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Verzierungen versehen. Das Podium mit blauem Vorhang wurde in grüner Farbe gehalten, die daselbst befindlichen Fenster haben gelbe Vorhänge, die eine freundliche Stimmung geben. Das Lesezimmer mit kleinem Erkersitzplatz zeigt eine einfache Möblierung in brauner Farbe. Der Bücherschrank mit ländlicher Musterbibliothek wurde eingebaut, die Wände erhielten eine Bespannung mit Jdeal- tapete (venezianischen Papiermatten) in granem Tone. Ein anschließender kleiner Raum dient zur Aufbewahrung der Turngeräte, ein kleiner Turnplatz befindet sich hinter dem Hause. Vom zweiten Haupteingang aus, der wie der erste als offene Säulenvorhalle mit violetten Wandplatten, grünlichen Wandflächen, rotem Plattenboden, dem graugelben Putz und Sandstein und den Blumen mit ihrem lebhaften Krün und Rot eine gelungene Farbstimmung aufweist, gelangt man in den Borraum ftir die Bäder und das Treppenhaus. Ein kleiner, mit abwaschbarer Tapete bekleideter Borraum dient als Ankleidezimmer, dem sich ein geräumiger Duschraum mit Einzelzellen anschließt. Die durch Holzwände mit weißem Anstrich getrennten Zellen find mit Vorhängen versehen, die Wände und der Fußboden find mit weißen Plättchen belegt. Jede Zelle hat kalte und' warme Duschvorrichtung; die Bereitung des warmen Wassers geschieht durch einen Gasofen, von dem auch das neben dem Ankleideraum angelegte Einzelbadezimmer versorgt wird. Die Anlage derartiger Badgelegenheiten im Gemeindehaus ist sehr erwünscht; in vielen kleinen Fabrikstädten richten die Fabriken Bäder für ihre Arbeiter ein; die Verlegung dieser Badeanlagen ins Gemeindehaus würde der Allgemeinheit zunutze kommen. Der obere Stock des Ausstellungsgemeindehauses birgt die Räume der Frauenabteilung, die hinaufführende Treppe ist mit Steinholz belegt, ebenso der Korridor im Obergeschoß.
Man betritt zunächst die Kochküche, die dem Kochunterricht auf deut Lande dienen soll und geräumig und hell angelegt wurde. Ein sog. WcMierkochherd sowie verschiedene Kochkistensysteme sind nebst allem sonstigen Küchen- mobiliar aufgestellt. IN der Speisekammer steht ein Eisschrank von Fink-Asperg, in sinngemäßen, einfachen Formen ausgebildet, im Gegensatz zu den sonst üblichen geschmacklosen Eisschränken, die" wir in den meisten Wohnungen sehen. Die Küche ist mit Plättchen belegt, der Korridor, der Treppenbelag und Fußboden des Abortes ist als Steinholzboden hergestcllt.
Eine „Charlottenpflege" enthält allerlei Kranken- Utensilien, Badewannen, Krankenbett usw., die den Ortschaftsbewohnern zur Verfügung stehen. Es schließt sich ein freundliches Schwesterwohnzimmer mit kleinem Schlafraum an. Ersteres ist tapeziert, letzteres mit blauer Leinwand bespannt.. Das Mobiliar des Wohnzimmers wurde ländlich gehalten, ohne daß Anklänge an eine bestimmte Stilrichtung gesucht wurden. Die dunkelbraune Farbe der Möbel stimmt mit oem Grün des Kachelofens und den Farben von Teppich und. Sofabezug trefflich zusammen; der Schlafraum zeigt weiße Möbel, die mit der blauen Wandbespannung fein harmonieren. Beide Räume machen einen überaus behaglichen Eindruck. Ein kleines Dorfmufeum dient der Erhaltung von Altertümern des Ortes und soll auch besonders interessante Stücke örtlichen Gewerbefleißes beherbergen. Der Fußboden dieses Raumes besteht aus den sehr harten amerikanischen Ahornriemen, die schiffsbodenartig verlegt sind.
Für den Frauenverein ist ein größerer Raum vorgesehen, der während der Ausstellung Fröbelsche Arbeiten und einen Nähkurs des Schwäbischen Frauenvereins ausgenommen hat. Der Boden des, Raumes besteht aus rotgefärbtem Estrichgips. Ein gemütlicher Sitzplatz vor dem Raume ladet zum Ausruhen ein, die Bühnentreppe führt vom Korridor aus den geräumigen Trockenboden.
Die Decke über dem Erdgeschoß ist schallsicher nach System Abel hergestellt. Das Dach ist in dem hervorragenden Material der Aktienziegelei Waiblingen vortrefflich eingedeckt, was besonders an deni Türmchen und den Dachgauben zum Ausdruck kommt. Sämtliche Dachziegel sind nicht ausgesucht schöne Steine, sondern Durchschnittsmaterial. Das ganze Gerippe des Hauses ist solid in Fachwerk konstruiert, so daß es an anderer Stelle neu aufgebaut und ausgemauert werden kann. Die Beleuchtung ist elektrisch angenommen, doch könnte auch jede andere Art Verwendung finden. Das Haus zeigt in vorzüglicher Weise den Typus dieser neuen Gebändeart, die in erster Linie berufen
ist, vorbildlich für ländliche Bauweise zu wirken und gesunden Geschmack für einfach Schönes unter der Bevölkerung zu wecken.
Hinter dem Hause ist ein kleiner Turnplatz angelegt, der eine Anzahl moderner Turngeräte aufweist. Der ganze Bau zeigt durch die praktische Raumausnützung, welch vielseitige Verwendungsmöglichkeit ein solches Gebäude bietet.
