1908 Nr. 198

Donnerstag den 17. Dezember p

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Baroneß Ilse.

Novelle von Gerhard Walter.

Nachdruck verboten.

Schluß.

Ein roter Strahl der untergehenden Sonne, der durch die Schneewolken gebrochen war, fiel durchs Fenstern und gerade auch ie Gesichter der beiden so verschiedenen Midchen, auf den braunen scheitel der ergeben leideirden Madonna und auf das rrause, goldige Blondhaar des Weltkindes, das ihre Arme fest um Frieda geschlungen uitb die weiche, blühende Wange an die ihre gelegt hatte.

Sie wollen mir nicht antworten? Nun, dann tue ich es. Also: er gehört Ihnen halb und halb, und Sie haben ihn rasend lieb! Sic haben das selbst noch nicht gewußt, aber jetzt ist Ihnen das Licht aufgegangen, und mich hassen Sie zur Stunde. Aber nun hören Sie genau zu: Sie sollen ihn allein haben! Das verspreche ich Ihnen: So leichtherzig ich bin, Ihnen, Sie armes, liebes Kind, mache ich keine Konkurrenz; so viel Ge­wissen habe ich auch noch. .Heiraten kann ich ihn ja doch nicht; aber er soll Sie heiraten. Ich will cs! Sind Sie nun zufrieden? Ich werde Ihnen beiden jetzt durch Scelengröße imponieren."

Frieda lächelte unter Tranen und barg das Gesicht an der Schulter der Baroneß.

Nickst war, es gibt doch noch edle Menschen," scherzte Ilse und strich ihr mit der Hand über Haar und Wangen,und manch­mal sogar da, tiro man sie gar nicht vermutet hat! Und nun seien Sie heute abend nicht so schrecklich misepetrig, das lieben die jungen Herren am wenigsten. Behandeln Sie ihn so stolz und miserabel wie möglich; ich tu' es auch. Lassen Sie ihn nur gehörig zappeln! So, nun lachen Sic 'mal. Sic arme Schmerzens- reiche; Sie glauben ja nicht, Ivie niedlich Sie dann sind, die geborene reizende Pfarrersfrau! So, nun kommen Sie! Ich habe noch viel zu tun!"

lind den Arm um sie schlingend tanzte sie mit der lächelnd Widerstrebenden um dcen Weihnachtsbaum herum.

Frieda rang sich los und hob bittend die Hände gegen Ilse:

Um Gvtteswillen," flehte sie hastig atmend,machen Sic mich nickst auf ewig unglücklich und sprechen Sie nicht mit ihm über mich, das wäre mein Tod! Wohin soll das führen? .och bin fast ebenso alt wie er" .

Fürchterlich!" siel das Fräulein cm und schlug die Hande zusammen;dann würden Sie ja sogar Ihre silberne Hoch­zeit in demselben Jahre feiern!" , .,

Und, und" fuhr Frieda stockend fort,und uh bin ja ganz arm. Und die Kandidaten kommen jetzt so schwer an. Ich habe nicht einmal eine Aussteuer! Ein Mann wie er, der kann ja eine ganz andere Frau bekommen! haoe m großes linrcckst getan, für das ich nun büßen muß. ^ch^hatw ibn lieb, ja, sehr; und es war ein halb unbewußter Tr.ech daß ich auch einmal glücklich sein wollte, die Bersuchung dazu war so groß, so sinnbetörcnd, - en!var so schrecklich gut gegen mich."

Ausgezeichnet!" rief Ilse;es märe ja ewig schade, mcmt Sie nickst Pastorsfrau würden; wenn der Gatte 'mal heiser ist, dann läßt er Sic predigen, statt daß der Küster liest! Und nun lassen Sic Ihr dummes, gewissenhaftes Köpfchen 'mal ganz aus dem Spiel und halten Sie ihn hübsch an der Leine ivenit er bannst!"

Und sie schlang den Arm mit ihren Hals und küßte sie auf den weichen Mund:So, den können Sie ihm nachher wieder« geben; ich habe nichts dagegen!" Und hinaus war sie. Als Frieda ihr bekümmert nachsah, hörte sic das Edelfräulein draußen! hell wie eine Lerche singen. Aber phötzlich brach der Gesang ab.

Sie war dem Diener auf deut Flur begeuet. >=

Ist der Herr Kandidat ausgegangcn?" fragte sie.

Nein, gnädiges Fräulein, er ist auf seinem Zimmer." > Ist PciM zurückgekommen?"

Jawohl, Herr Kammcrherr sind auf seinem Zimmer."

Sagen Sie Uem Herrn Kandidaten, ich Nwllte ihn ini Gartenhaus sprechen. Gleich!"

Sagte es und ging auf die Tür des Herrn Papa zu. Ver­blüfft sah der langjährige Diener ihr nach, und kopfschüttelnd stieg er eine Treppe höher um seine seltsame Botschaft auszurichtcn.

Dem Kandidaten fiel die Zigarre aus der Hand, als er die Kunde vernahm und er starrte noch immer auf die Tür, die sich schon lange hinter ist em Diener wieder geschlossen hatte. Daust begann er hastig zu bürsten und sich aufs beste zu schmücken und ging dann beflügelten Schrittes durch den tiefen Schnee auf das einsame Gartcnhäuschen zu, das zwischen grünen Tannen ver­borgen lag. Das Herz schlug ihin gewaltsam. Und das Gewissest dazu.

Aber er mußte ziemlich lange warten. Und warm war's gerade nicht in dem unheizbaren Häuschen. Es fing schon ast energisch zu dunkeln, da unterschied er endlich die Umrisse einer schlanken Frauengestalt, die eilig näher kam.

Bei Gott! Sie kommt, flüsterte er und er hörte wie das Blut ihm vor den Schläfen pochte. Es kam wie ein leichter Schwindel über ihn. War's denn möglich? Und was sollte daraus werden?

Da wurde die Tür schnell geöffnet; in ihr stand Ilse, in ihren weißen Pelz gehüllt. Sie blieb auf der Schwelle stehen. Sic sah blühend und betörend reizend aus.

, Nun," lachte sic ihn an, daß er ihre weißen Zähne blitzen sah,Sic wissen wohl nicht recht, was das bedeuten soll. Ich mußte Sie halt 'mal unter vier Augen sprechen und hier sind wir sicher, daß uns keiner belauscht. Aber vor allen Dmgen bilden Sie sich keine Schwachheiten ein! Sie haben mir heute morgen unbedingten Gehorsam versprochen.

Sic hatte die Tür hinter sich zugezogen und stand ihm ziemlich nahe gegenüber.

Wenn Sie im Examen nicht klüger ausgesehen haben als jetzt, dann wundert's mich, daß Sie durchgekommen sindch spot­tete sie.Uebrigens verdammt kalt hier; also machen Sw nur keinen unnötigen Aufenthalt und gehorchen Sie. Zunächst be­fehle ich Ihnen jetzt, die unbedingte Wahrheit zu sagen; ein Manst,