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bonillet, dem Jagdschlößchen des Präsidenten, habe ich eures Tages entdeckt, wie es kommt? daß die hohen Herren gleich ein paar hundert Rehe, Hasen und Fasanen erlegen können. Im Walde liegt dort eine wunderhübsche Försterwohnuug, die mit allen großen und kleinen Nebenbauten fast wre ein großer Bauernhof aussieht, lind sie ist auch so was Aehn- liches^denn der Förster hat da einen riesigen Hühnerhof, rrnd l^ine Arbeit besteht int Grunde darin, diese Hühner und andere Tiere zu füttern. Die oerineintlichen Hühner aber, die auf dem Hofe herumscharren und in den kleinen Hütten rings um das Försterhaus wohnen, sind keine Gockel und Hinkel, sondern Fasanen. Natürlich sind sie so zahm ivie irgendeine Hühnerschar auf dem ersten besten Bauernhöfe, aber trotzdem sind es diese armen Tiere, die der Jagdwut des „Hofes von Frankreich" ausgeliefert werden. Am be- stimmten Tage werden sie in Körbe gepackt und an der zur Jagd vorgesehenen Stelle losgelassen, damit die Hofjäger sie "totschießen können. Die Tiere sind, wie gesagt, genau so zahm wie gewöhnliche Hühner und denken gar nicht daran, sich vor den Menschen, von denen sie bisher nur Gutes, nämlich Futter, erhalten haben, zu retten. Bei einer solchen Jagd muß der Jäger also genau ebensoviel Geschicklichkeit besitzen, wie wenn er sich vor den ersten besten Hühnerstall stellte und die auf der Hühnerleiter heruuterkletternden Hennen herabschösse. Das ist nicht alles, was ich in dieser Försterei von den Geheimnissen des modernen Hofjagdvergnügens erfahren habe. Der Förster hatte da einen großen Eber, der frei herumlief uud seinem Herrn wie den andern Hausgenossen folgte, wie jedes andere Haustier. Das Tier hieß Jacquot, und wenn man seinen Namen rief, kam cs heran. Ich fragte den Förster entsetzt, ob er am Ende gar seinen Jacquot den Jagdgästen des Präsidenten aus- liefere, und dieser Barbar erwiderte achselzuckend: „Was wollen Sie, gerade auf diese große Jagdbeute sind die Herren erpicht." Und als er sah, das uns das gar nicht gefallen wollte, milderte er den Tatbestand etwas durch die Erklärung, zu gewöhnlichen Gelegenheiten gebe er natürlich den Eber nicht her, wenn aber ausländische Potentaten, russische Großfürsten oder ähnliche hohe Herrschaften kämen, dann müsse schon etwas Besonderes geschehe!:. Und außerdem könne man die Eber doch nicht lange behalten, denn ivemt sie ein Jahr oder mehr alt seien, würden sie kollerig und könnten ihrer Umgebung gefährlich werden. Also ist auch wohl dieser arme Jacquot den gewaltigen Nimroden der Hofjagden zum Opfer geworden. Uebrigens wollen die Tiere sehr oft nichts wissen von dem drohenden Verhängnis. Als vor zwei Jahren der König von Spanien mit dem Präsidenten in Rambouillet jagte, flüchteten sich die armen Hasen immer wieder in die schützenden Körbe hinein, nicht weil sie das königliche Blei fürchteten, sondern iveil draußen Schnee lag und ein kalter Wind pfiff, während sie in ihren Körben warm beieinander saßen. Tie Forstgehilfen mußten die Tiere an Ohren und Beinen packen und direkt vor die Gewehrläufe schleudern.
* Eine zeitgemäße Anzeige. In Aylesbury scheinen weitschauende Leute zu wohnen, die den Pulsschlag der Zeit genau fühlen und kommende Bedürfnisse im voraus ahnen. Auf dem Dache eines Automobilgeschäfts am Marktplatze von Aylesbury prangt nämlich" in großen weißen Buchstaben die Inschrift: „Hier werden Luftschiffe repariert!"
4 Eine hübsche Duellgeschichte erzählen Pariser Blätter. Einer, dem der Gedanke, sich zu schlagen, ganz und gar fremd war, war Edmond About, der bekannte französische Romancier. In einem Journalartikel hatte er sich durch einen Witz, den er nicht zu unterdrücken vermocht, eine Forderung auf den Hals geladen. In seiner Ratlosigkeit eilt About zu Grisier, dein berühmten Fechtmeister, um sich von ihm in die Elemente der Fechtkunst einweihen zu lassen, von der er nicht den Schatten einer Ahnung hatte. An About, dem Mann mit dem dicken Bauck) auf den kleinen Beinen, wurde indessen die Kunst Grisiers so jammervoll zu schänden, daß der Fechtmeister den Unterricht sofort wieder abbrach. Vor dem Abschied bat sich About noch ein im Fechtsaal hängendes Bild Grisiers zum Andenken aus. Grisier gab es dem hoffnungslose;: Schüler
und erfüllte lächelnd auch seine weitere Bitte, als Widmung „seinem besten Schüler Edmond About, Grisier" darunter zu schreiben. Als die vier Zeugen, die About ganz kon:mentwidrig zu sich geladen, das Arbeitszimmer des Schriftstellers" betraten, prangte Grisiers Porträt mit der beredten Widmung bereits aus Abouts Schreibtisch. Angesichts dieser suggestiven Mahnung zeigten sich die Sekundanten der Verständigung durchaus geneigt. Die Sache wurde beigelegt, und das Duell unterblieb.
