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heul und Gebrüll entstand- Nell (Rundholz), Lattenstücke, Silscheite und Peitschenstiele knallten aus den dicken Schädeln And zerbrachen auf den breiten Rücken der Kämpfenden, bis alle sich so ineinander verbissen hatten, daß es schier unmöglich schien, sie wieder zu trennen und im unentwirrbaren Klumpen auf dem Misthaufen im Hofe eine weiche Lagerstätte gesunden hatten.
Ganz ratlos standen die am Kampfe Unbeteiligten um die Dung statte und warteten auf Hilfe, nach der man eben einen Boten ausgeschickt hatte. Und die Hilfe kam in der Person des in der ganzen Gemeinde hochgeachteten Bürgermeisters Friebertshäuser.
Mit Feldherrnblick überschaut er den Kampfplatz, schreitet dann auf den Brautvater zu, der den Gemeindebullen im Stalle hat und ruft ihm zu:
„Hannes, de Oß eraus!" Und siehe da, in wenig Minuten stürzt der als Schiedsrichter befohlene Ochs mit niedergebeugtem Kopf und blitzenden Augen aus den Menschenknäuel los. „Alleweil raumts awer", ruft Friebertshäuser, als der ganze Haufen auseinanderstiebt, wie wenn ein Habicht auf eine Hühnerherde niederstürzt. Alles rennet, rettet, flüchtet —■ über den Gartenzaun, auf den Erntewagen, der Leiter hinan, aus das Pfuhlsaß, ja an der glatten Wand versucht einer hinaufzuspringen.
Die nach dem Hauseingang Flüchtenden werden von Friebertshäuser noch mit Ohrfeigen traktiert und zum Hof hinausgejagt.
Die Taktik des Bürgermeisters hatte sich wieder aufs neue bewährt, und heute noch täte es manchmal not, wenn der alte Friebertshäuser mit seinem: ,,D' Oß eraus!" in Sireithänöeln zur Stelle wäre. —o—.
Dsr pereat-Crunk.
Ein köstlicher wa-rmer Sommertag Behaglich auf trächtigen Fluren lag.
Die Aecker standen gelb und voll
An schattigen Aesten das Obst schon schwoll.
In reifender Frucht der Sonne Kraft Rings neues, saftiges Leben schafft.
Da reitet von Ockstadt ein Edelknecht, Er dient dem Fr a n k e n st e i n e r Geschlecht.
Er reitet des Herren Lieblingspferd;
Ist selber dem Herren lieb und wert.
In ihm auch ist es iuie Sonnenkraft, Die Lebensfülle und Tatlust schafft.
Das Ziel hochragend vor Augen er hat:
Es winkt ihm Friedberg, Burg und Stadt.
Die Burg und die Stadt auf der Höhe vereint, So nah beisammen und doch so feind!
Feind ist auch die Burg mit dem Frankenstern, Der Knappe reitet ins Stadttor ein.
Und da die Botschaft erledigt ist, Im Wirtshaus gönnt er sich Rastens Frist.
Der Ritt machte warm und so golden blinkt Der Wein. Ein Narr, wer zu wenig trinkt.
Schenkt ein, Herr Wirt, und wieder ein!
Das bring' ich den: Herrn von Frankenstein.
Dann eins auf die Stadt! Und noch eines jetzt Der Burg zum Trotze! Das sei das letzt'.
Den Burgmannen kräftig ein „Pereant!" Dann schmettert er lachend das Glas an die Wand.
Es war sein letztes! Tas ging ihm ins Blut, Der trotzige Trank machte trotzigen Mut.
Als wär' es der Haß auf die Burg, so kreist
In seinen Adern des Weines Geist.
Zum Tor hinaus, bergab im Nu — Da ist am See der Schlagbaum zu.
Zum Teufel den lästigen Aufenthalt!
Und ärgerlich die Faust sich ballt.
Ob das uns hindert, laßt doch seh'n!
Im Sprunge soll es hinübergeh'n.
