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sich auch in beit geringen Abweichungen der Landschaften und der einzelnen Steife von der mittleren Volksdichte des Landes (39) ausspricht, die ihrerseits dem Mittel der ganzen Balkanhalbinsel nahekommt. Ostrumelien, obwohl der fruchtbarste Landesteil, ist etwas dünner bevölkert als die beiden anderen, vornehmlich wohl infolge der starken Auswanderung der Mohammedaner. Das Mma ist int ostrumelischen Becken etwas wärmer als in den anderen Ebenen, so daß hier einige wärmebedürftigere Kulturpflanzen gedeihen, doch ist der Unterschied nicht sehr erheblich.
lieber die Verteilung der Bodennutzung liegen keine sicheren Zahlen vor. Der Wald ist, wie auf der ganzen Halbinsel, stark zerstört, soll aber neuerdings besser gepflegt werden. In den Gebirgsgegenden finden sich noch ausgedehnte Bestände, sogar in dem östlichen Teil Donaubulgariens, nordöstlich von ©unten, ein großer Wald, Deli Orman genannt. So ist Bulgarien in der Lage, Holz auszuführen. Der Ackerbau scheint sich an Ausdehnung der bebauten Fläche wie au Intensität und Ertrag günstig zu entwickeln, und die Regierung läßt ihm alle mögliche Förderung angedeihen. Beruht doch ans ihm fast die ganze Ausfuhr und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes. Obenan stehen unter den Ausfuhrprodukten Mais und Weizen; dazu kommen Roggen, Gerste, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Mehl und Wein. In Ostrumelien wird auch etwas Reis, Anis, Sesam, Baumwolle gebaut; Obst- (besonders Pflaumen-) und Maulbeerbäume (zur Seidenraupenzucht) umgeben dort die Dörfer. Eine besondere Spezialität des warmen innerbalkanischen Längstales ist der Anbau einer Rosenart auf großen Flächen, aus deren Blüte das kostbare Rosenöl gewonnen wird. Hauptort dafür ist Kasanlük. Die Ausfuhr Pon Rosenöl betrug 1901: 2,1 Millionen Mark an Wert. Die Viehzucht steht an Bedeutung etwas zurück gegenüber den anderen Ländern der Balkauhalbinsel. Immerhin liefert auch sie einen beträchtlichen Teil der Ausfuhr (Wolle, Talg, Felle, Häute und Leder, Butter und Käse und lebendes Vieh).
Der Gewerbefleiß, wenn auch uur in kleinen Betrieben und für den heimischen Bedarf arbeitend, ist doch nicht unbedeutend und wird durch die Wasserkräfte der Gebirgsbäche gefördert. Er befaßt sich hauptsächlich mit der Herstellung von Woll- und anderen Bekleidungsstoffen, Leder- und Eisenwareu; ferner gibt es Mehl- und Holzschneide-Mühlen. Die Ausfuhr übertrifft, wie in Serbien, die Einfuhr.
Für den Verkehr Bulgariens mit dem Auslande stehen die Schiffahrtslinien der Donau, die beiden Häfen Varna und Burgas am Schwarzen Meere und die Hauptbahnlinie Belgrad—Sofia- Konstantinopel zur Verfügung, welche die südlichen Landesteile durchzieht. An letztere Bahn fügen sich die schon erwähnten Linien an, die Donaubulgarien aufschließen, die Donau und die Häfen erreichen und selbst gegen die. Südwestgrenze vordringen. Auch an Fahrstraßen ist kein Mangel: Post und Telegraph sind in leidlichem Zustande. Die bulgarische Handelsflotte steht freilich noch in den ersten Anfängen.
Für das Schulwesen geschieht recht viel, und- die ganze Verwaltung, Rechtspflege und Sicherheit sind verhältnismäßig be- sriedgend; das junge bulgarische Heer hat seine Tüchtigkeit bereits int Kriege mit Serbien glänzend bewiesen. Die Schuldenlast des Staates ist freilich auch schon bedenklich angeschwolleu, ohne doch die Höhe zu erreichen, welche die anderen Staaten der Halbinsel uiederdrückt.
