Ausgabe 
21.10.1908
 
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659

Sache!

*

Liebe das

*

Bildhauer.

Der

bcr Mann ein Meisterwerk der Schöpfung in

Auch wenn

weint sie!

Für immer verloren! Für immer!

seinem Weib gesunden Hais so bemüht er sich doch, kleine Fehler in Zeichnung und Farbe fort zu retuschieren, um sein Kunstwerk so sehlersrei wie nur nwglich zu machen. Das versteht sein Weiblein nicht immer, und es wird ost reizbar:

Du siehst nur Fehler bei mir.

Im Gegenteil, du bist für mich die Schönste, aber ich iuiU dich vollkommen haben. Du sollst z. B. niemals zornig sein, dann werden deine schönen Augen häßlich, und darunter leide ich. Du mußt dich nicht in Grünspan kleiden, denn das ist nicht deine Farbe; und du siehst giftig aus, daß ich meine Blicke von dir wende. Und so weiter. ,

Essen ist nicht schön, und zusehen, wie die Geliebte Speisen in den schönen Mund schiebt, der schöne Worte aussprechen, liebliches Lächeln lächeln, die weichen Lippen zu einer Art Blumen- knospe bilden soll, die man im Kuh einatmet, das kann geradezu häßlich sein. Darum pflegt man die unschöne Verrichtung unter leichtem Gespräch zu verbergen, dann vergißt man, waS der schöne Mund jetzt vorhat. ' .

Immer mußt du mich tadeln! Sag bou) auch einmal etwas Schönes! , , t r ,,,,

Kannst du nicht in meinen Augen lesen, daß ta> dich bewundere; mit den Livpen brauche ich es nicht erst zu sagen. Aber ich will, du sollst vollkommen sein. Das ist die ganze

andern Menschen; denn Menschen nennen lvir uns auch, wie wir es denn mich der Bildung und dem Leibe nach sind; aber es ist ein gar Uebles dabei. Wir und Unsersgleichen in den andern Elementen, lvir zerstieben und vergehen mit Geist und Leib, daß keine Spur von uns zurückbleibt; und wenn ihr andern dermaleinst zu einem reiner» Leben erwacht, sind wir geblieben, wo Sand n. Frink u. Wind u. Welle blieb. Darum haben wir auch keine Seele; das Element bewegt uns, gehorcht. uns ost, solange wir leben, zerstäubt uns immer, sobald wir sterben; und wir sind lustig, ohne imS irgend zu grämen, wie die Nachtigallen und Goldfischlein und andere hübsche Kinder der Natur ja gleich­falls sind. Aber alles will höher, als es steht. So wollte mein Vater, der ein mächtiger Wassersürst ist, seine einzige Tochter solle einer Seele teilhaftig werden, und müsse sie darüber auch viele Leiden der beseelten Menschen bestehen. Nun bin ich be­seelt, dir dank ich die Seele, o du unaussprechlich Geliebter; und dir werd' ich es danken, wenn du mich nicht mein ganzes Leben hindurch elend machst. Denn was soll ans mir werden, wenn du mich scheuest uud mich verstößest? . . . Ich tauche mich in diesen Bach, der mein Oheim ist. . . und wie er mich herführte zu den Fischern, mich leichtes nnd lachendes, Kind, wird er mich auch wieder heimführen zu den Eltern, mich be­seelte, liebende, leidende Frau!" . ,

Undinchen bleibt und wird unglücklich, und bann geht sre ins Wasser:Und über den Rand der Barke schwand sie hinaus. Stieg sie hinüber in die Flnt. verströmte (köstlich) sie darin, man wußte es nicht; es war wie beides und keines. Bald aber war sie in die Donau ganz verronnen." (Ausgezeichnet!)

