Ausgabe 
17.2.1908
 
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eilte krankhafte Schwäche der Entschlußfähigkeit vorüegt oder weil krankhafte Bedenken die Willeiisbetätigung zu­rückhalten. Hier helfen weder Zureden noch vorgeschriebene Hebungen, sondern nur die Vorschriften eines psychologisch gebildeten Arztes, die den Kranken gesund machen. Denn der Gesunde kann schließlich das, was er will.

* Die Heirats aussichten der Dienstmäd­chen. Daß von allen jungen Mädchen, die m einem Be­rufe stehen, die Dienstmädchen am begehrtesten fnr i le Ehe sind, sucht Marie Heller in der von ihr herausgegebenen Deutschen Dienstbotenzeitung durch folgende Zahlen nuv der preußischen Statistik zu beweisen: Es haben in Preußen im Jahre 1806 im ganzen 309 922 Frauen und Mädchen geheiratet, und von diesen waren es 6 8 468 Dienst­mädchen- 40431 von ihnen standen in den Städten tm Dienst und 28 037 auf dem Lande. Von je 100 Mädchen, die überhaupt geheiratet haben, ivaren also immer 22 Dienstmädchen. Das ist außerordentlich viel, und alle anderen Berufsklassen bleiben iveit hinter ihnen zuruck. So haben beispielsweise von den Schneiderinnen, die nach den Dienstmädchen die begehrtesten Ehefrauen sind, mir 30109, das sind 9 auf je 100, und von den Fabrikarbeite­rinnen gar nur 18115, nämlich 5 auf je 100 geheiratet. Und noch weniger günstig sieht es im Heiratsregister um solche Mädchen aus, die ihren Dienst in der Häuslichkeit ailfqeqeben haben, um Aufwartestellen anzunehmen, denn von ihnen sind nur 9349, also 3 von je 100 zur Ehe begehrt worden. Ganz schlecht aber steht es um die Ber- käuserinnen, Maschinenschreiberinnen, wie überhaupt alle im Handelsgewerbe beschäftigten Mädchen, denn von ihnen heiratete durchschnittlich nur eine einzige von je 100; im Jahre 1906 belief sich ihre ganze Eheliste auf die bescheidene Zahl von 5258.

* Der ssograp h". Der Feldzug gegen das Küssen, den einige ansteckungsängstliche Amerikaner vor kurzem begonnen haben, hat eine kluge Tochter des Briten­volkes, Miß Evans, zu einer seltsamen Erfindung angeregt; sie hat einen kleinen Apparat erfunden, einenKüssograph", der nicht allein den Vorzug absoluter Ungefährlichkeit hat, sondern auch einen genauen Ueberblick über die Zahl der empfangenen Zärtlichkeiten ermöglicht. Ursprünglich bestand Miß Evans' Erfindung in einem einfachen Papiere; der oder die Liebkosungswillige feuchtet die Lippen mit etivas Oel an und küßt dann das Blatt, das die Geliebte ihm hin- hält. Der Abdruck konnte dann als liebe Erinnerung in die Sammlung eingegliedert werden. Allein dies Verfahren zeigte seine Mängel. r Es ist nicht immer angenehm, sich die Lippen einzuölen, und zudem hat das auf dem Papier haftende Fett die unangenehme Eigenschaft, sich auszu­breiten; es blieb nicht immer ein genauer Abdruck der Lippen, sondern des öfteren ein unförmiger Fettfleck, der weniger an eine zarte Liebkosung erinnerte, sondern eher den Verdacht weckte, daß das Papier znm Einwickeln von Schinken benntzt worden war. Miß Evans empfand, daß dies Verfahren seine ästhetischen Schattenseiten hatte; aber sie ließ sich nicht entmutigen und ihrem Eifer ist es endlich gelungen, eine befriedigende Lösung zu finden. Soeben hat sie ihrenvervollkommneten Küssograph" patentieren lassen und die Händler von Kotillonscherzen bewerben sich eifrig um die Erfindung. Sie besteht aus einem anmutigen kleinen Album, in dessen einer Einbandseite ein kleines mit einer Art rosiger Tinte getränktes Kissen angebracht ist. Nachdem man mit den Lippen das Kissen leicht be­rührt hat, küßt man ein Albumblatt. Unter den rosigen Abdruck setzt man dann Unterschrift und Datum. So wird jeder Kuß registriert und gewissermaßen notariell beglau­bigt. Die reizendeu Königinnen des Flirts aber haben so die langentbehrte Möglichkeit, jederzeit die Liebkosungen nachzuprüfen, die ihnen erwiesen werden.

