Ausgabe 
17.8.1908
 
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vegetarische Kost, die einer Ueberernährung und einer Verdickung des Mutes nicht günstig sein konnte. Sicher hat auch bei allett eiue gewisse gleichmäßige Körperbewegung (Hantierungen im Be­ruf, regelmäßige Spaziergänge usw.) nur günstig eingewirkt. Ei­gentliche Alkoholiker finden wir nicht unter ihnen. Der geringe Alkoholgennß (Bier) ohne gelegentliche Exzesse scheint tatsächlich ohne ernste Beschädigungen gewesen zu sein. Eher konnte man in einzelnen Fällen eine schädliche Einwirkung reichlichen Tabak- gennsses auf Nervensystem und Zirkulationsgewebe erwarten. Wenn man aber nicht die Vermutung hegen will, daß ohne diesen Genuß die Gesundheit noch gefestigter gewesen wäre, so muß man annehmen, daß bei gewissen Naturen ein mäßiger Tabak­genuß nicht über die Rolle eines Stimulans hinausgeht, als welches er ja auch von den meisten ge- und mißbraucht wird. Vom Standpunkt mancher modernen Genußmenschen ist das herzlich wenig. Aber die Zeit ist nicht mehr fern, wo es dem nivellierenden Einfluß weiterer Erfahrungen gelingen wird, die bisherigen Anschauungen über den Wert einer sürkräftig" an­gesehenen, stickstoffreichen Ernährung und die bisherigen Stimu- lantien im Verein mit den mannigfachen Auswüchsen des Sports und der Körperpflege wesentlich zu modifizieren, so daß die Le­bensweise die meisten Chancen für ein hohes Alter bieten dürfte, die sich von der geschilderten Art nicht allzuweit entfernt." Vielleicht gehen auch diese Schlußfolgerungen schon zu weit. Fin­den wir doch auch in Städten eine recht große Zahl sehr hoch>- betagter Greise und ist gerade die Zahl der Langlebigen nicht ge­ring, deren Leben reich war an großen Gemütsbewegungen, an Tätigkeiten und Ereignissen, die aus Körper und Geist höchst (ti> spannend wirken mußten, deren Lebensführung z. T. auch keines­wegs so einfach war, wie die der Meyerschen Beispiele. Es sei z. B. erinnert an Goethe, Alexander v. Humboldt, Wilhelm I., Leopold v. Ranke, Mommsen, Menzel, Wilh. Jordan, nnd an die beiden Berliner Kollegen von Dr. Meyer, die es Noch heute Mit manchem Jüngeren am Kneiptische ausnehmen, Friedrich Körte und Paul Langerhans.

* Reinigung des Obstes. Nur wenige bedenken, daß daS Obstessen im Sinne der Hygiene eine Kunst ist, die gelernt sein will. Es ist eine leider nicht hinreichend gewürdigte Tat­sache, daß rohes Obst an seiner Oberfläche allerlei Krankheitskeime trägt; wahrscheinlich kommen sie durch die Berührung mit unreinen Händen, vielleicht auch durch Fliegen und andere Insekten auf das Obst. Mau muß daher mit der Möglichkeit rechnen, daß der Genuß derartigen Obstes gesundheitsschädlich wirkt. Ob diese Gefahr sehr groß ist oder nicht, kann dahingestellt bleiben; jeden­falls besteht sie, und manche Störung im Bereiche der Ver- dauuugsorganc zur Sommerzeit mag darauf zurückzuführen sein. Deshalb und nicht minder aus ästhetischen Gründen sollte rohes Obst vor dem Genüsse stets gereinigt werden. Man achte nur einmal darauf, in welchem nichts weniger als sauberen Zustande man das Obst erhält. An den klebrigen Früchten haften Schmutz, Ruß, Staub und andere oft nicht definierbare Partikelchen, und trotzdem denken die wenigsten daran, diese unappetitlichen und leider oft auch bazillenhaltigen Stoffe abzuwaschen. Frisches Obst sollte mindestens einmal gründlich gewaschen werden, am besten unter fließendem Wasser, wobei man es zweckmäßig etwas durch­einander schüttelt. Hat das Obst bereits längere Zeit gelegen, so daß etwa vorhandene Keime bereits fester haften, so empfiehlt es sich, zwei- bis dreimal zu waschen. Allzu energisches Waschen beeinträchtigt allerdings das Aroma und damit den Geschmack mancher Obstsorten. Man soll übrigens nur die zum immittel­baren Genüsse bestimmten Früchte waschen, weil lange naß ge­haltenes Obst leicht schimmelt und dadurch ungenießbar wird. Birnen, Aepfel, Aprikosen, Pfirsiche sollten stets geschält werden. Feinschmecker wollen freilich die Schale nicht missen; nach ihrer Ansicht ist gerade das unmittelbar unter der Schale gelegene Fruchtfleisch am saftigsten. In diesem Falle sollte man die Früchte mit einem sauberen, trockenen Lappen abreibeN und dann' einmal in fließendem Wasser abspülen. Dabei werden etwa an­haftende fremde Stoffe in ausreichendem Maße entfernt. Ueber- ängstliche. Menschenkinder werden bei der allenthalben herrschen­den Bazillenfurcht damit vielleicht nicht zufrieden fein; indessen man soll in dem Bestreben, nach den Gesetzen der Hygiene zn leben, auch wieder nicht zu weit gehen. Wer in dem angedeuteteU Sinn Reinlichkeit beobachtet, darf sich unbesorgt an bett duftenden Gaben Pomonas laben.