Wer hat nicht einmal die kleine Undine getroffen? Das junge Mädchen, das passiv, ohne Ansicht, ohne Gedanke, dir gegenüber sitzt, wie eine schöne Blume mit ebensoviel Leben; oder den Mund halboffen tute ein Bogeljunges deine Seele ent­gegennimmt, dir die Illusion gebend, sie begreife, was du sagst. Mit offenen Augen trinkt sie deine Blicke, scheint sie, von Kraft gesättigt, znrückznsenden.

Wenn du, wie Pygmalion, diesem schönen leblosen Körper einen lebendigen Odem eingeblasen hast, und sie kleine, schöne, viele Worte zu sprechen beginnt, klingt es tote Vogelgezwitscher. Und wenn sie sich im Zimmer bewegt, hörst du die Bewegungen der spielenden Linien wie Musik. ,

Aber sie kann auch die Gestalt wechseln, ebrnsoviele Gesichter anlcgen wie der Tag Stnndcn hat; sich zu einer Sirene aus- blascn, zu einer Elfin znsammenfallen, Flügel und Krallen be­kommen; des Spiels müde, eine alte hexe werden: des Ge- fanges müde, im Schlaf schnarchen. Sie. kann dich anlachen wie ein Steinschmätzer, nur im nächsten Augenblick tote eine Furie über einen verlorenen Handschuhknopf zu rasen; und sichert wieder ... ,

Dann kommt der grüne Kranz und der weiße Schleier.

Die Maske wird abgeivorfen, der Apfel der Erkenntnis ist angebissen, und nun entdeckst du deine Seele hat ste be- koinmen, aber deinen Geist nicht. ,

Sie hat fein Wort verstanden von dem, was du tn den ersten langen Stunden der Liebe gesagt hast. Ste hat nur. Laute gehört, die ihre Ohrmuschel liebkosten, aber me in btt Schnecke kamen, hinter der die kleine Fensterscheibe des Ver­standes sitzt. Sie hat sich nur in deinen Augen gespiegelt, aber deine Blicke nicht gelesen.

Schließlichverströmt" sie tote Undine. *

D e r M n tn i e n s arg. . .

Sieben Jähre der Ehe wären vergangen; sie hatten die Lampe nicht gepflegt, sondern sie rauchte so, daß in dem schonen Heim alles schwarz wurde. Nun sitzt jeher auf dem Ende der Wohnung, weil sie einander nicht iu die Augen sehen können. Sie' betrauern einander als Tote und sie vermissen sich selbst wie verlorene Kinder. , . .

Da öffnet er eine Schublade und nimmt em Kästchen heraus. Ein Duft von frischen Rosen strömt ins Zimmer, obgleich er von trockenen Roseitblätterit kommt, die zwischen Papterblatteru ÖUU^V7tnb ihre Briese, die seiner Braut, die sie vor sieben Jahren schrieb. Wie schön alles ist: das Papier noch tn unge­bleichter feiner Lavendelfarbe, mit goldenem Rand, ganz tote d e Hochzeitsgläser; die Kuverts so zierlich gefaltet tote bet bestickte Kissenbezug der Wiege; die Buchstaben selbst in Wonen Linien weicher Worte von schönen Lippen, bte tu tetnin Kurven ^Schönheit und Liebe in Gedanken und Gefühlen - Da hat er sie wiebcrgefnnden? Sie lag tn dem Kästchen, von Blättern der Rose Nnd des Veilchens embalsamtert.

Aber letzt ist sie tot! Ta rocuit er! .....

Und auf dem andern Ende der Wohnung sitzt sie üoer threm kleinen Mmniensarg und spricht mit ihrem siebet. Toten, unb oa

Der Juwelenschrein oder seine bessere Hälfte.

