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Gießen.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Moudscheruuacht.
Bischof Von Orleans die Preußen mit den Hnnuen verglich und seine Diözesanen aufforderie, mit ihrem Bischof fortwährend zu beten, wie ihre Vorfahren mit dem heiligen Aignan gebetet hatten, bis Attila in die Flucht geschlagen und Orleans gerettet war."
* Vierzig Ehen, die nach dem Ritus der Kirche doch England in aller Form! in Japan abgeschlossen worden waren,: wurden jetzt von dem Ehescheidnngsgericht in London als ungültig erklärt. Tie Frage wurde durch einen Antrag auf Ungültigkeitserklärung von feiten eines der Verheirateten aufge-- wvrfen. Dieser war im Oktober 1899 in der englischen Kirche in Tokio voll dem Bischof von Tokio getraut ivorden. Im Mai des vorigen Jahres klagte der Mann aus Ehescheidung gegen seine Frau. Ter Richter erklärte zu dessen Staunen, die Ehescheidung, nicht aussprechen zu können, weil zunächst festgestellt werden müsse, ob in Japan abgeschlossene Ehen gültig seien. Es ist nunmehr festgestellt ivorden, daß nach der Abschaffung der extraterritorialen Rechte durch den englisch-japanischen Vertrag von 1899 eine kirchliche Trauung nicht mehr genügt. Tie Ehen müssen vor dem Registrar des Distrikts in Gegenwart von zwei Zeugen registriert iverden. Tie in Japan lebenden Engländer haben von dieser Aenderung in den Bestimmungen nichts gewußt oder keine Notiz genommen und die Folge davon ist, daß vierzig seit dem Jahre 1899 geschlossene Ehen als ungültig betrachtet werden. Ter Bischof von Tokio hat jetzt die Regierung ersucht, diese Ehen durch eine ErgänzungsbesUmimmg zu dem ©efcbe gültig zu machen.
Redaktion: D. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.
meinen Schlaf opfern müssen! Es ist — schauderös! unerhört!" _ , ,
„Herr Leutnant," fängt der Bauer an, „Herr Leutnant, dös is ja gar net möglich — wir Hann ja nur den aller- einzigen Hund da —' im Hause — den allereinzigen da."
„Donnerwetter! Ich werde doch noch zählen können: llmal habe ich einen solchen Köter bei der Tür hinausgeworfen — 14mal! und jedesmal war---"
„Und jedesmal, Herr Leutnant, war das der uamlcche, der Zamperl da —, der hat droben unter dem Bett ser Lceger- ftatt und da is er jedesmal wieder durch dös Loch, das ich in der Bretterwand hab' herausschneiden lassen, wieder einikomme — es war halt immer wieder der Zamperl"."
Goldene Worte.
Ist deines Hauses Raum von Makel rein, Wird voller Freuden dir der Erdball sein. Jean Paul.
Es kommt eine Zeit für uns alle, wo wir, der Welt und des Weltverstandes müde, von den Erinnerungen der Kindheit unb deS Elternhauses leben; wehe dann dein allen Menschen, der feine Mutter hatte, die ihm die Aiöänge seines Daseins zum Kinderparadies und Heiligtum geweiht hat. Bogumil Goltz.
VexmMMs.
* D i e greise Fürstin von Sayn-Wittgeu- stein, die Freundin Liszts, hat auf ihrem Ruhesitz Mon abri am Genfer See ihre Memoiren geschrieben, aus denen der „Corvespondant" einige interessante Bruchstücke mitteilt. Die 92 jährige Fürstin — sie wurde im Jahre 1816 als Tochter des Fürsten Bariatinski in Moskau, gehören — hat viel Merkwürdiges erlebt, namentlich üt der Zeit, da sie als Gattin eines mediatisierten Fürsten die meisten Höfe Europas in der Nähe kennen lernte. Im Jahre 1848 ging sie, nachdem sie in Paris die Aufregungen der Februar-Revolution mitgemacht und von einem Balkon des Hotels Meurice aus gesehen hatte, ivie die königliche Familie durch die Tuilerien zu denr Droschkenhalteplatz an der Rue de la Concorde floh, nad) Berlin, geriet aber hier, wo sie Ruhe zu finden hoffte, gleichfalls mitten in einen Volksaufrichr hinein. Sie war Augen- zeirgin der Demütigung des Königs. „Nachdem die Armee Berlin verlassen hatte", schreibt sie, „blieb der königliche Palast samt den inneren Gemächern des Königs und der Königin unter der Obhut des Volkes. Die Bitterkeit der Lage ‘ des Königspaares läßt sich nicht schildern. Der König mußte mehrmals auf dem Balkon erscheinen, um die Leichen der Revolutionäre zu grüßen. Auch die Königin wurde gezwungen, sich ueben