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rko im zweiten Akt auftrat, folgte ihm zur begreiflichen Verblüffung ein Schutzmann auf die Bühne und folgte dem Sänger getreulich bei jeder Bewegung. Anfangs blieb alles starr vor Erstaunen, man dachte an irgend einen tollen Scherz, aber als Albani unbekümmert um seine seltsame Gefolgschaft seine Rolle durchführte, ahnte man den Zusammenhang und begrüßte den Wächter der Ordnung, der ernsten Blickes dem Sänger Nus Schritt und Tritt folgte, mit fröhlichen Ovationen. Bald war der Zusammenhang bekannt. Hammerstein hatte den Italien. I Tenor wegen Kontraktbruches verhaften lassen, da er im Wider- I sprach mit den getroffenen Vereinbarungen an einer anderen I Bühne auftrat, als in der Manhattan Opera. Tas Gesetz von I Massachuscts bestimmt, daß der Beamte, der eine Verhaftung vornimmt und den Arrestanten nicht sofort zur Wache bringen kann, in unmittelbarer Nähe des Verhafteten bleiben muß. Kurz vor Beginn der Vorstellung erschien der Schutzmann int Theater, um Albani festzunehmen. Es war unmöglich, in so kurzer Zeit Ersatz zu schaffen. Tas Publikum wurde ungeduldig, es war nicht daran zn denken, den Beginn der Vorstellung so lange hinauszuziehen, bis Albani vorm Untersuchungsrichter eine Freilassung gegen Kaution erlangt Hütte. Verzweifelt rang der Tirektor die £>änbe, aber Es Flehen war umsonst, der Mann des Gesetzes bestand auf feinem Schein und das einzige Zuge- I stäudnis, das er machen zu können glaubte, war die Verschiebung I der Abführung Albanis bis nach Schluß der Vorstellung, voraus- I gesetzt, daß man den getreuen Schutzmann nicht hindern würde, seinem Opfer auch auf der Bühne auf Schritt und Tritt zn folgen. Tie Amerikaner waren weit davon entfernt, sich über den ungebetenen Gast auf der Bühne zu entrüsten und der Beamte in seinem hohen Hut und seinem langen Uniformrock erzielte einen Erfolg, gegen den selbst die Kunst Albanis nicht dufkommen konnte; Jubel und Applaus wollten kein Ende nehmen, die Chöre gerieten in Verwirrung und außer Takt, aber trotz alledem nahm die Vorstellung ihren Fortgang. Tie Anwesenheit des Gesetzeswächter schien den Tenor mehr zu in­spirieren als zu hindern, er spielte mit ungewöhnlicher Leiden­schaft seine Rolle, so leidenschaftlich, daß der biedere Schutz­mann zweimal glaubte, Manrieo wolle ihm entwischen. Er packte den Tenor dann energisch an den Rockschößen und stür­mischer Applaus lohnte seine Pflichttreue. In den Pausen saß der Polizeimann neben Albani in dessen Zimmer und stärkte sich mit einem kühlen Trunk auf die Anstrengungen des nächsten Aktes. Nach der Vorstellung wurde vom Direktor sofort eine Kaution für das Erscheinen Albanis vor Gericht gestellt, womit das amüsante Gastspiel des getreuen Schutzmannes einstweilen abschloß.

* Wie lange sich ein Mensch wach erhalten kann eine Frage, die schon Friedrich den Großen beschäftigte suchte man unlängst im amerikanischen I Staate New-Jersey auf dem jetzt sehr beliebten Wege des I Wettbewerbs zu ermitteln. Den zwölf Teilnehmern war gestattet, sich durch beliebige Mittelmunter" zu erhalten, Und am meisten bevorzugt wurde starker Kaffee, während nur etliche Teilnehmer vom Rauch Gebrauch machten. Der krste, der in Schlaf sank, war ein Schutzmann, der schon nach 23 Stunden einnickte. Der Gewinner dagegen, Brook, ein Wächter von einer Bank, wachte nicht weniger als 83 I Stunden 27 Minuten. Kurz danach veranstaltete man auch ! eine Schlafkonkurrenz, bei der es darauf ankam, auf einem | Stuhl sitzend und mit einer Zigarre int Munde möglichst I lange zu schlafen, ohne aufzuwachen. Dies ist aber nicht so leicht, da ein in sitzender Stellung befindlicher Schläfer durch das plötzliche Niedersinken des Kopfes gewöhnlich aufwacht. Die Einwohner in New-Jersey brachten dem neuen Sport solches Interesse entgegen, daß die Gastwirte, in deren Lokalen die Wetten stattfanden, ganz vergaßen, rechtzeitig zu schließen, bis sich die Polizei genötigt sah, mit der Entziehung der Konzession zu drohen.

