Ausgabe 
19.2.1908
 
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wurde kostenpflichtig abgewiesen. Die Prmzesim hat sich übngens bereit erklärt, ihm noch weitere 25 000 Kronen zu zahlen, aber erst spater aus der Erbschaft, die ihr bercmst von rhrem Vater zufallen must. DerBefreier" behauptet, dann 50000 Kronen erhalten zu müssen. m

Tie Höhe des Bogelfluges. Prosestor P o c sch et aus Meisten, der jüngst in den russischen Ostseeprovmzen schifsahrtm unternahm und den beutsch-rnNlsche Blatter als Rektor der Universität Gießen" bezeichneten, wobei sie die Ludo- viciana mit der Meißener Fürstenschule verwechselten, tagt m seinem BucheLuftreifen":Soeben fliegt ein Bogel rasch arr unserem Korbe vorbei, eine große Seltenheit in einer Hohe von 9200 Meter. Tie Vogelkunde verdankt erst der Luftsckusi- ' fahrt in dieser Himicht sichere Nachweise. Bis dahm über­schätzte man die Höhe . des Bogelfluges ; ,o glaubte Alexander von Humboldt, der Kondor erreiche /100 Meter, und Gatke kam bei seinen Beobachtungen auf Helgoland zu der Annahme, . Wandervögel suchten Höhen von 3000 bis 5000 Meter auf, gewisse Arten sogar von 10 000 bis 12 000 Meter. Das Pt gänzlich ausgeschlossen. Tie Külte, bei 10000 Metern etwa minus 54 Grad Celsius, und der verminderte Luftdruck man,-en Vögeln den Aufenthalt in so hohen Luftschichten unmöglich. Luftschiffer, zum Beispiel Lucanus, haben festgestellt, daß sich die Vögel ungezwungen nicht über die erste Wolkenschicht erheben, vielmehr halten sie sich im allgemeinen innerhalb der ersten tausend Meter über der Erdoberfläche, die meisten. jedoch in sehr geringer Höhe. Nur vereinzelt beobachtet man Krähen 1400 Nieter hoch, eine Lerche in 1900, einen Adler in 3000 Meter Höhe. Auch der von uns bemerkte Vogel schien ein Raub­vogel zu sein."

*32 mal verheiratet. Ein soeben in Bristol zu sieben Jahren Zuchthaus wegen Bigamie verurteilter Witzoff erzählt, daß er 32 mal geheiratet habe, in Amerika, Italien und England unter 30 verschiedenen Namen. Jedesmal hat er die Frauen um ansehnliche Summen Geldes betrogen. Er stammt aus einer angesehenen Neufchateler Familie namens Schob und hat gründ­liche zahnärztliche Studien getrieben.

Kunst und Literatur.

Ein neues Bild aus deut Mainzer Dom. Der Mainzer Maler Carl Goebel hat ein neues eigen­artiges Motiv aus. dem Mainzer Dome in einem großen Oelgemälde künstlerisch zur Darstellung gebracht. Auf dem Goevelschen Bilde ist es insbesondere die eigentümliche Wirkung der Farbentöne des Steinmaterials, die den Künst- ler offenbar gefesselt und zur Darstellung gelockt hat, wie z. B. das zarte Grau der mächtigen Schiffpfeiler, neben das sich der warme rötliche Sandsteinton der Chorpartieen setzt, der nach dem Hintergrund zu in das schimmerige Düster der östlichen Vorhalle übergeht, in das magisch durch Oberlicht und Türspalte das Tageslicht hereinblitzt. Die wuchtigen Massen des Denkmals des Kurfürsten Franz von Ingelheim mit seiner Draperie aus schwarzem Mar­mor und das des Landgrafen von Hessen mit seinem mehrfarbigen Materiale derselben Steinart, wirken im Auf­bau des Ganzen als kräftige Dominanten.

Wer h a t S h a k e s p e u r e' s D r a m e n geschrieben? Einen literarischen Scherz, der ebensoivohl die Geheiinniskrämerei der Baconianer und sonstigen Shakespcareleugner, als Vernard ShawsUeberwindnng Shakespeares" geißelt, läßt sich bnSLite­rarische Echo" ans England mitteilen. Danach ist kein Geringerer als der geistreichste unter den lebenden cngl. Dramatikern, der schlagfertigste unter den sozialistischen Spöttern Englands, niemand anderes als Bernard Shaw selbst der vielgesuchte Verfasser der angeblichen Shakespeare-Dramen. Ein Kryptogramm beweist es unwiderleglich. Man nehme die Titel von cli der sogenannten Shakespeare'schcn Dramen, ordne sie wie folgt und unterstreiche in jedem den viertletzten Buchstabe». Diese Bnehsiabcn bilden den Namen des lange gesuchten Verfassers:

MacBeth.

Julius CaEsar.

Coinedy of ErRors.

Merchant of VcHice.

Antony and CleopAtra.

Two Gcntlemen of VcRona.

Merry Wives of WinOsor.

Troilus and CresSida.

Timon of AtHens.

Antony and CleopAtra.

Alls Well That Ends Well.

