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Wegrand, Blumen von neuem und wunderbarem Reiz. Warum will man den Blumen durchaus Eigenschaften von Steren oder von Menschen- undichten und sie nicht lieber zu Göttern machen! Diese kleinen göttlichen Wesen, deren köstlicher Liebreiz uns, als hätten wir einen seltenen Schatz erblickt, Ausrufe des Entzückens entlocken, zeigen sich in um so größeren Mengen, je mehr wir uns von der Küste entfernen, ins Innere des Eilands hinein.
Der Blick weitet sich bald über Wiesen mit saftig grünen, aber noch kurzen Gräsern, die fleckweise wie beschneit von Margneriten sind. In diesen fast nordischen Rasenflächen stehen Zypressen vereinzelt da und eine südliche Bucht, der Lago di Calieiopolo, lacht dahinter auf. In der Straße, die eben diese Bucht mit dem Meere verbindet, erhebt sich ein kleiner von Mauern und Zypressen gekrönter Fels. Die Mauern bilden ein Mönchskloster. Ponticonisi oder Mausinsel heißt das Ganze, wovon man behauptet, es sei das Phäakenschiff, das, nachdem es Odysseus nach seiner Heimat geleitet hatte, bei seiner Rückkehr, fast schon im Hafen, von Poseidon zu Stein verwandelt worden ist.
Wiesen und umgeworfene Aecker begleiten uns noch. Vollbusige griechische Frauen in bunter Landestracht arbeiten in den' Feldern. Kleine zottelige, unglaublich ruppige Gäule grasen an den Rainen und zwischen Olivenbäumen au steinigen Abhängen. Auf winzigen Eselchen, die an Mäuse erinnern, sind große Lasten gelegt und der Treiber sitzt auf der Last oder hinter der Last noch dazu.
Wir nähern uns mehr und mehr einem Berggebiet. Die Oelwälder geben der Landschaft einen ernsten Charakter. Die tausendfach durchlöcherten Stämme der alten Säume sind wie aus glanzlosem Silber geflochten. Im Schutze der Kronen wuchert Gestrüpp und ein wildwachsender Himmel fremdartiger Blüten auf. Das Achilleion der Kaiserin Elisabeth ist auf einer Höhe errichtet, in einer Eiland und Meer beherrschenden Lage. Der obere Teil des Gartens ist ein wenig beengt und kleinlich, besonders angesichts dieser Natur, die sich um ihn her in die Tiefen ausbreitet. Und jener Teil, der zum Meere hinuntersteigt, ist zu steil. Großartig ist die Achillesverehrung der edlen Fran, obgleich dieser Zug in ihr durch die Künstler der Gegenwart, die ihm im Garten sowie im Innern des Hauses Rechnung zu tragen hatten, würdigen Ausdruck nicht gefunden hat. Das Denkmal Heines, eine halbe Stunde entfernt, unten am Meer, können wir, weil es bereits zu dunkeln beginnt, nicht mehr besuchen.
Die unvergleichlich Edele unter den Frauengestalten jüngster Vergangenheit, die, nach ihresgleichen in unserer Epoche vergeblich suchend, einsam geblieben ist, vermochte natürlicherweise den kunstmäßigen Ausdruck ihrer Persönlichkeit nicht selbst zu finden. So schufen denn öde Handlangernaturen, um sie auch hier nur wieder im ganzen und großen zu ihrem Wesen den Gegensatz. Den Ausdruck dessen, dem sie entfliehen wollte. Und nur der Platz, die Welt, der erhabene Glanz und Ernst, in den sie entfloh, legt von diesem Wesen noch gültiges Zeugnis ab.
ReNMifttztzss.
