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6 Uhr nachmittagss ein lebhaftes, gut gezieltes und' wirksames Feuer. Ms drüben kein Schutz mehr fiel, wurde das Gefechts- Slb ab gesucht. Hierbei fand man Morenga tot unter einem aum liegen. Er hatte drei Schüsse erhalten; ein Geschoß war durch die rechte Schläfe eingedrungen und hinter dem linken Ohr wieder herausgetreten, ein zweites hatte ihm den Hinter- kopf weggerissen, ein drittes das Herz durchbohrt. So hatte der tapfere und unversöhnliche Feind den Tod im Kampfe einer wei­teren Flucht in die Wildnis vorgezogen.

ZchMers Bildhauer.

(Zu Danneckers 15 0. Geburtstage.)

Am 15. Oktober 1758 wurde in Stuttgart Johann Hein- t i ch D a n necke r geboren, der Jugendfreund Schillers, dem die Nachwelt die bekannteste, lebendigste und zugleich erhabenste Darstellung des großen Dichters verdankt. Dannecker, der auf der Karlsschule erzogen wurde, sollte seiner zierlichen Gestalt wegen zum Ballettänzer ausgebildet werden und wurdevon rohen Aufsehern hart gehalten und nebenher zu gemeinen Ver­richtungen mißbraucht". Doch erlangte er durch des Herzogs Gunst schließlich die Erlaubnis, Bildhauer zu werden. Der liebenswürdig heitere, stets gefällige und begeisterte Jüngling gehörte zu dem intimsten Freundeskreise des jungen Schiller, und ein enger Bund fchloß Poet und Bildhauer durchs ganze Leben aneinander. Ms Dannecker 1780 alsHofbildhauer" mit 300 Gulden Gehalt die Karlsschule verließ, hatte er bereits den ernsten erhabenen Geist einer der Antike zugewandten Kunst­richtung in sich ausgenommen, obwohl er mehr zu handwerks­mäßigen als zu künstlerischen Arbeiten verwendet. wurde. Die glatte Rokokoform des Parisers Pajou und die zierlich weiche Sinnlichkeit Canovas, bei dem er seine letzte Ausbildung suchte, haben die angeborene Graßheit und Kraft der Linien in seiner Begabung nicht verwischen können. In Rom leimte er vielleicht nur allzuviel vou der blendend spielerischen Technik seines Lehrers, die in seinem bekanntesten Werk, der Ariadne auf Naxos, uns heute kleinlich und ausdruckslos anmutet. Canova nannte den jungen Deutschenil beato, den Glücklichen, wegen seines lie­benswürdig frischen Temperaments, und diese anmutige Begeiste­rungsfähigkeit blieb ihm, nachdem er als Professor der Bild­hauerkunst an der Karlsschule eine gesicherte Stellung und all­gemeine Anerkennung gefunden hatte. Die schön bewegte und gehaltene Grazie spricht auch heute noch lieblich zu uns aus den Parkfiguren und Wassergruppen des Stuttgarter Schlosses. Schil­lers Besuch in der Heimat brachte 1793 die Freunde wieder zusammen und Dannecker begann sogleich, eine Büste des von ihm so hoch verehrten Dichters desDon Carlos" zu modellieren. Nach länger mühevoller Arbeit war das Merk endlich vollendet. Schiller war entzückt. Goethes Besuch im Sommer 1797 gab dem Meister hohe Anregungen; er war stolz darauf, daß Goethe zu ihm sagte:Nun habe ich Tage hier gelebt, lote, ich sie in Rom lebte". Goethe warfrappiert von dem Originalausguß der Büste, der eine solche Wahrheit und Ausführlichkeit hat, daß es wirklich Erstaunen erregt". Als dann der große Freund so schnell und unerwartet starb, schrieb Dannecker im ersten Schmerz über den Tod:Ich glaubte, die Brust müßte mir zerspringen, und so plagte michs den ganzen Tag. Den anderen Morgen beim Erwachen war der göttliche Mann vor meinen Augen; da kam mir's in den Sinn: ich will Schiller lebig tznächen, aber der kann nicht anders lebig sein, als kolossal. Schiller muß kolossal in der Bildhauerei leben, ich will eine Apotheose." Die also entstandene Monumentalbüste Schillers, die jetzt das Stuttgarter Museum ziert, ist das ergreifende Denk­mal einer hingebenden Treue, mit der der Künstler den toten Freund ehrte, und zugleich sein gewaltigstes Werk. . Seinem Fürsten Friedrich II. von Württemberg, der sich über die Größe des Werkes wunderte, sagte er:Ihre Durchlaucht, Schiller Muß so groß sein. Der Schwab muß dem Schwaben ein Mo­nument machen, und sollte ich ein Terrain kaufen, daß nur so groß wäre um Schillers Büste aufzustellen."

* Was den Kaiser die Theater kosten. Kaiser Wilhelm II. zahlt jährlich zu dem etwa 2Vs Millionen Mark betragenden Gesamtetat der Berliner Königlichen Bühnen aus seiner Schatulle 450 000 Mark, außerdem deckt er auch das Defizit mit jährlich etwa 300000 Mark, welche Summe häufig noch über­schritten wird; daneben muß er bei einerauf allerhöchsten Be­fehl" angesetzten Vorstellung die ganze Einnahme des Hauses bezahlen, zirka 5000 Mark. Diese an sich sehr bedeutenden Ziffern werden erst erklärlich, wenn man einen Blick auf die Einnahmen der hervorragenden Sänger und Sängerinnen wirft, die zwischen 15 0Ö0 und 40 000 Mark schwanken, während der Generalinten­dant neben freier Dienstwohnung pro Jahr 18 000 Mark bezieht. Wohl den größten Kostenaufwand hat das kürzlich neu einstudiert jaufgeführte BallettSardanapal" gemacht. Um sich annähernd leinen Begriff von den Kosten einer solchen Ballettaufführung Machen zu können, genügt ein Vergleich mit dem Kostenaufwand

