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„Der! Name birgt für nichts, Erika. Wollte man ititS nach »Inserent Namen beurteilen, wir hätten wenig Recht auf Achtung !"
Da fuhr die Kleine auf: „Hugo — gilt der Name Guttermamt so wenig?! — Wir, die Reichsten im Lande!" —
Er beugte sich vor und sagte dumpf: „Leider sind wir die Reichsten int Lande. Aber wie der Reichtum zusammengekommcn ist ! — Erika, das ist alles Sündengeld!"
Erika prallte zurück. „Wenn das so ist — o pfui, keinen Pfennig mehr rühr ich an. — Runter mit dem Sündenzeug!"
Sie riß die goldene llhrkette ab und warf sie in heiliger Entrüstung zu Boden, ebenso Armband und Halskette.
Sie fiel in sich zusamNtcn und schluchzte herzbrechend.
„Mar blas' nötig?" fragte schüchtern Irene ihren Bruder.
„Das mußte sein, um djeinet- und meinet- und ihretwillen. Der falsche Stolz inußte gebrochen werden und auf seinen Trüminern nur kann echter, eigener Stolz errichtet werden."
Bis nm Mitternacht saßen die Geschwister beisammen.
Erika erfuhr alles: Von ihrer Mutter Herkunft, von des Batcrs Betrügereien und Wucher, von seiner Habsucht und seinem' Geize, von Magdas Dasein in Altengrün, von Hugos Liebe zu Magda und von Irenes Verlöbnis mit Baumeister Hennig. Und wie es'auf bem1 Kirchlein in Altengrün Mitternacht schlug, da war sie gegründet, die Tripelallianz, und die zwei Schwestern gingen, den Bruder in der Mitte, herab vom! Spitzhaus ins Herrengut.
Aut Morgen beim Käffee auf dem Man sagte Hugo Gutter- iuänn zu Beate: „Erika hat uns gestern abend viel von Ihrem Herrn Bruder erzählt. In 14 Tagen geht die Hirschjagd auf; wenn er Lust hat und ihnt unsern Altengrün nicht zu entlegen ist, könnte er ja ein paar Tage bei uns verleben."
Ein dankbarer Blick aus Erikas Augen lohnte Hugo für diese Aufforderung. Sie übernahm selbst die Einladung.
Eine Woche später traf Ernst von Horbach ein. Erika und Beate holten ihn vom Bahnhof ab. Da der Wagen des Herrengutes bloß einen Fond, aber keinen Rücksitz hatte, mußten die beiden Da'm'en und der Leutnant zusammen ans einem Sitze Platz nehmen. Trotz der Hitze und trotz der Enge ließ der junge Offizier, seinen HuMor sprühen.
Auf der Rampe des Herrenhauses empfingen Hugo und Irene den Gast.
Irene hielt sich sehr reserviert und beobachtete heimlich Ernst Von Horbach. Sie konnte sich nicht verhehlen, daß er ihr keinen ganz günstigen Eindruck Mächte. Das Ueberlaute, die Sucht, jede Situation auszunützen und zu beherrschen, um' mit seinem Geiste brillieren zu können, mißfiel ihr. Sein ganzes Wesen kam ihr yekünstelt, unecht vop.
Hugo dagegen war schnell mit ihm befreundet. Seine für feine 20 Jahre fast zu ernste und zu ausgereifte Natur lebte auf in Horbachs lauter Gesellschaft. — Des Leutnants Kriegst- dekoration und seine Erzählungen aus dem Feldzuge imponierten ihm; — ihm, der doch für sein Leben gern als Kriegsfreiwilliger Mit hinausgezogen Ware gegen den Erbfeind.
AM Mendso.es ersten Juli gingen sie auf den Aicktand. Lcut- stänt von Horbach in seinem' neuen Jagdkostüm sah ganz schmuck Nus, während Hugo in hohen Stiefeln und der grauen Joppe sich Wie ein Verwalter ausnahm!.
Sie gingen die Lehne hinauf, amt Spitzhause vorbei und postierten sich dann gegen den Wind am Waldrande. Die Dämmc- WNg kletterte von den Bergen ins Tal, und die Nebel hingen in einzelnen Fetzen am Mrtzsattel.
Vorsichtig stieg ein kapitaler Bock am' Wäldsaum entlang. Hugo konnte durch fein' Glas deutlich sehen, wie die Nase witternd sibrierte. Dem' Wild schien es nicht geheuer. Minutenlang stand es nie aus Stein gemeißelt und sog die Luft ein, dann trat es Schritt für Schritt, den Kopf immer wieder hebend und den Wind prüfend, in den Klee.
Hugo wollte seinen! Gaste den ersten Schuß lassen.
Ernst von Horbach zielte lange — und setzte ab. — Er zielte wieder — Hugo wurde unruhig.
„Ich kann nicht," flüsterte Horbach.
Da hob Hugo blitzschnell die Büchse und drückte ab. Int selben Augenblick hatte der Bock eine Wendung gemacht.
Mit dem Verrollen des Donners sprang auch der Böck davon, nicht gepade übermäßig eilig.
Aergerlich wandte sich Hugo. Sie schritten äM Wäldsaum hin.
