Mittwoch den P. Februar
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Kelwuih von Loy len.
Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Ich wollte mit dir über Edmund sprech:»," sagte Anne Marie ruhig. Sie bückte sich. Pflückte eine Frühlingsblume ab und drehte sie zwischen spitzen Fingern, so ging sie langsam weiter, wahrend er hastig fragte:
„Betrifft cs diese — diese Amerikanerin?"
„Es handelt sich darum, daß er im Begriff ist, geistig zn entgleisen."
„Was meinst du?" — fragte Loyscn ungläubig.
„Ich spreche davon mit dir allein, sonst mit niemand. Edmund ist, meiner Ueberzeuguug nach, nicht mehr in geistig normaler
Verfassung."
„Mein Himmel! Tauschst du dich nicht?" .
„Der Fall ist nicht ausgeschlossen, aber leider rausche ich mich selten." t . ... L. .
„Und woraus schliesst du es? .Hast du einen Arzt gefragt?
„Woraus ich es schließe, ist schwer zu sagen, und einen Arzt zu konsultieren, hatte ich bisher keine Veranlassung. Aoer Männer wie Edmund enden oft in tragischer Klügllcyi-ru.
„Du sagtest, zu den Gästen in Schloß Test gehöre auch die verwitwete Gräfin Wendtleben."
„Gewiß. Seit dem Tode ihres alten Grafen schleppt siechten schönen Titel, ihre Diamanten unb ihre extravaganten Toiletten in der ganzen modernen Welt herum, den Hinter war sw m Monte Carlo, jetzt grast sie alle Verwandten _ihres „old dear ab, dann geht sie nach Ostende. . . hinter diesen» Frrlicht flattert, als Motte, Edmund." , .
„Anne, du nimmst die Tinge verzweifelt ta'tbiutig.
„Bis zu einer gewissen Grenze, mein Bester., Die sapöne .Halbwilde mag voran-, Edmund nachflattern. Ja, seine schon ganz verjährte Beharrlichkeit rührt mich fast. Ich verlange nur, daß er mir die Rücksichten und die Höflichkeit erweist, die ich von ihm fordern kann. Das hat er stets getan und das nimmt retzt ein Ew.de Er leidet an Anfällen plötzlich ans brechender Heftigwit und macht mir dann regelmäßig den Vorschlag, der Scheidung: Sie runzelte leicht die Brauen, und ehe Loyfen etwas sagen konnte, fuhr sie fort: „Ich hatte diese Idee ür krankhaft, wie ich denn diese ganze, ihn» so wenig ähnliche Geschmacksverirrung für ein Symptom geistilzer Schwäche halte -7 non wie es auch sei, hier hört meine Nachgiebigkeit auf. Ein Famrllenskandal! Asfrenx. Niemals! Ich hab-e eine Abscheu vor einem beglaubigen Sen- sationsaktus, uiiti den man befragt werden darf, über oen man Rechenschaft ablegen muß." ■ . ,
Loysen ivar ganz erschüttert. Niemals hatte er geglaubt, daß cs zwischen den beiden. hierzu kommen könne. Sw vertrugen sich eigentlich so wunderbar und Troß war immer stolz auf feim Fran gelvesen. .
Anne Marie schritt in der ihr eigenen, gleitenden Act neben ihm weiter, immer die Blume in der Hand betrachtend: „Und dann ist das zu bedenken: Kommt eö mit ihm, wie ich glaube, jo hatte
dir Geschiedene niemand in der Welt, der sich seiner aunäyme, ich kann sagen, erbarmte, da er der letzte einer ausgestorbenc» Familie ist."
Hätte sie das nicht so kühl und nüchtern gesagt, so wäre es ihrem Begleiter förmlich tröstlich gewesen, so aber erschien cs nur als eine Reflexion bedachtsamer Gewissenhaftigkeit. Es war ihm ganz unbegreiflich, wie sie so durchs Leben gehen konnte! unter der Last eines ihm furchtbar düukenden ehelichen Elends, leicht und gelassen, mit so völlig ungekünsteltem Gleichmut. Das hatte das Leben aus ihr gemacht, die einst mit den Geschwistern um die Wette in seligem Kinderglück über diese Wiesen gesprungen war, um, wie sie jubelnd verkündete: Schwalben zu fangen! und wie sie weinen und zürnen konnte, wenn die schnellen Bogel sie foppten und an ihr vorüber fuhren.
Es war eine geringfügige Erinnerung, aber sic stimmte ihn nachdenllich.
Am Nachmittag saß die ganze Familie beim Kaffee in jcitev buntfenstrigen Glasveranda, und Reckuitz, der jetzt erst recht dazu kam, sich des Besuches zu freuen, saß behaglich schmunzelnd zwischen den beiden Schwestern. Er hatte „sein Annchen" lieb, ob sie das nun zu würdigen wußte oder nicht, und seine drei einstigen Mündel so um sich zu haben, war ihm eine Herzensfreude. Kaffee und Kuchen ward genossen, die Sonne schien funkelnd durch die bunten Scheiben, die Finken schlugen in den alten Eichen des Parkes. < . , , c
„Kinder," sagte Reckuitz gemütlich, „ich bin froh, daß ich euch nm mich sehe. So nett krieg ich euch doch nicht sobald wieder zusammen." ,
Anne Marie 'lächelte liebenswürdig und ließ ihre kühlen, müden Augen über seine stämmige Erscheinung gleiten. Er war natürlich ivicder mal in Joppe und hohen Stiefeln.
„Warum denn nicht?" — rief seine Frau, „ich schlage vor, daß wir, so wir leben, nächstes Jahr an diesem Tage, zu dieser Stunde wieder hier zusammenkommen.— wir vier. Ja? Schlagt doch ein! Es ist hübsch, wenn man so etwas im Sinn behält, worauf man sich dann das ganze Jahr freuen kann."
„Topp!"' — rief Reckuitz, „Hände her!" —
Er nahm! die drei hingehaltcnen Hände in seine große Pratze — „hier Miezchens rundliche Hausfrauenband — hier Annchens zerbrechliche Feenhand, hier Helmnths Rciterhand — ein wenig zu schmal geraten für eine solche . . . so, da hab ich euch. Es gelte! —"
' „halt noch!" — sagte Marie Ann«, „wenn Helmuth vis dahin eine Fran hat, darf sie natürlich mitrommen."
„Darf sie?" — fragte der lächelnd, — „das will nh mir denn doch anch ausgebeten haben."
An Edmund Troß dachte niemand, am wenigsten seine Frau.
Tic Herren gingen dann noch in die Ställe, um ein neue gekauftes Pferd zu besichtigen, die beiden Schwestern blieben allein. Lilly, deren Kräfte die ihr zu Ehren der Tante Anne auferlegte Manierlichkeit fast überstieg, entschädigte sich auf der« Kvockctplatz durch eine Art Veitstanz, den sie zwischen Bälle» und Mise» ausführte, Klein-Annchen saß, wie meist, zu Fußen d« Mutter, still damit beschäftigt, der prachtvollen Puppe, tue


