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jyenbct. In dem besten Abwehrmittel: Mündliches Rei- niaen der Stämme und Aeste von unten bis oben hinauf, Werbrennen der abgekratzten Rindenteile und trockenen Zweige ufto., Anstrich mit frisch gelöschtem Kalk von unten mn Stamm bis weit in die Aeste hinauf, macht der einzelne, der es tut, fast immer vergebliche Arbeit.
Die Bekämpfung des Frostnachtfalters steht bei uns ebenfalls noch auf der untersten Stufe. Dieser Schädling frißt nicht, wie die meisten Landleute glauben, direkt Bluteir, sondern zuerst die aus den anstreibenden Knospen hervorbrechenden jungen Blätter, so daß oft nur noch der Blattstiel übrig bleibt, später erst befrißt er die Blüten und kleinen Früchtchen, wenn beide nicht schon vorher durch die Verheerungen am jungen Laube absieleu. Ganze Ob anlagen stehen entlaubt da und die Erlite ist oft voll-, ständig vernichtet.
Bekanntlich kommen die Falter im Herbst sehr ungleich- zeitig zum Vorschein. Große Trockenheit, hitziger, harter Steinboden wirken sehr auf Verminderung des Insekts, besonders im September und Oktober. Bäume auf Geröll, Quarz, Basalt stehend, sind meist frei von diesem Feinde. Will der Falter aus der Puppe, so nruß die Erde feucht sein, sie wird es durch Regen. Dieser wirkt aber erst dann, wenn die Blätter abgefallen und der Regen direkt den Boden unter der Baumkrone durchnäßt. Trockener Boden läßt sie nicht hoch, aber Wärme ist auch nötig beim Regen, anhaltend kalte Nässe verdirbt gleichfalls die Brut. Je rascher die Regen aufeinander folgen, der Boden mürbe gemacht wird, desto schneller der Abgang des Tieres, je länger vorher der Boden ausgetrocknet war, desto langsamer. Manchmal erscheinen die Falter schon gleich Mitte Oktober oder Ende Oktober, meist Anfang November. Je nachdem die Nässe die trocken eingegrabenen Puppen erreicht oder die Erddecke selbst den Ausflug verzögert, dauert die Periode gewöhnlich 3 bis 4 Wochen, andernfalls nur 14 Tage. Dieser Umstand ist wichtig! Wer nicht weiß, wenn das Klebeband zu wirken beginnen soll, der streicht zu früh auf, und sieht er dann keinen Falter daran, so setzt er aus und beginnt, wie andere zu spät, und das Mittel kommt in Mißkredit. Auch bei dem Gebrauch der Anlegung der Mirtel mit klebriger Masse läßt sich der Unterschied zwischen mechanischem und rationelle;» Betriebe recht oft erkennen. Kleberinge lverden angelegt, aber unvollkommen, so daß einzelne Stellen trocken bleiben. Meist unterläßt man die Wiederholung, wo es not tüt, zumeist na chheftigem Regen, so daß immer einzelne Schmetterlinge auf den Baum kommen, die dem Weibchen, welches einen Geruchsstoff ausscheiden soll, nachgehen, der das Männchen in der Dunkelheit heranlockt.
Das Anlegen des Klebegürtels ist immer ein miß- liches und zeitraubendes Geschäft, besonders bei häßlichem, ungesundem Herbstwetter. Die Bäume eines Besitzers liegen ost weit auseinander, der einzelne kann nicht immer die Auslagen bestreiten und'selten weiß jedermann damit richtig umzugehen. Versäumnisse heben den Zweck des Mittels aus und der einzelne schafft auch, hier umsonst, wenn der Nachbar nichts tut. Sind einmal die Eier abgelegt, ist wenig - Heil mehr.
Auch der Schaden durch Apfel Wickler, Obst- nitide, Raupen aller Art und Blutlaus ist in manchen Jahren groß, die Mittel dagegen zuni Teil umständlich, uralt, oft unwirksam. Zur Abwehr der Schädlinge geschieht aber auch in unseren ländlichen Obstbaubetrieben noch rein gar nichts. Wir klagen nur immer über Ernteausfall, erwarten alles vom Zufall, Wetter und Wind und rühren uns selbst so wenig wie möglich. Das ist bittere Wahrheit, denn sonst könnten wir nicht alle Jahre ruhig zusehen, wie z. B. allein der Apfelb lüten- st e ch er die Baumgärten vieler Gemeinden unfruchtbar macht.
