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braucht dies nach nicht ßetmi Erscheinen der nur hier und da junge Bogel raubenden Amsel M geschehen. Ich habe doch auch noch nicht bemerkt, das; ausgewachsene Vögel beim Erblicken ciries Eichhörnchens, das als Nesträuber sicher bekannt ist, ein besonders angstvolles Wesen an den Tag legten. Daß sich in einem Garten oder Park die kleineren Vögel, vielleicht dreiste Sperlinge und Stare ausgenommen, verziehen,. sobald eine oder mehrere Amseln in ihrem Bezirk sich heimisch gemacht haben, hört man nur allzu häufig. Als nicht zil nu- terschähende Ursache für diese Erscheinung mag auch die außerordentliche Gefräßigkeit der Amsel anzusehen sein. Ist sie nämlich einmal länger- Zeit in einem Garten zu Hause, so befreit sie diesen derartig von Ungeziefer, besonders Würmern, daß den anderen Mitbewohnern nur noch wenig Nahrung übrig bleibt. Zum Schluß möchte ich noch darauf Hinweisen, daß die Amsel auch durch ihre veränderte Lebensweise — sie zieht sich immer mehr vom Walde in die Nähe der Menschen —. ihr früher vielleicht vollständiges Naturell etwas geändert haben. mag." _________
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* Rauch en verboten. Schon Fürst Bismarckkannte Und schätzte die sittenmildernde Macht des Rauchkrantes und bot den Leuten, von denen er sich scharfer Er- widerungen gewärtigte, zu Anfang des Gesprächs eine gute Zigarre an. Wenn es noch eines Beweises bedürfte, daß wir Raucher bessere Menschen sind, so liefert einen solchen di« märtyreraleiche Engelsgeduld, mit der wir auf der Eisenbahn uns die Abknöpfnng eines Vorrechts nach dem andern, ein Verfahren gefallen lassen, das an die operativen Eingriffe eines Chirurgen erinnert, der dem Kranken ein Glied nach dem andern abzwackt. Der Kranke ist siech und stöhnt, wir sind gesund und dulden, wie große Seelen, still. Und das Dulden ist der einzige Vorwurf, den man unS machen kann. Heute, wo alles zum Stein- erweichen quietscht, wenn es an die Wand gedrückt wird, hüllen wir uns in ein erhabenes Schweigen! Einst bildeten die Nichtraucherabteile die Ausnahmen, heute sind die Raucherabteile in der Minderheit, wenn man die Frauenabteile hinzurechnet, und eine Behandlung wird Uns zuteil, lvir werden zusammengepfercht, als ob man uns zuriefe: Qualmt für euch allein, ihr Schmutzfinken! Bildet eine patschicliduftende Dame oder ein zwiebelliebender Alkoholiker nicht eine lveit empfindlichere Belästigung der Mitreisenden? Jetzt ist uns durch ministerielle Verfügung auch noch die Erlaubnis geraubt worden, im frühern Raucherabteil des Speisewagens itrnfj Tisch zu besserer Ver- dcnmug und zur Förderung von Humor, Loyalität und Nächstenliebe zum Kaffee unseren Glimmstengel zu entzünden. Sind das Zustände, die einer Kulturnation würdig sind? Geschieht solches in Amerika, Frankreich? Rur England, das yt Dingen der Kulturfreiheit stets den andern Ländern nachhinkt, hält noch diese drakonische Be- stimmung aufrecht. Wäre der Minister ein Rancher, er wüßte, was er Uns entzogen hat. Leider ist er kein Raucher, aber Unkenntnis des Genusses sichert ihm keine Vergebung von unserer Seite. Wir haben bis jetzt geschwiegen, das Maß ist übervoll, jetzt wehren wir uns. Uebrigens haben !vir die Speisewagen-Gesellschaft auf unserer Seite, desgleichen die Oberkellner. Denn seitdem die Speisewagen rauchfrei laufen und verenglündert sind, fällt es keinem Raucher mehr ein, im Speisewagen seinen Kaffee zu trinken und je nach seiner Gemütsanlage einen Marnier oder Benediktiner draufzusetzen. Auch der bessere Tropfen allein um des Tropfens willen, den man dort gern zur Zigarre trank, ist eingestellt. Ich weiß sehr ivohl, daß mit der Rauchfreiheit Mißbrauch getrieben worden ist, und zwar von den Dauersitzern, die, womöglich nur mit einer Fahrkarte dritter Klasse versehen, bei einer Tasse Kaffee voic Hannover bis Frankfurt durchhielten. Das sind Frevler, die mit uns, der ehrenwerten Gilde der Raucher, nichts gemein haben und die man auf die Vorschrift int Speisewagen hätte aufmerksam machen sollen, daß nie- rnand länger bovin verweilen soll, als zur Einverleibung Von Speisen tmb Getränken erforderlich ist. Dem nicht- r auch en den Publikum ist es gleichgültig, ob nebenan geraucht wird oder nicht, für das rauchende ist diese treue Einschränkung eine Kränkung, eine Folter, ein Unglimpf. Man warte nicht, bis wir unseren Beschwerden einen gepfefferteit
Nachdruck verleihen uttd bis wir unter Anführung der Speisemagengesellschaft und sämtlicher Oberkellner vor das preußische Eisenbahnministerium ziehen und dort 10 Stunden lang Pfälzer Zigarren rauchen! Die Wirkung wäre furchtbar, niederschmetternd!
