Ausgabe 
20.8.1908
 
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Vermischtes.

* König Eduard hat einen ausgezeichneten Humor, Verständnis für Satire, selbst wenn sie ihn selbst betrifft, und eine große Neigung, anderen einen Schabernack zu spielen. Diese Eigenschaften mögen vielleicht heute etwas zurücktreten, als Prinz von Wales hat er sie in großem Maße besessen. Einige Worte über seine häufigen Besuche in Homburg v. d. §. werden dies zeigen. Der Prinz war dort ein Liebhaber von lustigen Veranstaltungen aller Art und es kam vor, daß indische Fürsten Waldfeste mit humoristischen Einlagen veranstalteten, die den Prinzen zu dem Ausspruch nötigten:Das seien die schönsten Tage des Lebens." Seine Landsleute, denen er ja auch in der Mode vorbildlich ist, -neckte er mit Vorliebe. Stunden­lang standen sie vor seiner Wohnung und warteten auf den Ausgang. Wer der Prinz ließ sie stehen und ging durch ein Hintertürchen weg. Seine Hüte waren allen Engländern vorbildlich. Eines Tages trug er den grauen, weichen Filzhut, den schon zwei Tage später alle in Hom­burg wohnenden Engländer akzeptierten. Als der Prinz dies merkte, beschloß er, einen Scherz zu machen; er trug ernt anderen Tage auf der Promenade einen weichen, braunen Filzhut, der eine eigenartige Farbe hatte. Die Londoner Hutlager mußten die Hüte aus England beziehen, um die riesige Nachfrage befriedigen zu können. Der Prinz lachte vergnügt, als er überall die braunen Hüte sah, und erschien einige Tage später mit einem grellroten, weichen Filzhut. Das grelle Rot schreckte jedoch seine be­geisterten Anhänger ab, und so entschlossen sich nur wenige, den roten Hut ebenfalls zu tragen, und erleichtert atmete man auf, als der Prinz wieder zum gewohnten grauen Hut griff. Der Prinz hatte aber an der Hutgeschichte und am Nachahmungstrieb seiner Verehrer solche Freude, daß er das Vorkommnis oft und gern zu erzählen pflegte.

* Morphium sucht und Ehescheidung. Mit »eit schweren körperlichen Schädigungen, die der gewohn­heitsmäßige Morphiumgenuß mit sich bringt, gehen schwere seelische Störungen Hand in Hand, die nur allzu oft neben dem medizinischen ein gerichtliches Interesse haben. Ein sehr charakteristischer und grundsätzlich wichtiger Fall dieser Art wird demLancet" aus Paris mitgeteilt. Bei dem Gericht klagte ein angesehener Kaufmann auf Scheidung, weil sein Eheleben von dem Tage, an dem seine Gattin durch Zufall dem Morphiumgenuß iu die Hände fiel, voll­kommen zerstört war. Es gelang ihm zwar durch anhaltende Sorgfalt und stete Ueberwachung der unseligen Gewohnheit Einhalt zu tun, aber leider nur in der Weise, daß seine Frau dem Morphium entsagte, um sich dem Alkohol in die Arme zu werfen. Der Anwalt des Gatten machte geltend, daß sein Klient schweren Schaden dadurch erlitten hat, daß seine Gattin sich freiwillig einer Gewohüheit er­gab, die sie unter das Niveau eines menschlichen Wesens herabdrückte, so daß der Friede des Hauses und das Fa­milienleben schwer gestört wurden. Ihr Verteidiger wies darauf hin, daß es sich um einen Zustand handele, der weit mehr das Wesen einer Krankheit als eines Verschuldens habe. Er forderte ein Sachverständigenurteil über den Grad der Zurechnungsfähigkeit seiner Klientin. Gleichwohl gelangte der Gerichtshof zu der Anschauung, daß der Standpunkt des Gatten gerechtfertigt sei und billigte ihm die Scheidung zu mit dem Rechte, die Kinder zu behalten.