Literatur,

Kriegsgeschichten (Hausbücherei", Band 24 Novellenbuch Band 7). Verlag der Deutschen Dichter-Ge- dächtnis-Stiftuiig in Hamburg-Großborstcl. 177 Seiten. Preis gebunden 1 Mk. Kriegsgeschichten werden in taten­frohen Zeiten, wie die unsrige Zeit eine ist, gern gelesen.

Die Poesie des Krieges, die wir durch Detlev v. Sitten er on, der übrigens auch in diesem Buche vertreten ist, eigentlich erst entdeckt haben, ist die feierliche Schönheit, die überall entsteht, wo Menschen ihre äußerste körperliche, geistige und seelische Kraft restlos, mit Einsetzung des Lebens spie Kr lassen. Aus diesem Grunde wird die Lektüre künstlerisch wertvoller Kriegsgeschichten von allen arbeitsmutigen Men­schen geschätzt. Das vorliegende neueHausbuch" der Deut­schen Dichter-Gedächtnis-Stiftung erfüllt alle Ansprüche, die an einen solchen, geistige Erfrischung bietenden Lesestoff gestellt werden können. Das erste Stück, von Karl B e y e r, schildert einen Kampf auf der zugefrorenen Ostsee um das Jahr 1400. Darauf folgt eilte anekdotische Erzählung Heinrich von Kleists vom Tage der Schlacht von Jena. Dann folgen nach einer Erzählung aus dem russi­schen Winterfeldzuge Napoleons von W. von Conradi) Schilderungen von Zeitgenossen und Mitstreitern der Kriegs- ereignisse von 1870/71. Es sind Max von La Roche (Todesritt), D e t l e v v o n L i l i e n c r o n (Portepeefähnrich Schadius) und Theodor Fontane (Drei Kriegsgesangene). Die Sprache ist immer, dem harten Stoffe angemessen, dramatisch knapp und eindringlich. Besonders ist dies der Fall bei FontanesDrei Kriegsgefangene". Er berichtet darin nach den Erzählungen von Unteroffizieren, die noch unter dem frischen Eindrücke der Ereignisse standen. Diese schlichten Berichte sind wie das ganze Buch eilte Darstellung des unbewußten Heldentums einfacher Menschen, und sie machen das Werkchen zu einem prächtigen Volks- und Jngendbuche, das doch zugleich auch den höchsten An- sprüchen viel zu bieten vermag.

Für unsere Kinder.

In g e n d b t te r, Illustriertes Jugend- und Fa­milienblatt, herausgegebeii von K. Weitbrecht. 73. Jahr­gang 1908, Januarheft. Verlag von I. F. Steinkopf in Stuttgart. Vor uns liegt das Januarheft mit Kunstbei- lagen, vielen farbigen Bildern und einer Fülle von zuträg­lichem Lesestoff aus allen Wissensgebieten; so recht eine Lektüre, wie man sie für die Jugend wünschen kann.

Aphorismen eines Zeitgenossen Shakespeares.

Ans den Werken des englischen Dichters Thomas St)b (15681592). Ter achtet nicht des Rechts, wer je aiü Rache sinnt.

*

Tie schlimme Nachricht eilt schneller als die gute.

*

Wo Worte nicht herrschen, herrscht die Gewalt.

*

Tas Ende wird zur Krone jedem tüchtigen Werke.

*

Furcht oder Liebe gegenüber Königen ist Schmeichelei.

*

Dem größten Nebel seh'n wir keck in's Angh Doch unerwartet Leid trifft uns am schwersten.

Wo es an Tüchtigkeit gebricht, muß Gold den Weg ebnen.

Was ist die Schönheit als ein Liätgebild, Bald hingerafft von Alter und Gebrechlichkeit!

Buchstabenrätsel.

B. a. a. c. e. e. e. k. g. h. h. h. m. n. o. p, r. s. s. t. t. n. u.

Aus vorslebenden Buchstaben sind folgende Wörter zu bilden-

1. Eine Besitzung.

2, Ein Zugtier.

8. Eine Kletterpflanze.

4. Eine Gewichtsbestimmung.

5. Eine Pflanze.

6. Ein Badeort. ,

Hat man die richtigen Namen gesunden, so ergeben die Amangs- bllchstaben einen Dichter und die Endbuchstaben dessen Hauptwerk.

Karl Horch s eck Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Geographischen Rätsels in voriger Nnmmerr

1. Jordan. 2. Ursprung. 3. Nubien. 4. Guadalquivir. 5. Glarus» 6. Eiiel. 7. Waldaihöhe. 8, Odessa. 9. Hamburg. 10. Normandie» 11. Tanasee. 12. Akropolis. 13. Laurion. 14. Toskana» 15. Göppingen. 16. Euböa. 17. Taielberg, 18. Arulien. 19. Natal.

I u n g gewohnt, A l t getan.

Redaktion: P. Witt ko. Rotationsdruck und Rerlaa der Brü bl'scheu Universitäts-Buck- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.