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Wgenheiten, die sie noch nicht besessen Wie, sich durch Otto angeeignet habe, da widersprach Bismarck. Er sei ein durchaus gesitteter Knabe gewesen. Interessant war es, wie Fräulein von Bismarck der allgemein verbreiteten Ansicht entgegentrat, dasz, gleich andern großen Männern, auch Bismarck sein Bestes der Mutter zu verdanken habe. „Ich habe Bismarcks Mutter ja gekannt," sprach die Greisin. „Sie war eine ganz phlegmatische Frau. Nein — der Vater! Das war ein prachtvoller Mann. Er besaß keine besondere Bildung. Aber dafür hatte er einen durchdringenden Verstand. Mein Vetter hat aus Pietät dieser Auffassung von der bedeutsamen Einwirkung der Mutter öffentlich tiie widersprochen. Doch innerhalb seiner Familie hat er stets erklärt, daß sein Vater der geistig größere war." Heber, ihre Beziehungen zum Fürsten hat Fräulein von Bismarck, wie sie mir gestand, Denkwürdigkeiten verfaßt. „Aber sie dürfen erst Nach meinem Tode veröffentlicht werden," fügte sie hinzu. Aus meine Frage, ob sie nicht lieber selbst ihre Memoiren zum hundertsten Geburtstage Bismarcks der Oefsentlichkeit übergeben wolle, Wüttelte die Greisin den Kopf. „Sie dürfen es ruhig besser mit mir meinen. Noch sieben Jahre? Es ist genug! Auch brauche ich den Säkulartag nicht mehr. Ich habe der Enthüllung des Msmarckdenkmals beigewohnt!"
* Pariser Da men hüte. Der „Köln. Ztg." wird geschrieben: Es wird es mir niemand glauben und es ist doch Tatsache, daß die Hüte ganz klein und randlos werden, Auf der Straße zwar ist selbst in der Hauptstadt der Mode noch nichts von diesem Umschwung zu sehen. Den ahnt man nur in den Schneiderwerkstätten, in den Logen der großen Oper, in den eleganten Restaurants, bei den nachmittäglichen Versammlungen der hocheleganten Welt und auf den Rasen von Longchamps und Auteuil. Wer aber dort Bescheid weiß, der läßt sich durch das stetige Größerwerden der jetzigen Hutränder nicht beirren, sondern sieht dem Tag entgegen, an dem die Pariserin und mit ihr die ganze Frauenwelt, soweit sie elegant sein will, das Hutungehener ablegt und ihr Haupt mit einem kleinen randlosen, sehr eigenartigen Hut schmückt, den man den Hut von 1909 nennen wird. Die zwei Modelle, die sich den verschiedenen Gesichtern anpassen sollen, sind vollendet und von den Modeschöpferinnen der Halb- und Ganzwelt angenommen. Das eine zeigt auf dem schmalen Rande aus langhaarigem Seidenfilz einen weichen, bauschigen Mützenkopf aus Pelz, aus Samt oder tellcrartig aufeinandergeschichteten Lagen von Deidenmusselin und Liberty. Linksseitig drückt ein Stutz von Reiherfedern, von Blumen und Grä ern oder auch von Marabout und anderen Fcderarten den Kopf emporstrcbend ein wenig zusammen. Viele Hüte zeigen auf dem erwähnten, meist geraden Filzrande auch Köpfe, die aus Blumen und herbstlichem Blätterschmuck gebildet sind, oder solche, die beispielsweise aus einem ganzen Fuchs gefertigt sind, wobei dann Kopf nnd Pfoten die linksseitige Garnierung herstellen. Eines der hübschesten Modelle der Art sah ich beim Herbst-Grande- Prix in Longchamps. Auf dem schwarzen Filzrande ruhte ein schwerer Kopf von Bärenfell, den seitlich eine amethystfarbene Reiheraigrette zierte. Der randlose Hut besteht aus langhaarigem Filz, aus Samt, aus Pelz, Schwanendaunen oder Straußenfedern. Er wird ganz über den Hinterkopf gezogen, ist nur sehr wenig, meist mit einer Metallborte garniert und zeigt einen seitlichen Stutz. Die Frisur zu rhm schiebt noch mehr als bisher die Masse der Löckchen ganz nach außen und läßt das Profil sehr scharf hervortreten, weshalb er kaum Alleinherrscher werden wird, sondern das erstbeschriebene etwas größere Modell neben sich bestehen lassen muß. Modefarben sind Amethystviolett und Zartrubin.