„Warum' in aller Welt schossen Sie nicht, Herr Leutnant?"
„Ich konnte nicht, mir zitterten alle Glieder.".
„Jägdfieber?"
>,J wo! Ich dachte an etwas." !
Sie ständen gerade aut Spitzhäus. Wortlos schloß Hugo
auf und machte Licht. Dann nahm er aus einem kleinen Wandschrank Kognak und Zigarren.
„Womit dachten Sie?" fragte Hugo, während sich die beiden Herren setzten.
„Ich dachte an — Erika!"
„Sie lieben meine Schwester?"
„Mehr als ich sagen kann."
„Erika ist iwch ein Kind, noch nicht siebzehn."
„Ich weiß. — Möchte sie immer dies kindliche Herz behalten."
„Sie sind Offizier, —■ Sie sind, verzeihen Sie, ein Lebemann. Erika ist ein Madel von einfachster bürgerlicher Erziehung. Glauben Sie, daß diese Ehe einen guten Faden, geben wird?"
„Davon bin ich überzeugt, denn ich liebe Erika."
„Und sie?"
„Sie liebt mich wieder. Das weiß ich, das fühle ich mit jedem Wort, mit jedem Blick, den sie mir gönnt. Und noch eins: Ich bin kein Mitgiftjager. Auf mein Wort versichere ich Sie, ich liebte Erika, ehe ich von ihren Verhältnissen wußte."
„Ich muß das glauben. — Aber Ihre Verhältnisse?"
„Ich habe später einmal vielleicht ein kleines Vermögen zu erwarten. Doch damit kann ich nicht rechnen. Meine Eltern sind noch jung und machen ein großes Haus. Das Kommißvermögen zum mindesten müßte ich haben."
„Und noch etwas dazu?" fragte Hugo lächelnd.
„Da darf ich mir also Hoffnung machen?"
Hugo stand auf und reichte ihm die Hand.
„Sie sind mir als Schwager willkommen, ob meinem Vater als Schwiegersohn, das kann ich natürlich nicht sagen. Mein Vater ist ein Hausdespot erster Güte, er tut nur, was nach seinem! Millen ist, jede Beeinflussung ist ausgeschlossen."
„So raten Sie mir, Herr Guttermann! Soll ich schon morgen hin und um Erikas Hand anhalten?"
„Das würde ich nicht tun. Zunächst, wie lange haben Sie Urlaub?"
„Vorläufig drei Wochen. Der ließe sich aber leicht verdoppeln."
„So bleiben Sie hiev in Altengrün. Im täglichen Verkehr mit Erika treten Sie kW näher. Sind Sie dann immer noch gewillt, meine Schwester zu Ihrer Lebensgefährtin zu erküren, so halten Sie am 1. November bei unserem Vater uml ihre Hand an."
„Warum gerade am 1. November?"
„Weit da Erika 17 Jahre wird."
„Ich bin Ihnen von Herzen dankbar, Herr Guttermann."
Langsam und schweigend stiegen sie vom Spitzhaus nieder ins Tal. Es war finstere Nacht. Bon fern her ertönte das Bellen! eines Hundes und im weiten Umkreise antworteten die Dorfköter. Der Weg führte an der Rückseite der großen Stallungen vorüber. Durch die schmalen Fenster zwängten sich trauliche! Laute: Dumpfes, wohliges Brummen der Siutmentaler und scheues Kettenklirren.
„Das ist reine Dorfnacht," sagte Horbach.
Hugo Guttermann nickte nur. Auf feinem Gesichte lagerte breite Zufriedenheit.
13. Käpitel.
Wieder !var es Silvester. Wieder trug der Wind von den' Höhen herab tausendfaches KNattern und Krachen.
Doch iM Mahlwinkel schaute es jetzt etwas anders aus als vor zwei Jahren; im' Gesindehaus wie im Herrschaftsgebäude.
Der alte Elan hockte hinter dem Ofen in einem riesigen Lehnstuhl. Der war alt und wacklig wie sein Insasse. Stroh quoll zu beiden Seiten aus den Weichen.
„Tas bringt kein gutes Ende, — das nicht!" mürnielte Elan vor sich hin. „Nnn verkuppelt er sein Kind, fein jüngstes, an diese adlige Sippe."
Die Müllerburschen und Mägde horchten hoch auf. Sie verwunderten sich über den Lichtblick in Elans Leben. Seit Jahr und Tag hatte ev nur von Waterloo und Blücher gesprochen/ und jetzt auf einmal war er so orientiert über die Ereignisse im Herrenhaus.
„Schweig, Alter!" rief der Obermüller.
Elan duckte sich in seinen Pful. Er schwieg'.
Drüben iirt Herrenhause waren alle Fenster erleuchtet. Oberst von Horbach stand am! Tisch, aufrecht und trotzig. Ein rechter Kriegsmüim.
.Er hob sein Glas und brachte es der Familie Guttermamt. Ernst von Horbach hatte Erikas Hand erfaßt.
Hugo stieß mit seiner Schwester Irene an, und beide sähest sich tief in die Augen. (Fortsetzung folgt.)


