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Eskimo-Ethik.
„In vielen Dingen sind wir den Eskimos überlegen, «Her es gibt einige wenige, in denen wir hinter ihnen zurückstehen." Diesen seinen Leitsatz erläutert Vilhjalmr .Etefansson in einem inhaltsreichen Aufsatz über das häusliche Leben der Eskimos, den er in Harpers Magazine veröffentlicht. Stefansson hat dreizehn Monate in enger Gemeinschaft mit den Bewohnern der Polargegend verbracht Und hat mit ihrem Häuptling Ovayuak einen engen Freundschaftsbund geschlossen. Die Ueberlegenheit des Eskimos in Dingen der materiellen Kultur ist freilich gering. Er Aann Kleider verfertigen, die besser gegen Kälte schützen als I tolle Mäntel und Pelze unserer Schneider, er kann in eisigen Wüsten leben, wo jeder Europäer verhungern würde. Doch wichtiger sind seine moralischen Vorzüge. Er ist weniger egoistisch und hilfreicher zu seinen Genossen, freundlicher | zu seiner Frau, gütiger zu seinen Kindern, milder gegen die Fehler seines Nächsten als die meisten Kulturmenschen unserer Zonen, er ist von einer vorbildlichen Gastfreundlichkeit, und der Verfasser rechnet den in winterlicher Kälte und Dunkelheit unter ihnen verbrachten Muter zu den angenehmsten seines Lebens. Aeusterlich ruhig und mit Würde empfängt der Eskimo seinen Gast, ein Schütteln der Hände oder andere europäische Begrüßungszeichen kennt er nicht, aber von seinem Wesen strahlt Freundlichkeit und Heiterkeit aus; mit hilfreichem Anteil nimmt er den Frem- den auf, der ihn in der grenzenlosen Einsamkeit seines Lebens besucht, und dem alten Freunde, der zu ihm kommt, wendet er sich mit stürmisch herzlicher Liebe zu. Und nach der ersten halben Stunde schon, nach einer kurzen, einsilbigen Unterhaltung, fühlt sich der Gast zu Hause in dem engen Raum mitten unter den hohen Haufen aufgestapelten Fischvorrates. Mit gutmütigem Lächeln und höflicher Achtung wird jede Bemerkung des Neuangekommenen anerkannt, und er fühlt sich aufgenommen in den Kreis dieser harmlos lustigen Menschen. Wenige Völker sind wohl so sangeslustig und saugesfreudig wie die Eskimos. Uns erscheint zwar ihre Musik nur als ein monotoner Singsang, aber sie haben mehr Freude daran als wir an unseren Sinfonien. Am Abend nach getaner Arbeit sitzen sie so traulich zusammen, jeder mit gekreuzten Beinen <nif seinem eigenen Schlafplatz hockend und singen aus Leibeskräften, während die dumpfe Begleitung der Lrom- wel darein dröhnt. Genügsamkeit und Zufriedenheit wohn in diesen Hütten. Schon die Eskimo-Kleinen sind äußerst vergnügt; sie werden selten vor dem vierten oder fünften Jahr von der Mutterbrust entwöhnt, aber sie lernen dafür eint Alter von neun Monaten das Tabakkauen, das
r viel Spaß macht. Bevor Weiße nach Nordamerika kamen, scheinen die Eskimos ihren Tabak von Sibirien her über die Behringstraße auf prähistorischen Wegen er-
M «Mmehrigem Caneellario Academiae, mit einer Lateinischen । Oration unterthänig bewillkommet / auch von Herren Landgrasf Ludewigs zu Hessen Fürstl. Gn. darauff mit einer zierlichen Rede in gleicher Zunge geanNvortet wurde.
Anff den Sontag Jubilate ward der ga.ntze Actus Restau- rationis Academiae, nach vollbrachtem Gottesdienst / mit Christlichen und sonderbaren Solenniteten, vermittelst unterschiedlich gehaltenen Orationen, in Beysein hochgedachter Ihrer Fürstl. Fürstl. Gn. Gn. auch Grafen / Herren / vieler von Adel / und anderer vornehmer / in- und aufständischer Lerite / bey großer Volkreicher Versammlung verrichtet / Rector & Senatus Aca- demicus conftituirct, die Herren Professores omnium Facultatum installiret, und demnach ein ansehnliches Convivium (bet welaie uechst den Fürstlichen / Gräfl. Adelichen und andern vornehmen Personen sich auch alle Professores befanden) gehalten.
Worauff auf erfolgtem Montag zwei Promotiones Doctorales, in Facultate Juridica & Medica celebriret wurden.