* Das Mißtrauensteller chen. Man schreibt dem Berl. Tgbl.: Ick sitze im Wiener Cafe und trinke eine „Schale Haut" oder eine Melange. Und nachdem ich damit fertig bin, habe ich Appetit auf ein Pilsener. Ich winke dem Kellner, bestelle mein Pilsener; der Kellner nimmt die Bestellung entgegen, greift nach dem Tablett, auf dem mir die Schale Haut oder die Melange serviert worden war, um das Tablett mit sich zu nehmen. Ehe er aber dies tut, greift er nach dem kleinen Tellerchen, auf dem der Zucker gelegen, und legt dieses kleine Tellerchen aus Neusilber oder einem ähnlichen Metall zurück vor mich hin aus die granitne Platte meines Tisches. Was soll das bedeuten? Es heißt in dem günstigsten Falle: „Damit Sie nicht vergessen, Ihre Schale Haut oder die Melange zu bezahlens" r Im ungünstigeren Falle aber lautet die Deutung der ominösen Geste: „Damit der Zählkellner sieht, daß Sie noch etwas anderes hatten
als dieses Glas Pilsener!" Wie man es aber auch immer beutlen und verstehe» will, in jedem Falle wird das Tellerchen aus Neusilber ober einem ähnlichen Metall, bas anscheinend« nur zur Aufnahme bes Zuckers diente, zu einem Mißtrauens- tellerchen, zu einem Merkzechen für den „Ober". Dee Sach«! ist sinnlos und beleidigend zugleich. Sinnlos ist sie deshalb/ weil der Zechpreller, der sich durch dieses Mißtranenstellerchen stören läßt, dem Kellner weniger anzusagen, als er gehabt, ein ungeschickter Dummkopf wäre. Sinnlos deshalb, «veil das kleine Mißtranenstellerchen mühelos entfernt werden kann; das braucht nicht einmal mit Absicht zu geschehen. Es kann durch beit Aermel, burch die Zeitung, die man liest, vom Tisch geworfen werden. Und das geschieht auch sicherlich sehr oft. Daß diese Kvllnergeste eine Beleidigung in sich schließt, bedenken, freilich weder Kellner noch viele Gäste, die durch die langjährige Gewohnheit abgeswmpft sind. Ich habe Oesterreicher beobachtet/ die, als ihnen eine solche Beleidigung in einem Berliner Wiener Cafö angetan wurde, wütend das Mißtrauenstellerchen nahmen und es vor den Augen des Kellners an die Erde warfen. Natürlich können sie mit solcher temperamentvollen Tat leicht auch an den unrechten Wirt kommen. Vielleicht verderben in diesem Falle die guten Beispiele der Oesterreicher diese böse Unsitte der Berliner Kellner.
* Die Altersgrenze der Schaffenskraft. Die Theorie, daß bei Künstlern, Gelehrten und Männern! der Tat das 40. Lebensjahr als das Ende der schöpferischen .Leistungsfähigkeit angesehen werden müsse, wird in einer angesehenen englischen Zeitschrift entschieden bekämpft. Aw der Hand zahlreicher Beispiele wird der Beweis erbracht, daz die wissenschaftliche, künstlerische und praktische Schaffenskraft selbst mit 70 Jahren noch keine Abnahme erkennen läßt. Märe dies nicht der Fall, so hätte Gallilei das wunderbare Gesetz der Vibration der Mondkugel nicht gefunden, Tinto- retto hätte sein „Paradies", Tizian „Venus und Adonis" und andere berühmte Bilder nicht gemalt, Verdi hätte weder „Falstaff" noch „Othello", Meyerbeer „Die Afrikanerin" nicht komponiert, und Goethes „Faust II." wäre ungeschrieben geblieben. Noch deutlicher wirkt das Irrtümliche der erwähnten Theorie, wenn das 60. Jahr als Grenze der Schas- fenskraft angenommen wird. In diesem Falle wäre die Welt um das System des Confucius, die Entdeckungen Pasteurs, die strategifchen Großtaten Moltkes im deutsch- sranzösischen Kriege, das „Jingste Gericht" Michelangelos, Murillos Gemälde im Augustinerteller zu Sevilla, den „Par- sival" von Wagner, den zweiten Teil des „Don Quichote" usw. gekommen. Auch der Name „Zeppelin" wäre heute nicht in aller Munde. Zwischen 50 und 60 Jahren haben ferner Cäsar „Die Kommentare" geschrieben und die Kalenderrechnung reformiert, Kepler die „Logarithmen-Tafeln" aufgestellt. Morse den Telegraphen erfunden, Hegel fein philosophisches System entworfen und Valesquez das berühmte Bild „Janocenz X." gemalt. Die Zahl derjenigen, die in diesem Älter minder bedeutende Werke geschaffen haben, ist Legion.
Silbenrätsel.
a, ei, ci, ei, il, mac, na, ne, pel, ra, ra, reth, sa, se, st, ta, tia, ft, tus, za.
Aus versiebenden Silben und Bnebslaben fo(Ien sieben Werter gebildet und derart unlereumnber geletzt werden, daß die Aiüangs- bnebftaben von eben nach unten und die Endbnchstalxn von innen uadi eben gelesen den Namen eines Bildhauers ergeben. ES bedeuten aber die einzelnen Werter ielgendes:
1. Nebenfluß der Denan.
2. Französischen Dichter.
3. Biblischen Name».
4. Insel im Persischen Meerbusen.
5. Römischen Schriftsteller.
6. Stadt in Baden.
7. Kieme Raubtiere.
Auflösung in nächster Nummer:
Auflösung des Borsetz-Rätsels in voriger Nummer: ‘a. b.
Parseval.
Osten,
Posten,
Stern,
Astern,
Ast,
Rast,
9!ar,
Saar,
MauS,
Emans
Aal,
Baal,
Horn,
-Ahorn,
Eber;
Leber.
Redaktion: E. Anderson. — Rotationsdruck und Verlas bei Blüht'scheu UntueifuätS• Buch- und otembrudecet, R. Lange, Gießen.


