not. 1844 {eiert der Dichter nn Sonnenlaud

Italien das Winterfest seiner nordischen Heimat, daL> ihm nach niffiiTitb (Vnt'bclniinti ein ftctuibiicijc iny

Sebeii warf Er verbringt den Weihnachtsabeud in ciner Künstler- kneive ini Kreise lebensfroher dänischer Dialer, wohin Lourn Ourlitr, spuh"die Landschaftsmaler und Hebbels uneigennütziger Hereund, S nätte Wir alle waren berichtet Hebbel nach

SmS - mtt Ä Ät «,»d °m° «° iedem Teller Die Fröhlichkeit war allgemein und bei nur mit XwWÄÄSÄÄÄsX«

WiS Ä'Ä * »« «! * dieser Weihnachtsfeier war wie ein

Bor^ote kommender^ forgensreicrer Zeiten. Denn schon daIfolgenoe

Jahr bringt deck gewaltigen Umschwung in Hebbels Leben hinein, der ihn auf die Höhe des Lebens tragen sollte und ihn aller äußeren. . Not entfettete. Er findet in Wien, zuerst wenigstens, eine herz­liche Anerkennung seiner Knust und er sindet in Wien die Hofschau- svielerin Christine Enghaus, die bestimmt war, ihn als sein Weib durchs Leben zu geleiten.Noch nie ruft Hebbel um die Weihnacht des Jahres 1845 aus habe ich mich von dem Element der Welt so getragen und gehoben gesuhlt, wie hier, und tote daN endliche Resultat auch ausfallen möge, die moralische Kräftigung, die ich in dieser Atmosphäre der Liebe und des Wohlwollens in mich ziehe, wird mich stärken fürs Schlimmste,. Ich sehe denn doch, daß im deutschen Volke noch nicht aller Sinn für das Wahre nndj Echte erstorben ist und daß es sich' nach und nach Bahn bricht."

Während der langen Jahre seiner Ehe mit Christine hat Hebbel daS Weihnachtsfest stets in altem Glanz und alter Pracht gefeiert, wie er sich einmal in lächelnder llcbertreibung ausdrnccte. Er verlebte das Fest am liebsten im engsten Familienkreis-', doch waren die besten Freunde des gastfreien Hauses, am Wciy- nachtsabend willkommen. Ein mit Nüsfen, die Christine selber vergoldete, und mit zbonfekt behangener Taunenbamn, Lebiucyen Punsch, vor allem aber gutes Essen, in der Erinnerung an d:s heimatliche Feier, durften nicht fehlen. Einmal, bei einer größere» Gesellschaft, gab's am Weihnachtsabend sogar Fasanen, Karpfen und Champagner.Unerhört, wie weit maus auf Erden bringen kann!" ruft er angesichts der reichen Tafel fröhlich aus. Em be­sonderer Schimmer lag über diesen WeihnaHtsabenden m Hebbels Hause, erzählt Emil Kuh.Der Dichter sreute sich auf die Cisrist- nacht kaum weniger als sein Kind, und die Bichergeschenke, ivelchq er von seiner Frau und den intimsten Freunden, empstng, trug er samt dem Päckchen seiner Pfeffernüsse so, befriedigt aus dem Gesellschaftszimmer in fein Arbeitsgemach hinüber, wie Christlichen (Hebbels Töchterchen, das seine Frau ihm 1847, gerade zu Weck^ nachten, geboren hatte) ihre Spielsachen m die itinberfhibe. Dieses Arbeitsgemach war am Ehnstabend hell erleuchtet und dieses strahlende Licht alsdann das einzig Glänzende m dem sehr be-

' 'Einmal, im Jahre 1849, als .Hebbels Töchterchen eben zwei Jahre alt war, wurde dem Dichter am heiligen Aoend eme W fonbere liebliche Ueberraschuug, die er in seinem Tagebuch auf­zeichnete Als Hebbel in das erleuchtete Gesellschaftszimmer^ dem brennenden Tannenbaum hineingerufen tourbe trippeltc ihm sein kleines Töchterchen in der Sonntagstracht eme§ brauuschveigi- scheu Bauernmädchens (Hebbels Gattin war BranuMveigeriN) entoeaen.Schwarzes Hütchen, nur den Hinterkopf deckend, mir langen roten Bändern; rotes Kleid, kurz geschürzt; ^wickelttrumtw nebst Leberschuhen; eine geflochtene auf demJ^en, Hilft mit Nüssen und Kuchen für Mich. Das alleu hatte.meine liebe Frau an den Abenden gemacht, toenu ich nicht zu Hause und sie nicht auf"der Bühne beschäftigt war; ich das geringste

.wniprft Das narrische kleine Ding ivolne d.e w-,peoen ganzen Abend nicht ivieder ablegen, es

intS und trank Diese allerliebste Verkleidung ijane Neoue» svgutgesLn L sie auf seinen Wunsch an späteren Weihnachts­abenden iviederholt wurde. .....

fast kindliche Freude am Kindlichen und diese innige, Zeit ZMWWWMZ ins Vergessen, toa» ihn alle Mensch Uiiter Menschen

heraiishebt dann a ^ie to r al : Schlichte und Mensch--

SSJSÄ toMd.tl.ffif*» P--i-d° und lieben zu lernen. -----.

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koniite nämlich den Pelziager. Ci^ -l.Llt.iag , , >iswru. mtL'zvollä Mühedeu §raiwn ihE Sch-nuck, lies.ru, kleiden sich natürlich selbstm Hefte. i . $cIie

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