ganz erbärmlich. Ein Nebel lagerte im $al, die Luft war ziemlich frisch, die Scheune nur aus Brettern gezimmert, die hier und da sogar fehlten; alle diese Umstände mögen mit dazu beigetragen haben. Vielleicht war es auch das Uuge- wohnte, in einer Scheune zu übernachten, aber jedenfalls eines ist! gewiß: niemand konnte auch nur eine halbe Stunde während der Nacht schlafen.

Als wir den Tag durch die Wände schimmern sahen, erhoben wir uns von unserein Lager, um die Glieder ein wenig zu erwärmen. Ein Teilschlief" weiter, während drei, darunter auch ich, mit knurrendem Magen die 950 m hohe Wasserkuppe, die in einem Meer von Nebel verborgen lag, bestiegen.

Schon um 5 Uhr langten wir oben an und wären nicht wenig erstaunt, als wir einige Gäste in der Wirtschaft vorsanden. Einige Stunden später kam der Rest nach, und bei Regenwetter erfolgte der Abstieg.

Angenehm war er nicht. Der Regen wollte nicht auf­hören, der Nebel nicht weichen, und die Stiefel füllten sich immer mehr mit Wasser. Endlich langten wir im Tal an und konnten nach kurzem Aufenthalt den Marsch fortsetzen. Bergauf und bergab, durch Mesen, Wälder und Moore führte der Weg. An einer geeigneten Lagerstelle wurde abgekocht, und während unsere Schuhe und Strümpfe äm Feuer trockneten, bereiteten wir unser Mahl, das aus Makkaroni und Bohnengemüse mit etwas Himbeersirup als Nachtisch bestand. Gewiß ein gutes Feiertagsessen! Wer sich einExtrawürstchen" braten wollte, machte geröstete Brotschnitte, Pudding, der nicht viel anders als' Wasser schmeckte, oder etwas dergleichen.

Bei manchem fing schon das Lamento mit den engen Stiefeln an; durch den Regen waren sie hart und eng ge­worden, und man hatte seine liebe Not, um sie wieder an die Füße zu bekommen.

Das Wetter besserte sich inzwischen etwas, und bei Hellem Sonnenschein setzten wir den Marsch fort. Mit Sing und. Sang langten wir gegen Abend in einem Dorfe in der Nähe des Kreuzbergs an. Durch Vermittlung des''Lehrers fänden wir bei biederen Leuten Unterkunft, und da ein prächtiger Sonnenuntergang zu erwarten war, schleppten wir einen großen Pott Milch hinauf zur O st e r b n r g, um den Abendkakao zu bereiten. Wir waren schon die besten Köche geworden; die nötige Menge Zucker, Kakao oder !vas sonst noch nötig war, hatten wir schon im Griff, und wenn wirklich einmal hie und da etwas fehlte, so machte uns das weiter nichts aus. Auch das trockene Stück Schwarzbrot, das wir zu unserem Kakao aßen, konnte nicht besser schmecken, äls wenn es mit Butter beschmiert und sogar noch mit Wurst belegt wäre.

In feierlichem Lampionzug rückten wir nachher im Dorf ein, und nachdem wir der Frau Lehrer ein Ständchen ge­bracht hatten, verkrochen wir uns im Heu.

Drei Stockwerke in der Scheune nahmen wir ein. Jin Parterre schliefen zwei, in der Beletage einige andere und ich, und über uns im 2. Stock die übrigen. Die Anordnung war so kunstgerecht, daß einer den andern beim Fallen mitreißen mußte und aus die Köpfe der untenliegenden Kameraden fiel. Doch wir waren zu müde und schliefen fest in den zweiten Feiertag hinein.

Einen klarblauen Himmel erblickten wir über uns, und ausgelassen vor Freude stürzten wir uns an den Bach, um uns zu waschen. Nach wenigen Minuten saßen wir in der altdeutschen Stube und harrten aus die Milch.

Neugestärkt von der guten Milch nahmen wir Abschied und setzten den Weg fort. Dabei hatten wir gute Gelegen­heit, die Pfingstprozession der umliegenden Gemeinden zu beobachten. Bald war der Kreuzberg erreicht, und nach­dem wir im Fremdenstübchen des Klosters ein wenig aus- geruht hatten, erklommen wir die letzte Höhe, und be­günstigt von Hellem Wetter weideten wir unfern Blick an der Aussicht.

Weiter zogen wir nach Süden, manchen Berg hinauf und manches Tal hindurch, bis wir schließlich am Abend in einer Dorfschenke Rast machten. Milch und Brot schmeck­ten uns vorzüglich, und auch das Lager im Heu war nicht zu verachten. Fast jeden Morgen beim Aufstehen fehlte einem oder dem andern die Mütze. Ja sogar Stock und Eßbesteck waren manchem im Heu verloren gegangen.

Ueberhaupt ist vieles von unserer Ausrüstung in Rhön und Spessart zurückgeblieben. So kam durch meine Schuld der große Kochlöffel in Aura abhanden, und ein anderer ließ

seinen Eßlöffel in demselben Dorf zurück. Der Wert der Gegenstände an sich war nicht sehr groß, aber man spürte den Verlust doch doppelt hart, da solche Sachen unent­behrlich waren.

