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D' Gtz eraus.
(Original-Beitrag der „Gieß. Fam.-Bl").
I Sh dein Dorfe B.....an int ehemaligen hesfi
sch e u H i n t e r l a n d war beim Gabelhannes „Handschlag", ein Familienfest, bei dem in Anwesenheit einer Gerichtsperson die Ehepakten aufgesetzt git werden pflegten. In einem Protokoll wurde dabei festgelegt, was von beiden Teilen der Brautleute mit in „die Ehe eingewandt" wurde, voer tote wir heute sagen würden: was mt beiderseitigem Vermögen eingebracht wird. Nach Abschluß des Ehevertrags gab es eine echte Hinterländer Mahlzeit, Muckespeck und sauere Breuh (Brühe). Die Hauptsache aber, die dabei nie- I nrals fehlen durfte, war eine große Schüssel voll Branut- I wein, dem etwas Bienenhonig oder brauner Zucker bei- gemischt war mit eingeweichten Meck- und Weißbrotschnitten.
/chüssel stand mitten auf dem Tisch, und mit hölzernen Löffeln wurden aus dem „seußeu Trunk" die Brocken gesucht. Tie ganze „Freundschaft" und auch die „gaure Noch- oern" waren gum Handschlag eingeladen. In dichten Reihen 1?:?L vil Tisch gruppiert, langten die Umsitzenden mit ihren Löffeln nach der Schüssel, und bald hatte jeder seine „Tröp- pelstraße", die sich wie ein Strahlenkranz auf der Tisch- platte abzeichnete. Je mehr gelöffelt wurde, umso lebhafter^ tarn die Unterhaltung in Fluß. Da sprach der eine von einem vorteilhaften Kuhhandel, der andere lobte seine Kinder, ein Dritter prahlte mit seinen dicken Kartoffeln, dw so drck und lang waren, daß man sie in Strohseile! bürden konnte. Oft gab es auch Gelegenheit zu allerlei Spöttereien, die endlich in Schimpfereien und Tätlichkeiten ausarteten. Wie dann aber gar der Eckleps den Stoffel- Hannes eine alte Sanfnase nannte, sprang dieser auf, erwischte den Schmäher an der Kehle und drückte ihn gegen dre Wand, bis sich das Gesicht dunkelrot färbte. In einem' ycu war die ganze Gesellschaft im Handgemenge. Wdiber, dre ftch ut den Streit einmischten, bekamen Rippenstöße! und Faustschläge, daß sie kreischend aus einer Ecke in die andere flüchten mußten.
Durch die offene Stubentür wälzte sich der Knäuel in den Hausahrn und voit da in bett Hof. Ein wildes Ge-
I gchörtcn selbstverständlich außer einem Onkel Tom, einem1 Marks enter kleinen Eva nsw. auch ztoei Bluthunde, und mif einen von dresttt hatte ich cs abgesehen. Gedacht, getan. Als ich zu der spaten Stunde an Burwells Tür pochte, stimmten Pompejus undi Casar em trefes Baßduett an, und Burtvell war in einer Minnte toxttjt. "vch sagte ihm, ich bmnchte zu Privatzwecken sofort einen »unb, und mein Freund gab mir den Cäfar mit. Dieser nahm! die Spur soglerch auf und folgte ihr stracks bis zum Wasser. Hier hob er feine dicke Schnauze in die Höhe und heulte ivie ergrimmt nber bfiy Aufhoren der Fährte. Der Mörder war aufs Wasser gegangen. Um zu sehen, ob er wieder ans Land gekommen sei, führte ich den Huno am Ufer auf und ab, fand aber nichts weiter von Interesse, als einen Erlenbusch, aus dem ein Stock geschnitten dem Verhalten des Hundes erkannte ich, daß der Mörder hier gewesen war, denn Cäsar nahm sofort eine neue iWte auf, dre nach dem Hause zurückführte. Mas ich auch austellre, ich konnte nichts weiter entdecken und brachte daher den Hund unverweilt seinem Herrn zurück. Zweifellos ist der Mörder auf einem Boot entkommen und hat den ausgeschnittenen Stock, die Bretter und überhaupt alles, was mit dem Verbrechen zusammenlKngt, mitgenommen. So viel ist klar, wir haben es mit feinem gemeinen Verbrecher zu tun, und ich wette, fasseit Iviv ihn je, so werden wir fehen, daß es ein Mann von ungewöhnlichen Geistesgaben ist. Aber," fügte er lächelnd mit einem -blick auf Florence hinzu, „ich habe als Detektiv bisher so wenig Positives ausgerichtet, daß ich fürchte, Fräulein Darrow wird wir den Abschied geben."
Sie schüttelte den Kopf und sah ihn freundlich an. „Sie haben für mich getan, ivas ein Mensch nur zu tun vermag Unb was hat denn die Polizei ausgerichtet? Ich weiß nicht viel von den Fähigkeiten der Herren Osborne und Allen, aber Herr Gvddin steht doch im Rufe, einer der findigsten Detektivs in cinienfci zu fein. Urib )vüA Ijnt er in biefcnt Fall nu^geridjtet? ytein, idy verlasse mich nach wie vor auf Sie/'
Maitland beugte sich nieder, um die Hand zu küssen, die Florence ihm reichte. Seine Augen leuchteten, als er den Kopf wieder hop. „Gut, ich werde versuchen, Ihrem Vertrauen Ehre zu machen. So lange Sie mit mir zufrieden sind, bin ich glückliche"
(Fortsetzung folgt.)
wir ihn je, so wird tvahrscheinlich das Beweismittel auf dem Glas genügen, um ihn dem Henker zu überliefern."
