730
tzn «Een schachte. Der Wagen hielt noch kam« am' Bahnhof, so war Lecog schon herausgesprungen iitib lief spornstreichs nach dein Hotel. Wie das erstemal, traf er die blonde Fran Milner ans einem Stuhl vor ihrem Vogelbauer kniend und dem Vogel unermüdlich ihren deutschen Sah vorsagend, woraus er ebenso Unermüdlich immer nur antwortete:
Camilla! Wo ist Camilla?
Bei den» Anblick des Sttaßenbnm'mleis, der in ihr Hotel iindmng, hielt die Wirtin es nicht für der Mühe wert, ihren Platz M verlassen.
Mas wünschen Sie? fragte sie in wenig ermutigendem Ton.
Ich bin, Madame, antwortete Lecog mit seinem schönsten Bückling, der Neffe eines Gerichtsboten vom Justizpalast. Ich besuchte heute morgen meinen Onkel — ich habe nämlich augenblicklich keine Arbeit — und da sand ich ihn ganz gelähmt von Rheumatismus, und da bat er mich, an seiner Stelle zu Ihnen zu Mehrn und Ihnen dies Papier zu überbringen. Cs ist eine Vorladung, dass Sie sich unverzüglich zum Untersuchungsrichter begeben möchten.
Frau Milner geruhte ihren Stuhl zu verlassen, das Papier zu nehmen und zu lesen. Cs stimmte.
's ist gut, antwortete sie. Nur so viel Zeit, ein Tuch um- tzulegeu, und ich komme.
Lecog zog sich mit tiefen Verbeugungen zurück; er war innerlich entzückt; er hatte der blonden Witwe ihren letzten Streich heimgezahlt. Er eilte aus die andere Seite der Straße und verbarg sich in. einem um diese Mittagsstunde verlassenen Neubau.
Endlich erschien die kokette Hotelwirtin, ganz rosig und strahlend bei dem schönen Frühlingswetter. Das Umlegen des Tuches hatte ein wenig lange gedauert; offenbar wollte sie die verlorene Zeit wieder einbringen, denn in schnellste,!!» Schritt eilte sie die Straße entlang.
Kaum Ivar sie verschwunden, so sprang Lecog aus seinem Berstjeck hervor und erschien wie eine Bombe im Marienburger Hof. Fritz, der bayerische Kellner, hatte jedenfalls Bescheid be- Ämmen, daß er für ein paar Stunden das Haus zu hüten habe — und er hütete es. lhv hatte sichs in dem eigenen Lehnsessel seiner Prinzipalin so recht bequem gemacht, die Beine aus einem linderen Stuhl ausgestreckt, und war schon beinahe cingeschlafen.
Aufstehen! herrschte Lecog ihn an. Aufstehen!
Bei dem Klang dieser Stimme, die wie eine Trompete schmet- jerte, fuhr Fritz ganz entsetzt empor.
Wie du siehst, fuhr der Beamte fort, ihm seine Marke vor- Häliend, bin ich ein Mitglied der Kriminalpolizei. Wenn du dir alle möglichen Unannehmlichkeiten ersparen willst, von denen hie geringste ein Spaziergang ins Untersuchungsgefängnis sein würde, so mußt du mir gehorchen.
Der Kellner zitterte <m allen Gliedern und stotterte:
Ich werbe gehorchen. Aber was habe ich zu tun?
Ganz wenig nur. In der nächsten Minute wirb sich ein Mann hier einsinden; du wirft ihn an seinen schwarzen Kleider!» und seinem langen Bart erkennen. Es kommt darauf an, daß du ihm Wort für Wort antwortest, was ich dir vorsagen werde. Und merke ttf», daß ein Irrtum, selbst ein unabsichtlicher, dir teuer zu stehen käme.
Verlassen Sie sich auf mich! sagte Fritz. Ich habe ein ausgezeichnetes Gedächtnis.
Die Aussicht aus das Gefängnis hatte ihn versteinert; er stmuh in aller Aufrichtigkeit, und Lecog machte sich seine Stimmung zunutze. Nachdem er mit der ihm eigenen Klarheit feinet Amveisungen gegeben hatte, fuhr er fort:
So! jetzt möchte ich aber selber hören und sehtzn. Wo kann sch mich verstecken.
Fritz zeigte aus eine Glastür.
In dem dunklen Raum hier nebenan, Herr Beamter! Wem» Sie die Tür nur antehnen, werden Sie alles hören, und durch, die Scheibe können Sie sehen.
Lecog sprang, ohne ein Wort zu sagen, in die Kammer; im selben Augenblick zeigte die Türgtocke an, daß ein Besucher den Pasthos betreten hatte.
Es war Mai.
Ich ivünsche die Besitzerin des! Hotels zu sprechen, sagte er.
Welche Besitzerin?
Ma, die Frau, die mich empfangen hat, als ich vor sechs Wochen hier abstieg.
Ach so. Sie wünschen Frau Milner zu sprechen. Ja, da iotnmen Sie zu spät; sie hat das Holet »icht mehr. Letzten Monat Hat sie es verkauft und sich mit ihrem Vermögen nach ihrer Heimat, dem Elsaß, zurückgezogen.
