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siche Arbeit begann sich zu vertiefen, neue Methoden und An- chauungen brachen sich Bahn, nian fing an, den Stoff nach nstorisch kritischen Gesichtspunkten zu behandeln, die eigene For- chung trat immer mehr in den Vordergrund, das mechanische Weitergeben einer festen alten Lehrtradition begann zu ver- chioinden, zur Unterstützung der Theorie begann man praktische Versuche auf dem Wege des Experiments anzustellem Und durch Aufnahme neuer Fächer aus dem naturwissenschaftlich-technischem Gebiet wurde der Umfang der Fakultät bedeutend er-
Ivcitcit
Einen kräftigen Anstoß zu dieser Aufnahme neuer Wissenszweige gab die ökonomische Fakultät, die von 1777 bis 1785 nn der Ludoviciana bestanden hatte, welche eine Reihe von Einzel- sächern staatswissenschastlich-technischer Art umfaßte, deren Kenntnis man für einen künftigen Verwaltungsbeamten als erwünscht «nsah Von diesen Fächern wurde nach dem Eingehen der ökonomischen Fakultät ein Teil aus die philosophische übernommen rind zum Teil bald kräftig ausgebaut. Vor allem kamen auf diese Weise die rein technischen Fächer an die Universität.
Am 18. Juli 1790 wurde eine Professur für Militärwissenschaft begründet, die aber nur 18 Jahre lang bestand. Am 29. Januar 1819 erfolgte die Errichtung eines Lehrstuhles für Technologie, Eisenhütten- und Bergwerkskunde. 1825 war geplant, eine eigene pharmazeutisch-technische Lehranstalt ins Leben zu rufen, für die sich besonders Liebig und der Mathematiker Umpsenbach interessierten. Aber der Plan kam schließlich doch nicht zur Ausführung. Am 17. Januar 1838 wurde eine Professur für chemische Technologie geschaffen, eigentlich eine zeitgemäße Neubelebung der alten technologischen von 1819. Daneben wurden Jngenieurwissenschaften und Architektur gelesen, wofür seit 1864 ein eigenes Institut bestand. Im Winter 1843/44 wurde das erste Kolleg über den Bau von Eisenbahnen gelesen. So funktionierte die Fakultät zugleich mit als technische Hochschule und schon damals konnten Ingenieure in Deutschland den Toktortitel erwerben und zwar int ganzen deutschen Reiche nur in Gießen. Aber 1874 wurden, und im Interesse der gedeihlichen Entwicklung wohl mit Recht, diese rein lechnischen Fächer von der Universität abgetrennt und mit dem Polytechnikum in Darmstadt vereinigt. Das architektonische Kabinett wurde zum kunstwissenschaftlichen, das Institut für Dau- iinb Jngenieurwissenschaften hörte auf zu bestehen, das technologische Kabinett wurde 1882 völlig eingezogen.
Diese Pflege der Technik förderte mächtig daS Interesse an Mineralogie, Physik und Chemie. Im August 1791 habilitierte sich Ludwig August Emmerling, ein Schüler des berühmten Abraham Werner in Freiberg, als Dozent der Mineralogie und zwar in der philosophischen Fakultät. Tie ordentliche Professur blieb noch in der Hand eines Mediziners. Damit hielt der erste Mineralog von Beruf feinen Einzug in Gießen. Am 6. Juni 1818 folgte die Ernennung eines zunächst außerordentlichen Professors kür Chemie nnd Mineralogie, rvomit das Fach definitiv den Philosophen zufiel. Doch soll nicht unerwähnt bleiben, daß bereits unter dem Mediziner Baumer das Fach in guten Händen lag. Er war es, der als erster an deutschen Hochschulen 1765 geologische Exkursionen vornahm, die dann weiter gepflegt wurden. 1812 erging an alle Vorsteher von Berg- und Hüttenwerken eine Anweisung, merkwürdige und instruktive Erzeugnisse in ihrem Kreise zu samnreln und an die Universität abzugeben. Der März des Jahres 1820 brachte eine weitere tvertvolle Bereicherung der mineralogischen Sammluitg durch Ankauf des Mineralienkabinetts des Bergmeisters Schaub von Allendorf a. Werra, dem im nächsten Jahre zwei größere Schenkungen von Professor Zipser zu Neusohl in Ungarn und Bergmeister Schmidt in Siegen folgten.