* Warum die Hunde mit dem Schwänze wedeln, Ern vlfahamsches Märchen gibt eine allerliebst- Erklärung für diese hündische Sitte: „Ein reicher Magier, der einen alten zahnlosen Hund und eine Katze besaß, wollte durch diese seiner einzigen Tochter, die im Kloster erzogen wurde, eines Tages einen Zauberring hersenden. Er übergab ihn der Katze und schärfte ihr ein, ihn keinem anderen als nur seiner Tochter zu übergeben. Unterwegs aber mußten die beiden über eineu Fluß schwimmen; der Hund wußte die Katze zu überreden/ ihm den Ring anzuvertrauen, weil er ein besserer Schwimmer fei. Nach langem Widerstrebend erhielt er ihn und sie schwammen los." unglücklicherweise aber verlor der Hund den Ring int Wasser und wagte aus Furcht, vor seinem Herrn nicht, zurückzukehren, so daß nur die Katze ihm Nachricht von dem Unglück geben konnte.. Der reiche Mann ließ sofort eine hohe Belohnung für den ausfetzen, der ihm den alten Hund wicderbringen würde, und gab als Kennzeichen an, daß er alt sei und keine Zähne mehr hatte. .Sobald er seiner habhaft wäre, so ließ er verkündenwürde er ihm zur Strafe den Schwanz abschneiden.. Alle Hunde der ganzen Welt sollten sich am Suchen beteiligen. Seitdem fragt jeder Hund, wenn er einem anderen begegnet: „Bist du der alte Hund, der den Zauberring verloren hat? Dafür muß dir der Schwanz abgeschnitten werden." Da zeigen sich beide die Zähne und tvedeln mit dem Schwänze, was bei ihnen nein heißt. Daher kommt es auch, daß sich die Katzen vor dem Wasser snrchten und nicht gern über einen Fluß schwimmen^
Litera tur.
— Süddeutsche Monatshefte (Aprilheft). Hans Thoma eröffnet das neue Quartal mit einem Aufsatz „Wander» und Suchen", der in phantasievoller und gedankenreicher Weiss eine SomNlerwanderung des berühmten Malers schildert. Der Frankfurter Stadtrat Dr. Karl Flesch erörtert auf Grund der in Frankfurt nud Umgebung gemachten Erfahrungen die Bildungs- frage als soziale Frage. Professor Josef Hofmiller ist mit einem Essay über Wilhelm Busch vertreten, die Bonner Zoologin Gräfin v. Lindert teilt die Ergebnisse ihrer Forschungen über Kohlensäure assimilierende Tiere mit rind Reichstagsabg. Tr. Friedrich N aumann entwickelt in einer Abhandlung „Der ästhetische Mensch und die Politik" seine Anschauungen. Tie Rundschau enthält n. a. einen Aufsatz über Mädchen erzieht-na von Dr. Tim Kein in Burtenbach bei Augsburg, eine rückhaltlosS Aussprache des Würzburger Gymnasiallehrers Blümel über Mißstände an den bayrischen Gymnasien, eine köstliche Glosse von Geheimrat Crusius „Neues von Johann Ballhorn".
Bom Weibe.
Das Weib muß nach der Herrschaft über den Mann streben; weil sie fühlt, daß die Natur sie bestimmt hat, ihm unterwürfig zu sein, und weil sie nun in jedem einzelnen Falle prüfen muß, oh das Individuum, dem sie sich vis-ä-vis befindet, imstande ist; das ihm seinem Geschlecht nach zustehende Recht auszuüben. Sie strebt also nach dem Ziel, das sie unglücklich macht, wenn sie'S erreicht. Friedr. Hebbel.
Goldene Worte.
Nicht der Platz, auf welchem wir stehen, nicht der Raum, sei er groß oder klein) gibt uns Würde ober Schmach. Wir sind eG die uns und unseren Posten adew oder beschimpfen.
Bilderrätsel.
Z
Auflösung in nächster Nummer.-
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Zeder, Eder, Rede, Der, Er, N, E.
Redaktion: P. Wlttko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen llniversitäts-Vuch- und Sieiadruckerei, R. Lange, Gieße».


