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Keim ui ö Von LsVlen.
Roman voll Ursula Züge v oil Mauteusfel. (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Lohsen sand sich jebcu Tag gegen Abend in der Psarre ein. Er tat llichis halb. Gehörte er nun einmal zur Familie, p ivollte er ihr auch all die Herzlichkeit erzeigen, die er schuldig 5U sein glaubte. Er sprach ehrerbietig mit dem alten Mann, der von so viel schlichter Herzensgute ergriffen, den« Schwiegersohn eine fast verschämte Zimeigmig eutgegenbrachte. Mit Frieda und Jnlchen kam er bald auf geschwisterlichen Fuß, ja er konnte nut diesen beiden heiterer sein, als mit seiner Frau. Luisens Heiterkeit steigerte sich so schnell ins Aufgeregte, und das verstimmte ihn immer.
Seine Abreise lvar nun auf den Montag festgesetzt. An« Sonntag gingen sie alle in die Kirche und er setzte sich mit Luise in den Pfarrstnhl neben die Schwägerinnen. Tas war ihm- auch lieber, als oben in d-er Herrenloge z,i sitzen und allzu lebhaft an seinen ersten Kirchenbesuch erinnert zu werden — an jenes ahmings- VvNe Granen, das ihm damals die Kehle zugeichmrrt hatte.
Ter Gottesdienst begami und die klaren, reinen Stimmen der Schwestern, die dies Kleinod sorglich gehütet hatten, klangen in den Gesang der bäuerlichen Gemeinde hinein. Als die gold- hellen Töne aufstiegen, erblasste Luise und preßte die Hände krampf-' haft zusammen. Julchen schmiegte sich nach einer Weile an sie rmd fragte flüsternd: „Weshalb singst du nicht mit? Es Hingt, doch intimer so schön in der Kirche. Freilich fehlt uns heute das Beste, Bruders Stimme!"
Sie sagte nie Gotthard, immer Bruder. Sune wandte sich heftig ab und blätterte in ihrem Gesangbuch. Sie fühlte sich eben plötzlich wieder todunglücklich ,
' Dir Pastor hatte mit festeren Schritten als seit lange die Kanzel bestiegen, und als er seine Predigt schloß, ging ein Räuspern ,md Ricken durch die Reihen. Tas war ja mal wieder so eine Predigt gewesen, wie er sie vor Jahren zu halten pflegte. Auch Äoysen war ergriffen, und ihm war, als hätte eine heilende Hand über all seine SeeleMvnndcu gestrichen. Er blickte dankbar empor und sah das von langem, grauem Haar nmwal.te Gesicht lute verklart herabblicken. . .
Ta kam ihm zum erstenmal eine tiefe, ja freudige Genugtuung ins Herz, und unwillkürlich sah er zu Wilhelm hinüber.
Heute aßen sie alle im Herrenhaus, und dank Wilhelms unversiegbarer Fröhlichkeit und der Lohfen erfüllenden Befriedigung war cs ein sehr fröhlich Mahl, und Großmutters K'üche ward alle Ehre angetan. Wilhelm hatte, wie jeden Mittag, so auch heute nut zarter Aufmerksamkeit ein Sträußchen bunte Frühlingsblumen in klarem Kelchgläschen vor Luisens Teller gestellt, und umgab sie mit kleinen Rücksichten. Wenn er dabei innerlich litt, so merkte man cs ihm nicht an, und Loysen hatte aufgehört, ihn mit peinlichem Bangen zu beobachten. Rach dem Essen führte H-rau von KMen ihr „Pastorchen", wie sie ihn nannte, zu dem großen bc- anemen Familiensofa im Wohnzimmer, wo er in der einen Md sie in der anVerjj Ecke in Nachdenken versanken. Auch Wil
helm zog sich zurück und Lohsen ging mit Luise und den Madcheik in den Garten. Hier blühten Schneeglöckchen,,Veilchen, Primclst und Krokus in dicken Kränzen auf dem zartgrünen kurzen Rase« vor der Gartenhall.-, und in den knospenden Sträuchen saug eine. Amsel, auf den Bäumen schlugen die ersten Finken. Das Sonnen, licht vergoldete das erste Grün und füllte die Garteichalle M.8 Wärme und Tarinenduft. Hier setzte man sich,
„DaS ist herrlich!" — sagte Julchens weiche Kinderstinkme —< „aber wie schade, daß Bruder nicht dabei ist. Er kommt vielleicht uocy' — sie sah sich, aus Zustimmung hoffend, um, aber niemand antwortete. „Er hatte doch Luise noch gar nicht gesehen, ich begreif nicht, weshalb der Sberamtmaun ihn nicht fortläßt."
„Er wird schon noch fomimen," sagte Lohsen endlich.
„Ich fürchte nicht," sagte Frieda etwas gepreßt, „Herr Volt Haide sagte ja, er habe die Einladung abgelehnt." ■ '
Luise, die ganz vorn auf einer niedrigen Hobelbank saß, zuckt? die Achseln und schwieg.
Edeltraut, welche immer daran dachte, daß Lohsen ja morgen auf vielleicht lange Zeit verreise, und glaubte, das Ehepaar wünschL gewiß diesen Nachmittag noch allein miteinander zu verbringen- sagte jetzt: „Wer will sich meine Frühbeete ansehen? T« Gurkest blühen."
Sie niieiute, Frieda und Julchen würden mitkommen, aber. Lohsen erhob sich und Luise blieb sitzen, Frieda am Kleide fassende
„Bleib doch hier, — laß die andern zu den Gurken gehen/ ich bitte dich." ,
Also blieben die beiden Schwestern allein in der sonnigen Halle- „Weshalb kommt Gotthard nicht?" — fragte Luise heftig —
„ich habe cs in bett ersten Tagen gar nicht so bemerkt, aber letzt füllt mir ein, daß er schon vor einer Woche hätte kommen und uns begrüßen sollen." _ , ,
„Tn weißt wie Gotthard ist" — murmelte Frieda, der c,/ nicht einfiel, ihn mit irgend einer Abhaltung zu entschuldigen»
„Was? Er trotzt noch immer? Nun, das hätte ich mW denken können." „ t
„Ja — leider" — stotterte Frieda — „er hat dir twch Nicht — nicht — verziehen.... aber wenn er erst sehen wird, W!K glücklich Vater ist .... Vater, um den Wir im Herbst solche Sorg? hatten — und der jetzt . . . „ ...
Luise sah starr vor sich hin mit fest zusammcngckniffenM Lippen. Die andre in der Hoffnung, ihre Gedanken abzulenken-
Ich habe cs dir ja noch gar nicht erzählt — Vater hatte im .Herbst einen Ohnmachtsanfatl. Denke dir, wie schrecklich, es kam mitten in der Predigt und er mußte aus der Kirche getragen werden. Der Doktor war in Sorge und wir auch, sehr, sehr, aber er erholte sich wieder, und wenn ich nun denke, seine jetzige glückliche Stimmung könne ihn ganz kräftigen und verjüngen —'
Luise lachte kurz auf, aber das galt nicht den Worten der Schwester, die sie gar nicht- beachtet hatte.
„Verzeihen!" — brach sie endlich los — „sagt er? Und bitte, was hätte er mir zu verzeihen! Was tat ich ihm denn?
Ich wählte mir meinen Beruf — er wählte sich bett seinen. Was I dem einen recht ist, ist dem andern billig. Er kann sich über meincti