Wenn der Mann während der ersten Tage der Liebe das Beste nnd Schönste seiner Seele bei dem geliebten Weibe meder- leat, hat er bei ihr eilten Schatz verborgen. Sinkt er bann unter den schweren Lasten des Alltags nieber uitb versiert seinen Schmuck, so pflegt er ihn bei ihr wieberzufmdeu; sie hat ihn bei sich bewahrt und gehütet (jedoch nicht immer)

In solchen Augenblicken nennt er sie feine bessere Halste, und das ist sie. Sie kann ihm in der rechten Stunde einen schönen Gedanken, ein schönes Wort geben, das er einmal ihr gegeben hat; dann schämt er sich, betrauert sich selber wie einen Gesalleneti. Und tveün er sein Früheres tu ihr steht, Wt er, wie tief er gesunken ist, während sie noch auf ber reinen Meeres- Aippe steht. Dann sieht er zu ihr ans, ruft nm Hilfe, nnd wenn sie ihm die Hand reicht, erhebt er sich, nnd er dankt ihr, bte

iN Paulus erklärt biefes so, oft mißverstandene und wirklich schwer zu verstehende Verhältnis zwischen Gatten:Dock) ist dem Herrn weder Mann ohne Weib noch Weib ohne Mann, beim wie das Weib vom Mann ist, so ist auch der Mann durch das Weib, aber alles ist von Gott." , {ji,

Darm» erscheint in einer rechten Ehe weder der Mann jur lickt noch das Weib für sich, sondern beide nehmen sich tote em Wesen wahr und werden von andern als ein Wesen wahrgenommeit. Wenn der eine etwas Schönes von dem andern bekommt, so soll er danken' und der andere soll danken, weil er geben durste. Sie danken einander, denn sie sind dasselbe Westn; und der Austausch von Gaben und Gegengaben ist beständig, unablässig, so daß sie geben nnd nehmen nicht unteÄchetden können.

Darum ist eine rechte Ehe unauflöslich; sie kann nicht ,geteilt werden, beim was sie, besitzt, ist nicht

das Eigentum kann nicht verkauft werden, denn es ist ein geistiges, das man nicht kauft ober verkauft. , . ? 9 b ..=

Aber der Mann verliert branßeu m den Roheiten de- -emus leinen Schmuck eher als das Weib, das,am warmen Herd des woAverWüssenen Heims geschützt ist. Dort kann sie ;eden Semem hüten, und tut fite es treu, so wirb er immer zu ihr "'M. Yen, wie zu seinem bessern Ich.

vöL'M^chtSK.

* HedtoigvonBis m a r ck. Die Enthüllung der Bismarck. Büste in der Regensburger Walhalla ruft den Umstand m das Gedächtnis zurück, daß noch ein 93 JA«e alter ftüherer p kamerad des großen Kanzlers, seine Fräulein Hedwig

von Bismarck, in Berlin lebt. Em Mitarbeiter bes^ags, der die Dante besuchte, schilderte diese Begegnung tote W - ,,^n einer^enwohnum des Hauses Magdeburger Skratze Nu 13 put Hedwig von Bismarck ihr Heun. Ttef in den Lehnpu.- g blickt, empfing mich die alte Dante. Aber die energische H bewegung, mit der sie »um Sitzen mich einlud, iinb'hr vos^, wohllautend llingendeS Oraail verrteten sofort, daß'ndt'R von der Jahre Last gebeugten Gestalt noch ^'lsiunbLebemirs in reichstem Maße sich «gten. w'd dieser ersk Enidrrnk tiu tiefte sich je länger sie sprach. Fließend die Rede, mm sids

i 100m nebaut. In Schönhausen in demselben Jahre geboren, i jn hem Bismarck zur Welt kam, sind ihre ersten Erinnerungen mit bem Leben des Kanzlers veriknüpft. sie waren 'LPiel «Ipkäbeten der Otto und die Hedwig, und als Hedwig ein ^>ahr ****** « U-SLLSS sie noch einmal die ErinNMmgen an ' lt.. mndetze a Ein Ivilder Bursche ist der Otto gewesen et » dne w«

Vetter an das Wort ihrer Mutter gemahnte, daß sie die ung