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Nacht Mer winselt u ub knurrt! — Geh her, du Racker! Dir will ich einen Platz anweisen!" Der Leutnant öffnet die Kammertür und wirst in weitem Bogen den Hund- zur Tür hinaus, schließt diese etwas energisch und sucht wieder sein Lager aus ! „So, Kanaille, dem hab' ich's besorgt!"
.Er kann nicht gleich wieder eiuschlafen, er wacht und flucht über den Köter, endlich Mimt der Gott der Träume auf leisen Sohlen und druckt dem armen Leutnant die müden Lider zu — da — raschelt es wieder im Stroh unter dem Bette und wieder ertönt leises Wimmern und Knurren.
„Kruzitürken-Himalasah!" flucht der Offizier, springt aus dem Bett, längt unter dasselbe, greift hinein ins Stroh und: „Nr. 2! Du Raben-Vieh ! Du Balg! geh her, mein lieb's Bieherl!" und wieder wirft er in weitem Bogen beit.. Kund „zum Tempel" hinaus.
- Er ist wieder ganz munter geworden bei dieser angenehmen Motion und kann nicht gleich wieder einfchlafen, endlich duselt er doch wieder ein wenig ein und — da raschelt es wieder unter dem Bette im Stroh, es wimmert leise, fast wie ein Kind —- wütend macht der „Wnquartierte" einen Sprung aus dem Bette, greift hinunter und — erwischt den dritten Hund, den er gleich den vorigen kräftig Mr Tür „hinausfeuert". „Hoffentlich ist das der letzte !" Wtein noch, zwei- bis dreimal wiederholt.sich dasselbe Manöver!
. „Nein, wenn das noch erlaubt ist, wenn das noch einem anderen Menschen auf dieser Welt passieren kann, als nur gerade mir, armen, unglücklichen Pechvogel! Es ist schon rein zum Totschiehen!"
„So" —-ruft nach einer kleinen Weile der Leutnant — „jetzt wäre glücklich der sechste Hund expediert, aber jetzt hab' ich es satt, geht her — ihr Millionenhunde, ihr Teufelsbraten, jetzt komme, ich euch einmäh aber so", und er hat seinen Säbel gezogen und sticht wie ein rasender Roland unter dem Bette herum. — „Kaput müssen die Kanaillen werdest — ich bringe euch um!" Er sticht und haut wie wahnsinnig unter dem Bette herum — nichts regt sich mehr! Erschöpft — zitternd vor Wut — sucht er feine Lagerstätte wieder auf! „Geruhsame Rächt!" — o, du Baueru-Rammel! eine recht geruhsame Nacht! aber morgen — freu dich ! du — rusticus-agricola!" .
Eine unheimliche, grimmige Ruhe überkam ihn. So schwach feine zoologischen Kenntnisse auch sonst sind, das weiß er doch, daß eine Hündin 6 bis 8 junge Hunde — manchmal sogar 10 zur Welt bringt, daß aber eine solche gerade unter seinem Bette ihr Wochenbett aufgeschlagen hatte, dafür fand er keinerlei vernünftigen Grund und tlr- sache, aber ihm mußte natürlich wieder dieses Pech widerfahren, gerade ihm! „O, das ist doch ganz selbstverständlich, darüber wundere ich mich auch gar nicht mehr! Die ganze Nacht habe ich — Gott sei tausendmal Lob und Dank dafür! — jetzt weiter wahrscheinlich gar nichts anderes mehr zu tun' als junge Hunde aus der Kammer hinanszuwerfen •— nun, das ist mein Kismet! Ich halt' still und werfe mit größtem Vergnügen noch zweimal zwei Dutzend junge Hunde hinaus! Gottlob! die Arbeit bin ich schon jetzt gewohnt — bitte meine verehrten He treu Hunde — genieren Sie sich gar nicht, ich bin ganz zu Ihren Diensten" — und wieder raschelt es im Stroh. Der Leutnant greift unter das Bett, erfaßt den jetzt an die Reihe kommenden Hund, wirft ihn zur Tür hinaus und sagt nur, während er wieder sein Lager anfsuchl: „So, das war 9h1. 7!"
Er legt sich wieder ins Belt! Fünf Minuten Pause! Heraus aus dem Bett! Hund Nr. 8 — Nr. 9 — Nr. 10 erleiden das Schicksal ihrer Vorgänger. Zum 10. Male wieder hinein in das Bett! Heraus aus dem Bett — denn Nr. 11 fordert sein Recht, seinen vorangeworfenen Brüdern zu folgen!
„Jetzt hört sich aber doch schon die Weltgeschichte auf!" nun es sollen — jedoch äußerst selten, manchmal sogar auf einen Wurf — 12 junge Hunde zur Welt kommen, möglich ist dies also immerhin — darum hinaus mit Nr. 11, es folgt — fünf Minuten Pause — Nr. 12! „So, in Gottes Namen — Nr. 12! jetzt dürfte aber Schluß der Vorstellung sein!"
Er legt sich wieder ins Bett! Fünf Minuten Panse! Und Nr. 13 meldet sich zum tzinauswerfcu an! Nr. 14! „auch du mein Brutus! folge" den andern nach — nun aber — nein! Einen Bosco will ich doch nicht machen! Ich bin fest überzeugt, daß, wenn ich noch fünfzigmal unter das Bett lange, ich auch jedesmal, einen jungen Hund hervor- ziehe ! Nein— jetzt wird mir die Geschichte dM M dumm!