* Der Hunger als Heilmittel. Alle Krankheiten tonnen durch Hunger geheilt werden. Das ist der Kern der Heilmethode des Professor Carrington, eines der bekanntesten Physiologen der Vereinigten Staaten. In der Revue wird die Theorie des amerikanischen Gelehrten kurz skizziert. Nach ihm ent- steheit alle krankhaften Störungen, wie verschieden ihre Aeuße- rungen und Formen auch sein mögen, vom Standpunkt der Aethiologie aus den gleichen Ursachen. Mit Ausnahme von äußeren Verletzungen und dem Starrkrampf entstehen die Krank­heiten dadurch, daß Substanzen im Organismus zurückbleiben, die sonst auf natürlichem Wege ausgesondert werden. Gerade die Krankheit ist nichts anderes als ein künstlicher Ausweg, bett die Krankheitsstoffe sich suchen. Nun gibt es nur zwei Arten, in

denen Unreinheiten in den Körper einbringen können: entwebev durch die Lungen und durch das Einatnten verseuchter Lust oder durch den Magen, durch den Genuß schädlicher Speisen ober Ge­tränke. Man muß also den Magen und die Lungen von den Krankheitskeimen sich selbst befreien lassen. Alles was wir Krank­heit nennen, ist nichts anderes als ein derartiger Reinigungs­prozeß. Es ist ein Fehler, zu glauben, daß man eine Krankheit mit pharmazeutischen Mitteln bekämpfen muß. Es genügt, nicht in den natürlichen Reinigungsprozeß einzugreifen und die Zufuhr neuer Krankheitsstoffe zu unterbinden. Man vermeidet also die Möglichkeiten, schlechte Lust einzuatmen und fastet. Aber Pro­fessor Carrington ist nicht für eine partielle Diät; der Patient soll nicht etwa nur seine Mahlzeiten einschränken ober gewisse Mahlzeiten fallen lassen. Der amerikanische Arzt verlangt von den Kranken, baß sie jede Nahrungszufuhr vermeiben, bis die Krankheitsursachen geschwunden sind. Er muß also auch unter Umständen der Pein bes Hungers ins Gesicht sehen können.. Der Erfolg der Kur zeigt sich allmählich. Der Druck am Kopfe/ der in der Regel alle vom Magen ausgehenden Leiben begleitet/ schwinbet; bie Sehkraft stärkt sich unb die Gebankentäügkeit steigert sich. Ost kann sich bie Hungerkur auf wenige Tage beschränken/ aber sie richtet sich jeweils nach dem Grad der krankhaften Störung/ die die Organe erlitten haben. Professor Carrington steht aus dem Standpunkt, daß die Nahrungszufuhr weder Wärme noch Lebens­energie spendet, sondern nur die Zellengewebe erneuert. Zudem essen bie meisten Menschen zu viel, womit sie nichts anderes erreichen, als bie Verbauungstätigkeit zu stören und zu er­schweren. Es kommt also darauf an, die Verbauungsorgane zu Befreien, kurz: zu hungern.

Für und wider die Frauen.

Um mit Würbe eine Frau zu heiraten, muß man stets doppelt so viel Gestliidheit, Kraft und Entgegenkomnteu haben, als absolut notwendig ist. Montegazza.

*

Die Vernunft der Frauen ist eine praktische; mit ihr finden sie sehr geschickt die Mittel, um zu einem bekannten Ziel zu ge­langen, aber sie genügt nicht, dieses Ziel selbst zu entdecken.

Rottsseau.

Goldene Worte.

Nacht flieht, der krause Dunst der Berge fällt Und schmilzt zu Gold, und Licht erweckt die Welt! Ein netter Tag schwellt bie Vergangenheit, Ein neuer Schritt ans Ende tmfrer Zeit;

Nur bie Natur steht neugeboren auf;

Die Erbe lebt, bie Sonn' eilt ihren Lauf, Im Strom ist Frische, Glanz im Morgenstrahl, Labsal im Winde, Blumenduft im Tal. Gottgleicher Mensch, sieh diesen Glorienschein Der Dinge au und juble: sie sind dein!

__________ Byron.

Aptzorisnren.

Von Professor Dr. August Pauly.

Häufig löscht der Wind der Meinungen bas Licht wieder aus, bas die Döahrheit in einem Kopf angesteckt hat.

*

Der Wunsch ist der Vater be§, Gedankens; unter feinen Kin­dern befindet sich aber auch bie Lüge.

*

Daß milde Worte stärker finb als harte, sollten wir un5 immer vor Augen halten.

*

Unser bester Trost in allein Unglück, mag es die Seele noch so lief treffen, finb unsere Augen. Dieser weltbetrachtende Sinn läßt uns nach jeder Verfinsterung, die irgend ein Verlttst attf unser Gemüt wirft, wieder ein Paradies um uns erschauen.

*

Einen Sternenhimmel habet: wir außer tms und einen andern in uns; eine Unendlichkeit außen, bie andere innen.

Rätsel.

Mit W ist eS meist Schein unb Trug, Mit K es attf dem Wasser fttch'.

Mit B sei's glatt dir stets unb eben, Mit H kaitns guten Braten geben. Mit Z bient es zu manchen Zwecken, Kamt tnanchen Schmerz dir auch erwecken. Mit I nennts fchließlich einen Mann, Der dir als Vorbild bienen kann.

N.-W. Bhd.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Blttmenrätsels in voriger Nummer: Chrysattthemu m.

Redaktion: P. Will ko. Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'schev ÜniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,