* Bor einem amerikanischen Gerichtshof stand jüngst ein Mann, der wegen Diebstahls angeklagt war. Da er keinen Verteidiger hatte, bat der Vorsitzende einen | der Advokaten, die zufällig im Sitzungssaale waren, mit | dem Angeklagten einige Minuten zu konferieren und dann seine «Verteidigung zu übernehmen. Die beiden Männer verlassen den Saal. Nach zwanzig Minuten kommt der Advokat zurück, aber allein.Nun," fragte der Präsident, wo haben Sie den Angeklagten?"Der ist fort," er­widerte der Advokat.Sie haben mich doch beauftragt, ihm den für seinen Fall und zur Wahrung seiner Inter­essen am besten passenden Rat zu geben. Da er mir nun

gestanden hat, daß er schuldig sei, bin ich zu der Neber- zeugung gelangt, baß es für ihn am besten wäre, wenn er sich aus dem Staube machte. Das habe ich ihm auch ge­raten, und er hat auch den Rat befolgt." Die Mitglieder des Gerichtshofs sollen kein besonders geistreiches Gesicht gemacht haben, als sie dies hörten.

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Kei' R u h'! Bauernjunge (ein heranziehendes Wetter betrachtend):I woaß nit, heier kummt ma aus,der Angst gar ne raus. Im Summer do dunnert's und int Winter muß ma in die Schul'."

* 11 n f e r c Kinder.Warum magst du denn teilten Lehrer und willst lieber zu einer Lehrerin, Elschen?"Weil ich keine Lust habe, mich jetzt schon über die Männer zu ärgern!"

Kleine Leut'.

Die Kinderschul' ist lange aus, Mein Völklein eilte iroh nach Haus. Ein kleines Pärchen hat indessen Man heut zu holen, scbeints, vergessen. Der Walter wartet mäuschenstill Ob denn auch niemand kommen will? Tie Hilde tanzt um ihn herum, Singt, plaudert er bleibt still und stumm. Sie zwickt ihn hier, sie zwickt ihn dort, Ist hurtig draus gleich wieder iort, Zupit ihn bald rechts, bald links am Ohr Wie kommt sie ihm doch komisch vor! Doch bleibt er ruhig, kein Wort er spricht, Und rühret sich und regt sich nicht.

So geht es eine gute Weile. Ich nehm' indessen, sehr in Eile, Mein letztes Pensum nochmals vor. Da plötzlich - raunt er mir ins Ohr: Du, Tante, denk' doch nur, grab' ebe Hat sie sogar en Kuß mir gebe! Gell, de? sollt' doch die Hilde wisse: E Mädle dut koan Bue net kisse, Des dut doch wirkst sich net passet Gell, des, des sollt' sie bleibe lasset" Gießen. L.

Mode.

Die in Frankfurt a. M. erscheinendeM o d e v o n h e u t e"; deren erstes Januarheft uns vorliegt, verdient tatsächlich den Beisatz zu ihrem Titel:Halbmonatsschrift für die Interessen der Frauenwelt". Tenn weit über den Rahmen eines bloßen Modeblattes hinaus hat die Redaktion den Inhalt dieser Zeit­schrift gestaltet. Alles, was auf die Teilnahme unserer gebildewst Frauenwelt rechnen kann, wird hier in anziehender Weise behandelte Natürlich kommt auch der Modeteil darüber nicht zu kurz, der mit Geschmack redigiert wird und in dem vorliegenden Heft allein über 50 textliche Abbildungen zählt.

Goldene Worte.

Tie geistige Energie, mehr als die Zahl, entscheidet den Sieg. Napoleon.

Die, welche den Staat aus den Fugen heben, sind die ersten, denen er aus den Kops stürzt. de Montaigne.

Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden: es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun. Goethe.

Silbenrätsel.

Meine beiden elften schätzet jedermann. Meine dritte schlängelt sich int Wiesenplan. An beit beiden ersten ist gelegen eins zwei drei mit Plätzen, Straßen, Wegen.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Humboldt.

Redaktion: P. Witiko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.