Eine bei weitem glänzendere Rolle sollte aber der Chemie in Gießen beschieden sein. Anfangs kaum mehr als ein anderer Name für Pharmazie oder Alchemie, gewann sie an der Ludoviciana bald größere Bedeutung; denn bereits 1723 finden wir in Johann Thomas tzensing einen eigenen Professor der Chemie, wohl den ersten Deutschlands. Allerdings blieb er Glied der medizinischen Fakultät. 1767 wurde mit dem Bauen eines kleinen chemifcheir Laboratoriums im Botanischen Garten begonnen, in dem als erster Baumer experimentierte, der überhaupt mehr Naturwissenschaftler als Arzt war. Wie schon erwähnt, erfolgte dann 1818 die Begründung der chemisch-mineralogischen Professur in der philosophischen Fakultät, die bereits 1819 Ordinariat wurde. Für den Sommer 1823 wurden dann zuerst praktische Uebungen im Laboratorium angezeigt.
Wenige Jahre später, am 26. Mai 1824, trat neben den damaligen Ordinarius Zimmermann ein 21jähriger. Extraordinarius, dem es beschieden sein sollte. Von dem kleinen stillen Landstädtchen aus seiner Wissenschaft neue Bahnen zu weisen und dem unbekannten Gießen Weltruf zu verschaffen. Es ist hier itidjt der Ort, Justus Liebigs Verdienste zu würdigen. Nur das müssen wir erwähnen, daß er sich noch im ersten Jahre feiner Wirksamkeit sein eigenes chemisches Laboratorium schuf und zwar in den Nebenräumen der eben der Universität eingeräumten Kaserne auf dem Seltersberge, und daß es trotz der Erweiterungsbauten in den Jahren 1836 und 1839 bald nicht wehr reichte. Deshalb bestand daneben von 1843 bis 1852 (in Filiallaboratorium, unter Leitung von Heinrich Will. Dann.
nach 'Liebigs Weggang, mutzte der alte Bau wieder genügeff.: Erst int Sommersemester 1888 konnte eine neue moderne Arbeitsstätte bezogen werden, der schöne Neubau an der Ludwigstraße« Durch die Schaffung des chemischen Laboratoriums wurde Gießen aber noch in anderer Weise vorbildlich für die deutschen Uni-- versitäten. Tie Art, wie Liebig seine Schüler in die iöiffen» schaftliche Arbeit einführte, feine Methode, die Probleme praktisch bearbeiten zu lassen, ist der Weg, der auch heute noch allgemein begangen wird. Und noch ein Drittes ist bemerkenswert, Liebig bekam für fein Institut (am 2. Februar 1835) den ersten staatlich remunerierten Asfisteilten der Fakultät, nachdem er schon längere Zeit einen solchen aus feinen Privatmitteln bezahlt hatte. Und wieder allen anderen Universitäten war Gießen darin voraus^ daß es den ersten Professor für physikalische Chemie aufzuweisen hatte, der sich am 9. März 1841 habilitiert hatte, am’ 17. März 1846 in die Fakultät als etatsmäßiger a. o. Professor! eintrat und am 1. Juli 1853 ordentlicher Professor wurde» Schon 1830 war übrigens von dem Physiker Buff über den chemischen Teil der Physik gelesen worden. Dann verschwindet das Fach wieder als spezieller Unterrichtszweig. Aber als in der neueren Zeit es sich allgemeiner als selbständige Di^ipliN Bahn brach, war Gießen wieder unter den ersten Universitäten und begründete vor gar mancher größeren Schwesteranstalt wieder einen eigenen Lehrstuhl im Jahre 1891, der 1893 zum Ordinariat erhoben wurde. Ostern 1892 wurde eine Physikalisch-chemisch« Abteilung des chemischen Laboratoriums errichtet, die bald in das alte Liebig'sche Gebäude verlegt werden konnte. 1896 wurde sie zum selbständigen Laboratorium erhoben. Im Sommer 1899 konnte dieses dann in feine stattlichen neuen Räume ein ziehen^ in dem an der Goethestraße errichteten Gebäude, das zugleich das physikalische Institut beherbergt