.-"..Der kluge Theaterunternehmer. . In einem ttaliemschen Blatte klagt Ugo Pesci darüber, daß Schauspieler und Sänger oft schwer zu ihrem Gelde gelangen können. Es gwt Theaterdirektoren, die ihrer Künstlerschaar die höchsten Gagen versprechen, aber, sobald es ans Zahlen geht, sich ihren Ver- pflichttmgen durch alle erdenklichen Schliche zu entziehen suchen.

Vor einigen Tagen, so erzählt Pesci, mußte ein Impresario sein Theater, das er erst kurz vor Beginn der Faschingszeit eröffnet hatte, wegen dauernden Zuschauermangels wieder schließen; die Operngesellschaft saß Plötzlich auf dem Pflaster und wusste sich nicht zu taten und zu helfen. Zu den Opfern gehörte auch die Primadonna X.; der Gatte dieser Dame, ein sehr energischer Herr, suchte seine Frau zu beruhigen unb sagte:Mach dir nur keine Sorge, ich werde schon Mittel unb Wege finden, dir zu deinem Gelbe zu verhelfen." Sprach», nahm seinen Stock und eilte in bas Haus des Direktors; man suchte ihm den Eintritt zu verwehren, aberer wußte sich burchzusetzen". Ter Direktor saß sorgenvoll am Schreibtisch, auf dem ein Revolver lag. Herr X. war überaus kampflustig; bevor er aber noch zu Worte kommen konnte, sagte der Impresario mit vibrierender Stimme: Ich weiß, daß Sie gekommen sind, um mir eine Szene zu machen, und ich muß gestehen, daß Sie in Ihrem Rechte sind. Sie dürfet! tun, was Sie wollen, ich werde mich nicht wehren! Aber wenn Sie Mitleid mit mir haben, so prügeln Sie mich nicht durch; nehmen Sie lieber diesen Revolver und schießen Sie mich nieder. Ich kann all mein Leid nicht mehr tragen, habe aber nicht den Mut, mich selbst zu töten. Sehen Sic her: ich erkläre hier schriftlich, daß ich mir selbst das Leben genommen habe, und Sie werden nicht die geringste Unannehmlichkeit haben." Unb der Impresario begann wirklich zu schreiben; aber der Gatte der Primadonna nahm rasch Hut und Stock unb lief davoiw Der Impresario aber erhob sich eine Minute später vom Schreib­tisch und rieb sich vergnügt die Hände; er hatte auch allen Grund zur Freude, da er nicht nur einer Tracht Prügel ent­gangen war, sondern auch noch ein hübsches Sümmchen gespart halte.

Für rmfcrs Frauen.

Die Fragen:Wie frisiere ich ntich anfs vor­teilhafteste?" undWelches geeigneteste Ko­stüm wähle ich?" finden eingehende Behandlung in den im Verlag von M Bobach u. Co., Leipzig-R., erschienenen, illustrierten kleinen Werken:Wie frisiere, Pflege und er­halte ich mein Haar? (Praktische Anleitung zur Selbst­anfertigung von Damen imb Kinderfrisuren für Haus und Gesellschaft von A. Henkel und A. Witte; Preis 1.20 Mk.) und in deinMasken-Ko stü m-Alb nm". (Eine Sammlung von 200 Vorlagen für Masken, Kostüme, Kopf­bedeckungen usw. von Erna Orth-Steinberg; Preis 1.50 Mk.^ In beiden Schriften werden nicht nur die Bedürfnisse der Erwachsenen, sondern auch die der Kinder berücksichtigt. Das Frisurenbuch bietet noch den besonderen Vorteil, daß. es in feinen! Anhang die Behandlung und Pflege de? Haares in gesunden und kranken Tagen, von einem Arzte bearbeitet, bringt.

Weisheitsworts,

S v r n ch c.

Warum kau» der lebendige Geist dem Geist nicht crichcinen? Spricht die Seele, so spricht, ach! schon die Seele nicht mehr.

Au die A st r o n o m e n.

Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume;

Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.

Schiller.

Der Wert eines Denkers steigt mit dem Sinken der Anzahl seiner Thesen. * Walter Calö,

Jede MeuscheUklasse tendiert sich um so stärker zu vermehren, je weniger nach ihren Stcmbesbegriffeu zur Ausässigmachung einer Familie gehört. W. Roscher,

Rätsel.

Mein erstes Paar ist ganz vortrefflich, Au? alle Falle lob ichs mir.

Mas es dir bringt, bekommt dir besser, Als Mein unb Sekt; das sag ich dir!

Mein zweites Paar siclist du noch höher, Die ganze Welt ninnnfS in sich aus. Den Himmel jviegett cs dir wieder, ES leitet deinen LebenSlaus.

Mein Ganzes ist dir nicht willkommen, Es schasst dir manche Not unb Pein.

Doch hast das einmal ausgenommen, Nie wieder wirst du loS es sein, Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Buchstabenrätsels in voriger Nummer: 1. Gut, 2, Ochs, 3. Epheu, 4. Tara, 5. Hans, 6. Ems.

Goethc' s Fnu st.

Redaktion: P, Witlko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche« Universitäts-Buch- unb Stembruckerei, R. Lange, Gießen.