* Fliegen als Handelsobjekt. Ein merkwürdi­ger Handel, von dessen Existenz man kaum etivas geahnt hätte, ist die Einfuhr von getrockneten Fliegen aus Süd- Mexiko nach Europa. Allein in England sind bon dieser Ware im letzten Jahre mehrere Tonnen eingeführt worden. Die getrockneten Fliegen dienen als Nahrung für Vögel im Käfig und als Köder für den Fischfang. Der einträg­liche Handel macht indessen gegenwärtig, wie ein französi­sches Blatt berichtet, eine Krisis durch, da vom Standpunkt der Hygiene Einspruch gegen ihn erhoben worden ist. Es

wird behauptet, daß die Einfuhr vou Millionen von In­sekten, ohne daß irgendwelche Vorsichtsmaßregeln getroffen werden, eine ernste Gefahr bedeutet, da die Fliegen, big nach der Einfuhr über das ganze Land verbreitet werden, epidemische Krankheiten mit sich führen konnten.

* In der Verlegenheit. Leutnant v. X., der jung verheiratet war, hatte einen neuen Burschen be­kommen, der sich nicht durch große Intelligenz auszeichnete. Besonders schwierig war es, ihm beizubringen, wie er sich Verhalten sollte, wenn Besuch kam, und daß er auch manch­mal dem Besucher sagen sollte, die Herrschaften wären aus­gegangen, während sie doch in Wahrheit irgendwo in der Wohnung sich befanden. Das wollte ihm gar nicht in den Kopf. Die Garnison, in welcher v. X. lebte, gehörte nicht zu den ganz großen irrt Gegenteil, und die Wohnungen waren daher nichtmit allem Komfort der Neuzeit", nicht einmal mit allen Bequemlichkeiten atrsgestattet. Recht störend war es vor allem, daß ein Raum, der gern in stiller Verschwiegenheit aufgesucht wird, sich nicht innerhalb' der Wohnung befand, sondern nur vom Treppenflur aus' zu erreichen war. Eines Nachmittags klingelte es bei v. X., und vor dem öffnenden Burschen standen zwei Damen des Regiments, welche fragten, ob die gnädige Frau zu Haus wäre. Der brave Bursche bekam einen Schreck und vergaß, in sichtlicher Verlegenheit, 51t aniworten. Als aber die Damen ihre Frage wiederholten, wurde er noch ver­legener und mit einemPscht" zeigte er mit dem dicken Daumen über seine Schulter weg nach einer neben dem Treppenabsatz befindlichen kleinen Tür, in welcher ein Schlüssel steckte . . .

Goldene Worte.

Wer der Gesundheit Schatz auss neue Gewarnt und wieder heiinwäris trägt, Der lass' das Mitleid nicht dahinter, Das gegenseitig hier bewegt, Gedenket, daß «vir alle kranken An dieser Zeit Gebrechen schwer, Erbarme einer sich des andern, Und unser aller, Gott der Herr!

Ludiv. Anzengruber.

*

Die ihr euch schwer mit dem Gedanken quält, Unnütz sei euer Leben und verfehlt, Ein jeder Wurm hat seine kleine Pflicht;

Unnütze Leben gibt es nicht. Alb. Roderich.

»

Mitgefühl erweckt Vertrauen; Und Vertrauen ist der Schlüssel, Der des Herzens Pforte öffnet.

*

Alles, was ist, ist schöit und recht.

Erde, liebe Erde, ich bin dein Knecht.

O. I. Birbaum.

*

Was kann der Meitsch int Leben mehr gewinnen, Als daß sich Gott-Natur ihm offenbare, Wie sie das Feste läßt zu Geist verrinnen, Wie sie das Geisterzeugte fest bewahre. Goethe.

Bilderrätsel.

Auflösung tu.hster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Briefträger.

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Redaktion: P, Wittk0. Rotationsdruck und Verlag der BrLhk'schev Universitäts-Buch- und Steindruckereh R. Lange, Gießen.