Dieser gesamten Jnsektenschädlingsplage rückt man nun neuerdings mit „Karbolineum" energisch und erfolgreich zu Leibe. Aber nicht mit „purem" Kärbolineuin, wodurch mancher Schaden an Bäumen angerichtet worden ist, sondern mit neueren, verdünnt anzuwendenden Präparaten. Dieselben sind wasserlöslich, sie werden einfach ohne jede weitere Arbeit dem Wasser zugegossen, vermengen sich von selbst und sofort mit dem Wasser, die Brühe sieht dann milchweiß aus. 'Die Flüssigkeit wird mit besonders konstruierten, selbständigen Spritzen auf und über die Obst- bäume versprüht. Wasserlösliche Karbolineumfabrikate
werden hergestellt von L. Webel in Mainz, Arboli-j neu m, Firma B. Lohse u. Rothe in Dresden, Rosenstr. 43, Lohsol benannt, und F. Schacht in Braunschweig. Alle drei Marken scheinen ähnlich zu sein und von der gleichen guten Wirkung. Die besten Spritzen (auf dem Rücken zu tragen) find bei Gebrüder Holder in Metzingen (Würllem- berg) und bei Karl Platz, .Rheinpfälzische Maschinenfabrik in Ludwigshafen zu haben. Der Preis für eine ca. 20 Liter fassende und ndt einmontierter Luftpumpe nebst Mono^ meter versehene Maschine und einschließlich allem Zubehör — dabei ein ca. 4 Meter langes Bambusrohr, mit den; von unten aus bis 10 Meter hohe Hochstammkrouen bequem zu besprühen find — 48 bis 5.7 Mk. Die Platzfche Fabrik offeriert auch eine kleinere Spritze, auch allen Ausorde- tuh gen entsprechend, für 17 Mk. (Floraspritze) und Gebr. Holder eine neue Handspritze Modell 08 für ca. 8 Mk.
Die Bespritzungen gegen alle Schädlinge an Obstbäumen sollen von November bis März mindestens sechsmal mit einer 10 proz. Lösung, und vom Austrieb der Blattknospen bis etwa Ende August n u r mit bis 1 proz. Lösung etwa 12 mal bespritzt werden, nie aber bei Regen, auch nicht bei starkem Wind. Selbstverständlich muß der Winterbespritzung die unerläßliche Arbeit des Wkratzens der borkigen, alten Rinde, das Auslichten resp. Beschneiden der Bäume vorans- gehen. Aber nicht mit einer einmaligen Arbeit in einem Jähre ist cs getan, vor zwei Jähren kann man überhaupt kein Urteil fällen, erst mit den Jahren wird man bei so alten Schädlingskolonien und Krankheiten gänzlichen Erfolg haben. Die Spritzflüssigkeit wird am feinsten verteilt, wenn der S p r i tz st o f s 1 Mete r von Zweigen u n d Blättern entfernt geführt wird.
Das wasserlösliche Karbolineum (Arbolineum) bedeutet gegenüber dem früher im Wasser unlöslichen einen sehr- großen Fortschritt. Die Anwendung ist eine sehr bequeme, leichte und billige, so daß es für jeden Obstzüchter von hohem Nutzen ist, über die Anwendung genau orientiert zu sein.
Zum Austreichcn der Bäume im Winter, namentlich auch zur Vertilgung der Blutlaus, Schildlans, Blattlaus, des Fusikladiumpilzes re. genügt eine Lösung von 10 Proz. Durch Zusatz-von je 1 'Kilo Lehm, Kuhfladen, Kalk und Rinds- blut wird überdies die Brühe besser streichbar und haltbar bis zum Frühjahr.
Zum Bespritzen der Bäume einschließlich der älteren und jüngeren Zweige, der einjährigen Triebe und der Knospen benutzt man während der vegetationslosen Jahreszeit eine Lösung von 10 Proz.
Zum Bespritzen der Bäume und Sträucher kurz vor den; Austreiben der Knospen im Frühjahre soll nur eine Lösung verwendet werden von 1 Proz., also 1 Liter Ar-i bolineum und 100 Liter Wasser.
Während und nach der Blüte zur Vertilgung von Raupen, Maden, Blattläusen re. bespritzt man die belaubten Bäume gegen Abend mit einer Lösung von Hz Proz., also 1/2 Liter Arbolineum auf 100 Liter Wasser, vom April bis September 12 mal.
Gegen alle Blattkrankheiten verwende »ton bei jungem Laub ebenfalls 1/2 proz, Lösung; bei älterem starkem Laube etwa 1 proz., also 1 Liter Arbolineum aus 100 Liter Wasser, aber möglichst nur an trüben Tagen, an welchen keine Sonne scheint, oder gegen Abend.
Wenn Blattfallkrankheiten befürchtet werden, oder sich Spuren von Blattkrankheiten zeigen, müssen die Bäume, resp. Blätter sofort in vorbeugender Weise bespritzt werden (mit 1 Proz. Lösung).
Eine 10 proz. Lösung, also 10 Liter Arbolineum auf 100 Liter Wasser kostet nur etwa 5 Mk. das Hektoliter. Euie 1/2 proz. Lösung (V2 Liter Arbolineum auf 100 Liter Wasser) gar nur 25 Psg. das Hektoliter.
Die Bekämpfungsmaßregeln wider die Obsterntezerstörer aus den; Tier- und Pflanzenreiche müßten endlich auch in unseren; ländlichen Obstbau eine regelmäßige Kulturarbeit werden. A l s 0 al l g em ein c s r e ch t z eiti g e s B e k ä in p f e n ist die Hauptsache.
Vsrmischts».
* Aus offener Szene verhaftet. Aus Newhork wird uns berichtet: Ein echt amerikanisches Schauspiel erlebte am letzte;; Donnerstag das Publikum, das sich im Grand Opera House in B 0 st 0 n versammelt hatte, um den bekannten Uaüenstchen Tenor Carlo Albani im „Troubadour" zu hören. Denn als Matt-


