* Die Höflichkeit im Babe. Wenn man bett Chi­nesen nachsagt, daß ihre Hygiene darin bestehe, ihr ganzes Leben lang kein Wasser auf ihren Körper kommen zu lassen, geschweige denn, eine Badewanne zu besteigen, so gelten inr Gegensatz hierzu die den Chinesen stammverwandten Japaner als eines der saubersten Völler der Erde, worin sie einen gemeinsamen Wesenszug mit ihren englischen Ver­bündeten aufzuweisen haben. Ein Japaner badet täglich mindestens einmal ititb verlangt das auch von allen seinen Familienmitgliedern. Er verfügt allerdings über kein Bade­zimmer in unserem Sinne, er hat auch keine Warmwasser- versorgung in seinem papiernen Hause, aber die Badewanne, die meist aus einem hölzernen Trog besteht, steht an der Hinterwand seines Hauses und an jedem Morgen kann matt die ganze Familie splitternackt den Geboten der Reinlichkeit gehorchen sehen. Der Zuber wird mit heißem Wasser gefüllt und zuerst von deut Familienoberhaupt bestiegen. Seife kommt nicht immer zur Verwendung,-ist ja auch zumeist nicht nötig, hingegen ein bürfteuartiges Instrument, mit dem der ganze Körper krebsrot genebelt wird. Nach dem Water folgt der älteste Sohn, nach diesem die jüngeren männ­lichen Nachkommen, nach diesen wieder die Mutter, die im Range hinter den Söhnen folgt, und zuguterletzt besteigen die Töchter die Badewanne. Alles badet in demselben Wasser, das auf zirka 40 Grad Celsius erhitzt wird. Wenn maii bei lauer Temperatur badet, behaupten die Japaner, wird man zu leicht müde, und sie mögen nicht unrecht haben. Zählt das Haus nun einen Gast, so gebührt diesem der Borrang. Es ist sehr scherzhaft zu sehen, ivte das Familienoberhaupt sich zuerst entkleidet und sodann dem Gaste die Honneurs macht, ihn mit einer graziösen Hand­bewegung und einigen höflichen Worten auffordert, doch vor ihm die Annehmlichkeiten des nassen Elements aus­zukosten. Er wäre tief verletzt, wenn der Gast etwa diese Ehre zurückwiese, was deshalb ja auch nie geschieht. Den Europäern, die in japanischen Häusern zu Gaste sind, kommt dieser Brauch zuerst allerdings etwas seltsam vor. Die ganze Familie versammelt sich um die Badewanne und der Water hält dem im Zuber Hockenden eine Ansprache, in der er zum Ausdruck bringt, ivelch hohe Ehre seinem Hause widerfahre, daß sein Gast bei ihm zu baden geruhe. Dann wünscht er noch Segen auf das Haupt des Gastes und auf die Häupter seiner sämtlichen Vorfahren herab, um dann, wenn der Gast der Wanne entstiegen ist, selbst hinein zu steigen.

* Statistisches vom F r anenhaa r. Die Geduld des Statistikers hat für die bizarre Frage, wieviel Kilometer Haar eine Frau wohl auf dem Kopfe tragen mag, nunmehr die Ant­wort gefunden. Wie im Gaülois berichtet wird, sind die blonden Haare in der Regel üppiger und dichter als die dunkleren. Eine dunkelhaarige Frau trägt durchschnittlich eine .Haarlänge von ins­gesamt nicht weniger als 70 Kilometer mit sich, während eine üppige Blondine bisweilen 135 Kilometer und mehr erreicht. Dagegen ist das dunklere Haar stärker und widerstandsfähiger als das blonde, es trägt eine Last von 113 Gramm, ohne zu zcr-- reisten, während das hellblonde goldig schimmernde Haar be­reits bei 68 Gramm bricht.

* Aviatiker und aviatisch. Unser armseliges kümmerliches Deutsch hat wieder einmal nicht ausgereicht für die Fortschritte des Betriebswesens. Mitglieder des Schle­sischen Vereins für Luftschifsahrt haben eineBauanstalt aviatischer Geräte und Maschinen" gegründet. An eilten Druckfehler stattasiatischer" lvird ivohl kaum irgendwer denken, aber wieviel Leute verstehen das neue Mischwort, zusammengeschweißt wie ach! so. manches andere aus fremdem Stamm und deutscher Endung? Die neue Gesell­schaft will sich mit dem Bau von Flugmaschinen, vonFlie­gern" befassen je nun! weshalb sagt sie denn nicht: Bauanstalt für Fluggeräte und -Maschinen" odersür Flieger und Flugmaschinen"? Ja, das verstehen wir Nicht- Aviatiker" wohl nicht! Aber auch Fachleute können sich mit diesem neuen Fremdwort, das in den meisten Fremd­wörterbüchern fehlt, selbst int neuesten Kiesewetter-Rayhrer, doch nicht befreunden, und ein ausgezeichneter Kenner der Luftschifsahrt, der Rektor der Meißner Fürstenschule Prof.