Während der zwei nächsten Tage durchwanderten wir noch den südlichen Teil der Rhön; vom Eierhauck gingen wir über dieSchwarzen Berge", die uns bei dem herr­lichen Wetter einen guten Ausblick gestatteten, nach Brückenau zu, das wir am dritten Feiertag nachmittag erreichten.

In der Stadt erneuerten wir unsere Vorräte an Erbs- wurst, Kakao, Zucker, Dörrobst usw. und zogen dann durch das Bad Brückenau.

Ohne Strümpfe, zum Teil barhäuptig, vom Regen noch zerzaust, zogen wir mit unseren Rucksäcken und Kochtöpfen auf dem Rücken während eines Konzerts durch die Kur- Promenade. Angestaunt wurden wir wie Weltwunder, und es war auch wirklich ein großer Gegensatz zwischen den feinen Lackstiefeln und beit nach neuestem Schnitt ange- sertigten Kleidern der Kurgäste -einerseits und unseren groben' Anzügen und den Tourenstiefeln anderseits; aber das alles störte uns nicht im geringsten. Mir stiegen auch hinab zum Brunnen, wo uns die Leute Platz machten, tranken von dem Mineralwasser und stimmten dann denTod von Basel" an, der von unserem Führer auf der Gitarre begleitet wurde.

Immer weiter gings. Der Abend war noch fern, und so durchzogen wir noch das Simtal bis Zeitlofs, ivo wir bei guten Wagnersleuten Unterkunft fanden. Doch machten !oir wieder schlechte Erfahrung mit unserem Stroh­lager. 3uiit zweiten Male froren wir eine Nacht, wenn auch nicht so schlimm wie beim ersten Male; doch braucht man am Morgen immer einige Zeit, um sich zu erwärmen. Hierzu bot uns diesmal ein Kuhstall treffliche Gelegenheit, und die Kühe selbst waren nicht abgeneigt, etwas von ihrer Wärmemenge abzugeben. In der Stube nahmen wir den Kakao ein und verließen dann bei Sonnenschein das Dorf; vorbei gings an den Besitzungen des Freiherrn von Thüngen die Landstraße entlang, bis wir am Ende des Tals lagerten und ein erfrischendes Bad nahmen.

Die kahlen Kuppen der Rhön verschwanden allmählich hinter uns, und vor uns tauchten die dicht bewaldeten Höhenzüge des Spessarts auf. Die Dörfer lagen nicht mehr so dicht beisammen, die Täler waren nicht so tief einge­schnitten, und auch die Tier- und Pflanzenwelt änderte sich etwas.

Nach langem Marsch bei strömendem Regen erreichten wir schließlich eilt Dorf. Der Griesbrei, den wir bereiteten und als Mittagsmahl verspeisten, war unstreitig die Krone aller Mahlzeiten. So konnten wir dann nach zweistündiger Rast neugestärkt aufbrechen.

Am Tag von der Sonne und bei Nacht von Mondenschein begleitet, durchwanderten wir herrliche Wälder und Täler.

Tauchte endlich int Tal vor uns ein Dorf auf, so rotteten wir uns zusammen, und in geschlossenem Zug marschierten wir hindurch. Vornweg unser Führer mit der Gitarre, wir singend hinterdrein, und den Schluß bildete die Dors- sugeud, die aus allen Ecken und Enden zusammengelaufen kam, um nur bis an das Ende ihres Dorfes das Geleit zu geben. Einzig in dieser Art war der Durchzug durch Weibersbrunn; der Zug des Rattenfängers von Hameln konnte nicht viel anders gewesen sein.

Von dort marschierten wir noch einige Stunden, bis wir am Abend vor einem Dorfe, in einem prächtigen Tal gelegen, Rast machten und abkochten. Gleichzeitig nahm ich eine Operation an meinen Füßen vor. Das Regenwetter in der Rhön hatte die Stiesel knochenhart gemacht, und der Marsch der letzten Tage hatte mir eine beträchtliche Anzahl Blasen eingebracht. Mit Mühe entledigte ich mich meiner Stiesel, und zum Anziehen machte ich hernach über­haupt nicht mehr den Versuch, der doch mißglückt wäre,. Zum Glück konnte mir ein Kamerad seine Sandalen geben, mit denen ich auch den Rest der Tour zurücklegte.

In einer Wirtschaft des Dorfes bezogen wir am Abend Quartier. Zwei von uns leisteten sich sogar ein Bett, und wir nannten sie die Bettbarone; aber besser wie wir int Heu konnten auch sie nicht geschlafen haben.

In beut Bach, der am Hause vorbeifloß, wuschen wir uns' am Morgen des nächsten Tags und nahmen dann unfern Weg nach dein hohen Spessart. Am Nachmittag machten wir längere Zeit Rast; an einem Abhang wurde gelagert, und Holz und Wasser hatten wir in nächster Nähe. Mit denk