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beit Kbps. Den Augenblick nachher kam Herr Gsvrol mit seinen Beäntten, man schlug meine Tür ein ifltb das ist alles . . .

Diese scheußlichen abgefeimten alten Betteln bringen es zu­weilen in der Verstellung zu einer Vollendung, die des größten Scharfblicks spottet. Ein nicht voreingenommener Mensch z. B. hätte von pent unschuldigen Ton der Chupin getäuscht werden können. Leider hatte sie ihre Augen gegen sich, ihre kleinen grauen Augen, die sie wie ein unruhiges Tier fortwährend hin- und herwandern ließ; aus diesen Augen funkelte eine innere Befriedigung über ihr« eigene Schlauheit. Sie jubilierte bei sich selber über ihre glückliche Geschicklichkeit, sie glaubte wirklich, der Richter würde ihre Erklärungen auf Treu und Glauben hinnehmen.

Wirklich hatte in Segmüllers Antlitz kein Muskel gezuckt, während die Alte mit erstaunlicher Zungenfertigkeit ihre Ge­schichte vortrug.

Als fie, ganz außer Atem, schwieg, stand er ohne ein Wort zu sagen aus und trat an seinen Protokollführer heran, um die Niederschrift dieses ersten Teiles des Verhörs sich anzusehen.

Bon der Ecke aus, wo ev sich bescheiden auf einen Stuhl gesetzt hatte, beobachtete Lecoq unausgesetzt die alte Frau.

Sie denkt wahrhaftig, fagte er bei sich selbst, es sei zu Ende, und ihre Aussage werde ohne weiteres angenommen werden, wie ein Brief am Postschalter.

Wenn dies in der Tat die Hoffnung der Witwe Chupin war, so wurde sie schnell enttäuscht. Herr Segmüller hatte dem lächeln­den Goquet einige unwichtige Bemerkungen gemacht und setzte sich nun neben den Kvmin; er hielt den Augenblick für gekommen. Mit dem Verhör energisch vorzugehen und begann:

Also, Witwe Chupin, Sie behaupten, nicht einen einzigen Augenblick bei den Leuten -geblieben zu fein, die Ihr Lokal betreten hatten, um dort Wein zu trinken?

Nicht eine Minute.

Jene kamen herein und bestellten, Sie gaben ihnen das Ver­langte und gingen eiligst hinaus.

Ja, mein Herr.

Es' scheint mir indessen unmöglich, daß Sie nicht ein paar Worte von der Unterhaltung aufgesangen haben sollten. Wo­von sprachen sie?

Es' ist nicht meine Gewohnheit, um meine Gäste herumzu­spionieren.

Kurz und gut, haben Sie irgend etwas gehört?

Nichts.

Der Untersuchungsrichter zuckte mit einer Miene des Be­dauerns die Achseln und sagte:

Mit anderen Wdxten, Sie weigern sich, dem Gericht Aus­kunft zu geb en.

OH, wie kann man das sagen!

Lassen Sie mich ausreden. Alle diese unwahrscheinlichen Ge­schichten: Daß Sie hinansgegangen wären, daß Sie in Ihrer Kämmer für Ihren Sohn Blusen ausgebessert hätten n. s. w., sind von Ihnen nur erfunden worden, um mir sagen zu können: Ich habe nichts gehört, nichts gesehen, ich weiß von nichts." Wenn dies das System ist, das Sie sich vorgenommen haben, so erkläre ich Ihnen hiermit, daß es sich nicht aufrecht erhalten Wt, daß kein Gerichtshof etwas darauf geben würde.

Es ist kein System, es ist die Wahrheit.

Herr Segmüller schien nachzudenken, dann sagte er plötzlich: Also Sie haben mir ganz bestimmt nichts über diesen elenden Meuchelmörder zu sagen?

Aber es ist kein Meuchelmörder, mein guter Herr.

'Was denn sonst?

Er hat in Selbstverteidigung die anderen getötet. Man suchte Händel mit ihm, er war allein gegen drei, er sah wohl, er hätte keine Gnade zu erwarten von Banditen, die . . .

Sie hielt ganz verwirrt plötzlich inne; ohne Zweifel warf sie fich vor, daß sie sich hatte fortreißen lassen, daß ihr die Zunge durchgegangen war. Allerdings konnte sie hoffen, der Richter habe nichts bemerkt. Ein brennendes Scheit war aus dem Kamin gerollt, er hatte die Feuerzange in die Haiw ge­nommen und schien nur damit beschäftigt zu sein, das Feuer wieder in Ordnung zu bringen.

Wer sagt mir, murmelte er halblaut, und wer garantiert mir, daß nicht im Gegenteil der Mann die drei anderen angegriffen hat?

Ich! erklärte die Witwe Chupin bestimmt. Ich! ich schwöre

es!

Segmüller wandte sich um, augenscheinlich aufs höchste er­staunt und sagte:

Wie können Sie das wissen? wie können Sie daraus schwören? Sie waren in Ihrer Kammer, als der Streit begann.

