Ausgabe 
18.4.1908
 
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ganz iventg zur Seite neigend mit tiefer, weicher Mollstimme fragte:

Mit wem habe ich das Bergungen?"

Edcliraut Haide . . sagte die ganz mechanisch und ihr Gegenüber immer noch mit fast unmanierlicher Betroffenheit anstarrend. , ,

Sie kannte die schöne Valois noch nicht unb hatte wenig Wn ihr gehört. Daher wirkten das klassische Profil, die wun­dervolle Gestalt, das schwarze, knapp anliegende Samtklew und der mit Straustenfedern besteckte Rembrandthut neu und überraschend aber am meisten imponierte die königliche .Hal­tung und die wahrhaft spanische Grandezza.

Ah! Fräulein von der Haide! Ein mich im höchsten Grade interessierendes Zusammentreffen!" Die Hand im langen, licht­grauen Handschuh ward ausgestreckt.Ich ahne den Zusammen- hang- Rittmeister Loysen ist gekommen und da ivvllten Sie nicht schien." (Fortsetzung folgt).

Volkskunde.

M e t k w ü r d i g e O st e r b r ä u ch e i n Eng l a n d. Bon den mannigfachen Sitten und Gebrauchen, mit denen in früheren Zeiten das Volk in England feine Osterseierü beging, sind heute schon viele völlig ausgeswbben; mir hier und da auf dem Lande haben sich einige erhalten. Manche darunter erscheinen uns recht merkwürdig, so ein Karfreitagsbrauch, der feit undenklichen Zetten in der Nachbarschaft von Guildford geübt wird. Tort versammelt sich alles Volk, junge Burschen und Mädchen, Greise und Kinder, und zieht zum St. Marthas-Hügel (oder Märtyrer-Hügel) und dort, in einer der schönsten Gegenden in Surrey, im Angesicht einer alten Noriirannenkirche, die den grünen Gipfel des Hügels krönt, vergnügt man sich die Zeit über mit Musik unb Tanz. Thiselton Dtzer hat in einem hübschen Buche eine große Zahl von diesen Volksbriäuchen in England gesaurmelt. In Borkshire nahmen die jungen Männer in den Dörfern den jungen Mädchen am Ostersonntage die Schnallen fort, und am Ostermontag nahmen die Mädchen den Burschen die Schuhe und Schnallen fort. Am Mittwoch löste man sie durch kleine Geldstrafen aus, und mit diesem Gelde wurde ein Vergnügen veranstaltet, das manTansey Cake" nannte und das mit einem Tanz endete. In Ripon, wo dieser Brauch gleichfalls herrschte, wurde jeder Reisende, der durch die Stadt kam, angehalten; luenn es ein Reiter war, wurden ihm die Sporen fortgenommen, und nur durchs Geld konnte er sie wieder erlangen. In Lancashire, Cheshirc, Staffordshire und War- wickshire herrschte der Brauch desHebens". Am Ostermontag hoben" Manner die Frauen, und am Osterdienstaghoben" die Frauen die Männer. Zwei kräftige Männer oder Frauen verschränkten zu diesem Zlveck die Hände, und die Person, die gehoben werden sollte, setzte sich daun darauf, Ivurde zwei- oder dreimal hochgehoben und oft mehrere Meter weit getragen.

VserEckGSss.

* Das Zölibat der Professoren. Im März d. Js. war ein Jahrhundert verslossen seit dem Tage, da Napoleon den französischen Universitätsprofessoren eine besondere Gunst erwies, um die sie jahrhundertelang ringen mußten: sie durften heiraten! Zweieinhalb Jahrhunderte lang war leidenschaftlich um die Frage gestritten und disputiert worden, ob für den Universitätslehrer die Ehe die schlimmste aller Ausschweifungen sei, und ob ein Gelehrter es mit der Würde seines Standes vereinigen könne, diese schlimmste menschliche Schwäche zu begehen. Noch im Jahre 1452 erklärte die medizinische Fakultät, daß man die Bahnen des Zölibats nicht verlassen könne, ohne eine gemeine Gesinnung an den Tag zu legen. Die juristische Fakultät kämpfte 150 Jahre lang um das Recht auf die Ehe und erst im Jahre 1600 errang sie für ihre Angehörigen diese Vergünstigung. Allein die Sprach­forscher, die Humanisten und die Logiker mußten sich auch weiterhin wohl oder übel mit ihrer Einsamkeit abfinden. Zum Tröste hielt man ihnen den Aphorismus Ciceros vor, wonach ein Mann nicht zu gleicher Zeit seiner Frau und der Wissenschaft angehören könne; und mit ironischem Lächeln verwies mair die Unzu­friedenen auf die beklagenswerte Geschichte voll Abelard und Helo'ise. Aber der Heroismus und das Märtyrertum übten auf die Gelehrten eine seltsame Anziehungskraft: Im 16. Jahr­hundert erlebte man das Unerhörte, daß zwei Literaturprofessoreit sich regelrecht verheirateten. Umsonst bemühten sie sich, den Zorn und die Entrüstung der Mitwelt über diesen Mangel an wisseit- Ichaftllcher Gesinnung zu beschwichtigen. Aber weder ihr Mut noch ihre Arbeiten noch ihr Talent wurden anerkannt: was sie auch taten, die allgemeine Empörung verfolgte sie auf Schritt und Tritt und mchts vermochte das Kainsmal des Verheirateten von ihrer Stirn zu wischeii. Erst als Napoleon kam, dämmerte den Profesjoren ein neuer Hoffnungsschimmer. Aber noch in bem Erlaße vom März 1808 wurden die Direktoren uiid Zensoren der taiserÄchen Lyzeen und die Direktoren und Lehrer der Gym­nasien erbarmungslos zum Zölibat verdammt. Nur durch eine

