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hineintappen! O, o, da könnt man schon gleich „Grünbäum- wirt" werden!" und er ballt die Hand zornig zu einer Faust Mammen.
„Nun — Jammertal!" — das ist der Spitzuaine des Herrn Leutnants Müller II. bei seinen Kameraden, weil er bei jeder Gelegenheit zu jammern ansängt, — „nun — liebes Jammertal!" spricht zu ihm sein Koiupagnie-Kamerad, der -Ober" — „heute hast du doch auch einmal Glück! Du konnnst ja heute sogar „Ins Himmelreich" aus diesem irdischen Jammertal — —" c c
„Herr Kamerad! Ich bitte dringend, dergleichen —. Scherzo heute sehr gefälligst zu unterlassen — ich bin heute durchaus nicht iit der Stimmung, solche kameradschaftliche Liebenswürdigkeiten <—"
„Nun — nun —" begütigt der „Ober" — „es war in nicht böse gemeint, mein liebes Jammertal — Pardon, lieber Kamerad Müller" und schlägt sich seitwärts in die Mische, indem er sich denkt: „Der raucht heute keinen guten —"
Der Herr Leutnant Müller II. — vulgo Jammertal — kommt „Im Himmelreich" an — natürlich zu Fuß — nicht auf Engels-Fittichen — sehr ermüdet, er wird vom auartier- machenden Korporal Prechtel empfangen und ins Quartier geleitet.
„Im Himmelreich" heißt ein Einzelgut, eilt großer Bauernhof, der einsam an einer Waldblöße inmitten ferner Wiesen und Felder lag. Außer den Stallnngeu und Scheunen war nur uoch das einstöckige Wohnhaus des Bauern vorhanden; alles zeugte von landwirtschaftlichem Betriebe.
„Nun, Prechtel! wie sind die Quartiere?" fragte der Offizier.
„Schlecht, .Herr Leutnant — sehr schlecht! Der Herr Leutnant müssen in der Bodenkammer logieren!"
„Kruzitürken! nun und die Fütterung?"
„Auch nicht sehr proper, Herr Leutnant — ein Paar Hähudl aber find schon uoch da für den Herrn Leutnant!"
„Granatenfeuerstein noch einmal! Schon wieder Hähnd'ln? Das ist ja jetzt die tägliche Atzung — Früh Hähudl — mittags Hähudl — abends Hähudl — nix als Hähnd'ln I O, du lieber schmerzhafter heiliger Sebastian!" jammerte das Jammertal — „toujours perdrix — is auch nix!!"
„Wo sind die Leute untergebracht?" fragte er weiter.
„In der Scheune, Herr Leutnant — oder wo's halt grad' an Unterschlupf finden — die „Rammet" sind so müd, daß ihnen gleich is, wo's liegen; die schlafen im Stehen ein!"
Die ohnehin nicht rosige Laune des Herrn Leutnants steigerte sich nach diesem Rapport zu gelinder Wut und wieder hebt er sein Klagelied an: — „natürlich — versteht sich — ich muß — selbstverständlich — ein solch miserables Quartier bekommen — zuerst noch eine geschlagene halbe Stunde weitermarschieren und dann ein solches — gottserbärmliches — Nest. — O, es gibt keinen größeren Pechvogel aus dem ganzen Erdboden, als ich — o, du heiliger Marcellus — oder was sonst für ein Heiliger heut seinen Tag hat, hilf!"
Und der Himmel voller Huld — hört auch dieses mit Geduld.
Der Hofbesitzer, ein schlichter Bauer in den mittleren Jahren, empfängt den Herrn Leutnant mit vielen Bücklingen Und begleitet den Herrn ins Wohnzimmer, welches sauber aufgeräumt und dessen Boden mit weißem Sand bestreut ist. 'Die Bäuerin kommt auch herbei und macht dem Herrn Leutnant ihr „Kümplement": ,,gnä' Herr! Wir hab'n halt net viel da heraußen auf unserer Einöd — Sie müssen halt vorlieb nehmen mit dem, was wir geb'n könne — viel is net, aber von Herzen is Ihne vcrgunut."
Der Leutnant läßt sich von seiner üblen Laune nicht «beherrschen, er erwidert gleichsalls freundlich den komm seiner Quartierleute, er nimmt am Tische Platz, ans welchem ein Laib Brot, frische Butter und Schinken bereit gestellt sind. Er wird von seinem Wirte freundlich zum Zulangen eingeladeu — und er tut auch dem „Vesperbrot" alle Ehre an, denn er hat den richtigen, rechtschaffenen Manöverhunger und diio — einen „Prügeldmst".
Der Bauer bringt aus dem Keller einige Krüge „eingelegtes" Bier herauf, das dem durstigen Offizier ganz vorzüglich mundet und — allmählich — steht die Welt nicht mehr so grau und trüb vor ihm da, wie vorher, sondern! er blickt schon wieder mit heiterem Sinn hinein in das Leben nv.d Erwartet auch mit aller Ruhe und vollem Gleich-
Er lä
mit
mut — ganz ergeben — die ihni als Abendessen avisierten „Hähnd'ln".