eines' historischen Balletts, das vor vielen Jahren in dem längst nicht Mehr bestehenden Berliner Viktoria-Theater gegeben wurde, hinter dessen finanzielle Kulissen wir durch Zufall einen Blick werfen konnten. Die Ziffern sprechen für sich selbst. 1965 Ko­stüme lunb 600 Paar Schiuhe, 400 Trikots, Stosst, Goldbesatz, Arbeitslohn 45 000 Mark. Sieben neue Dekorationen nebst Ma­schinen zum Aufftellen und Zusammensetzen derselben 31000 Mark. 400 Helme und Rüstzeuge 8000 Mark. 600 Waffen, Schilde und Hörner 6000 Mark. Kränze, Girlanden, Schaustücke und Becher 2500 Mark. Römische Diwans und Sessel 3000 Mark. Musikinstrumente, abgetönte Glocken, Thyssosstäbe, Vasen 4000 Mark. Feldzeichen und Standarten 1550 Mark. 280 verschiedene Perücken 2500 Mark. Gagen während der fünf Probewochen, Studium und Reisegelder 23 800 Mark. Einreichungsgebühr an den Verfasser 500Ü Mark. Kurz ehe der Vorhang zur Premiere aufrollte, hatte das Ballett schon etwa 140 000 Mark verschlungen. Nun kommen erst die monatlichen Kosten: Gagen für 650 Personen mit Statisten und Orchester 40 000 Mark. Tantieme an den Autor ungefähr 7000 Mark, Theatermiete auf neun Monate in der Saison verteilt 9000 Mark. Steuern 900 Mark. Versicherung 650 Mark. Reparaturen 300 Mark. Annoncen 700 Mark. Zettel 700 Mark. Gas 1500 Mark, elektrisches Licht 1400 Mark. Hei­zung 900 Mark, was alles in allem wiederum ungefähr 60 000 Mark monatliche Kosten ausmacht. Das Sardanapal- Ballett aber hat weit mehr gekostet.

* 350 Mark für die Minute Gesang. Von Caruso, dem großen Tenor, der in Kürze auch wieder in Berlin auftreten wird, erzählt man sich aus seinem Newyorker Aufenthalt eine kleine Anekdote, die beweißt, welche Summen Künstler in Amerika in wenigen Minuten verdienen können. Caruso besuchte dort- selbst das Theater von New Fields, als nach dem ersten Akt ein Herr in die Loge des Sängers trat, um mit ihm einige Morte zu wechseln. Caruso verließ kurz darauf das Theater, stieg in das bereit gehalteue Automobil, mit dem er in dreiviertel Stunden nach dem Theater zurückkehrte. In der Zwischenzeit hatte er bei dem vielfachen Millionär James Smith anläßlich eines Diners gesungen, wofür er die Kleinigkeit von 3000 Dollars erhalten hatte. Das macht auf die Minute Vortrag 350 Mark.

* Humoristisches. Ein Idyll. Ms wahres Geschichtchen erzählt dieMünchn. Jugend": Dem Prinzchen einer deutschen Fürstenfamilie fällt es auf, daß der vor dem Palais stehende Posten weiße Beinkleider trägt. Die kleine Hoheit stellt sich breitbeinig hin und fragt wichtig:Was hast du denn heute für Hosen an?"Das sind Paradehosen heute", antwortete der Soldat belehrend. Ein Stündchen später ckonnnt das PrinzcheN wieder am Posten vorbei, und zwar diesmal mit seiner drallen Kinderfrau. Vor dem Posten hält er sie an, hebt ihr flink die Röcke ordentlich in die Höhe und sagt zum Posten stolz und trium­phierend :Frieda hat auch Paradehosen an, siehst du!" Dr u ck- fehler. ... Die Landschaft, welche er durchreiste, bot einen traurigen Anblick; außer einigen verkümmerten Tanten und ver­krüppelten Nichten begegnete der Blick nur ödem Felsgestein. Aus dem Gerichtssaal. Richter:Acht Jahre Zuchthaus. Das Urteil ist also rechtskräftig!" Gauner:Ja, recht kräf­tig ist's!" mitten!efe derMünehener Jugend". Eine Gouvernante, die sich mit dem Kinde ihrer Herrschaft in einem Nordseebade aufhielt, hatte sich in das Fremdenbuch des dortigen Hotels folgendermaßen eingetragen:Fräulein Mttner mit Kind von Herrn N. N. aus Hamburg."

Wer ist das würdigste Glied des Staates?

Ein wackerer Bürger;

Unter jeglicher Form bleibt er der edelste Stoff. ------------ Goethe.

Logogriph.

Blutdürstiger Vogel mit einem Sp, Doch ehrsamer Handwerker bin ich mit G; Und wer mich B in dem Hanpte sah, Dem künde ich Wunder aus Airika.

In früherer Zeit mit bem W im Haupt, Da hab' ich manch jugendlich Glück geraubt,' Die Burschen trieb ich zu blutigem Streit, Nicht ungern seh'n mich die Mägdelein heut. R.

Auflösung in nächster Nummer:

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Universität, Rollendorf, Vlotho, Euphrat, Regenschirm, Harmonium, Ohio, Freidank, Freyeinet.

Unverhofft fommt oft.

Htedaktion: E. Anderson. Rotationsdruck und Verlag bei Brühl'schev UniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.