Ausgabe 
18.6.1908
 
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,,Jhr Khrt ins Leben uns hinein, ihr laßt den 9(rmett schuldig werden, dann überlaßt ihr ihn der Pein: denn alle Schuld rächt sich ans Erden." , Goethe.

In wenigen Wochen feiert Gießen wieder sein Jugendfest. Da zieht dann alles, was Beine hat, hinaus in den Wald, um sich Zu erfreuen an Jugendspiel und Jugendlust. Wer sie dann ball- spielen, Wettlaufen, springen, klettern, turnen sieht, unsere Knaben und Mädchen, unsere Hoffnungen, unsere Zukunft, wer sich freut an ihrer Daseinsfreude, wer mit einstimmt in ihren Jubel, der unterstütze und fördere das Jugendspiel auch zu anderen Zeiten aufs beste.

Anmerkung der Redaktion:

Wir begrüßen es mit Freuden, daß unsere Bestrebungen be­züglich Förderung und Neubelebung des Spiels unter der Heran­wachsenden Jugend zu obigen sehr beherzigenswerten Auslassungen den Anstoß gegeben haben. Es wäre wünschenswert, ivenn private Kreise, vielleicht auch der r g er v er e in, durch Vorträge und Aussprachen sich anregend und die Stadtverordneten- Versammlung sich beschließend mit der Materie befaßten.

Wir haben zwar den Trieb, Oswalds Garten und auch Kinder­spielplätze in den Anlagen, aber die schönen Gärten, die früher die innere Stadt umgaben, von denen die meisten Bürger einen be­saßen, sind verschwunden, für die Vergrößerung der Stadt benutzt, T. der 'Grundstücksspekulation anheimgefallen. Die Preise für die Bauplätze sind in die Höhe getrieben, so daß wir Anstatt einer Villenstadt eine solche mit sehr engen Straßen, fast keinen Plätzen und sehr wenig Hausgärten haben. Vor den Toren der Stadt sollte eigentlich überhaupt jedes Wohnhaus von einem Garten umgeben fein. Die Stadt hätte früher das ganze Gelände vor den Toren erwerben und ein entsprechendes Baustatut einführen sollen, dann wäre die Anlage von breiten Straßen in der Art der einzig dastehenden Gartenstraße, größeren Plätzen, einer Garten­stadt überhaupt, möglich gewesen. Wenn dafür ein Teil des Stadtwaldes, vielleicht der Hangelstein, hergegeben wäre, so hätte das nichts geschadet. Jetzt sind die Grundstückpreise so hoch, auch neuerdings die Kanalgebühren derartig, daß es den meisten Leuten zu kostspielig wird, sich einen kleinen Gärten um das Haus herum anzulegen. Wir haben also nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Tore recht enge Straßen und ivenige kleine Plätze und viel zu wenig Gärten. Es ist also eigentlich als eine Ehren- p f l i ch t d e r S t a d t v ä t e r anzusehen, daß sie für Hergabe von Spielplätzen sorgen, damit einigermaßen die seither begangenen Fehler ausgeglichen werden.

Wissenschaftliches.

Die Trennung der Geschlechter im Lichte der Entwicklungsgeschichte. Wollte man alle Bucher und Schriften sammeln, die über das Problem Männlicher und weiblicher Wesens -und C h a -- ^/lkterunterschiede schon geschrieben wurden, eine stattliche Bibliothek käme zusammen. Denker und Dichter- aller Zeiten haben sich mit der Analysierung der körperlichen und seelischen Verschiedenheiten männlicher und weiblicher Natur beschäftigt und immer noch liegt das Problem in trefem Dunkel, toentt auch gerade in "den letzten Jahren von philosophischer und naturwissenschaftlicher Seite aus glanzende Schlaglichter auf das ganze Forschungsgebiet ge­worfen wurden. Eine Seite aber, die den meisten Gebildeten noch fremd ist, ist die stammesgeschichtliche Entwicklung der verschiedenen Geschlechter, und hier ist es zum Beispiel von höchstem Interesse, zu verfolgen, loie schon bei ein­zelligen Lebewesen individuelle Unterschiede austreten, die geradezu als männlich oder weiblich angesprochen werden rönnen und durch ihr Verhalten bei der Fortpflanzung (Kvn- tugalwn) schon charakteristische Merkmale der ver chiedeuen Geschlechter das Aufsuchen und Werben des einen und das wehr oder weniger geduldige Warten des anderen Teiles zelgen. Wie dann die Konjugation der einzelligen Lebe­wesen einen Vorläufer und Uebergang zur Befruchtung ilnd Fortpflanzung der höheren mehrzelligen und getrennt ge­schlechtlichen Wesen bildet, lehrt weiter die stammesqeschicht- nche Entwicklung der organischen Welt, deren Kenntnis,

z § Awrissen, zum geistigen Bermögensschatz jedes Gebildeten gehören sollte. Ein Werk, das auf die an- genehnstte, aber doch gründliche Art in das Stildiilm oll ^Aer Fragkn einfuhrr, ist der zurzeit im Erscheinen be-