Und sie kamen auch — und leider müssen wir wahrheitsgetreu berichten, daß der Herr Leutnant, trotz seiner vorher o laut und bestimmt knndgetanen Abneigung gegen diese nützlichen Vögel, die zwei „Hähnd'ln" bei Stumpf und Stiel aufaß, so daß nichts übrig geblieben — als die „Beene". Er lächelte ganz vergnüglich, wie ein „gut gegessener" Mann mit Wohlbehagen zu tun pflegt. „Ja, Hähnd'ln sind noch lange nicht das schlechteste Essen — man muß Gott ;nr alles danken."
Er unterhielt sich sodann noch mit dem wackeren Land- manu und dessen Fran leutselig herablassend,, trank noch einige Krüge von dem „ausgezeichneten Stoff" leer, und rauchte dazu einige „Feld-Wald-Wiesen- und Manöver-Zigarren, von welchen er auch seinem Quartierträger einige verehrte, um dessen schändlichen Knaster „A. B. Schwarzer Reiter" — zum Schweigen zu bringen.
Der junge Krieger ist müde, das heutige Manöver ist sehr anstrengend gewesen — „über Stock und Stein", über Sturzäcker ging die Infanterie immer im Laufschritt vor. „Immer vorwärts! Rascher! Marsch! Marsch!" als ob dis armen, bepackten Fußsoldaten Pferdelnngen und vier Beine hätten wie bei der Kävallerie! Der Leutnant ist schläfrig, er muß schon einigemal „mit dem Sandmann kämpfen", der ihm in die Augen kommen will — er gähnt — die Unterhaltung wird immer einsilbiger — die Bäuerin ist auf ihrem Stuhle schon eingenickt und der Bauer schickt sich eben an, dem Beispiel seiner Ehegenossin zu folgen und gleichfalls einzuschlafen, da erhebt sich der Offizier und erklärt, daß er sich zu Bette legen wolle. Die Bäuerin erwacht und eilt einen alten eisernen Leuchter zu holen, auf welchem sie ein Stückchen einer Unschlittkerze anzündete und wünscht sodann „dem gnä' Herrn recht geruhsame Nacht!"
„Gute Nacht!" wünscht der Herr Leutnant feiner Quartiersrau auch und folgt dem Hofbesitzer nach, der ihm mit dem Lichte voranlenchtet über den Hausflur — eine steile Bodentreppe hinan; dann öffnet dieser eine Tür und „der Herr Leutnant sind in Ihren Schlaf-Appartemangs" aim gelangt.
Der Bauer stellt das Licht aus den Stuhl —ein Tisch befand sich nicht in der Kammer — empfiehlt sich dem Herrn Offizier und wünscht — im Fortgehen — gleichfalls: „Recht geruhsame Nacht!"
Der Leutnant schaut sich in seinen „Gemächern" um. Vier leere Wände - weiß gedüncht - gähnen ihn an. Außer dem Bett und dem Stuhle ist sonst kein Möbel ttt der Kammer; ans dem Boden steht ein sehr primitives Waschgeschirr; die Kammer ist eigentlich nur ein Bretterverschlag, der diesen Schlafraum vom übrigen Boden trennt.
' Der müde Krieger entkleidet sich rasch, denn das Licht droht zu erlöschen; er wirft nocb einen Blick in das Bett, das frisch überzogen ist — der Kerzenstummel ist zu Ende; noch einmal flammt das Licht hoch auf; der Leutnant springt mit einem Satz in seine Liegestätte; jetzt noch ein letztes Flackern der Flamme und — in Dunkel ist die Kammer gehüllt; noch ein wenig übelriechendes Qualmen des Dochtes, den der Leutnant mit nassem Finger ausdrückt und — nun kann das Schlafen losgehen! „Geruhsame Nacht!"
„O, riecht das Bett so modrig — und die schwere Zudecke", wie ein Mehlsack liegt sie ihm auf der Brust.
„O, du lieber Herrgott von Biberach!" jammert das „Jammertal" — „das wird eine recht geruhsame Nacht werden in diesem Bette! O, was hab ich denn nur verschuldet, daß gerade alles Pech über mich kommen muß!"
Gerade will sich der Schlummer auf seine müden Augen niedersenken, da raschelt etwas unter dem Bett im,Str oh. — Der Leutnant horcht auf! „Sind es Ratten?" — Es raschelt wieder und dazu ertönt ein Wimmern, fast wie das eines kleinen Kindes. „Wer da?" ruft der Offizier. Nichts regt sich mehr! Er lanscht und horcht noch eine Weile, da raschelt es wieder unter dem Bette und wieder ertönt das Wimmern.
Schluß folgt.
Von der Mode.
* Pariser Mode n. Die kurzen Röcke haben gesiegt. Seit Jahren tobt in Paris mehr oder weniger erregt der Kawpi um die kurzen Röcke. Sie haben jetzt gesiegt. Auf der Straße find fie heimatberechtigt und auch in genhlvssencu Raumen ve- ginnei, iie sich einzubürgern. Sm Bois de Boulogne helft man


