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Ms Theater war nur müßig voll. Lohsen trat in feilte Loge und warf einen Blick durch den lichtstrahlenden Raum.

Er hatte fast gefürchtet, die Troßcus würden cinci) kommen, aber als er die Absicht kund werden liest, an diesem Abend citis- nahniÄveise anstatt in den Zirkus in die Oper zu gehen, hatte Baron Trost die Sache mit wenigen vernichtenden Worten ob- gesertigt:

Was? Margarethe? Aber, lieber Freund, in Margarethe gehtman" nicht. Antiquität,"

Er dankte lächelnd für gütige Belehrung und sagte nichts wehr darüber.

Nun säst er da im Schatten Plast der Orchesterloge, unge­duldig, gespannt. Er hatte Luisane in diesen Tagen nur immer flüchtig sprechen können, obwohl er nach Empfang ihres' Briefes zu den verschiedensten Zeiten im Handschuhladen vorsprach. Wenn er sie traf, war sie immer in hochgradiger Aufregung, erfüllt von den kühnsten Hoffnungen, und je mehr er sie so sah, desto mehr erfaßte ihn eine bange Vorahnung irgend eines Unglücks, welches noch im letzten Augenblick ihr Lustschloß, umwerfen werde.

Aber nichts davon. Ta stand sie aus den« Zettel und da trat sie endlich, als er vor Ungeduld schon nervös geworden, auf die Bühne.

Und wie! Seelenruhig, fromm und still, wandelte das junge Bürgermädchen im historischen blauen Sonntagsstaat zur Kirche. Wie aus einem Guß war die ganze Erscheinung, kein Zucken verriet die Luisane, die er kannte, das von nnruhigem Ehrgeiz erfüllte, unzufriedene, krankhaft erregte Geschöpf.

Lohsen wurde sich sofort darüber klar, daß weder Kostüm, noch Schminke, noch die blonde Wechtenperücke so sehr Ursache der Verwandlung waren, wie innewohnende schauspielerische Be­fähigung, den vorgeschriebenen Charakter zu adoptieren. Tie dort hinschritt, den Blick auf das Gebetbuch gesenkt, die ver­körperte naive Unschuld und ungetrübte Kindlichkeit, war wirklich nicht Luisane, sondern ein Ideal-Gretchen.

Es beruhigte ihn förmlich. Tie Sache wird famos gehen, sie ist ja vollständig ruhig, daehte er.

Aber als sie endlich anfing zn singen, faßte ihn wieder Erschrecken. Hatte sie ihre Stimme überanstrengt oder brach sich die zurückgedämmte Aufregung Bahn sie setzte wieder mit jenem fast hauchenden, heiseren Tun ein, der ihm noch so erinnerlich war, zwang dann mit übermenschlicher Anstrengung das gemartete Organ! zu Klarheit und führte das durch, auf Kosten des Spieles.

Mit jeder Minute schien es ihr auch schwerer zu fallen, Wohllaut zn erzwingen, und ein leises, aber mißfälliges Gemurmel ging durch die Reihen der Zuhörer. Als sie geendet, rührte sich keine Hand und lautlos sank der Vorhang herab.

Lohsen fühlte sein Herz pochen in unbehaglichster Bestürzung. Er hatte Mühe, auf seinem Platze zu bleiben.

Indessen nahm das Spiel seinen Fortgang und Gretchen trat wieder auf. Ihm war, als sei ihr Gesicht spitz und ver!- zcrrt und ein sonderbares Leuchten flimmerte in ihren Augen.

Sie trat vor und begann zu singen zwei, drei Takte, da erlahmte die Kraft, der Ton versagte und schlug in einen schrillen, disharmonischen Aufschrei um. Sie griff mit beiden Händen in die Lust, als wolle sie etwas Entfliegendes zurückreisen und stand dann stumm, zu Stein erstarrt, mit weit aufgerissenen Augen in die gähnende, verdunkelte Tiefe des' Zuschauerraumes starrend.

Eine totale Niederlage.

Ter Vorhang stürzte förmlich herab, im Hause entstand Unruhe, und nach einiger Zeit erschien der Regisseur an der Rampe und meldete mit allen Zeichen der Verstimmung, daß Fräulein X. die Partie der von plötzlichem Unwohlsein überfallenen Debü­tantin übernehmen werde.

Lohsen hatte, das alles mit wachsendem Schrecken geschehen sehen, ja, Entsetzen erfüllte ihn. Was wird sie nun tun? Er befürchtete das Schlimmste und er sagte sich, daß er zum zweiten­mal berufen sei, sie vor einem Verzweiflungsschritt zn bewahren.

Ohne sich zu besinnen, stand er auf und versuchte, sich Einlaß in ihre Garderobe zu verschaffen, aber er würde zurückgewiesen. Run ging er ins Freie und wartete an der Tür, durch welche die Künstler das Haus verlassen wartete, bis sich diese Tür öffnete und durch schmalen Spalt sich eine dunkle, in einen langen Mantel gehüllte Gestalt zwängte und in besinnungsloser Eile, mit strau­chelnden Schritten über den Platz lief, gleich einen« verbrannten, flatternden Nachtschmetterling, der sich taumelnd flüchtet.

So windesschnell vollzog sich das alles, daß er die größte Mühe hatte, sie, ohne Aussehen zu erregen, einzuholen.