Alles in allem kann man nicht leugnen, daß das Land erfreuliche Fortschritte gemacht hat, wenn man die Kürze der Zeit bedenkt, die nach seiner Befreiung verflossen ist, und die vielfachen politischen Schwierigkeiten, die zu überwinden waren. Namentlich^ fällt der Vergleich mit Serbien, das zum größten Teil schon früher sein eigener Herr geworden und von Natur fruchtbarer und dichter bevölkert ist, zugunsten Bulgariens aus. Reben dem tüchtigen Charakter des bulgarischen Volkes kommt ein nicht geringer Anteil daran der tatkräftigen Regierung der beiden Fürsten zu, die nacheinander das Land beherrscht haben, und die das auch hier sich breitmachende Parteigetriebe mit kräftigerer Hand in Schranken hielten, als das in anderen Ländern des Südostens der Fall ist.
Dabei ist ein erheblicher Teil der Bevölkerung Bulgariens stammesfremd. Zur Zeit der Befreiung lebte eine zahlreiche und landbesitzende mohammedanische Bevölkerung, zumeist Türken, zum kleineren Teil Bulgaren, im Lande. Sie ist zumeist nach der Türkei ausgewandert und hat dadurch den bulgarischen Landwirten Gelegenheit gegeben, große Ländereien des besten Bodens billig anzukaufen; freilich ist dadurch die Volksdichte und die Zahl der Arbeitskräfte erheblich vermindert worden. Im Jahre 1900 lebten unter 3,7 Millionen der Gesamtbevölkerung noch 643 000 Mohammedaner, davon 531000 Türken, int Lande, und zwar hauptsächlich int östlichen Donaubulgarien. In beit Kreisen ©unten, Silistria, Rasgrad machen sie noch die Mehrheit, in Varna und Rustschuk fast die Hälfte der Bevölkerung ans; in Ostrumelien bilden sie ein Siebentel, int Westen Bulgariens nur einen kleinen Bruchteil der Bevölkerung. Die Zahl der (spanischen) Juden beträgt 34000, der. Katholiken 29 000, der Anhänger anderer Bekenntnisse 19 000. Der Rest von 3 020 000 Seelen ist griechisch-orthodox. 90 000 Zigeuner, 71000 Rumänen und 66 000 Griechen, letztere namentlich in den .Seestädten, in Sliven und
| ist PhUApopel, leben tn Bulgarien. Bulgarischer Nationalität smd 2,888 000 Seelen.
. -8ahl der Städte ist verhältnismäßig groß, wenn auch nur
eine die Einwohnerzahl 50 000 überschreitet. Im ganzen Imben 19 Städte, wovon wir die meisten genannt haben, über 10 000 Einwohner.
, * Der hellblaue Gesellschaftsrock. Aus London wird berichtet: Der beliebte Bouvivaiit Sir Charles Wyndham, der auch in Sachen der Mode eine führende Rolle spielt/ hat tu seiner neuesten Rolle als „Bellamy der Großartige" besonderes Aufsehen hervorgerufeu. Es war nicht nur sein glän- ?cndes Spiel, durch das er diesem satirischen Melodrama und dessen Hauptrolle, dem gealterten, schließlich durch Selbstmord endenden Lebemann, erst Wirklichkeit und Eleganz verlieh, das so sehr interessierte; es war noch vielmehr sein Gesellschaftsrock, durch bett er bewunderndes Staunen und allgemeine Spannung erregte. Sir Charles trug einen Gesellfchaftsauzug, der in einem leuchtenden Hellblau erstrahlte. Dunkelblau war ja schon im Vorjahr für die feierliche Herrentoilette modern gewesen. Findet nun Wyndhams Beispiel Nachahmung. — und das ist bei seinem großen Einfluß in allen Modesachen sehr wahrscheinlich —, dann werden wir in diesem Winter hellblaue Schlußröcke und auch Fracks zu sehen bekommen. An der linken Vorderseite des neuen Kleidungsstückes befindet sich eine breite äußere Brusttasche, aus der die Ecke eines rosa Taschentuchs heranslugt. Der Schauspieler trug auch eine purpurfarbene Hausjacke, die sonst gatt# nach der gewöhnlichen, jetzt modernen Art geschnitten war. Mit den neuen Directoirekleideru zusammen bot biefer nette Herrenanzug ein eigenartig farbiges Bühnenbild.