Das Tier setzt an — doch der Raum wär knapp. Es scheut, es wirft seinen Reiter ab.
Und !vie er sich rafft vom Boden schwer. War das ein Lachen vom Burgturm her?
Er schaut empor. Da packt ihn die Wut.
In den Sattel zurück. Es gährt ihm das Blut.
Drei Tore hindurch in die Burg hinauf:
Den Pförtner schickt mir, den Schlag schließt auf. Ein Ritter staunt lächelnd den Trunkenen an, Da zückt er das Schwert aus den alten Mann. Doch der Hieb geht fehl, und des Ritters Schwert Trifft besser des Knappen eigenes Pferd.
Es bricht zusammen in seinem Blut.
Nun, tolllühner Junge, nun wahr dich gnt.
Wie er zum zweiten Mal dä liegt, Bor dem bleichen Schrecken der Rausch verfliegt.
Jetzt heißt es gelaufen, gehetzt von der Not, Da draußen das Leben, hier drinnen der Tod.
Durchs erste Tor er, durchs zweite noch schoß Da -kracht das dritte vor ihm ins Schloß.
Das dröhnte ihm gräßlich durch Mark und Bein, Das >var der Tod, der schloß ihn ein.
Umsonst noch verzweiselte Gegenwehr. Es waren zu viele. Es half nichts mehr.
Sie bringen ihn ein unter Hohn und Spott. Burgfriede gebrochen! Nun gnad' ihm Gott!
Der Turm hoch über die Mauerwand Schaut weit hinaus ins üppige Land.
Bon der Mauer herab Gefangner auch du Noch einen Blick in das Leben tu!
Dann knarrt die Haspel, dir gähnt aus dem Schacht Des Burgverließes modrige Nacht.
Drei ewige Wochen in Angst und Qual, Geschieden von Menschen und Sonnenstrahl.
Es wird verhandelt am Burggericht Und Angst und Qual, sie reiten dich nicht.
Wo du gefrevelt, an selbiger Stell', Da wirst tut gerichtet, du junger Gesell.
Die Haspel knarrt, man zieht ihn empor, Aschfahl tritt er jetzt aus der Nacht hervor.
Noch einen Blick in das sommrige Land, Dann rollt im Hose dein Kopf in den Sand.
Dann klagt dein Herr utn den treuen Knecht. — Das Percat bekam dir schlecht!
R. Strecker.
Wie man. Gedichte lesen soll.
Der Düxer-Bundes-Korr. entnehmen wir folgendes:
Man glaube nicht, daß man Gedichte, die etwas zu sagen haben oder die eine Stimmung sind, nur einmal zu überlesen brauche. Das ist geradeso, als wenn ich flüchtig die schwarze Photographie eines farbenfrohen Gemäldes besehe. Nein, ich muß sie wieder und wieder lesen. Und in Stunden, in denen meine Seele zu ihnen gestimmt ist. In ein Gedicht heißt es sich hineinlesen. So lange mnß man eindringen über Stufen und durch Vorhänge schlüpfen, bis man endlich im Allerheiligsten steht, wo man die Dichtung wirklich verstehend genießt. Obwohl das eine Uebertreibung und unmöglich ist, denn dies Allerheiligste bleibt selbst dem Dichter nur eine Ahnung. Aber Mühe müssen wir uns darum geben. Denn uns erschauernd die Schönheit ahnen zu lassen wie er, dazu schrieb 'der Dichter sein Gedicht. Er schuf es nicht klar in dieser Absicht. Das Gedicht, das ein innerer Drang ihn schanen ließ, tief in seiner Seele, wurde ein anderes, als er es niederschrieb. Eine Sammlung von Worten, die er nicht mehr erkannte, wenn er die Augen schloß und ihr Urbild zu schauen versuchte. Darum sagt ein Dichter, Hanns Holzschuher:
Meine besten Lieder hab' ich nicht gesungen, Meine besten Lieder sind in meiner Seele, Und so rein und klar, daß Worte nicht Ihnen Wesen geben können.


