Ausgabe 
17.8.1908
 
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Sie sollen ihn nicht haben!

.Novelle aus der Zeit der MenbahnsurK., Vost Johannes Proelß.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Die drei Zuhörer lauschten gespannt. Werner trat hinter den Stuhl seiner Frau. »Die Not macht« diese tapferen Wasseü- baumeister erfinderisch. Man trat der Flut des Meeres, die nie ein Bauen Stein an Stein geduldet hätte, mit Wällen entgegen, die man Mr Zeit der Ebbe weit draußen im Strandwasser in kürzester Zeit herstellte! Durch Aufschütten von einer unge­heueren Menge von Steinen rind Felsblöcken in der ins Auge gc- faßtest Richtung! Ganze Flotten von Lastschiffen, mit Steinen beladen, nahmen dafür entsprechende Aufstellung. Um ein festes Fundament zu schaffen, wurden vorher einige der Schiffe angtz- bohrt und der Länge nach auf der Strecke versenkt."

Und so Meinst du", nahm Werner eifrig den Gedanken auf,wir könnten auch hier im Rhein das Kunststück des Teufels stachahinen, und in einer Nacht den Stauwall gegen Biebrich aufführen?"Das wäre ja großartig!" rief seine Frau ganz begeistert,und du wärst aller Sorge enthoben! Wie jetzt die Stimmung des Ministers ist, wird er! zu dem! Vorschlag nicht Nein! sagen. Er war so ungehalten bei seiner letzten Anwesen­heit! Arnold faßte schon den Gedanken, um seine Versetzung zu bitten, llnb ich würde so ungern das lustige Mainz verlassen!"

Es wäre freilich! das äußerste Mittel", sptach Warner nach? benklich vor sich hin.Aber anwendcn ließe es sich! Freilich, freilich wie treiben wir so viel Schiffe auf? Und dann wie bringen wir sie des Nachts an das Ziel, ohne den Zweck zu verraten? Die Schiffbrücke ist stets militärisch bewacht und ohne Zustimmung des Gouvernements wird kein .Schiff dur.chr- gelassen. . ."

Laß doch die Bedenken jetzt, Mann!" unterbrach ihn leb­haft Frau Lotte.Für heute wollen wir uns an der Idee be­rauschen!" Sie ergriff ihr Weinglas und hielt es dem fröhlich lachenden Hell hin.Dein Wohl, Schwager! Und Käthe, dir gratuliere ich heute noch einmal zu deiner Wähl! Arnold, auf fröhliches Gelingen des Staudamms!" Alle stießen an.Und dann singen wir in Mainz das Rheinlied in einem neuen Sinn inbezug auf den Stromgang des Rheins: Sie sollen ihn nicht haben!" .

II.

Fünf Monate waren ins Land gegangen seit jenem sonnigen Septembertage, an welchem wir Fritz Hell hofsnungssvoh und unternehmungslustig zurückkehren sahen, auf den Boden der Heimat in die Arme seiner Braut. Tie Politik des Fürsten Metternich! hatte in dieser Winterzeit einen vollen Triumph erlebt. , Es herrschte Frieden in der Welt. In Frankreich hatte das kriegs­lustige Ministerium Thiers einem friedfertigeren weichen müssen. Tas Becker'sche Rheinlied hatte aufgehört, ein Trutzlied zu sein; es wurde zum Spottlied auf die prahlerische Ruhmredigkeit des kleinen Monsieur Thiers, und in den Maskenzügen des Kärnevals

zu Mainz und Köln fehlte es im Jahre 184! nicht an Anspielungen, die zu dem Spotte lustige Illustrationen gaben. Aber auch Friedrich Wilhelm IV. sprach nicht mehr von dertagenden! neuen Zeit", sondern von seinem ihm angestgMmten Recht, in landesväterlicher Selbstherrlichkeit zu regieren. DieBier Fragen eines Ostpreußen" waren eben erschienen und hatten den König in höchsten Zorn versetzt; er stand im Begriff, die Zensur wieder in alter Strenge walten zu lassen. Die Reaktion des Mindest tags auf die Baterlandsüegeisterung des deutschen Volkes war im Zuge. Wohl beschränkte sie sich noch auf Beratungen und Be­schlüsse in den Geheimkabinetten, auf Handlungen, deren Zwecks im Dunklen blieben, und die ersten Anzeichen vermochten nicht die Hoffnungsseligkeit der Patrioten zu trüben, mit der sie am Schlüsse dieses Winters dem Frühling entgegengingen.

Der Frühling brach äm Jahre 184! zeitig an. Schon der Fe­bruar brachte milde Witterung ; Tauwetter und Eisgang nahmen einen glatten Verlauf. So konnten denn schon um die Mitte des Monats die Pontons der Brücke zwischen Mainz und Castel gestellt werden. Am zwanzigsten eröffnete sowohl die Düssel­dorfer wie die Kölner Dampfschiffahrtsgesellschaft den Tamvser- verkehr nach Mainz. Der Karneval Fastnacht fiel auf den dreiundzwanzigsten verlief bei schönstem Wetter. Stromab, von Mannheim her, war in der letzten Februarwoche auch die Lastschiffahrt in vollem Gang.

Ganz ungewöhnlich war zu dieser Zeit im Hafen von Mainz die Ansammlung von großen Lastschiffen, die alle mit Sandstein-, guaderu hock), beladen waren. Auch gegenüber am Ausfluß des Mains trafen solche Schiffe ein und gingen dort vor Anker. Doch erklärte sich diese Ansammlung leicht: die Bäuarbeiten ank Kölner Tom waren nach der kalten Zeit wieder aufgenominen worden; die Steine auf den Neckar-,' Main- und Rheinschiffen mochte;: wohl Baumaterial sein für den Tom, das aus beut' Odenwald herunterkam und aus bett Bergen der Pfalz. _

lieber die wirkliche Bestimmung all dieser Schiffe herrschte bei den wenigen Eingeweihten außerhalb des amtlichen Verkehrs tiefstes Schweigen. Der Handstreich, der beni Biebricher Fang- dämm im Rhein einen Staudamm von hessischer Seite im Dunkel der Nacht entgegensetzen sollte, war wirklich vorbereitet worden. Tie Nacht vom 28. Februar zum' ! März war dazu ausersehen. Schon war in Mainz die Aschermittwochstille dem fröhlichen Lärm' des Kärnevals gefolgt und von allen, die an dem tollen Masken^ treiben in Straßen und Sälen teilgenommen hatten, ahnte bis, auf drei, vier Ausnahmen niemand, daß der verwegenste Fast-. Nachtsspaß des Jahres dem goldenen Mainz noch bevorstand.

Es war am Vormittag des Samstags vor jenem Sonn­tag, in dessen späten Abendstunden die große Schiffsaktion ins Werk gesetzt werden sollte, als der Regierungsbaumeister Werner erwartungsvoll und doch wohlgemut in Darmstadt im Spreche zimmer Seiner Exzellenz des Ministers du Thil saß.

Die Idee, die sein Schwager Fritz Hell am Abend seiner Heimkehr aus Belgien wie im Uebermüt ihm zugeworfen hatte, war von dieser Stunde an von ihm selbst nicht aus den Augen, gelassen worden, und mit Eifer hatte er sich daran gemacht, einest Plait zu ihrer Verwirklichung anszuarbeiten, Seist Schwager^