Ausgabe 
17.6.1908
 
Einzelbild herunterladen

372

hörigen Kornfort, als da sind Spiegel, elektrische Brerrn- scheren, Kleiderschränke und Schminkkästen ausstatten. Von einer» Theater zum andern jagte die unermüdliche Künst­lerin rrrrd zog sich unterivegs mit Hilfe ihrer Garderoben­frau um.

* Feminismus und Geistes kra n kh e it. Der bekannte finnische Psychiater Onni Granholm will jetzt einen kausalen Zusammenhang zwischen Feminismus und Geisteskrankheit feststellen. Finnland ist, wie bekannt, das Land, in dem sich die Frauenbewegung zur höchsten Blüte entfaltet hat. Die Frauen genießen dort die größten Rechte und sind den Herren der Schöpfung völlig gleichgestellt. Mcht allein, daß sie jedes Amt im Staate bekleiden dürfen, sie besitzen auch das aktive und passive Parlamentswahl­recht. Nun hat Onni Granholnr statistisch nachweisen können, daß in jenen Städten, in denen am meisten Frauen­rechtlerinnen sind, auch das Zunehmen von Geisteskrank­heiten zu konstatieren ist. So ist z. B. die Stadt Nurmes dafür bekannt, daß in ihr seit 1900 die Zahl der Irrsinnigen in erschreckender Weise zugenommen hat. Auf 12 000 Ein­wohner kommen in der genannten Stadt 67 Geisteskranke. Und gerade in Nurmes habe die Frauenemanzipation ihre eifrigsten Vertreterinnen. Der genannte Gelehrte zieht dar- aus den Schluß, daß politische Krisen und soziale Stürme auf die Bewohner kleiner Städte einen schädlichen Einfluß äusüben und das Familienleben sowie die geistige Ent­wicklung der Jugend beeinträchtigen.

* (Sin Advokatenhonorar. Rufus Isaacs ist der englische Advokat, der besser als alle anderen die Bedeutung des, AusdrucksReden ist Gold" kennt. Fedes Wort, das er iu einer seiner Verteidigungsreden sagt, wird ihm mit einem Häufchen Gold bezahlt. In dem Prozeß, der nach dem Erdbeben auf Jamaika gegen die Versicherungsgesell­schaftLondon and Lancashire" angestrengt wurde, zahlte ihm die von ihm verteidigte Gesellschaft 60 000 Mk. Honorar; dazu kamen aber noch Tagegelder im Betrage von 4000 Mk. pro Tag. Da nun der Prozeß 21 Tage gedauert hat, konnte so lesen wir imCri de Paris" Herr Rufus Isaacs 144 000 Mk. Anwaltshonorar einziehen.

* Die Suche nach Ohm Krügers Millionen. Das Suchen nach verlorenen oder verborgenen Schätzen mag für phantastische Gemüter manche Reize bergen, aber tzs ist keineswegs so lohnend und gewinnbringend, wie dre Schreiber von Menteuerromanen es schildern. Die von dem Londoner Syndikat ausgerüstete Expedition, die vor einem Jahr auszog, um denverlorenen Schatz des Präsidenten Krüger" auszuspüren, hat das zu ihrem Schaden erfahren müssen. Nach langem Forschen und Suchen an den südafrikanischen Küsten haben sie jetzt so gut wie un­verrichteter Dinge die Heimfahrt nach England" angetreten, denn als Erfolg ihrer Bemühungen bringen sie nichts mit als einige ivenige Wertgegenstände und Porzellanwaren, dre zusammen kaum ausreichen werden, um die Kosten des Unternehmens auch nur halbwegs zu decken. DieAlfred Nebel", die hoffnungsvoll von London ausgezogen war, hat vergebens nach dem gescheiterten SegelschiffDorv- thea" geforscht, die angeblich bei ihren: Untergang an der Küste von Natal die Millionen Ohm Krügers mit in die Tiefe geführt hat. Nachdem alle Nachforschungen erfolglos blieben, steuerten die Schatzsucher nach Swakopmnnd in Suche nach dem Wrack desDunbeth". Allein hier mußten sie erfahren, daß, sie zu spät kamen, denn selbst die Kupfer­beschläge und die Takelage waren bereits von anderen Beutefreudigen gesichert. Allein dieser Teil der Exkursion kostete über 16 000 Mk. Dann wandte man sich zu dem Wrack des holländischen SchiffesMiddleburg", das in der Saldanha-Bai gesunken war. Hier war es, wo mau die geringwertige Porzellanladung sicherte, unter großen Be- miihungen und unter einem Zeitauftvand, der mit dem Werte des Fundes schließlich nicht in Einklang stand. Den eruzig praktischen Erfolg erzielten diese modernen Schatz­sucher dadurch, daß sie in Kapstadt ihr Schiff gegen eine Erntrittsgebühr von 50 Pfennig besichtigen ließen, und die Kavstädter taten ihr Bestes, die Enttäuschten eilt wenig zu entschädigen.

, us dem Gerichtssaal. Richter:Sie sind vor- 6a6n!' ? Angeklagter:Weil s' mich erwischt

Goldene Wort' iibev Erziehung.