dem König zu zeigen. Diese grausame Prüfung überstieg ihre Kräfte. . . . Man sah sie ohnmächtig werden. . . . Die königliche Gewalt schien für immer vernichtet zu sein. Man hatte dem König die Konstitution abgezwungen. Er zog sich nach Charlotteuburg zurück, begleitet von der Königin, die, so erzählt man, Lis zu ihrem Tode eine so bittere Erinnerung an das blutige Drama von Berlin bewahrte, daß sie nicht mehr in der Hauptstadt ihve.s Landes wohnen wollte." Während des deutsch-französischen Krieges weilte die Fürstin in Düsseldorf. Infolge ihrer intimen Beziehungen zu der Kaiserin hätte die Fürstin beinahe eine wichtige politische Rolle gespielt. „Zur Zeit des Waffenstillstandes", schreibt sie, „befand ich mich in Koblenz bei der Kaiserin Augusta. Ein einziger Gedanke beschäftigte ihren Geist: die Proklamation des Friedens! Eines Tages sagte sie zu mir: „Wenn sich jetzt in Frankreich ein edler, allgemein geachteter Mann fände, dem alle Parteien rückhaltslos,Ver- trauen schenken würden, könnte er sich große Verdienste erwerben. Er könnte als Delegierter der französischen Regierung beim Kaiser den Friedeltsschlnß in Vorschlag bringen; wir können die Initiative nicht ergreifen, aber wir würden uns mit Freuden zu Unterhandlungen bereit erklären". — „Glauben Majestät nicht," erwiderte ich lebhaft, „daß Mgr. Dnpanloup, der Bischof von Orleans, der Mann wäre, der eine solche Aufgabe übernehmen könnte?" — „Aber natürlich," entgegnete sie, „das ist eine ausgezeichnete Idee. Haben Sie Mittel und Wege, mit ihm in Verbindung zu treten und in aller Sicherheit seine Antwort zu empfangen?" — „Ich 'weiß ein Mittel", sagte ich. Wir trennten nn§. Ter Kaiser war nicht da. Die Kaiserin teilte ihm sofort mit, was wir besprochen hatten. Er war mit allem einverstanden und sprach in den schmeichel- yaftesten Ausdrücken von dein Bischof, dessen Charakter und Ruf ihm bekannt waren. Bei meiner Abreise versprach die Kaiserin, mich telegraphisch zu benachrichtigen, ob ich den Bischof von dein Gegenstand unserer Unterhaltungen in Kenntnis setzen sollte. Aber, ach! der schöne Traum zerrann ! Das fieberhaft erwartete Telegramm traf ein. Die Kaiserin telegraphierte: „Unmöglich nach dem letzten Hirtenbrief." "Es war der Hirtenbrief, in welchem der
Literarisches.
:— Max Grad: LebenssPiele. Novellen. ;— VerlaF von Egon Fleischel u. Co., Berlin M. — Preis: Mk. 4.— — Hauptsächlich die erste Novelle „Hans Jakob Wohlfahrt", die bei weitem umfangreichste, ist hervorzuheben. Es wird uns das Leben in den Profefsvrenkreisen einet süddeutschen Universität geschildert. Der Verfasser ciürollt ein packendes satirisches Gesellschaftsbild, dem man mit gcspamltem Interesse folgt. Die Schärfe des zweifellos zum Teil schiefen Urteils wird gemildert durch die Form, in der es un3 geboten wird. Der Lohndiener Wohlfahrt ist ein Manu von altem Schrot und Korn, und mit seiner Hilfe gelingt es, alle tragischen Konflikte, die sich unt die Hauptgestalten zusammenziehen, ans der Welt zu schaffen. In seiner Person kommt auch der Humor zum Ausdruck. Diesen Vorzug des Humors hat auch die Novelle „Erna Pastor und ihr Mantel", in der Szenen ans dem Kinderleben wiedergegeben iverden, die man dem Besten an die Seite stellen kann, ivas bisher in dieser Beziehung geschrieben ist. Ernstere Motive liegen den drei anderen Novellen „Zum hellen Licht", „Tänzelsritze" und „Unnütz" zu- grimde. ___________
Rätsel.
Als Ganzes ragt cs stolz empor, Läßt du es ungeschoren: Doch schneidest du die Spitze ab, Ist es noch nicht verloren.
Es fließet ruhig meist dahin In unfern deutschen Landen. Verkehrt geuommeu, lagt es viel, Nicht immer wird's verstanden.
Raubst du ihm jetzt eilt wcitreS Glied, Kcmu's immer noch bestehen;
Du schreibst es jede Zeile fast, Nur läßt sich's nicht verdrehen. Noch einmal gehe ihm zu Leibe, Mauch Mädchetr hat es gerne; Geht es auf die ErholuugsreiZ', Sein Wunsch: er sei nicht ferne. Teilst du als letztes jetzt es aus, Hat's weder Fuß noch Hände, Der eine Teil der liegt in dir, Der Kopf der liegt im Ende.
Dr. E. N eint in» Auflösung in nächster Nummer.


