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Die Wolken neigen sich
erweckt. c
Die Stunden verrinnen, nichts wie hegest und Schmutz; feine Suppe, keinen Kaffee, kein Feuer, nm die nassen, erstarrenden Glieder zu wärmen. D ™ -
tief zur Erde, alles verhüllend, und doch wissen alle, ,,der Feind ist in der Nähe", man fühlt ihn, ohne ihn
Gepäck, Gewehr im Arm. Kein Wunder, daß die Mannschaft erschöpft und übgemattet ist; in ihren durchnäßten Uniformen lehnen sie sich aneinander, völlig betäubt; von Müdigkeit überwältigt, suchen sie sich gegenseitig aufrecht zu erhalten und sich zu erwärmen.
Cie schlafen im Stehen, bei der geringsten Bewegung auffahrend, um nach dein Gewehr zu greifen, lvclches zu entfalten droht. In dein leichten Schlummer prägt sich in ihren Zügen Ermattung, Abspannung aus, ein Bild, das tiefstes Bedauern und doch zugleich Bewunderung
zu sehen.
Was soll und wird hier geschehen? Warum dieses ruhige, unheimliche Ausharren? - Die Kanonen, mit ihren Jeuerschlünden nach dem Gehölze gerichtet, scheinen auf etwas zu warten; die in einem Hinterhalt postierten Mitrailleusen sind bereit, ihre verderbenbringenden Geschosse auszustreuen. '
Alles ist zuur Angriff bereit, warum diese tote, lähmende Ruhe in den Reihen der Krieger? Auf was wird gewartet?
„Matt wartet auf Befehle vom Generalstabsquartier Und es treffen keine ein." — Alles bleibt: Gewehr in Ruh'!
Und doch ist er nicht weit, der mit allen Fasern herbeigewünschte Generalstab. Seitwärts zwischen den sich hinziehenden Gehölzen sieht man die Dächer des reizenden Schlößchens Ludwigs XIII. mit seinen roten Ziegeln zeitweise durch die Büsche schimmern. Es ist eine ivahre Fürstenwohnung, förmlich geschaffen, die Marschallstandarte, als Mzeichen seines Bewohners, zu tragen. Ein breiter Graben mit Mauer trennt die wohlgepflegten Rasenplätze von der Landstraße und ebensolche umsäumen die prachtvolle Auffahrt bis zur Freitreppe. — Auf der Rückseite des Schlosses, wohl zum engeren, eigenen Gebrauch der sonstigen Bewohner bestimmt, zieren wunderbar in ihrer roten Farbe glänzende Hagebuttenhecken im Wege. Ein Teich, welcher sich wie ein Spiegel ausdehnt, ist bevölkert mit Schwänen und anderen Wasservögcln, während in einem großen Vogelhaus, phantastisch gebaut wie ein indischer Götzentempel, Pfauen und Goldfasanen ihr prachtvolles, glänzendes Gefieder zeigen. Man hat gar nicht das Gefühl, als ob die Besitzer all dieser Herrlichkeiten abwesend seien, als ob die Kriegsfackel in jedem Augenblick auf- lodern könne. Das sichtbare Zeichen des Höchstkommandierenden hat hier alles, selbst das unscheinbarste Pflänzchen, vor Zerstörung bewahrt; alles strömt wohltuende Ruhe aus, cs ist, als ob der ganze Bau, die großen alten Alleen mit ihrem nndurchdringlichen Lanbdach. hierzu stimmten.
Der Regen, welcher in dem nahen Gehölz durch den verursachten Schlamm und die grundlosen Wege Menschen und Tiere zur Verzweiflung bringt, scheint hier als Abwechslung zu dienen, nur zur Erfrischung des Grases und der Blätter beizutragen; selbst die weißen Federn der Schwäne schirumern heller und das Dach mit seinen roten Ziegeln ist von seinem Schmutz und Staub befreit. Alles glänzt, alles atmet Wohlsein und Zufriedenheit.
Wenn nicht die Feldherrnstandarte auf der Zinne des Daches wehte," die beiden Schildwachen nicht ernst und stumm einher wanderten, wahrlich, man würde nie glauben, hier das Quartier des Höchstkommandierenden in Kriegs- zeiten vor sich zu sehen. Die Pferde sind in den weiten Stallungen untergebracht, ab und zu sieht man einen der Burschen oder Ordonnanzen in ihren Uniformen Vorbeigehen, immer möglichst in der Nähe der Küche, hier und da mal auch einen Gärtner, welcher scheinbar seinen Rechen zum Ebnen des Kieses benutzt, keiner hat etwas ernstliches zu tun,
In deut Speiscfaäl, dessen Fenster nach der Ausfahrt zu liegen, sieht nian noch Ueberreste des Mahles, das wohl vor kurzem erst beendet wurde, aufgekorlte Flaschen, leere und noch halbvolle Gläser, mit einem Worte, einen halb abgedeckten Tisch Aus dem Zimmer nebenan schallt fröhliches Lachen, hört man das Anstoßen von Gläsern, das Klappern von Billardbällen. Der Marschall, sehr eifrig, spielt seine geliebte Partie, deshalb muß die Armee auf Befehle warten, denn wenn diese Partie angefangen ist, so mag eher der Himmel einstürzen, als daß er sie nicht zu Ende spielt.