* Sehnende Herzen. „Achtung! Zum Tröste der Jugend! Das Problem ist gelöst! Durch unser eigenartiges Verfahren ist ein jeder imstaitde, leicht zu einer Mau sowie zu einein Mann zu kommen. — Keine Annonce mehr nötig, keine Photographie, kein Vermögen, kein Schwindel! Senden Sie vertrauensvoll Ihre Wresse an H. W, Braunschweig, so wird Ihnen das Material gegen Nachnahme von 1 Mk. zu- gehen." Diese Anzeige findet sich, so schreiben die „Hamb, N.", seit einiger Zeit in hiesigen und vielen auswärtigen Zeitungen. Es ist eine gar köstliche „Erfindung", die der brave Braunschweiger gemacht hat. Kurz und bündig ist das Verfahren. Es soll ein großer Bnnd der Ehrlosen sein, der Bund der sehnenden Herzen, dessen Mitglieder sich durch äußere Zeichen erkennen können und sich „finden". Wer seine Adresse einsendet, erhält einen Brief, für den er 1.35 Mk. bezahlen muß. Das Kuvert enthält eine Messing- nadel im Werte von vielleicht 5 Pfg. Ein rotes, sehr schlecht ausgeführtes Schild zeigt zwei verschlungene Hände und die Umschrift: „Zwei Herzen sind ein". Die Nadel liegt in einem Briefe, in dem es u. a. wörtlich heißt: „Beispiel. Es treffen sich eine Jungfrau mit einem Junggesellen auf irgendeiuer Stelle, wo es auch sein mag; beide Teile tragen ein Erkennungszeichen. So kann ein Teil an dem Zeichen erkennen, daß beide eine Annäherung suchen und ohne weitere Belästigung beider Teile eine Annäherung erlaubt ist." Die sehnenden Jungfrauen sollen nun die Nadel als Brosche tragen, die sehnenden Jünglinge als Schlipsuadel. Die Hauptsache aber ist, daß Herr H. W. in Braunschweig seine Mark bekommt; das wird ihm wichtiger sein, als die Mage, ob sich wirklich Leute finden, die ihres Herzens Sehnsucht aller Welt zur Schau stellen.
* Mutter Gottes und Ballett. Im „Bayerischen Vaterland" fragte der Pfarrer Münsterer von Pondorf, ob cs wahr sei, was mlan sich tut Volke erzähle, daß die Wall- fabrtsgelder der Altöttinger Pilger eine Verwendung finden, die den Intentionen der Geber keineswegs entspreche. „Damit ist," schreibt der Pfarrer, „keineswegs gefugt, daß dabei unlautere Geschichten Vorkommen, nein, das sage ich nicht. Um bloß ein Gerücht zu erwähnen, das ich mir aber keineswegs zu eigen mache, so wird hartnäckig behauptet, daß in früheren Jahren, als die gegenwärtige Administration wahrscheinlich noch iit den Kinderschuhen steckte, aus Mitteln des Muttcr-gottesvcrmögens von Altötting das Münchener Ballett unterstützt wurde. Ferner wird behauptet, daß Bvtivbilder und Weihcgeschenke der Pilger an Devotionalien Händler verkauft wurden usw. Derartigen ungehener- lich-en Gerüchten den Kragen gründlich umzudrehen, wäre jetzt die günstige Zeit, das wollte ich bezwecken und sonst nichts. Tas Einfachste wäre doch eine Erklärung, etwa dahiiilantcnd: Die Pilger- gelber der Altöttinger Opferstöcke kommen einzig und allein front* men und wohltätigen Zwecken zu und werden keineswegs zu profanen Zwecken verivendct. Siehe die Rcchnungsnachweise." Der Herr Pfarrer scheint mehr zu wissen, als er in seiner bescheidenen Anfrage verrät. „ ..
* Eine witzige Rede über die Rechte und Pflichten des Arztes hielt Rudyard Kipling gelegentlich einer Preisperteiluug in der Schule des Middlesex-