Ernst und unbeweglich auf seinem Stuhl sitzend, jubilierte Lecoq innerlich. Er fand, es wäre ein hübsches und vielver­

sprechendes Resultat, durch geschickte Fragen diese geriebene Alle dahin zu brittgen, daß sie sich selber Lügen strafte. Der Beweis! für ihr strafbares Einverständnis lag klar zutage. Ohne ein ge­heimes Interesse hätte die alte Schankwirtin nicht so unvorsichtig die Verteidigung des Angeschuldigten ergriffen.

Nach alledem, fuhr der Richter fort, möchte man annehmen, daß Sie vielleicht infolge Ihrer Bekanntschaft mit dem Charakter des Mörders so sprechen. Wahrscheinlich kennen Sie den Mann?

Ich hatte ihn vor jenem Abend niemals gesehen.

Aber er war doch schon früher in Ihre Wirtschaft gekommen? Niemals in seinem Leben!

Oh, oh! wie erklären Sie es sich dann, daß dieser Unbekannte, dieser Fremde, sofort bei seinem Eintritt in die Gaststube, wäh­rend Sie oben in Ihrem Zimmer waren, zu rufen anfingr Heda, Alte!" Er erriet also, daß die Wirtschaft von einer Iran besorgt wurde, und daß diese Frau nicht mehr jung war?

Er hat das nicht gerufen!

Sammeln Sie nur Ihre Erinnerungen ein wenig! Sie selber haben es mir gerade eben gesagt!

Ich habe das nicht gesagt, mein guter Herr!

Doch! Und man wird es Ihnen beweisen, indem man Ihnen! Ihre Aussage vorliest. . Goquet, lesen Sie, bitte!

Der lächelnde Sekretär hatte schnell die betreffende Stellei gefunden und las mit seiner deutlichen Stimme wörtlich bent Satz der Chupin vor:

Ich war seit einer halben Stunde oben, als da unten einer anfängt zu rufen:Heda, Alte!" Ich gehe hinunter usw. usw.

Sie sehen also! bemerkte Segmüller nachdrücklich.

Die Sicherheit der alten Verbrecherin hatte augenscheinlich einen heftigen Stoß erhalten. Aber der Richter glitt über diesen Zwischenfall hinweg, als hätte er demselben keine große Wich­tigkeit beigelegt, und begann wieder:

Und die anderen Trinkgäste, die Getöteten, kannten Sie diese? Nein, Herr, weder von Eva noch von Adam her.

Und sind Sie nicht überrascht gewesen, bei Ihnen drei Un­bekannte in Begleitung von zwei Frauen ankommen zu sehen?

Zuweilen bringt der Zufall . . .

Ach, gehen Sie mir! Sie glauben ja selbst nicht, was Sie da sagen. Das ist kein Zufall, wenn nachts, bei einem abscheulichen Wetter, Gäste in eine übelberüchtigte Schenke wie die Ihrige kommen, die noch dazu ziemlich weit von jedem begangenen Wege mitten im freien Felde liegt.

Ich kann nicht hexen; ich sage, was ich denke.

Also, Sie kennen nicht einmal den jüngsten von den dreien, den, der als Soldat gekleidet war, ich meine Gustave?

Ganz und gar nicht.

Herrn Segmüller fiel bei dieser Antwort eine gewisse Be­tonung auf, und langsamer fügte ev hinzu:

Wenigstens haben Sie aber doch von einem Freunde dieses Gustave sprechen hören, einem gewissen Lacheneur?

Als sie diesen Namen hörte, geriet die Wirtin derPfeffer­büchse" augenscheinlich in Verwirrung, und sie stammelte mit ganz veränderter Stimme:

Lacheneur? Lacheneur? Niemals habe ich diesen Nainen aus­sprechen hören.

(Fortsetzung folgt.)

Zur Geschichte der Berliner Aongresses vsm P. Juni 1878.

Alle Welt spricht gegenwärtig vomBerliner Vertrag" und feiner Revision. Da interessiert die Frage: Wie kam jener Vertrag zustande, und welches waren seine Begleiterscheinungen?

Im Juni 1878 hatten sich auf Anregung des Fürsten Bismarck in des deutschen Reiches Hauptstadt die Staatsmänner der euro­päischen Großmächte zu einem Kongreß eingefunden, um über die Lösung der orientalischen Wirren zu beraten. Anlaß zu einer allgemeinen europäischen Völkerberatung gab der Ausgang des russisch-türkischen Krieges.

Im Jahre 1876 hatte Rußland gegen die Türket einen Krieg unternommen, von dessen glücklichem' Erfolg es sich die Verwirk­lichung seines Traumes, die Gründung eines großen panslavistischen Staates bis zum schwarzen Meere, versprach. Rußlands Waffen waren von Glück begünstigt. Nach vollständiger Vernichtung der türkischen Macht bei Plewna überstieg das russische Heer durch die Schipkapässe den Balkan, und in wenigen Wochen stand es vor der Hauptstadt des osmanischen Reiches, vor Konstantinopel. Dem weiteren Siegeszug der Russen gebot England Einhalt, das seine Flotte durch die Dardanellen in das Marinara-Meer einlaufen ließ. Eiligst schloß Rußland mit seinem Gegner den Frieden von San Stefano am 3. März 1878, .her dem Sultan nur einen mäßigen Rest seines europäischen Besitzes ließ. Im England, Frankreich und Oesterreich ries dieser Friedensschtuß eine heftige Erregung hervor. Ein europäischer Völkerbrand drohte.