Das Billard! ...
Das war die verderbliche Schwäche des großen Kriegsherrn. Ernst und ruhig, wie in der Schlacht, steht er in voller Uniform, die Brust mit Orden und Ehrenzeichen bedeckt, mit blitzenden Augen und lebhaft erregten Gesichtszügen, das Spiel verfolgend. Die Generalstabs-Offi- zicre und Adjutanten ringsumher scheu mit Ehrerbietung und Aufmerksamkeit zu und zollen jedem Stoß ihres Chefs lauten Beifall. Bei jedem Point, den er zu markieren hat, stürzen sie alle nach der MaMerungstäfel; ist sein Glas geleert, so eilen sic, es wieder zu füllen. Das ist ein forttvährendes Aneinauderkommeu der Epaulettes bei den gegenseitigen zuvorkommenden Verbeugungen, ein leises Klirren der sich berührenden Ordeuskreuze auf den reichgestickten, vollständig neuen Uniformen in diesem prachtvollen Saale; die Fenster, lvelche nach dem Park zu gehen, sind weit geöffnet. Die Anregung, die Getränke und Unterhaltung lassen die Anwesenden die feuchte Regenlust wohlig empfinden und man vergißt, wenn man dies Leben und Treiben sieht, den Schlamm und Morast draußen, der die umgibt, ivelche für ihr Vaterland kämpfen sollen und welche klagelos Strapazen ertragen: „Sie warten auf Befehle aus dern Hauptquartier!"
Der Gegner des Marschalls, ein KAPitän aus dem Generalstab, klein, aber sehnig und rassig, elegant bis ins Kleinste, ist einer der besten Spieler und es wäre ihm ein Leichtes gewesen, gegen sämtliche Marschälle Frankreichs zu aewinnen; aber er weiß, wie er seinem Ches gegenüber 'feilt Spiel einzurichten hat, er läßt ihn vm- kommen, will nicht gewinnen, aber auch nicht zu leicht verlieren, mau sicht, ein Offizier, der seine Zukunft im Auge behält.
Aufpassen, Kapitän, nur immer so sortfahlren, der Marschall hat 15 Points, Sie 10. Spielen Sie die Partie in dieser Weise ioeiter, dann machen Sie einen großen Schritt zu Ihrem Avancement, größer als wenn Sie draußen bei" den anderen stünden in Schmutz, Schlamm und Unwetter, nur um Ihre schöne Uniform und Epaulettes zu verderben und auf Befehle zu warten, welche nicht kommen.
Die Partie lvird immer spannender und erregter. Die Bälle berühren, treffen sich, verschwinden untereinander, ihre Farben vermischend, die Baude schlagen vorzüglich ab, man meint, durch die fortwährende Bewegung und oas Laufen der Bälle müsse ordentlich das Tuch warm werden.
(Schlug folgt.)
Asch einmal die Amsel.
Mit Bezug auf einen Artikel in Nr. 43 der Fam.-M. wird„^uus^ hjx nchchädliWir der Amsel möchte ich
Folgendes entgegnen:
Daß die Amsel dann und wann als Nesträuber austrnt, wird wohl heute kaum mehr bezweifelt werden. Obwohl rch selbst den Bvgcl noch nicht auf der Tat ertappte, kann ich doch durch die Angaben eines durchaus glaubhaften Augenzeugen die nachteilige Meinung über, diesen Sänge« erhärten. In einer Gartenhütte hatte ei» RotsOvÄnzchen tu btc Stangen eines dort aufgehängten Rehgehörns genistet. Als der Augenzeuge eines Mittags an der Hütte vorbcigmg, gewahrte er, wie das alte Rotschwänzchen plötzlich anfflog, Eme Amsel näherte sich dem Reste, ergriff eines der noch ganz nackten Jungen und trug es im Schnabel fort. Wenn die Apgel in der Regel beim Erblicken eines gewohnhettsmählgen Räubers ihre Warunngsrnst ausstoßen oder sich verstecken, t».