Mai stampfte mit dem Fuß auf und ließ einen Fluch fahren, Wr dem ein Fuhrmann sich hätte entsetzen können»
Ich Habe aber eine Reklamation an sie! begann cr Wieder.
Soll ich ihren Nachfolger rufen?
Seron mußte von seinem Versteck aus unwillkürlich den Kellner Fritz bewundern, er log aus die unverschämteste Weise, mit jenem Schein von Unschuld, der den Deutschen eine so große! Ueberlegenheit über die Südländer gibt; denn diese letzteren! sehet»; selbst Wein! sie die Wahrheit sagen, stets aus, als ob sie lögen.
Reh! Der Nachfolger wirb mich zum Kuckuck schicken! rief Mai. Ich wollte das Angeld für ein Zimmer zurückfordern; das ich niemals benutzt Habe.
Angeld wirb niemals zurückgezahlt!
Mai knurrte verworrene Drohungen in sich hinein; mau konnte davon kaum etwas anderes verstehen, als „ganz gemeiner Diebstahl", und, „auf die Polizei gehen"; dann ging er hinaus, indem er heftig die Tür hinter sich zuschlug.
9hm? Habe ich geantwortet, Ivie sich's gehört? fragte Friß trinmpHievend den jnngei« Beamten, als! er aus der dunklen Kammer herauskam.
Jawohl, ausgezeichnet, antwortete Seeon, gab dem ihm im! Wege stehenden Kellner einen Stoß, daß er ganz verdutzt sich ein paarmal um sich selbst drehte, uud stürzte Mai nach.
Eine unbestimmte Furcht schnürte ihm' die Kehle zusammen'. Es kau» ihm vor, als wäre Mai weder überrascht noch ivirklich aufgeregt gewesen, während ihn die Abwesenheit der Fran Milner doch im höchsten Grade hätte erschrecken müssen. Hatte er alsg Lecogs List geahnt? Wer wie?
Levons erstes Wort, als er den alten Absinth wieder traf, War:
Mai hat unterwegs mit jemandem gesprochen?
Oh, das Wisse:» Sie? antwortete der Alte überrascht.
Also ganz wie ich gedacht! Mit wem sprach er?
Mit einer hübschen kleine»» und rundlichen Frau.
Levon wutbe ganz grün vor Zorn und rief:
Himmeldonnerwetter! Das Glück ist gegen uns. Ich lause voraus, daß er Frau Milner nicht treffe, es gelingt mir, jte aus dem Hause zu bringe!» — und sie begegnen sich auf der Straße!
Ah, wem» ich das gewußt hätte! rief de» alte Absinth. Aber Sie hatten mir nicht gesagt, daß ich Mai daran verhindern sollte, mit jemanden» zu sprechen.
Trösten Sie sich, Alter, gegen Unglück läßt sich nichts mache«.
Der vorgebliche Akrobat war nn dem Boulevard Montmartre angelangt; die beiden Polizisten mußten ihre Schritte beschleunige!:, um ihn nicht in» Menschengedränge aus den Augen zi» verlieren. Als sie wieder in seiner Nähe waren, fuhr Lecog fort:
Nun M den Einzelheiten! Wo haben unsere Leute sich getroffen.
Gleich am Eingang der Rue Saint-Quentin.
Wer hat den Andorn bemerkt und angesprochcn?
Mai. . , ,
Was hat die Fran gesagt? Haben Sie irgend einen Ausruf der Ueberraschung vernommen?
Tas »richt, weil ich fünfundzwanzig Schritte von ihnen entfernt war, aber an den Gebärden der Frau habe ich wohl gesehen; daß sie höchst überrascht w«r.
Haben sie lange gesprochen?
Kaum eine Viertelstunde.
Wissen Sie, ob Frau Milner ihm Geld gegeben hat?
Darauf kann ich weder ja noch nein antworten. Sie gcsti- fufiertett wie die Verrückten, ich dachte sogar, sie hätten einest Streit miteinander.
Natürlich, sie wußten, daß sie beobachtet wurden, und nwllteu die Vermutungen aus salsche Bahn lcuken.
(Fortsetzung folgt.)
Ms der Schütz.
Nachdruck verboten«
Es war einmal ein junger hessischer Landgraf, dem! ward es zu etig in der väterlichen Burg zu Kassel, uud er zog auf Abenteuer in die Welt hinaus. Auf seinen Fahrten gelangte er eines Tages nach Kleve am Niederrhein und! verdaitg sich dort als Schütze dein Herrn des Landes, der von dem Stande des Jünglings nichts ahnte. Bei einem! Armbrnstschießen gab er den Meisterschuß ab. sind »»och ein anderer Meisterschuß gelang ihm: er rührte das Herz der Tochter seines Herrn. Die Schwierigkeiten, die sich ihm in den Weg stellten, überwand er siegreich uud führte schließlich Elisabeth boi» Kleve als Gattin heim ins Hessen- land.
Eine liebliche Sage! Kein Wunder, Hatz sich die DWG