Dr. Pöschel, nannteAviatik(er)" kürzlichein Wortscheusal, abgeleitet vom lateinischen avis (== Bogel) mit einer durch ungehörigen Bindevokal angefügten griechischen Endung."- Betaviatisch" ist nun aus der griechischen Endung eine deutsche gemacht. Hermann Dünger plaudert darüber in der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins und meint mit Recht, man könne doch zunächst nur an das lateinische aviaticus ( großmütterlich) denken, aber was habe die Großmutter mit der Luftschifsahrt zu tun? oder an avium (= Abweg), da selbst lenkbare Luftschiffe zuweilen auf Slbwege gerieten. Aber es bezieht sichAviatiker" nicht auf Luftschiffe, sondern auf Flugtechniker, auf Leute, die durch die Luft fliegen wollen tute ein Bogel (tat. avis); daher- also der Name. Aber statt sich nunAviarier" zu nennen, denn das Eigenschaftswort zu avis lautet aviarhis, fliegt derHimmelsstürmer", wie man den Flugtechniker ja auch im Scherze gut deutsch nennen könnte, erst schnell nach Frank­reich und lernt, daß man ihn dort aviateur und seine Kunst aviation nennt, und bildet danach den Aviatiker, die Aviatik und aviatisch! Hausding nennt die Aviatik in seinem Ber- deutschungAvörterbnchFlugkunst, Fluglehre, Fliegekunst"; wären diese Wörter nicht besser und vor allen Dingen ver­ständlicher? Wenn es nun aber einer wagen wollte, vorzu­schlagen, man möge vonfluglichen" Geräten, Maschinen u. bergt sprechen, um unsere an Eigenschaftswörtern wirklich nicht überreiche Sprache auf deutsch zu bereichern, würde man ihn nicht närrisch nennen? Ja, wenn einmal eine kühnere deutsche Neubildung gewagt wird, so schließt Dünger die erwähnte Plauderei, dann erhebt sich sofort ein lautes Geschrei:Die Form ist falsch gebildet! Weg damit!" Aber bei der Bildung neuer Fremdwörter braucht man auf Sprach­richtigkeit und Sprachregeln keine Rücksicht zu nehmen, auch nicht auf Werstünblichkeit unb Deutlichkeit. Das Fremdwort trägt den Adel der Wissenschaftlichkeit auf der Stirn, mag es auch noch so abgeschmackt sein. Wer ein Fremdlvort nicht versteht, hütet sich, seine Unkenntnis zn verraten. Denn der Gebildete muß Fremdwörter kennen; wer sie nicht kennt, ist eben nicht gebildet.

Literarisches.

Eine neue deutsche Sha ke sPc a re-A us gabe. Dee Berlag von Georg Bondi in Berlin kündigt eine neue große Shakespeare-Ausgabe an, die von Friedrich Gundolf hcransge- grben wird und von diesem auch teilweise neu überseht ist. Mit dieser Veröffentlichung will der Berlag eilte Deutsche Aäonumental- Ausgabe von Shakespeares Werken bringen, die den streng Nrn wissenschaftlichen und dichterischen Anforderungen entspricht., Nach der Ansicht des Berlegers wird der Grundstock eines klassischen deutschen Shakespeare, A. W. Schlegels Uebertragungen als Ganzes übernommen, aber einer allseitigen und planmäßigen Revision unterzogen. Dazu kommt eilte Neuübertragung der nicht von Schlegel verdeutschten Hauptwerke, darunter Coriolanes, Antonius, Macbeth, Lear, Othello sowie der Sonette. Daran schließen sich die besten älteren Uebertragungen der geringeren Dramen Der Uebersehung liegen die Resultate einer gründlichen Textkritik zugrunde und Annierkungen am Schluß jedes Bandes Mit vielen neuen Gesichtspunkten für Lesart und Deutung des engufdjeit Textes machen das Werk auch dem Fachmann interessant. Der gesamte Buchschmuck: Einband, Titelzeichnung, Umrahmungen, Initialen unb Vignetten sind von der Hand Melchior Lcchters: das Format und das eigens angefertigteJndia Paper antigua entsprechen dem monumentalen Zweck des Werkes. Der eben er­schienene erste Band der voraussichtlich zehn Bände umfassenden! Ausgabe enthält eine allgemeine Einleitung, die Neuübersechung von Coriolanus, Antonius und Cleopatra sowie den durchgesehenen Schlegelscheit Cäsar. Die weiteren Bände, sollen in kurzen Ab­ständen folgen.

Charade.

Den Buben schaffts Erste ott große Pein, Manch Trövflein Tinte unb Schweiß fällt darein. Die Zwei und die Drei in den fleineten Städten Hat Mancher mit arger Verwünschimg betreten. Tas Ganze wird beim Apotheker bestellt, Sobald eS der Doktor für nötig hält.

Es zeigt sich dem Kranken für einige Zeit Als rühmliches Beispiel von Anhänglichkeit.

Auslösung in nächster Nummert

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Wie eng gebunden i st des WeibeS Glück.

Siebntiiom E. Anderson. Rotationsdruck und Verlag de» Brühl'scheu UntversttätL - Buch- und Slembtuctecei, R. Lange, Gießen,