Samstag den P. Dezember
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Der einsame Zpatz.
Novelle Mit Jassy Torrnnd.
(Nachdruck verboten.)
„Uttb wenn ivie gross sind, haben wir auch solche flinke, weisse. Hottchüh-Pferdchen, schueeiveitz mit schivarzen Schwänzen, und einen blanken Doktorwagen, und fahren darin aus wie Papa, und machen alle kranken Leute gesund in, mein Jungchen i
Die so sprach, war eine schlanke, blonde Fram und der kleine pausbäckige Hemdenmatz aus ihrem Schatze verstand zwar mit seinen fünfzehn Monaten noch kein Mort von all den schonen mütterlichen Verheißungen, aber er krähte doch vor Vergnügen und klatschte in die Händchen, als seine Maina„rhn cmporhob, um ihm die flinken weißen „Hottehnh-Pferdchen zu zeigen, die unten vor der Haustür nngednldtg vor dem blank- lackierten Doktorwägelchen stampften. Jetzt stieg der Doktor em, das Mädchen reichte ihm noch den Jnstrnmentenkastcn m den Wagen, nnd nun kann die Reise losgehen. „Fahr zu, Kutscher. Noch ein letzter Blick und Grutz hinauf zu Frau und Krnd, und daun hinaus in den trüben, grauverschleierten November
morgen.
Die junge Doktorsfran oben in ihrem Wohnzimmer, dem der Helle Feuerschein aus dem großen bunten Kachelofen und der noch gedeckte Kaffeetifch einen so echten, rechten Anstrich von Behagen und Gemütlichkeit gab, trat vom Fenster zurück und beendete mit tausend Scherzen und Liebkosungen das wichtige Geschäft von Jungchens Toilette.
Wie glücklich sic doch war, wie grenzenlos glücklich! Wer ihr das so ausgcmalt hätte vor drei oder vier Jahren, dieses einzige, unbeschreiblich große Erdenglück — ausgelacht hatte sw ibn und doch nicht daran geglaubt, solch einen Mann wie ihren Doktor Sans Birkholz gab es überhaupt keinen zweiten auf der weiten Gotteswelt. Ein Mann tote von Eisen, mit einem Kerzen wie Gold — so ernst, so fest, so treu, zu dem ,ie empor- blicktc, wie zu einem Helden der Vorzeit, den sie in ihrer nwgen, kindlich fröhlichen Seele anbctetc, ohne ihn zu begreifeii, lieote, ohite sein innerstes Sein und Wesen doch ganz erfaßen und verstehn zu können. Aber das brauchte cs ra gar nicht. Er war br !ägeil und sie lvar sein - und ihnen beiden zusammen gehörte dies süße, geheimnisvolle kleine Weltwunder, Hansi, der Inna' Ach. so ein Zungerle, um das man tn schweren Stunden
;«?. A„qe, wie sie daran zuruckdenkt. Und aus Mlllel0> u, barmen und Tränen wird daun urplötzlich das^vkttrttcbk^ich ZMMMss uugeii sich Wietzen zum letzten schlummer.
So gehen die Gedanken ht Anne Maries blondem Köpfchen, ivübrend sie still bei der Arbeit sitzt und ab und zu die Näherei in den'Schoß sinken läßt, nm nach dem Kinde zu sehen, das ruhig spielend aus dem Teppich sitzt. Me artig der Jung' doch ist! So kann er sich nun stundenlang unterhalte» und amüsiert such dabei, wer weiß wie sehr, so daß er nianchmal ganz für sich allein arekend auflacht, der Schelm! So ein dralles, rundes Jungchen! Bäckcken wie Milch und Blut, große, liebe, schwarze Ange», „Vaters Augen", sagt Anne Marie stolz, und einen ganzen schöpf feiner, goldblonder Haare, die man freilich mit dem besten nicht für „Vaters Haare" mrsgebeu kann, sondern nach Recht und Gerechtigkeit als mütterliches Erbteil mischen iMttz.
Und Anne Marie stichelt und sckpfst, daß sie ganz heiß >vird vor Eifer, ein hinrntelblanes Kleidchen mit Weitzer Seidenstickerei, das soll der Jung' zu Mihuächtcn haben - solch ein schönes, dumme« Kleidchen, sie lächelt und nickt — „Kleidchen nnd bios für Mädchen, nicht wahr. Bubt? I» Mei Jahren kriegt der Jung Hosen an, Hurra, da werden aber die Leute staunen!"
Der Jung' guckt bei dieser lebhafter! mütterlichen Anrede von seiner Arbeit auf, drei Bauklötzchen mit einem bewundernd werten Aufwand von Eifer nnd geduldiger Mühe umeinander zrt schichten. Er schiebt die Augenbrauen tu seiner dwlng nachdenklichen Manier in die Höhe, genau so, als ob er sich das, was Mama eben gesagt, in seirt eigenes Kartderweljch abersttzen mmw, um es zu begreifen, sind dabei diese klugen, ernsthaften Augen — Vaters Augen" — Anne Marie kann gar nickst Zanders, sie wirst die Arbeit hin und nimmt den Jung' in Arme, und tanzt mit ihm durchs Zimmer vor lauter nbergrotzer - Hütet seligkeit. , .
Ein paar Tage später — das blaue Kleidchen ist schon fern» und so hübsch geworden, daß Anne Marie dariibw sogar rhr» stolzen mütterliche» Hosentrännie einstiveilen noch verschmciFt - ?uft sw den Gatten an des Kindes Bett, das als kleines Zierliches drittes in dem elterlichen Schlafzimmer steht.
„Du Hans," flüstert sie besorgt, „der Jung' gefällt mir gar nicht heut' abend. Hör' nur, wie er pustet. ,
Wit leisem Lächeln tritt der Doktor näher, Anne Marte in ihrer übergroßen mütterlich«« B^orgM battt sehr^ »gj hliffe in denen ihr der Jung' „nicht gefiel . Aber das vtojetn schwcmd aus dem dunklen Männerantlitz, die Frau hatte recht beute gcsie! ihm das Kind auch nicht. Er legte die kühle, ruhige Hand auf die kleine, heiße Stirn und zählte nut der anderen die Pnlsschläge. . ,
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