Luisane!" rief er immer wieder, leise, dringend, aber sie sah und hörte nicht.

Jetzt hatte, er sie erreicht und faßte ihren Arm. Sie wäre fast hingestürzt.

Kind, wo laufen Sie denn hin? Bleiben Sie doch, besinnen Sie sich!"

Sie sah ihn zuerst mit irren Blicken au und rieb sich die Stirn. Tann murmelte sie matt:

Ja, Sie haben recht. Ich hätte bleiben es nussechten sollen ich"

Er zog ihre widerstrebende Hand durch seinen Arn«.

Stützen Sie sich ans mich, Sie fallen ja um. Wo soll ich Sie denn hinführen? Sie haben ja gerade die verkehrte Richtung eingeschlagen."

Für mich haben Richtungen, aufgehört. Was kommt darauf an, wo ich zusammenbreche? Wär's nur erst vorüber. Es ist ja doch alles aus es ist vorbei. Ich bin zurückgeworfen ins graue Nichts . . ."

Er zwang sich zu überzeugender Gelassenheit:

Was? Wegen dieses einen Mißerfolges? Sie sind wohl nicht recht gescheit. Kopf hoch, sage ich. So eine kleine katar­rhalische Indisposition geht ja vorüber der Fehler war nur, daß Sie überhaupt sangen. Sie hätten die Erkältung abwarten! sollen."

Wie dürfen Sie so reden!" unterbrach sie ihn außer sich. Sie wissen, daß von einer Erkältung nicht die Rede war . . . Sie wissen so gut wie ich, daß alle meine Hoffnungen und die scheinbare Heilung eine Illusion waren, ein grausamer Selbst­betrug, Suggestion jenes Charlatans, der mich behandelt was weiß ich!"

Nicht so laut! Ich bitte Sie, nicht so laut, wir erregen ja Aufsehen. Wo soll ich Sie also hinbringen? Ich nehme einen Wagen. Wie war doch Ihre Adresse?"

Sie lachte schneidend auf.

Dorthin? Ja, was denken Sie denn! Diese Wohinung war mir doch im Hinblick auf meine goldene Zukunft viel zu arm­selig geworden. All meinen Gratulanten, welche mich heute als Margarethe gehört und morgen kommen würden, mir die Hmrd zu drücken, konnte ich doch nicht Frau Schipekes einstige Rumpel­kammer als Empfangssalon zumuten? Nicht wahr, das ging nicht? So habe ich die Wohnung gekündigt, meine Sachen bei der Jahn eingestellt, ich aber nahm auf Madame N.s Rat ein Zimmer im Hotel Continental. Jawohl. Ich! Tenn morgen hatte ich ja Geld die Hülle und Fülle. Sehen Sie nur sehen Sie?" Mit zitternden Fingern riß sie den langen Mantel auf» daß das rote Futter schillernd aufleuchtete.Nobel. Nicht? Echte Seide. Alles geliehen. Alles auf Kredit. Großartig!"

(Fortsetzung folgt.)

Die VeMmpsmg der Obstbcmmschüdlinge.

Vor einiger Zeit sprach Obstbautechniker Wiesner von Friedberg int So unser Hof zu Hungen überNeueste Er­fahrungen mit dem Karbolineum als bestes Mittel zur Bekämpfung der Obstbaumschädlinge". Der Redner führte aus, daß in vielen Gegenden des Reiches und darüber hinaus vor 2 Jahren und int vorigen Jahre die Obst­bäume in ganz unheimlicher Weise durch Jnsekteiischödlinge zu leiden gehabt haben. Fast aus allen Obstbanbezirkew kamen Mitteilungen, daß c.nßer dem Apfelblütenstecher ungeheure Massen von Raupen aller Art die Bäume be­fielen, Blattwerk und Blüten zerstörten und somit die Ernten vernichteten. Andererseits wieder ging die Ausbreitung der Pilzkrankheiten auf Obstbäumen in beängstigend rascher Weise weiter, ja sogar auf Distrikte über, die solche bisher nur dein Namen nach kannten. Diese Erscheinungen sind keinesfalls neu. Schon seit Menschengedenken sind für viele Gegenden Apfelblütenstecher und der Frostnachtspanncr eine Landplage gewesen. Besonders der Apfelblütenstecher ist der schlimmste Feind unserer Obstkulturen. Jahrelang hat er in unzähligen Orten die Blüten aller Apfelbäume zer­stört, in niederen Lagen mehr als in höheren. Was geschieht nun im Leben zu seiner Abwehr? Man findet, daß in einigen Gegenden Deutschlands die Bauern einen Stroh­gürtel um die Obstbänme legen, besonders in der Nähe des Hauses. Das ist eine Ahnung vont Richtigen, grenzt auch an Aberglauben, aber das Mittel ist nicht genügend. Andere sind es auch nicht, denn wer wollte wohl von einem großen Feldbaume die braunen Blütenköpfchen mit den Sortiert ablesen oder in dem' Abklopfen der Käfer ein Universal- mittel erkennen? Die anderen angepriesenen Abwehrmittel, wie das Anlegen von Fang- und Klebgürteln werden oft ungeschickt, meist zur Unzeit und nur ganz vereinzelt angd-,