. Spiele mit deinen Kindern! Ein schöner Rat denk,t du. Müuw soll rch die Zeit nehmen, um mit meinen Kindern zu spielen? Ich habe ,a kaum Zeit, um die nötigsten .Haus- arbeiten und dle dringendsteu Mutterpflichten zu erfüllen. Du hast gctotB recht, und ich verlange auch nicht, daß du stunden- laug mit deinen Kindern nutzlos heriimtändeln sollst. Aber ge- Egentlich erübrigst du doch einen Ailgenblick, ein Biertelstündchem Dp fmdest es auch oft genug zum Plaudern mit der Nachbarin.« Dieses Btcrtelstundchen widme hin und wieder deinen Kindern. Springe Mit ihnen heruni, singe mit ihnen, tanze den Ringel- Ehen mit und was sonst gerade von den Kindern gespielt wird/ Es, wie da die Gesichter deiner Kleinen mit einem Male strahlen! Welcheii Wert gewinnt das Spiel sich sie, wenn die Mutter dabei ist ! Wre dankbar sind sie dir dasiir, daß du dich zu jhnen herunter­neigst. Und ist deine Zeit heruni, so sage es itzeen, daß du nun wieder an die Arbeit inußt, iveil sie sonst Essen bekamen, oder weil Hans sonst mit der zerrissenen Hose und Liefe mit entern Loch im Strumpfe herumlaufen mußten. Tas werden sie verstehen, sie werden dich, mit Schmerzen zwar, ziehen lassen. Aber sie werde» sich schon jetzt freuen auf das nächste Mal, da du wieder zu ihnen sagst: Kvmmt, Mutter schelt mit: Ringel- ringelrvsen, schöne Aprikosen

Tat sollst Wort halten.- Du hast deinem Kinde versprochen, ihm etwas mitzubringen, tuen» du in die Stadt oder in, den Basar oder auf den Markt gehst. Teilt Kind wollte gern mitgehen, aber es paßte dir nichts und um die kleine Trängerin zti befriedigeil, gabst du ihr das Versprechen. Oder dein Kind mag die heutige Mittagsnmhlzeit nicht, und zunt Tröste ver­sprichst du ihm morgen seine Leibspeise.Was man versprocheit hat, muß man auch halten," so fordert unerbittlich meine kleine Fünfjährige ihr Recht, .wenn ich aus Vergeßlichkeit mein gegebenes Mort nicht gehalten habe. Und ich.beeile mich stets schnell, das. Versäumte, nachzuholen. Tenn es ist von großer Wichtigkeit, daß die Kinder daran gewöhnt werden, streng Wort zu halten. Tazn ist aber in erster Linie nötig, daß Mutter und Vater selbst dem , Kinde gegenüber streng Wort halten. Man denke nicht: es ist ja nur ein Kind, dem ich etwas versprochen habe, und bei einem Kinde braucht man es so genau nicht zu nehmen. Noch viel weniger darfst du aus Aerger darüber, daß du von beinern Kinde zur Ordnung gerufen wirst, dein Kind barsch und schroff znvückweisen. (Sin Kind hat ein feines Gefühl für Recht und Billigkeit. Lege Wert darauf, deinem Kinde dieses feine Ge-. fühl zu erhalten. <

Fortschritt.

Wenn wir der Weltgeschichte Gang betrachten, So sehen überall wir Licht und Dunkel, Wie Leid und Not der Menschen Glück uumachten, Wie Freude strahlt gleich Hellen: Sterngesttnkel, Wie sie int Wisseitsförtschritt Höh'n ersteigen. In trübem Wählt sich dann zur Tiefe neigen. Doch überschau'» das Ganze wir bis heute, Tann zeigt sich imS ein hoffnungsreiches Bild: Wir seh'», wie immer Segen aus deut Irrtum quittt lind frohe Andacht, wie bei Frühgelätlte, Füllt unsre Herzen. Ewig strahlt der Funkelt Ter Göttlichkeit im menschlichen Gelltüte Und führt mit Riesenmacht, tuemt wir gesunken. Zu neuer Höhen neu entspross'ner Blüte. So lvandeln wir at>f viel gennmbncit Wegen Doch immer einem größer» Ziel entgegen.

Was wir in schweren Kämpfen uns erringen, Stärkt uns und utacht die weitern Schritte leicht: Ans rechtem Wege schon liegt das Gelingen: Wer auf ihnt wandelt, hat ein Ziel erreicht.

Ang. Antmann.

Silbenrätsel.

Meili Erstes ist ein Harren, Sehne»,

Eilt Geben, Nehmen, Nippen, Koste». h.

Ma» glaubt tut Himmel sich z>t wählten. Alt wird sie mtb kamt doch nicht rosten.

Tie nächsten zivei sind hold unb rein, Es wird oft heiß mit sie gerungen.

Als manches Helden Sonnenscheilt

Sind sie im deutschen Lied besungen.

Die letzte finbft du auf dem Herde,

Sie schmeckt dem Kinde, nicht dem Zecher, ,vvs. tV Das Ganze ist auf hess'jcher Erde

Ter allerbeste Sorgenbrecher.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Abstrich-Rätsels in voriger Nummer: < Flieder Lieder Jeder Eder Der Er.

Redaktion: P. Wittko. Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckereß R. Lange, Gießen.