Ms nun solcher gestalt die Lectiones und Disputationes publicae, auch publica, und privat Collegia, ihren Anfang wieder nahmen / nicht weniger die exercitia im weiten / feststen / und dergleichen / Item die Tische und andere Nohtturfst umb ein gar leidliches zu bekommen / und zu dem / gute Disziplin wieder das / auf andern Universitäten eingerisscne Pennalwesen ange- vrdnet war; so fanden sich schon viel ftembde Studiosi all hie Wieder ein. ______
halten zu Haben. Die allgemein unter beiden Geschlechtern verbreitete Sitte des Priemens und des Einziehens von Tabakrauch stammt aus uralten Zeiten her, aber irgendeinen gesundheitsschädlichen Einfluß hat dieses unverfängliche Laster augenscheinlich nicht hervorgerufen. Männe« und Frauen sind in allen Dingen vollständig gleichberechtigt, das Eingehen einer Ehe steht ebenfalls dem männlichen wie dem weiblichen Teil vollkommen frei, und ebenso freiwillig und ohne alle Zeremonien erfolgt die Scheidung. So ist also ein langes Zusammenleben von Personen, die nicht zusammenpassen, völlig undenkbar. Das eheliche Leben verläuft in den freundlichsten, ja zartesten Formen. Niemals hat der Verfasser irgendein schlimmes Wort oder einen Streit zivischen Mann und Frau gehört. Die Eskimos haben die alte Sitte der Blutrache, der Geschlechterfehde, ja sogar der Verurteilung zum Tode aufgegeben, denn Seuchen verringerten die Bevölkerung so sehr, daß die Leute zueinander sprachen: „Wir dürfen nicht länger gegeneinander kämpfen, wir sind zu wenige." Das anmutendste Bild häuslichen Lebens eröffnet sich in der Schilderung des Häuptlings Ovayuak und seiner Familie. „Als Ovayuak und ich eines Tages fischend auf unseren Schneeblöcken mit dem Rücken, weil die Hunde verhungert wären. Kein nicht mit dem gewaltigen Fischvorrat zu Hause begnüge, der größer sei als unsere ganze 22 Mitglieder umfassende Familie in zwei Jahren aufessen könne. Darauf antwortete er mir nur, daß er ein Häuptling sei. Er wollte damit sagen, daß ein solcher Manu für die Zukunft sorgen müsse, für Zeiten der Not, wenn einmal die Renntierjäger aus leeren Schlitten heimkehren sollten, mit den Kindern aus dem Kücken, weil die Hunde verhungert wären. Kein Eskimo, der etwas auf sich hält, würde zu fischen aufhören, wenn er gerade genug für seinen eigenen Haushalt hat, und der Häuptling sorgt für alle andern. Solch ein Menschen-
| freund, der dem Notleidenden alles gibt, was er hat, steht gleich herrlich da im Leben der heidnischen Eskimos wie in den Predigten der christlichen Europäer. Ein „Häuptling"
! wird nicht formell gewählt, sondern er ist es auf Grund seiner Taten durch die stillschweigende Uebereiukunft aller . . . Eines Abends fragte ich Ovayuak, warum er zwei Frauen hätte, während kein anderer Mann im Lande mehr hätte als eine. Das käme daher, erklärte er, weil er ein hervorragender Mann sei, einen großen Haushalt hätte und viele Besucher kämen. Vor einigen Jahren hätte seine erste Frau Anaratziak zu ihm gesagt: „Ich werde jetzt alt, meine erste Tochter ist bald heiratsfähig; es ist viel
I Artzeit im Hause. Warum nimmst du dir nicht eine junge | Fran, die mir int Haushalt helfen kann?" So heiratete er denn Jllerok, die jung war und stark. „Aber Jllerok steht Anaratziak nicht etwa gleich. Sieh, wenn fllerok Fische kocht, so legt sie sie auf eine Platte und bringt sie zu Anaratziak, damit diese für sich und für ihren Lieblrngv,ohn die besten nehme. Jllerok tut, was ihr gesagt wird, denn sie ist die jüngere Frau." Und niemals haben zwei Frauen in größerer Harmonie gelebt als die beiden Gattinnen Ovayuaks. Als Jlleroks jüngstes Baby zehn Monate alt war, brachte ihm Anaratziak ein Stück feinsten Kautabaks, das sie lange für diesen Zweck aufgehoben hatte, iind leyrte das kleine Mädchen die schwierige Kunst, den Tabak zn kauen und dann wieder auszuspucken." Und solcher Idyllen gibt es viele im hohen Norden unter den Eskimos.
Nsksnzschtss.
I* Aus beit Memoiren der Lady Surchilk. LaÄ Randolph Cuvchill, die Frau eines bekannten smatsmanne- i nö Mutter eines Staatsmannes, die m Amerika geooren m Italien und Frankreich erzogen wurde und m England lebtt^hat soeben ihre Memoiren erscheinen lasten, m denen sie aus dem schätze u>iet reichen Erfahrung allerlei Interessantes zn berichten wech her' Hauptsache- beschäftigt sich otc Menioirenschreiberiu mü den Geschehnissen der englischen Politik, doch fallt daneben auch manch interessantes Streiflicht auf das Leben und Treiben der wn 'm n taleu Machtgewaltigen, die Lady Curchill aus nächst ds?LebenN. beobachten Gelegenheit hat c So ckM bt stc über xewgg gewvbnbeitW der hohen russischen Gesellschaft. „Tie NUgen ,i


