es an gegenseitiger Herzensgüte nicht fehlte, gelang es, die be­standene Spannung M heben. Trotz der gefühlvollen Kaiserbe- gegnung in Alexandrowa glaubte Bismarck, daß einvollständiges Jndiensttreten unserer Politik in die russische uns nicht davor schütze, gegen unseren Willen uitb gegen unser Bestreben mit Rußland in Streit zu geraten." Er suchte nach einem anderen Freunde; er fand ihn in Oesterreich. Als Bismarck in Gastein seinen cingeladenen Gast, den Grafen Andrassy in die Ver­handlungen mit dem Petersburger Käbinett einweitzte und das Abzielen der russischen Politik auf ein Bündnis mit Frankreich berührte, erwiderte Andrassy:Gegen das beabsichtigte russisch- französische Bündnis gibt es nur ein Gegengewicht: das deutsch- österreichische." Die beiden Staatsmänner reichten sich die Hand. Ein großes Werk war vorhereitet, das am 7. Oktober 1879 inj dem d e u t f ch - ö st e r v e i ch i s ch e n S ch u tz - u n d T r u tz b ü n d- nis seinen Abschluß fand.e.

Morengas Ende.

Der Friede von Ukamas vom 23. Dezember 1906 hatte dem deutschen Schutzgebiet in Südwestafrika noch nicht die ersehnte dauernde Ruhe bringen können. Noch lebten Morenga und Smron Köpper als unversöhnte Feinde. Das Kommando der deutschen; Schutztruppcn in dec südwestafrikanischen Kolonie mußte abermals zu kriegerischen Maßnahmen greifen, die im Laufe der Ereignisse sich zu Unternehmungen bedeutsamer Art gestalteten. Dee Vor­gänge, die zu Morengas Ende führten, schildert das siebente (Schluß-) Heft derKämpfe der deutschen Truppen m Sudwest­afrika" das, vom Großen Generalstab im Verlag herausgegeben und von E. S. Mittler u. Sohn in Berlin erschienen ist.

Auf britischem Boden sollte Morenga sein Schicksal erreichen. Nachdem er zweimal sein Versprechen gebrochen Hatte, sich denr von der deutschen Regicrungsgewalt mit den unterworfenen Auf­ständischen getroffenen Abkommen zu fügen, wurde tm Einver­nehmen mit der Kapregierung seine. Verfolgung aufgeiwmmen. Von deutscher Seite begleitete ein Generalstabsofstzier die Ab­teilung der Käppolizei, die dem unsteten Flüchtling au; den Fersen war. Anscheinend aufgescheucht durch das Herannahen emer vom Major Elliot entsandten englischen Patrouille unter Leutnant Currie, hatte er seinen letzten Schliipfwinkel verlassen. Ellivt entschloß sich daher, mit seiner gaiizen Truppe dem verwegenen Häuptling nachzusetzen, aber Morenga war, nachdem seine Spur ausgesunden ivar, wieder entwischt, allen Anzeichen nach hu urteilen nach der deutschen Grenze. Und es blieb aucp kein Zweifel mehr übrig, daß Morenga nicht etwa tiefer in dem eng­lische Gebiet, sondern durch die Kalahari zu Simon Copper gehen wollte. Der schlaue Fuchs rechnete damit, daß wohl einzelne Menschen, wie er mit seiner Bande, etwa 30 Kopfe, durch die wasserlose Kalahari ziehen und sich von Tsamas (der wilden Wassermelone) nähren könnten, daß aber Truppen mit Tuereii sich scheuen würden, die Verfolgung durch die Kalahari aufzu- nehmen. Major Elliot war sich klar, daß, wenn cs ihm mcht ge- 1 innen sollte Morenga jetzt zu saßen, er iN die schützende Wildnis encko imenwürde BÄhn Stunden lang blieb seine Kolonne linterweas UNI den Flüchtigen zu stellen. Hervorragend be- wäbrten sich die Scouts, eingeborene Aufklärer, im Spureu- fnrfwn so daß keine Verzögerungen eintraten. Leutnant Mauder Kbtt ÄSbatteWt feinem Zuge, nachdem er 36 Stunden im Sattel gewesen, iim 12 Uhr mittags Halt gemacht, um das -ä rs .??

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sich zu entzünden. Deutschlands mächtiger Einfluß als Friedens- Vermittler bewahrte Europa vor dieser Gefahr.