-^"^ratlasVom Urtier zum Menschen", Abstammmrgs- und Entwicklungs- MwÄ'te des Menschen, zusammengestellt lind erläutert von

Lieferungen ä 1 Mark (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt), von dem iins die Lieferungen

24 vorliegen, die speziell die erwähnten Probleme ^m'beln. Die glänzende Ausstattung der vor kurzem hier augezelgten 1. Lieferung läßt sich auch diesen weitereil Lieferungen konstatieren.

so daß heute schon dem Werk das Urteil ausgestellt werden kann, daß es eine der wertvollsten Erscheinungen auf dem S i S?" gutem Sinne populärwissenschaftlichen Lite- iUllll- VllvVl.

. diloso p h i e. Einführung! in die Wissenschaft, ifc Wesen S« 1 Oberlehrer in Brom-

Natur und ^ersteswelt . Sammlung wissenschaft- .s ^^inverstandlicher Darstellungen aiis allen Gebieten des M^ns186 Bändchen.) Verlag von B. G Teubner in Leip- öw. 1908. Preis in Leinwand geb. Mk. 1,25. Tas Bänd- roen will den Leser nicht für ein bestimmtes System gewinnen" londern darstellen, welche Stellung die Philosophie im modernen emnimnit, es will die Philosophie als Wissenschaft nach ihren, ^lufgabeir und Methoden charakterisieren, ihre Be- deutung als. Welt-, und Lebensanschauung, beleuchten und ihre Stellung zur Religion klarstellen. Vor allem aber die erste An- U'lttng dein zu geben, der sich mit dem wissenschaftlichen Studium ds« Philosophie zu be,chaftlgen beabsichtigt, ist die Aufgabe, die sich bte, vorliegende Einführung in die Philosophie stellt. Der Hanptteil des Buches behandelt die philosophischen Grmidpw- bleme das Problem der Erkenntnis, die metaphysischen Probleme das asthetliche und das ethische Pwblem. Tie Lösungsversuche werden unter besonderer Berücksichtigung der Gegenwartsforschung gruppiert und charakterisiert und dabei die philosophische Literatur allgemeinen Charakters im Zusammenhänge dargestellt. Die wich-

Kv die einzelnen Disziplinen werden nach jedem Abschnitt genannt, Monographien und Biographien der einzelnen großen, Philosophen unter dem Text verzeichnet. Literarische Ver­weise in den Anmerkungen nennen wichtigere Stellen ans den zugrunde gelegten Werken, um zu weiterer Lektüre anzuregeu. Ern Namenregister und ein Verzeichnis der schwierigeren philo­sophischen Fachausdrücke und der für ihre Erklärung wichtigsten Stellen erleichtern den Gebrauch.

Kiu der ar-beit.

", Nicht bloß selbst photographieren, sondern bett PhotogWphie-Apparai auch selbst Herstellen ist der Wunsch so mancher Buben. Tie Mittel und Wege hierzu findet er ist dein 12. Bändchen deb SammlungSpiel und Arbeit", das O. Ma.y,er unter dem TitelPhotographie-Apparat" herausgegeben hat. (Ver­lag von Otto Maier in Ravensburg, Preis 80 Pfg.) Auf einem Modellbogen findet man alle aus Zigarrenkistchenholz zu sägen­den Bestandteile ausgezeichnet und eine leichtfaßliche Anleitung lehrt deren Zusammenstellung. Der Apparat gibt Bilder im Format von 12:9 Zentimeter und funktioniert tadellos. Dabei hat er den Vorzug, nur wenige Pfennige kosten und dem Ver- ertiger bei seiner Herstellung großes Vergnügen zu bereiten, denn sie Arbeit ist anregend und mühelos. Jeder Knabe, der Laub- Äge Handzuhaben versteht, kann den Apparat nebst seinen Neben- apparaten leicht Herstellen.

, An- nnd Einsichten.

Die Menschen würden voneinander laufen, wenn sie sich immer in äußerster Offenheit einander gegenüber erblicken sollten.

Kant.

*

Schüler-sein-können erfordert eine gewisse ethische Qualität: eine Verirauensgrenze beS Spurens, einen Glauben.

Walter Cale.

*

Freiheit ist nichts als die Möglichkeit, unter allen Bedingungett das Vernünftige zu tun. Goethe.

Ziffernblatt-Rätset.

Die Zahlen 1 bis 12 auf dem Ziffernblatt einer Uhr sind durch Buehstaben zu ersehen, so daß bezeichnen:

12 Ausruf,

13 Flüßchen,

14 Erfinder,

34 Fürwort,

36 Baum,

58 Befehl,

59 menschliches Organ,

69 Tier,

7-12 Stadt,

101 Namen,

1112 Vorwort (Präposition),

111 Namen,

121 Ausruf. hb.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Liebfrauenmilch.

Redaktion: P. Witt ko. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen'lMwersitäts-Vueh- und Steindruckerei. R.'Last'ge, Gießern