Ausgabe 
18.3.1908
 
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Helmut8 von Lsvlen.

Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Es kam zu Plötzlich über sie. Zuerst war fit. wie betäubt von einen« unvorhergesehenen. Schlag, dann fühlte sie einen scharfeil Schmerz, der gleich einer PfeilMNde im Herzen brannte und nicht weichen wollte, so oft sie sich auch sagte: Was kann es mit ver- sch,lagen? Mir mich sind sie ja alle längst tot! Aver immer wieder las sie die Heide» kurzen Worte, die ihr plötzlich graul am und unversöhnlich klangen. Sie kannte ihres Bruders «chnft und wußte auch, so hart konnte nur er sein.

Kurze Zeit später traf Loyscu in Berlin ein und durch ihn erfuhr sie nun alles, was sie noch nicht wußte, denn er hatte ihr bisher voll seinen Beziehungen zu Rothaide nichts gc,chrieben. Er sprach ernst und weich, und die Art, wie er ihres Baterhaui-» erwähute, vermehrte noch ihre innere Unruhe, bis das CetS Mmolz und all ihre kalte Gleichgültigkeit umichlug >n bittere Reue und heftiges Verlangen nach Aussöhnung., In ihrer ^idenschaftlichc» Weise steigerte sie diese Gefühle zu ficberhafler Ausschliestachkeit und quälte sich und ihn Mit Anfällen trostloser Verzweiflung. Loyse» hielt es jetzt selbst für besser, mit einem zweiten Aussoh- nungsvcrsilch zu warten, bis die'Trauung vorüber sei. Sowie dies der Fall war, schrieb er selbst an Pastor Becker, und Xmiie fügte einen Brief bei mit leidenschaftlichen Bitten nm Vergebung und Verhöhnung. , . , ,

Sie waren nach der in aller Stille m einem Vorort voll-- Hogeuen Trauung in eine Wohnung gezogen, welche er auf cm halbes Jahr gemietet hatte. Hier erwarteten sie die Antnwrt aus Rothaide, die auf sich warten liest. Endlich kau« sw. Ter Varer sicherte seiner Tochter seine Vergebung zu, aber er ne, sie nicht sit sich »eilt, er verschloß ihr die Pforte des Elternhauses. Tenn daß du jetzt, so schloß der Brief, einen edlen Namen trägst und die Gattin eines großherzigen Mannes geworden bist, ändert nicht Vergangenes und macht dich nicht würdiger denn zuvor, den Platz zwischen deinen Schwestern wieder einzunehmen, um tmct» willen Mußt du fern bleiben. Vergiß nicht, daß eS em ..harr hau., ist, in welches du Einlaß begehrst. Fühlst du dich.schuldig gegen uns, so trage die Schuld ab an deinen Gatten, indem du ihn« untertan bist und alles tust, was in deinen Kräften steht, um ihm das Leben leicht zu machen. ..

Dieser Brief versetzte die Empfängerin in die größte Auf- regung. Lohse» war nicht zu Hause und als er kann, fand er ,re schon in der vollen Arbeit des Antwortens. HalbbeschrtevML Bogen lagen nur sie her, auf ihren Wangen brannten rote Flecke, ihre Augen hatten gleißenden Glanz,' sie achtete kaum auf seme Vorstellungen, sondern schrieb und schrieb bis spät in die vtoQi, als wolle sie sich die Seele ausschreiben. Noch in derselben .-cacyr erkrankte sie an einem heftigen Fieber und mehrere Wochen war der Arzt in Besorgnis um den Verlauf der Krankheit, Als ne dann genas, kehrten die Kväfte langsam wiÄer und der Arzt empfahl einen Aufenthalt im Süden und Vermeidung aller Aufregungen. So reisten sie ab. Vorher hatte sie Lohsen gebeten, alles zu ver­

brennen, was sie damals geschrieben. Sie wollte nicht mehr darail denken sie wollte ja glücklich sein und gesund werden. Abe^ der Stachel saß zu tief in« Hevzeu, und wenn sie sich auch wirklich körperlich wunderbar erholt hatte, ihr Wesen blieb krankhaft erregt und ihr Herz unbefriedigt. Umsonst versuchte er, sie zu zerstreuen. Sie Mächten Partien, sie besuchten Monte Carlo, sie unternahmen eine größere Segelpartie Luise hatte weder Verständnis für landschaftliche Schönheiten, noch Interesse für die sie itw gebende, internationale Gesellschaft. Sie dachte nur an sich und ihn und an das, was sie zu erreichen strebte. .Dabei schwankten ihre Stimmungen zwischen bußfertiger Zerknirscqung und immer wieder sich aufbäumendem, bitterem Trotz, der Vergebung als fei» gutes Recht forderte.

Tag auf Tag ging hin, ohne bett ersehnten Brief zu bringen, aber eines Morgens, da ihnen mit dem Frühstück die. Post ins Zimmer gebracht wurde, befand sich unter den Geschäftsbriefen, die Loyfen erhielt, ein Brief von Wilhelm.

Herr von Haide" sagte Luise erblassend,Loys, du hast doch nicht um seine Vermittlung gebettelt?"

Nein!" sagte er kurz.

So lies doch!" drängte sie ungeduldig.

Tas war ihm noch neu und unangenehm, daß sie so sragen und sich gleichsau« zwischen ihn und Wilhelm stellen durfte. Er öffnete langsam und las. Wilhelm schrieb in feiner gewohnten, herzlichen Weise uttb lud Lochen ein, mit seiner J-rau, sowie es deren Gesundheit gestatte, nach Rothaide zu kommen und seine Gäste zu sein, bis über seinen künftigen Wohnort entschieden sei. Er und Edeltraut sähen diesem Besuch mit Freude entgegen.

Aber so sprich doch! Was schreibt er? Erwähnt er meine« Vater?"

Nein. Er ladet uns ein." ____

Was? Wohin? Er ladet eilt? Laß mich lesen, bitte, Loys fei nicht grausam t"

Sie riß ihm das Papier fast aus der Hand- Wahrhaftig!" rief sie.

So groß denkt nur Wilhelm," murmelte Loyscu.. Er wandte, sich ab und sah aus dem Fenster. Ihm ivar ganz heiß geworden« Ter Gedanke, Edeltrant unter so veränderten Umständen wieder, zu scheit, hatte ihn wie ein scharfer Stich durchfahren. Er war fast unerträglich. Aber schließlich was kam jetzt darauf an? Er hat Schlimmeres hinter sich, er wird auch hiermit fertÄ werden. Während Luise in tiefem Nachdenken über den Brte, sich beugte, faßte er schon einen schnellen Entschluß. Er wird sw hinbringen, ja, aber er kann nicht dort bleiben. Hat dazu auch in Wirklichkeit keine Zeit, denn der künftige Wohnplatz, den er sucht, liegt in jedem Fall weit ab von all den Orten, in denen er bisher gelebt hat, und er muß sich bei Zeit aufmachen, um ihn zu finden...

Loys! Hörst du? Tas ist eine Idee. Eine rettende Idee! Kannst du glauben, daß ich an diese Möglichkeit noch gar nicht dachte, und sie lag doch so nahe s Haide ist dein Freund rmd niemand darf ihm verbieten, uns eiuznladen. Bm ich aber erst dort oh" sie holte tief Atemich lasse nicht nach!