Ich nahm das Glasstück aus seiner Hand, betrachtete es aufs genaueste und konnte nichts daran entdecken, als einen gelben Farbfleck. „Ja, ums Himiucls ivillen, Maitland," sagte ich cr- staniit, „was kann uns denn dieser formlose Fleck nützen, oder ist sonst noch etwas an deut Glas, das ich nicht sehe?" Er lachte über meinen Eifer und sagte: „Freilich ist nichts dran als der Farbfleck, <Sie. sind aber bei seiner Betrachtung zu einem sehr begreiflichen, jedoch falschen Schlüsse gekommen. Der Fleck ist nichts weniger als formlos." Dabei reichte er mir ein Ju- wclicrglas hin, damit ich mir die Sache genauer betrachten könnte. Er hatte recht. Die Farbe lag auf dem Glase in kleinen unregelmäßigen Furchen, die sich konzentrisch um eine ovale nicht völlig ausgedrückte Vertiefung in der Mitte ordneten. „Nun," fuhr Maitland fort, als ich! ihm das Vergrößerungsglas zurückgab, „was machen Sie daraus?" Hätten Sie dem Dinge nicht schon so viel Wichtigkeit beigelegt," antwortete ich, „so würde ich sagen, cs sei ein wenig Farbe, die einer mit feinem Daumen auf das Glas gebracht hat; da das aber doch für unfern Zweck offen» bnr belanglos wäre, so weiß ich wirklich nicht, wie ich es deuten soll."
„Nun," erwiderte er, „Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen, • Ihre Deutung ist ganz richtig, aber Sie irren suh sehr, wenn Sie annehmen, der Daumcnabdrnck sei wertlos als Beweismittel. Wissen Sie nicht, daß es keine zwei Daumen in der Welt gibt, die unterschiedslose Abdrücke machen v" Mir war das nicht bekannt. „Wie wissen Sie," fragte ich ihn, „daß btefer Abdruck vom Mörder herrührt? Ich denke, es hat einer vvn bett Ällftrerchsern zufällig beint Tünchen be§ SünfeZ feilten Daumen gegen das Glas gedrückt. An seinen Händen klebte natürlich Farbe, und so kann man sich nicht wundern, daß er diese Spur hinterließ,"
„Was Sie da sagen," versetzte Maitland, „klingt so weit ganz vernünftig. Meine Gründe, warum ich diesen Daumeti- I abdruck dem Mörder zuschreibe, sind einfach folgende: Erstens findet stch noch ein zweiter Daumetiabdruck in dem feuchten Sims- anstrrch gerade unter dem Daumen auf dem Glase. Beide Eindrücke find von demselben Daumen, und in deut unteren ent» hftkte ich mit Hilfe des Mikroskops geringe Spuren von Sand, dre sich sonst auf dem Sims nicht bemerken ließen. Der Daumen brachte den Staub dorthin, und es war der Dainnen der Hand, die tn den Sand gedrückt wurde, der Hand, von der ich einen ! Gipsabguß habe. Sie sehen nun, wie es kam, daß der Daumen Farbe mt sich hatte, als er gegen das Glas gedrückt wurde. I Zweitens, die beiden Leute, die das Haus anstrichen, tvarcn | bte mtztgen, die so viel ich feststellen kotinte, außer dem Täter | nm Tage des Mordes an dieser Seite des Hauses gewesen sind.
sagte er, indem er vorsichtig aus einem Kästchen zwei Glasscherben nahm, „finit die Daumenabdrücke der beiden Arbeiter in derselben Farbe. Sie sehen, es ist ganz ausgeschlossen, daß einer von ihnen den Abdruck auf dem Glase gemacht hat. So steht cs also. Doch wir sind von unserer Hauptfrage abge- kommen. Was meinen Sie, Doktor, wie wollen wir jetzt vorgehen? Wem Witz ist zu Ende." I
„Wir muffen jemanden finden," sagte ich, „der eilt Motiv Ifaben konnte. Dieser jemand muß einen besonderen Grund haben, stme Fußspuren zu verstecken und ist offenbar außerdem lahm. Sonst kann ich absolut nichts sehen wo wir aufassen könnten, cs wäre denn der lange Nagel mit kleinen Finger, und ich kann nicht setzen, wie uns das zur Eittdeckung des Mörders führen kann."
„Uebrigcns," fiel hier Maitland ein, „ich will Ihnen noch einen andern kleinen Umstand mitteilen, den ich Ihnen bisher verschwiegen habe. Als Sie am Wend des Mordes mit Fräulein | Darrow Wgegangen waren und auch die Dienstboten sich cnt- fernt hatten, schloß ich das Empfangszimmer ab und trat aus dem I Hanse, um mich draußen ein wenig umzusehen. Der Mond war aufgegangeti, nnd man konnte in ziemlicher Entfernung dw Gegenstände deutlich erkennen. Ich ging nach der Ostseite des Hauses, wo sich die Abdrücke der Hand und der Bretter fanden, und untersuchte diese auf das' sorglichste. Bor allem wünschte I wb timt zu wissen, in welcher Richtung der Mörder sich entfernt s” y kte Bretter von feinen Füßen getan hatte. Soweit I
rEe, Iie6 bie Spur der Fußbreiter leicht S £■’' 6'innuS war nichts zu entdecken. Ich setzte hU'2b wir die Geschichte. Da fiel mir mein
flmtj tn ber Nahe wohnender Freund Burwell ein, ber eben
1 /wI Druppe nach Boston heimgekominen war, nachbem er StMen sein Ausstattungsstück „Onkel Tonis
Hütte aufgesiihrt hatte. Zu einer „Onkel Tvm"-Aufsührnng | ;