* Kind eropf er für den Wodukult. Der Wodukult, jene Kette von geheimnisvollen Religionsbräuchen, die nach der Aussage verschiedener Landeskenner in der Opferung eines Kindes zu gipfeln scheint, beschränkt sich keineswegs auf die Negcrrepublik Haiti, sondern hat auch unter den Schwarzen und sogar auch unter vielen Weißen oder Mischlingen auf Kuba ihre geheimen Anhänger. Die Zeitungen voi; Havanna lenken jetzt mit allem Nachdruck die Aufmerksamkeit der Behörden auf das Wicderaus- tauchen der alten Hexen-Zeremonien, im Zusammenhang mit denen in Haiti sich Kindesopfer ereigneten. Allem Anschein nach suchen die schwarzen Geistesbeschwörcr jetzt nach einem neuen Opfer, und man warüt die Eltern in Stadt und Land, intf ihre Kleinen acht zu haben. In Los Cocos ist ein Kind nnr durch die Nn- erschrockenheit der Mutter gerettet worden, die kurz entschlossen mit dem Gewehre des abwesenden Gatten auf die „Brujos", die Priester des Wodukults, schoß. In Pelton konnte durch den Vater ein Kind aus den Händen der Priester gerettet werden, als es. bereits aus der Wiege entwendet war. In der Nähe von Batabano ließen die von den Landleuten verfolgten Hexenmeister auf der Flucht int Gebüsch ein kleines Kind zurück. Auf dem Lande mehren sich die Anzeichen von dein Wiedererstehen des' alten Zanberkultes und aus verschiedenen Gegenden lanfen Nachrichten ein, die den Behörden eine Warnung sind.
— Prittz Emil von S ch o e n a i ch-C a r o l a t h. Vost Dr. Lorenz Krapp. Max Hesses Volksbücherei Nr. 481—482.. (Moderne Lyriker. IV.) Mit des Dichters Bildnis. Leipzig, Max Hesses Verlag. Brosch. 40 Pf. In Leinenband 80 Pfg< In der als geschlossene Gruppe in Max Hesses Volksbücherei erscheinenden Biographien-Sammlung „Moderne Lyriker", die bereits wertvolle kritische Einführungen in die Kunst und das Leben Detlev v. Liliencrons, Martin Greifs und Richard Tehutels gebracht hat, und deren ganz besonderer Wert in der Aufnahme zahlreicher, charakteristischer Gedichtproben besteht,, ist soeben ,eine eingehende, liebevolle Würdigung des künstlerischen Schaffens Prinz Emil von Schoenaich-Carolaths von Dr. Lorenz Krapps erschienen. Der kürzlich verstorbene Dichter ist als eine besonders markante Persönlichkeit der letzten Lyriker-Generationen bekannt. Sein Schaffen, dessen Anfänge noch den Einfluß Byronschen Geistes verraten, ist im Grunde echt deutsch, warmherzig und von vollS- tünckicher Schlichtheit und Gemütstiefe. Daneben spricht der faustische Drang nach Lösung der Lebensrätsel aus stark lciden- schaftlichcn, gedankentiefen Versen. Die Frucht seiner Lebenskämpfe aber ist eine echte, ergreifende Frömmigkeit, die seine letzten Lieder in reinen Harmonien ausklingen läßt. Die vor- licaende Monographie Dr. Krapps darf als eine wohlgelungene Einführung in die Geisteswelt des Dichters angescheit iverden, um so mehr als auch in diesem Bändchen der Künstler selbst in zahlreichen Probe;: seiner Gedichte und aus seinen Prosaschriften zu Worte kommt.
An- und Einsichten.
Die öffentliche Meinung tirteilt nicht, sie verurteilt oder ver- himmelt. * Georg v. Oertzen.
Begeisterung ist alles! Gib einem Menschen alle Gaben der Erde und nimm ihm die Fähigkeit der Begeisterung, und du ver- dauuust ihn zum ewigen Tod. A. Wilbraudt.
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Freiwillige Enthaltsamkeit und Mäßigung sind das sicherste Verivahrungsmittel gegen Ueberdruß und Erschlaffung. Wieland.
Der Hochmut des Wissens ist dort zu Hause, wo eine beschränkte, einseitige und engherzige Richtung vorherrscht. E. Curtius.
Charade.
Erstes — gibt dir jeder gerne, ob ehrlich und weise bczweifl' ich.
8weites — in Holz und Gestein hebt es sich über dir.
uchst du das Ganze? Bedeutend steht es in Städten und Dörfern, Aber beherrschend die Welt stand es nur einmal in Rom.
Auflösung in nächster Nnmmer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Glänzendes Elend.
Redaktion: E. Anderson. — Nomtionsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


