Ausgabe 
18.3.1908
 
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jetzt des Vormittags bis gegen 1 Uhr, in der Hauptspaziergchzeit I nur kurze Röcke, die, so sagt die Lästerzunge, vor allein ihrer | Jugendlichkeit wegen so gern gesehen werben. Für junge Mäd- j chen sind sie in den Nachmittagsstundcn tu allen großen Städten | aus der Straße, ja selbst in den Five o'eloks, in den großen Tee- I Häusern und in Privathäusern gleichfalls gestattet, tiitb man spricht | davon, das; sie auch an der Riviera den ganzen Tag füräuge-- | zogen" gelten, ja, daß sie sich in die Abendgesetligkeit eindrängen | und bei Ball- unb Dinertoiletten für junge Mädchen, allerdings j nur da, !vo sie mit der Figur unb Größe der Trägerin harmo- | liieren, verwendet werden sollen. Das wäre bann eine wichtige I Neuerung. Denn bisher sieht man sie nur au Jackenkostümen, I niemals mit einem dazu gehörigen Mieder versehen. Für ihre I Herstellung bestehen feste unb unumstößliche Regeln, bie man I nicht allzu schwer unb belastenb fühlt, da sie immer noch der I Phantasie bes Einzelnen freien, unbegrenzten Spielraum lassen. I Sie müssen stets unabhängig von dem Futter gearbeitet werben. | Letzteres existiert entweder überhaupt nicht, oder es bildet einen | bauschenden Futterrock, der bis zu den Knien glatt, von da ab- I wärts mit Plissees und Volants ausgebauscht ist. Da, wo der I Futterrock nicht das Aufbauschen des unteren sehr weiten Rockes I besorgt, geschieht das durch den Nnterrock, der genau bis zum Raube des Kleides reichen und, da er bei raschen Bewegungen vielfach sichtbar wird in der Farbe mit diesem harmonieren | muß., Taft ist natürlich bevorzugt, doch luerbeit auch steifer Mvirüe und gestärktes, lveißes ober buntfarbiges Leinen unb Batist mit Stickerei unb Spitzen verwendet. Die Röcke selbst liegen über den Hüften eng an. Das wird durch breite ge­steppte Falten, durch kleine, gleichfalls gesteppte Faltengruppen ober durch regenschirmartiges Ansfüttern des Rockes nach unten bewerkstelligt. Unten sind sie sehr weit und können nngarniert »bet mit Blenden und tausenderlei anderem Besatz resch ver­ziert getragen werden. Auch sonnenplissierte Röcke sieht inan. Au Stoffen ist sehr dünnes Atlastuch beliebt, sowie leichte Wolleustofse. Neben die ungemusterten Stoffe in den Mode­farben, grün-blau oder dunkelviolett, stellen sich schmale Streifeti­muster und kleine Karos, sowie schottische Muster.

lieber neue Herr en Westen lasen wir in derKöln. Ztg.": Paris wird anscheinend jetzt auch uoch neben der über­lieferten Stellung der Kammerzofe die eines Kammerdieners Eu­ropas einnehmen. Es liefert immer neue Neuheiten auf dem Gebiete der Herrenmode. Der blaue Frack ist jetzt zu voller Daseinsberechtigung^ emporgestiegen, dadurch, daß ihn der König von Spanien bei seiner Anwesenheit in Paris abends zum Diner anlegte; für die buntseidenen Hemden wenigstens zuni Smoking- anzug hat man einige große Sterne am Himmel der Herrenmode, I darunter Herrn Le Bargy von der Comsdie-Francaise gewonnen, I und auf das modernste Erzeugnis eines der ersten Pariser Herren- I schneider hat sich alles mit loahrem Eifer gestürzt. Es ist das I eine neue Weste für den Tagesgebrauch. In der Form noch I genau wie die Westen des Vor. Sommers geschnitten, besteht ihre I Eigenart nur in der Art des Stoffes, die sie zu einem sehr teueren und darum um so begehrenswerteren Kleidungsstück macht. Es ist ein schwerer schottisch-karierter Wollenstoff, der in beit Schneiderateliers auf den großen Boulevards verarbeitet ivird. Das Muster, das in vierzehn oder sechzehn verschiedenen Ausführungen da ist, ist sehr hübsch und eigenartig und gewinnt an Wert vor allem dadurch, daß es aus dem Herzen Schott­lands stammt, allwo die jetzt in Paris veröffentlichten Muster früher nur für bestimmte Familien des schottischen Adels ge- webt mürben. Uralte Muster werben in den Schlossern noch heute aufbewahrt und heilig gehalten, wie die alten Rüstungen. Die I Schals, Kniebänder, Mützen und mannigfachen Verzierungen der Htgyianderanzüge sollen alle verschieden, und sie sollen zur Zett ihrer Besitzet in Muster und Ausführung das ausschließliche Besttzrecht einer Familie gewesen sein, für die es ebenso ein Eiuennungszeichetr wat tote das Wappen. Die Wappenkunde !var für bett Laien kaum schwieriger zu lernen als die der karierten Gewebe, an denen jedoch Mitglieder des schottischen Adels ihre | Nmnen und Mstammung auf den ersten Blick errieten. Wenn I diese Erzählung nur ein Märchen ist, so hat sie jedenfalls zur Verbreitung der Westen in der französt Republik, wo man nichts i° lehr liebt als Tradition, alte Familien, uralte, durch Maffen- rateu glänzend gewordene Namen und alles, was damit zu- sammenyängt, ihr gutes Teil beigetragen, ganz abgesehen davon, bte besagten Westen auch au stch begehrenswert und hübsch sind.