besondere Erlaubnis konnten die Professoren das Recht erlangen, in den Ehestand zil treten, und wenn ihre Sitten genehmigt wurden, so geschah es stets ausallerhöchster Gnade".

Mode.

* Kleine Modeneuhciten. Eine bisher vernach­lässigte Farbe, das Khaki, scheint allmählich in Mode zu komme», wenigstens trägt die vornehme Pariserin augenblicklich Morgen­toiletten in allen möglichen Schattierungen dieser Farbe. Diese Morgentoiletten stehen meistens noch ganz im Zeichen des Tai- lor-made, des enganliegenden Schneiderkleidcs. Großer Bcliebr- ijeit erfreuen sich die Faltenröcke; die Fallen werden breiter gelegt als im vorigen Jahre; besonders bevorzugt sind die regenfchirmartigen Falten. Sie ermöglichen cs, daß die Röcke an den Hüfte» sehr eng anliegen und an den Absätzen weit und bogig ausfallen. Größere Eleganz waltet in den Nach- mittagskostümen der Pariserin vor, die durch eine eigenartige Neuerung bem Geschmacke dieses Jahr einen besonders weiten Spielraum gewähren. Man Beginnt nämlich, so seltsam es) auf den ersten Blick scheinen mag, verschiedene Stoffarten zu kombinieren. Man trügt z. B. zu Tuchlröcken seidene Paletots aus derselben Farbe, oder verbindet bestickte Stoffe mit, ka­riertem Zeug von derselben Schattierung. Großes Kopfzer­brechen hat den Pariser Damen die Dessusfrage gemacht. Um der Forderung der enganschließenden Röcke gerecht su werden, hat man den Unterrock abgefchafst und sich doppelter Beinkleider bedient, aber die Pariserin mochte den eleganten Jupon oder wenigstens den Anschein eines seidenen ungern missen, und so hat die elegante Herzogin von Uzös eine eigenartige Idee zur Ausführung gebracht. Sic befestigt an der Unterseite des Kleider­rockes weite seidene Futterale, die vom Knöchel bis zmn Kure festgenäht werden, sich nach unten erweitern und so einigermaßen Ersatz für den Unterrock bieten. Als Hutschmuck verwendet man neuerdings gern Perlen. Man schlingt eine sehr lange Kette mehrmals um den Kopf des Hiites oder verwendet Hutnadeln nur großen birnenförmigen Köpfen aus Rosenauarz und ähnliche!'. Materialien. Auf dem Gebiete des Schmuckes wendet man momentan wieder den Anhängern große Aufmerkfamkert zu. Ma» trägt sic an Hals- unb Uhrketten, au Broschen unb Armbändern und gibt ihnen besonders in Rußland gern die Form von Mimatur- Ostereiern, oder man versucht durch Verwendung von Edelsteinen diese kleinen Schmuckgegenstände vornehmer zu gestalten. Es gibt für diese Sachen sogar eine gewisse Symbolik. Als Sinubud der Unschuld dient der Diamant, Topas bedeutet Treue uiwv

Die Schafskirche von Likberg.

Du Kirchlein hoch dort droben, Tu Denkmal alter Zeit, Von (Sten rings Umwoben Mit dunkelgrünem Kleid.

Hör'S olt durchs Waldtal klingen Im ersten Morgenhauch.

Wenn alle Glocken schwingen, Dann tönt dein Glöcklein auch.

Und jubelt hell die Lerche In lichter Himmelslnst, Dann zieht empor am Berge Zu dir Blauveilchendust.

Dann weht vom Berge uiedev Ein seltsam eig'ner Ton, Es klingt wie komme Lieder Der Geisterprozesston.

Tr. Carl Pusch.

Die Natur.

Täglich gönne dir ein Stündchen Ein Gespräch mit der Natur! Immer wirst bereichert kehren Du nach Haus and Wald und Flur.

Wenn du schtvankst in bangem Zweifel: Soll ich dies tun ober das?

Eile, die Natur zu fragen 1

Glaube mir, sie sagt dir was I A. Ammatm.

Rätsel.

ES entiesselt des Wassers Flut, Es entiesselt des Fetters Glut, Und außerdem ist daS Rätselwort Für viele von uns der Heimatsort.

Gießen Rudolf &

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Zahlenspiels in voriger Nummer:

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Redaktion: P. Wiltko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl 'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.