Fürst Bismarck hatte sich während des orientalischen Krieges abwartend verhalten; denn er glaubte, so lange Deutschlands Interessen nicht auf dem Spiele ständen,nicht die Knochen eines pommerschen Musketiers einsetzen zu dürfen". Nach dem Mieden von San Stefano hielt er die Pläne der Pan lavisten für eine Gefahr für Deutschland. Im Einverständnis Mit denn vster- reichisch-ungarischen Minister Grafen Andrassy machte er den Lor- scblag, die Lösung der orientalischen Verhältnisse aus einem all- o eme inen Kongresse zur Beratung zu stellmi. Die Rolle, dm Deutschland a,ls Vermittler dabei zufallen solle, bezeichnet Bis­marck auf eine Anfrage im Reichstage folgendermaßen:Dm Vermittlung des Friedens denke ich mir nicht so, daß wir nur bei auseinandergehenden Ansichten den Schiedsrichter spielen und sa- aen: so soll es sein, und dahinter steht die Macht des Deutschen Reiches, sondern ich bsenke sie mir bescheidener, mehr als das Geschäft eines schlichten Maklers, der das Ge­schäft wirklich zustande bringen lutII.'

Am 30. Januar 1878 wurde der Kongreß tm Palats de» Deutschen RcickMkanzlers in Berlin eröffnet. Eine glanzende Ver- santmlung von Staatsmännern hatte sich dazu eingefunden Oester^ reich hatte den Grafen Andrassy, England seine Muttster Lord Beaconsfield und Lord Salisbury entsendet. Frankreich war durch seinen Minister Waddington, Italien durch den Grasen Corti dertveten Die Sendung des altersschwachen russischen Reichs­kanzlers Fürsten Gortschakoff war tont Zarenaus persönltckMr Rücksicht gegen den etwas eitlen Greis" erfolgt. Der eigentliche Bevollmäckstigte des russischen Hofes war der russische Botschafter in London, Graf Peter Schuwaloff. Die Türker war vertreten durch Mohemed Mi Pascha. Von sonstigen hervorragenden Per­sönlichkeiten nahmen außerdem teil: von Bulow, Graf Herbert Bismarck, Lothar Bucher, Fürst Hohenlohe, Graf Caroly. Zum Vorsitzenden des Kongresses wurde auf allgemeinen Wunsch Fürst Bismarck gewählt. Dem Einflüsse des großen deutschen Staats­mannes gelang es, Rußlands Forderungen bedeutend yerunter- zustimmen. Nach einer vier'wöchentlichcn Tagung kam am 16. ^ult der B erliner Friedensv ertrag zum Wschluß. ^leich­tert wurde der Abschluß durch das Fehlen des Fürsten Gortscha- kosf, der an dem entscheidenden Tage ivegen Erkraniung angeblich infolge des Getmsses von Erdbeeren der Sitzung fern bleiben mußte. Die wesentlichen Punkte des Berliner Vertrages waren folgende: Die seitherigen Vasallenstaaten der Türkei, Rumänien und Ser­bien werden als unabhängige Staaten erklärt, die Unabhängigkeit des Fürstentums Montenegro wird anerkennt, das Fürstentum Bulgarien wird halbselbständiges Fürstentum, mit fernem ost- Heften Teile, mit Ostrumelien, Vasallenstaat der Pforte, Oesterreich besetzte Bosnien und Herzegowina, die dem Namen nach unter Oberhoheit der Türkei bleiben. Rußland erhielt eme nicht un­beträchtliche Erweiterung seiner kleinasiatischen und befsarabischen Grenze, die Festung Mrs und die Hafenstadt Batum.

Das Ergebnis des Berliner Vertrages wurde überall mit Befriedigung ausgenommen. Der europäische Friede schien ge­sichert. Nur Rußland war in seinen Erwartungen getauscht. Die panslavistische Partei bezeichnete den Vertrag alseme freche Beschimpfung dessen, was Rußland geivollt, ein verMffendes Unding, eine Ohrfeige für Rußland. Und doch hatte Blomaick Rußland gegenüber die Rolle einesehrlichen Maklers gespielt Dies zeigen seine Ausführungen, die er 10 ^hre spLter ln seiner Reichstagsrede am 6. Februar 1888 über jene kritische Zeitgibt. Mr hatten damals (1878) sehr wenig Neigung, uns m die orientalischen Sachen zii mischen, ebenso wenig wie peilte, -öd) war schwer krank in Friedrichsruh, als mir von rMscher Seite das Verlangen mitgeteilt wurde, zur definitiven Beilegung b j Krieges einen Kongreß der Großmächte nacy Berlin zu berufen. Ich ' hatte ziinachst wenig Steigung dazu, einmal weil ich m ber körperlichen Notwendigkeit war, dann über auch, weil ich keine Neigung hatte, uns so weit in die Sache zu verwickeln, wie die Rolle des Präsidiums eines Kongresses mit Mi bringt. Wenn schließlich nachgegeben habe, so war es einerseits das deutsche Rsiilbtaeiübl im Interesse des Friedens, namentlich aoer dos dankbare Andenken, das ich au die Gnade des Kaisers Alexantors l . für mich stets belvahrt habe, das mich veranlaßte, diesen ^Wunsch

ZE'LMLWMM Kongreßverhandlungen erging man Ti^onIler Demfeiud- AL

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