man die Behauptung desMotorradfahrers" bezweifeln, daß sich die Bestimmtheit und Genauigkeit des französischen Wortes la banne bisher durch keinen deutschen Ausdruck habe ersetzen lassen. Es wäre doch gewiß nicht schwer, in dem reichest Schatze der deutschen Sprache einschließlich der Mundarten ein; Wort zu finden, das sich zur Wiedergabe von Panne eignete, Patsche, das man vor allen dazu Vorschlägen möchte, ist zudem ein Wort, das den Vorzug hätte, mit dem französischen die ursprüngliche Zugehörigkeit zur niebereit Umgangssprache gemein zu haben. Es sei hiermit ben Beteiligten ans Hetz gelegt; sie mögen sich zugleich bie Frage vorlegen, ob es nicht richtiger ist, bies ober ein ähnliches jebem Deutschen bekanntes Wort mit dem gewünschten Bedeutungsinhalte zu füllen, alsi das französischePanne" zn gebrauchen, bei dem sich bie wenigsten etwas benkeu können. Es ist doch seltsam, um der Bestimmtheit unb Genauigkeit" willen ein unverständliches Wort auzuwenden. So schreibt die Zeitschrift des Allgemeinen; Deutschen Sprachvereins. Leiber ist zu befürchten, daß dieser, vortreffliche Vorschlag von den Leuten desvornehmen" Krafts Wagensports für nichtvornehm" genug gehalten wirb. Aber Panne" ja, bas ist vornehm; allein beshalb schon, weil esweit her" ist - und Wenns auch bork jenseits der Grenzst eben nur in der niedrigsten Sprache gebraucht würde!

Literarisches.

Die 25. Lieferung voll Professor Dr. Amseln Salzers Illustrierte Geschichte der deutschen Litera­tur" (München, Allgemeine Verlags-Gesellschaft, m. b. Preis, 1 Mk.) gibt u. a. eine Charakteristik Kleist's, die eich Beweis ist für Salzers Feinfühligkeit und Gerechtigkeits- liebe im Abwägen dichterischer Leistungen. Der geistige Gesamtzustand zur Zeit des Auftretens der Vorklassikey fesselt uns in besonderem Maße. Hier bekundet Salzer nicht nur die souveräne Beherrschung über den dichterisches Stofs, sondern auch über die philosophischen und religiöses Probleme, die in diese Zeit stark hineinspielen. Mit Klop- stock beginnt die Reihe der Dichter, deren Schöpfungen da« frische Keimen und Werden eines zweiten Frühlings unserer Literatur ankündigten. Würde, Anmut, sinnliche Pracht, Kühnheit, Reichtum und Kraft, Eigenschaften, die unmittel­bar auf das Gemüt einwirken, offenbaren sich bei Klop- stock so sehr, daß er zum Reformator der poetischen Spracht gestempelt ivird. Im nächsten Kapitel wird Lessing und sein Kreis vorgeführt. Salzer zeigt, daß Lessing ein pro­duktiver Kritiker ivar und lveist dessen hohe Verdienste nach.

Goldene Worte.

Alles Glück wurzelt in der Familie. Wilhelm Jordan.

Ohne echte Müller unb Ehefrauen, ohne ein herziges Familien­leben gibt es keinen konkreten, vollbeseelten Staat; ohne Familien- erziehtmg bleibt alle Schul- unb Weltbilbuug nur ein abstrakte» Schematismus, eine Verstandesinformation.

_________ Bognmii Goltz.

Rätsel.

DaS Erste wohnt im Reich der ©ferne Unb ist uns allen wohlvertraiit;

Mit stummem Gruß aus weiter Ferne Es freundlich zu uns niederschaut.

Das Zweite ist von Hellem Schimmer Unb von ben meisten hoch geehrt, Doch von ben Weisen wirb es immer Nur nach des Kernes Wert begehrt.

Das Dritte ist kein Bild des Schönen, Wenn e8 bie finstren Augen rollt, Doch spricht's zu uns in leisen Tönen Unb ist den Erbeukinbern hold.

DaS Ganze ist von eignem Glanze, Es webt dem Laub ein neues Kleid; Manch Loblied aus der Sänger Kranze Warb mit Vegeistrung ihm geweiht. A, Ammam^ Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummert N | A | H | E

A | N | A I'm H | A | M j M E j

Panne.

ortPann e", bas bie Berichte über litt» falle von Kraftfahrzeugen ziert, ist toteber ein trauriger -öeluetj für bie sprachliche Abhängigkeit des Deutschen vorn 5ui§lanbe. Weil bie Pariser Volkssprachestre.- bans la Panne" m dem Sinne unseresin der Patsche sitzen" verw-enbet unb Pititgröjtfdjeit Kraftfahrer dieses Wort zur Bezeichmmg ber verschiebenen Betriebsstörungen hervorgeholt haben, müssen cS Ujre deiitscheu feenoffen . schleunigst nachäsfen. Mit Recht darf

Redaktion: P. Witiko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.