Der Physik kam der ungeahnte Ansschwung der Schwester- wissenschast in reichstem Maße zu gute. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts lag sie in den Händen von Georg Gottlob Schmidt und fand in ihm einen Vertreter, der verständnisvoll die Forderungeir der neuen Zeit erkannte und ihnen, soweit es eben möglich war, die beschränkten Gießener Verhältnisse anzupassen suchte. Seit 1811 verfügte die Fakultät über 750 Gulden zur Anlage von Sammlungen, die zum größte« Teil dem physikalisch-naturwissenschaftlichem Unterrichte zu gute kamen. Tie vorhandene physikalisch-mathematische Sammlung wurde 1838 im Juli in vier Abteilungen zerlegt entfprechend der intensiveren Ausbildung der einzelnen Fächer. 1841 wurde zuerst über die Lehre von den Elektrizität in besonderem Kolleg vorgetragen und seit dieser Zeit spalteten sich immer spezieller« Gebiete ab, ohne daß dabei die großen die Zusammenhänge wahrenden Vorlesungen über Experimentalphysik zn kurz gekommen sind. Immer mehr vertiefte sich die Forschung und die Gründung eines physikalischen Seminars und Instituts wurde unabweisbares Bedürfnis. Sie erfolgte am 29. April 1862 im Hause des damaligen Professors der Physik, Buff, Frankfurter Straße 10< 1880 siedelte das Institut in das neue Kollegienhaus «bot, und am 19. Februar 1900 konnte der Neubau an der Goethe- straße cingeweiht werden, wodurch die Physik ein Heim bekommen hat, wie ihr es nur wenige deutsche Hochschulen bieten fönnem
Von den nützlichsten Folgen war die Trennung der Physik von der Mathematik, die seit 1824 durchgesührt war, auch für die letztere begleitet. Der Mathematiker konnte sich ganz anders seinem Fache widmen. Für längere Zeit genügte diese eine Kraft, wie aber allmählich auch dieses Wissensgebiet an Umfang gewonnen und die Ansprüche gesteigert lovrden sind, lehrt dis Tatsache, daß jetzt neben zwei Ordinarien ein a o. Professor angestellt ist. 1861 entstand das mathematisch-physikalische ^Kabinett, 1863 das mathematische Seminar. Im Februar 1870 wurde vom mathematischen Kabinett ein geodätisches abgezwcigt, wie denn auch für Geodäsie und andere Anwendungen der Mache- matik eine außerordentliche Professur gegründet wurde. Ter Entwickelung dieser Zweige der Mathematik lvird es sicher von großem Vorteil sein, daß das geodätische nnd mathematisch- physikalische Kabinett in dem ehemaligen Bibliotheksgebäude nur praktische Räume bekommen hat.
KeueutdMe Neandertaler Menschenspumr.
Auf dem karstartig durch Klüfte, Spalten, Taschen unterbrochenen und von Steinblöcken wild bedeckten, stark verwitterten, hocheigenartig aussehenden Kalksteinplateau, in das das Neandertal einschneidet, wurden von Konstantin Koenen schon früher in den das Gebirge bedeckenden Grund- und Lchmschichten diluviale Steingeräte gefunden. Kürzlich entdeckte derselbe Forscher an dieser, durch die Auffindung des Neandertaler Menschen hochwichtigen Stätte eine bis zu 5 Meter anschwellende kalklose, gelbliche Lehm- schicht und auf ihr eine von mehreren Zentimetern bis zu 2 Meter mächtige, vielfach auskeilende Schicht aus flachem Bachkies oder Grand. Zwischen dem Kies lagen in großer Anzahl kleine gespaltene Feuersteinstücke, unter