Von mir aus — und wenn noch jetzt zweihmidertfünfnud'- vierzigtausend Dutzend junge Hunde unter meinem Betts sind, ich lasse sie drunten und will nun endlich meine Ruhe haben — in Satans und seiner Höllen-Scharen Namen! Wenn man da nicht das Fluchen lernt, dann muß man schon von bewundernswerter Schafsgeduld sein! — Millionenkieselfeuerstein !•" und trotzdem es noch weiter unter seinem Bette im Stroh raschelt und quiekst — der ernte geplagte Krieger legt sich auf die Seite, hält sich die Ohren zu und — endlich verkünden tiefe Atemzüge, daß er die wohlverdiente ersehnte Ruhe im Schlafe gefunden hat. —
Abgespannt, matt, übernächtig erwacht der Leutnant nach kaum einigen Stunden erquickenden Schlafes, denn der Tambour rasselt die Tag-Revcille auf seinem Kalbfell herunter; rs naht der Abmarsch.
Allmählich fallen dein Leutnant ivieder die Ereignisse dieser überaus fidelen Nacht ein; er erinnert sich, daß er vierzehn junge Hunde aus der Kammer geworfen hat — „eine recht angenehme, kurzweilige, gewinnbringende Arbeit!" Eine recht geruhsame Nacht! So, jetzt will ich wieder meine nächtliche Arbeit von neuem beginnen —und nunmehr bei Tageslicht — die übrigen zweihundertfünfund- vierzigtausend Dutzend jungen Hunde, die jedenfalls vorhanden sein werden, mit frischem Mut und neugestärkten Kräften hinaüswerfen! Ich habe hierin schon einige Hebung! Also frisch ans Werk! — Er langt unter die Bettstatt, greift hinein ins Stroh — nichts regt sich!
„Wart! Die Bestien haben sich recht weit hinten an die Wand gedrückt — aber ich kitzele euch schon heraus!" und er sticht mit seinem Säbel in das Stroh — keine Regung — nichts rührt sich, — keine Spur von einem jungen Hunde! „Wunderbar! Kaum glaublich!" murmelte der Offizier.
Nachdem er sehr flüchtig Toilette gemacht, verlaßt er den Raum, der so angenehme Erinnerungen für ihn birgt, steigt die steile Bodentreppe hinunter und da fitzt auf dem letzten Treppenabsatz ein junger Hund, der — scheußlichste seiner Rasse — und knurrt leise; ergreift aber sofort die Flucht, als der Leutnant sich anschickte, ihm einen wohl- gemeinten Fußtritt zu versetzen!
~ M. 1 Mr Rr. 14? denkt sich der Leutnant — und wegen eines solchen erbärmlichen, häßlichen Köters habe ich meine Nachtruhe opfern müssen! Ist das noch Gerechtigkeit? Himmel. hast du keine Blitze?
Dem vorzüglich gelaunten Offizier kommt gerade jetzt im rechten Augenblick der biedere Sandmann — rnsticus — in den Wurf und fragt: „Nun, Herr Leutnant, wohl geruht? Gut geschlafen?"
' Dies stößt dein Faß den Boden aus — all der Zorn, der Grimm und die Wat, die der Leutnant in seinem Innern während der Nacht'.angesammelt hat, jetzt bricht er hervor mit Macht — aus feiner Höhle — der lange verhaltene Zorn und: — „Du — Sie — Rammelsborger! Sie können sich noch unterstehen, mich zu fragen, ob ich gut geschlafen habe — Sie — und da hab' ich heute nacht aus der. dreimal verwünschten Bodenkammer 14 Stück junge Hunde hinausgeworfen; 14 Stück solcher Rabenvieher, wie der da, dieser Racker da!" und er deutet nach einem Köter, der sich hinter dem Rücken des Bauern herangeschlichen hat und nun seinen Herrn und den Leutnant mit feinen Augen, die durch Haare fast ganz verdeckt sind, ganz treuherzig an- schaut, „14 Stück von der Sorte da!"
„Was? Was?" fragt der Bauer — und schaut sich nach seinem Hunde um — „14 solche Hunde wie der Zamperl da, han's heut nacht n'ausgeworsen, Herr Leutnant?"
„Jawohl, Sie, großes Horn — 14 Stück von oie;en ausgezeichneten Mnailleu habe ich heute nacht herausgc- worfen und bin überzeugt, daß sich noch immer einige Dutzende in der Kammer befinden — Sie — Sie — Hanak' Mumt der Offizier, blaß vor Wut — „das war eine recht geruhfame Nacht!" Der Bauer schaut deu Huud an, das ,/Zamperl" schaut den Bauer au; daun schaut der Hund den Offizier an, als wollte er sagen: „Wir zwei kennen uns ganz gut — es war heute nacht recht gemütlich für uns beide!" und dabei wedelt er ganz freundlich mit dem Schweife, als hätte er gar nichts getan, was unrecht war.
. Der Zamperl ist ein scheußliches Tier — eine Mischung von Pttdel-SPitz-Mops-Dackel-SchäferlMNd — aber er hat schöne treue Hunde-Augen, die aus dem Dusche von Haaren fast sreimdlich-biktend heransschanen! , ,,
,'unb 14 Stück solcher Bestieu wegen habe ich heute nacht