* G u t geschätzt. Ein freundlicher Leser vom Lande schreibt uns: Vetter Peter hatte zwei gut gemästete Schweine im Stalle, und morgen sollte Metzelsuppe sein. Er besieht noch einmal mit Wohlbehagen die fetten Tiere, die sich grunzend auf die warme Streu niedergestreckt haben. „Morgen gibt es einen guten Tag," denkt er, „und wie gut tut es doch, ivenu man den Winter über hinterm warmen Ofen die Solberknöchelchen abschaben kann." Die Hände tief in die Hosentaschen vergraben, die wollene Winterkappe bis über die Ohren heruntergezogen, so steht er jetzt vor dem Hoftor, nm auf den Metzger Andres zu warten, mit dem er wegen der bevorstehenden Schlachtung noch einige Anordnungen zu. treffen hat. Der Andres hat aber wie gewöhnlich gegen Abend einen „gestaubt" und ist im
Begriffe, beim Nachbar Roßwirt im Vorbeigehen noch ein Kännchen zu baafen, als ihm Vetter Peter zuruft: „Häk, komm a mol her! Du sollst mir a mol tnei’ Sau taxiern." Der Andres brummelt etwas von einem pressanten Gang vor sich hin, kommt aber bald darauf hinüber zum Peter. Mittlerweile war es schon düster geworden, so daß sichj Andres nicht gleich in der Hofreite zurechtfinden konnte. Er dosiert nach der Stallung zu, und Peter öffnet statt des Schweinestalles das Ziegenställchen seiner Mietsleute. Andres macht eine gar wichtige Miene, steckt den Kopf znnt Stall hinein und schließt dann wieder die Tür. Im Bewußtsein seiner unfehlbaren Schätzung klopft er dem Peter auf die Schulter und sagt: „Verrer Peter, du baust U barwarisch Schwächt, 's sein Kerle wät Esel!"
* Das Heiratscafs. In Newyork existiert eilt Caferestaurant namens „Cafs Cupido", dessen Besitzer e§. sich zur Spezialität gemacht hat, solche Leute zu bewirten, die die Absicht haben, sich in seinen Räumen die Hand zum ewigen Bunde zu reichen. Er hat auch nichts dagegen, wenn heiratslustige junge Mädchen und Männev sein Lokal besuchen, um dort auf die Braut- resp. Bräutigamsschau zu gehen; nur muß er von den streng reellen Absichten der Kandidaten von vornherein fest überzeugt sein. Wie sich heruusstellte, geht das Geschäft ganz vorzüglich. Seit einigen Tagen erst eröffnet, hat das Restaurant schon achtzehn glückliche Paare zu seinen Kunden zählen können.
Des Vögleins Dank.
Hört ich nicht ein Vöglein singen? Ja, es fang znin letztenmal, Wollte seinen Tank nut bringen Für den letzten Sonnenstrahl.
Aber keine Blätter rauschten, Bäum' und Sträuche waren kahl; kleine lieben Blumen lauschten, Denn sie starben allzumal.
Doch das Vöglein ivollte singen, Eh' es schied auS unserm Tal, Wollte seinen Dank nur bringen, Für den letzten Sonnenstrahl.
Hoffmann von Fallersleben,
Goldene Worte.
Was mühen ivir uns doch ab in unseren besten Jahren, lernen, polieren und teilen, um uns zu rechten Leuten zu machen, als fürchteten oder schämten mir uns vor uns selbst und wollten uns hinter Geschicklichkeiten verbergen und zerstreuen, anstatt das; es darauf ankäme, sich innerlichst nur recht zusammenzunehmen zn hohen Entschließungen und einem tugendhaften Wandel. Denn wahrhaftig, ein ruhiges, tapferes, tüchtiges und ritterliches Leben ist heute ivie ehedem jedem Alaune vonnöten. Jedes Weltkind sollte wenigstens jeden Monat eine Nacht im Freien einsam durchwachen. um einmal seine eitlen Mühen und Künste abzustreifeN und sich im Glauben zu stärken und zu erbauen.
Eichendorff.
*
In jedes Menschen Charakter sitzt etwas, das sich nicht brechen lägt, — das Knochengerüst deS Charakters, und dieses ändern wollen, heißt immer, ein Schaf das Apportieren lehren wollen.
_____________ Lichtenberg.
Rätsel.
Nimm ein Stück von bold sein Bestes verlieren erhalten.
Auflösung
einem Hummer, laß dann einen Mtz- und du wirst einen berühmten Mann
in nächster Nummer.
Auflösung des Zahlensp'els in voriger Nummer:
1
6
2
CO
4
4
2
1
6
3
5
4
3
2
1
3
1
6
4
2
CM
3
4
1
5
Redaktion: P. Witiko. — Rotationsdruck und Berlaa der Brühl'scheu Universitäts-Buck- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,


