SamrLag dm (8. Juli
1908
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John Darrows Tod.
.Noman von Melvin L. Sev e r y., (Nachdruck verboten.) (Fortfetzmig.)
Du weint nun, lvelches Pfand ich dir anvertraut habe; schwöre mir, Moro, daß du diese Enthüllung nur John Darrow und feinem andern menschlichen Wesen machen wirst. Schwöre mir dies bei der Liebe, die du einmal, wie du sagst,, zu mir gehegt hast! Sie sank erschöpft zurück und erwartete meine Antwort. Einen Augenblick stockte mir die Stimme in der Kehle, als' ich aber ihre Ungeduld bemerkte, versetzte ich: „Lona, du hast mir eine schwere Last vom Herzen genommen rind eine leichtere dafür auferlegt. Ich schwöre dir, deine Botschaft an den Sahib Darrow aus- zurichten, und an kein anderes menschliches Wesen. . Ich werde Mir sofort aufzeichnen, was du mir gesagt hast, damit nichts in Vergessenheit gerät." k . . c k
Sie reichte mir mit Anstrengung ihre Hand, und nie werde sich den dankbaren Blick vergessen, mit dem sie ihren bebenden Druck begleitete, indem sie dabei leise sagte: „Nach John, Moro, bist du mir am liebsten. Wenn ich zwei Herzen besessen hätte, so hätte dir eins davon gehört. Ich kann dir nicht weiter danken. Möge der unaussprechliche Friede, den du meinem wehen .Herzen bringst, tausendfach dein eigenes erfüllen. Lebe wohl! Ragobah kann jeden Augenblick zurückkehren. Wir wollen deine Sicherheit nicht nutzlos aufs Spiel setzen. Nochmals, lebe wohl! Nnn kann der Tautropfen ruhig in die schimmernde See fallen."
Dn arme verwirrte Seele! Sie hatte die Religion ihres Geliebten annehmeu wollen, ohne doch der eigenen zu entsagen. Ich beugte mich über sie und küßte sie. Es !var mein erster und letzter Küß, den sie mit süßer Wehmut erwiderte, und dessen Erinnerung mich alle diese Jahre hindurch nicht verlassen hat. Ein langer sehnender Blick, und ich entfernte mich, um dieses Weib, das ich so innig, so hoffnungslos geliebt hatte, nie wiederzu- fefyen ——
Da haben Sie Louas Erzählung in ihren eigenen Worten. Ich schrieb sie sofort nach unserer Unterredung nieder und habe sie so oft gelesen, daß ich sie auswendig weist. Die Erinnerung au dieses letzte Zusammensein, an ihren Kuß und ihren dankbaren Blick ist in den letzten beiden Jahrzehnten die einzige Oase in der Wüste meines Herzens gewesen."
Als Moro Scindia hier in seinem Bericht abbrach, fragte ich ihn, ob er nichts vom weiteren Schicksal seiner Verwandten erfahren habe, worauf er fortfuhr:
„Ja, ich habe davon durch Siena Kandia erfahren, den Diener, der insgeheim Lonas Partei ergriffen und mir ihre Botschaft überbracht hatte. Es scheint, Lona wurde nach unserer Unterredung von dein verzehrenden Wunsch ergriffen, den von ihr geliebten Engländer vor ihrem Tode noch einmal zu Jet)eit- entwarf sie einen Plan, wonach Sahib Darrow mit Kaninas Hilfe unter dem Schleier der Nacht zu ihr geführt werden sollte. Sie schrieb ihm einen Brief und bat ihn, zur Erfüllung Uwes letzten Wunsches zum Malabarhngel zu kommen, wo ihr Bote
ihn erwarten und auf ein bestimmtes Zeichen zuiu Vorschein kommen würde. Dieses Schreiben übergab sie Kandia am Morgen des Tages, an dem ihr Plan ausgeführt werden sollte, zur Be-, sörderung. Als der Diener das Haus verlassen wollte, rief ihn Ragobah in sein Zimmer und wollte wissen, welcher Auftrag ihn o eitig aus dem Hanse führe. Kandia erkaiinte sofort, das; der Ziveck seines Ausgangs entdeckt sei, und verfuhr demgeiuätz. „Ich wollte einen Brief zur Post geben, Sahib," erwiderte er ruhig. „Last mich ihn sehen!" herrschte ihn Ragobah an. „Das darf ich nicht," versetzte Kandia und sprang ans die Tür zu. Aber er war nicht schnell genug für den wachsamen Ragobah, der ihn mit einem Stuhle zu Boden schlug, ehe er die Schwelle erreichte. Als er tvieder zum Bewußtsein kam, sah er seinen. Angreifer den unauffällig geöffneten Brief mit boshaftem Lächeln durchlesen. Dann schloß Ragobah den Brief wieder sorgfältig und steckte ihn in seine Tasche. Hierauf rief er zwei seiner Diener, hieß sie Kandia knebeln, ihn an Händen und Füßen fesseln und bei Gefahr ihres Lebens dafür Sorge tragen, daß er das Zimmer nicht verlasse, bis ihr Herr es erlaube.
Was weiter geschah, können wir nur ahnen. Jedenfalls gab er den Brief zur Post und traf selbst den Fremden ans dcist Malabarhügel. Als er spät abends, verwundet und racheschnaiibend, heimkehrte, humpelte er in das Zimmer seiner Frau und hieß dann Kandia herbeiführeii. Sein linkes Bein mar, zerschmettert und sein von Schmerz und einem teuflisch boshaften Ausdruck verzerrtes Gesicht war gräßlich anznsehen. k
„Unser vertrauenswerter Freund hier," sagte er, an; Kandia weisend, zu seiner Frau, „konnte heute morgen deinen Brief nicht gut besorgen, meine Liebe; darum habe ich selbst es getan. Limas Gesicht wurde aschfahl, doch sie erwiderte fein Wort.
„Ich dachte," fuhr er {mit seinem süßesten Tone und dem gleichen dämonischen Spotte fort, „es würde dir viel daran liegen, zu wissen, ob der Sahib ihn erhalten hat — unsere Post ist letzt so wenig verläßlich — so ging ich selbst heute abend zum.Malabar- Hügel, denn ich war sicher, er würde kommen, wenn er deine Zeilen erhalten hätte, und richtig, er war sogar schon vor der bestimmten Zeit da. Leider mußte ich auf das Vergnügen, ihn zu dir zu bringen, aus zwei Gründen verzichten: erstens habe ick) mir den Fuß verletzt, ivie du siehst, und zweitens glitt der arme Sahib aus und siel kopfüber in den schacht in der kleinen Höhle. Da dieser aber bodenlos ist, so konnte ich natürlich deinen Freund nicht wieder herausholen und mußte, so gut es eben ging, allein zurückkehren." Als er seine erbarmungslose Lüge zu Ende gebracht hatte, von der jedes Wort wie ein vergifteter Dolch wirken mußte, stürzte Lona ohnmächtig zu Boden."
Als Mvrv Scindia so weit in seinem Berichte gekommen war, versagte ihm die Stimme für einige Zeit vor schmerzlicher Bewegung. Erst nach einem tiefen Schweigen vermochte er leise hinzuzufügen: „Sie ist nicht wieder zu sich gekommen, sondern still hinübergegangen. Die erlogene Nachricht Som Tode John Darrows hatte ihr die letzte Lebenskraft genommen. In Ragobah brachte ihr Tod eine wunderbare Veränderung hervor, die bewies, daß hinter seiner Bosheit eine übermächtige Liebe ver- borgen tvetr. ttxtrf fidj ein ßoruiS ßeiebe iticber, ^errixuftc