__________ A. B.
VsrmZschtss.
* Ein Kreuzzug gegen den Feminismus. Amerika gilt mit Recht als das ideale Laud der Frauenrechtlerinnen. In allen Staaten der Union genießt die Frau in der Gesellschaft Rechte, die im alten Europa die Frauen selbst in ihren kühnsten Träumen nicht zu erhoffen wagen, und in vier Staaten hat sie sogar das aktive und das passive Wahlrecht. Nun eröffnet Professor G. Stanley-Hall mit flammenden Worten den' Kreuzzug gegen das geistige „Viragonentum" der modernen Frau, In den Artikeln, die er in den Zeitungen veröffentlicht, bekämpft er besonders die Herrschaft der Frau in der Schule, die ihm als der Anfang vom Ende der amerikanischen Gesellschaft erscheint. Stanley-Hall versichert, daß 75 v. H. der amerikanischen Lehrkräfte, in manchen Gegenden sogar 90 v. H., Frauen find; von diesen Lehrerinnen geben jährlich etwa 25 v. H. ihren Beruf auf/ um sich zu verheiraten. Die Folge ist ein ewiges Fluktuieren von kommenden und gehenden Schuldamen; die Lehrerinnen haben kaum Zeit, sich richtig einzuleben und Erfahrungen zu sammeln. Am meisten geschädigt werden dadurch die Schulkinder, die von einer Hand in die andere gehen und sozusagen zu einem Rohstoff für pädagogische Experimente von Anfängerinnen werden. Verschlechtert hat sich auch infolge der Vorherrschaft der Frau die Schuldisziplin. Unberechenbaren Schaden habe die sogenannte gemischte Erziehung gestiftet: bei Knaben, die mit Mädchen zusammen erzogen werden, könne eine kräftige Männlichkeit gar nicht zur Entwickelung kommen; eine solche Erziehung mache sie iw sexueller Hinsicht indifferent und lau und nehme den Beziehungen zwischen den beiden Geschlechtern jeden Dust und jeden Zauber, Der Schule und mir der Schule verdanke, Amerika das Weiber- regiment in der Familie und im öffentlichen Leb'eN. In der Fan.iilie seien, die Frau, die Schwestern, die Töchter die Ty-- ranninnen; der Mann aber spiele stets nur die Rolle des Geld- schaffers und des „Cavaliere servente". In der Literatur, in der Kunst, aus der Bühne — überall nehme man nur Rücksicht auf den Geschmack der Frau, da schon in den Schulen,als Grundregel gelehrt werde: „Never eontradiet a lady"; die Literatur sei geschlechtlos geworden; in der Kunst, in der Architektur fehlten! die starken, monumentalen Gedanken; das Nackte werde in geradezu lächerlicher Weise bekämpft. Den bemitleidenswert törichten Forderungen der Mäßigkeitsdamen gegenüber streckte selbst der Kongreß die Massen, indem er die Militärkantinen abschaffte. Der übertriebene Feminismus, der in Amerika herrsche, habe mit wirklichem Fortschritt nichts zu tun und sei ein Schaden und emd Schande für die ganze Nation. Eine gewisse Berechtigung wird mau den kühnen Angriffen des amerikanischen Professors nicht absprechen Kirnten. . ,
* Kindermund. Eine Dame ans erneut ober- hessischen Städtchen schreibt uns: .
Ter kleine 5 jährige Friedrich hat öfter von Milchzahnen reden hören. Eines Tages, als er mit seinen Eltern beim Nachmittagskaffee sitzt, bittet er, die Mutter möge ihm' doch auch Kaffee! einschenken. bekommt aber zur Antwort, kleine Jungen durften keinen Kaffee, er müsse Milch trinken. Ta meint der kleine Friedrich hoffnungsvoll: „Aber Mutter, wenn ich erst meine Kaffeezähne habe, dann bekomme ich doch auch Kaffee? '
Gesundheitspflege.
— II e 6 e r b i e Vorbedingungen der Langlebigkeit plaudert Dr. Max Meyer-Bernstadt in der „Bert. Mm, Wochenschr.". Dr. Meyer, der selbst schon die Siebzig überschritten hat, hält Umschau unter den Alten des, sächsischen Landbezirw, in dem er seit mehreren Jahrzehnten die ärztliche Praxis, ans- übt, Männer und Frauen von über achtzig und über neunzig tn großer Zahl. Ausführlich schildert er einen Besuch bei dem ehemaligen Weber Gottfried Apelt in Reichenau, der nächstens seinen 103. Geburtstag feiert. Meyer will ans den mttgetetlten Lebensgeschichten keine zwingenden Schlußfolgerungen ziehender findet aber bei allen mancherlei Gemeinsames, dem eine Bedeutung! nicht abzuerkennen sein dürfte. Zunächst haben sämtliche. Persönlichkeiten ihr ganzes Leben fast ausschließlich in erneut mittleren Gebirgsklima mit häutigem Wechsel der Temperatur, der Windrichtung und der Niederschläge verbracht. SodanN ist allen eigen eine heiter-phlegmatische Gemütsverfassung, die mit ihrem Schicksal zufrieden in beschaulicher Ruhe dahinlebt — em Erbteil der passiven Menschenrasse. Impulsive Naturen mit cholerischen Neigungen finden sich ebensowenig unter ihnen wie seelisch deprimierte. Der Umstand, daß allen mehr oder weniger etrt kräftiges Knochengerüst mit geräumigen Körperhöhlen verliehen par, sei sicher nicht zufällig. Auffallend ist Pie vorherrschen«


