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Der Dorfkönig.
Roman von Karl Böttcher--Chemnitz.
(Nachdruck" verboten.) (Fortsetzung.)
So kroch sie allein in der Mühle und int Gute umher. Sie patschte durchs' Wasser und legte sich auf das Inselchen, doch das war nicht so wie früher, es fehlte jemand.
Sie wollte nach ihm fragen, aber sie genierte sich.
Endlich, am dritten oder vierten Tage erwischte sie den Ober- Müllcr allein.
„Wo steckt Herald?"
„Wer?"
„Herald Emmrich, der Müllerbursche."
„Ach der--! Der ist uns im vorigen Muter bei Nacht
Und Nebel davongelaufen. — Nicht schade um den."
Da schlich sie davon, Mit hängendem Köpfchen und trüben Augen. „Schade um den," dachte sie.
Sie hatte keine Freude mehr am Mühlwinkel. — Ja, wenn Ernst von Horbach tut wenigsten mit dagewesen, der hätte ihr Kurzweil geschasst mit seinen Schiturren und — seinen Küssen.
Am Abend bat sie den Vater, mit Beate nach Altengrün fahren zu dürfen. r .. _
Da dem Alten daran gelegen war, dem vornehmen Gaste seinen gesamten Besitz sehen zu lassen, hatte er nichts einzuwenden. AM andern Morgen fuhren die beiden Mädchen unter Merlins Führung in der neuen Chaise nach Altengrün.
Es war eine lange Fahrt und Merlin ein kundiger Führer. Er wußte, wo die Fluren Altengrüns begannen und fast eine Stunde fuhren sie durch Guttermannschen Besitz.
„Gott — müßt Ihr reich sein!" sagte Beate.
„Die Leute sprechen cs; ich habe noch nichts davon gemerkt.
Die Feldarbeiter zogen höflich ihre Kappe beim Nahen des Wägens. t t
Von Zeit zu Zeit fragte Erika einen oder den anderen:
„Wem gehören die Felder?" und immer die Antwort: „Dem jungen Dorskönig." .. ...
Das machte Beate Spaß. Aber Erika wurde ernst. Sie phnte, der Name, der für den Vater ein Schimpf sein sollte, bedeutete hier für den Bruder einen Ehrentitel.
Gerade zu Mittag fuhren sie im Herrengut ein. „
Vor dem einfachen, niedrigen Herrenhaus' war eine mächtige Rampe aufgeführt worden mit zweiseitiger Zufahrt. ;
Hugo und Irene begrüßten freudig die Schwester und H-raulem von Horbach. . Hinter der Haustür stand noch lemand mit bebenden Lippen und feuchten Augen, von den Gästen unbemerkt.
Merlin war abgestiegen und reichte dem Pferde ein Stuck Zucker.
Da überkam ihn ein Zittern, der Zucker fiel zur Erde, und Mit zwei, drei großen Schritten war Merlin im Flur.
Hugo nahm seine Gäste sogleich mit in den Garten, wahrend Irene eilte, für Mittag zu sorgen. ,
Gegen Abend fuhr Merlin allein nach Muhlwtnkel zurück. Vorher trat er in Hugos Arbeitsstube.
„Wollen Sie fort, Merlin?"
„Jawohl, — aber nicht, bevor ich Ihnen von ganzeNi Herzest gedankt habe. — Wenn das Segen bringt, daß jemand eilten’ Vater glücklich macht, Herr Guttermann, dann muß viel Sagest auf Sie herabkonnnen."
„Ich kann ihn brauchen, Merlin: ich kann ihn brauchen", sagte Hugo ernst. „Aber eins bitte ich: Im' Mühlwinkel darf niemand davon erfahren." ,
„Ich weiß, ich weiß, Herr Guttermann! Gott, wie sich das Mädel streut, sie ist so glücklich!"
„Und ich nicht weniger; nun fahren Sie mit Gott. Bestellen Sie auch einen Gruß zu Hause."
Hugo ging in die Schreibstube, die neben seinem' Zimmer lach
Dort arbeitete Magda. „
„Magda — dein Vater will fort." Das iMdchen huschte herein, und Hugo verließ das ZimMcr.
Vater und Tochter waren etliche Minuten allein.
„Sieh mich an, Kind!"
Magda schlug ihre großen Augen offen auf zu ihrem’ Vater, Die waren blank und rein.
„Wir sind einfache Leute; Kind, vergiß das mcht. — Da? einzige, was wir haben, ist unsere Ehre. Die laß dir nicht be-, flecken!" „
„Vater — uns bindet reine Liebe und Hugo .....
„Ich weiß, ich lveiß — aber er ist ein Guttermann. • >
„Sei unbesorgt, Vater."
„Du versprichst es Mir?"
„Ich verspreche cs, Vater!"
Mit stolzem Herzen verließ Merlin das Haus.
Hugo Guttermann trat in das kleine Schreibstubchen, wq Magda schon lvieder über den Büchern saß.
Er zog sie an sich. „Meine Magda!" _ ...,
In ihren Augen lag feuchter, tiefer Glanz U!ld eine stumme Bitte. — Und Hugo vermochte sie zu lesen.
„Du bist jetzt meine Schwester, Magda! sagte er. Ctn rührend dankbares Lächeln verklärte ihr Antlitz. — —
Oben am Bergesrücken hatte sich Hugo ein kleines Hau.chen mit spitzent Türmchen bauen lassen. Bloß ein Zimmer war darm.
Dort saßen am Abend die Geschwister. Beate hatte Kops-, weh und sich entschuldigen lassen.
„Eigentlich müßten wir vier sein, jagte >;reue.
Und Hugo: „Das Schicksal hat es ander-? gewollt.
„Das Schicksal ist der Krieg," sagte Erika,
„Wie meinst du das?" „
„Für Otto war er's und für mich wird er c» werden.
"Für dich? — Wir verstehen nicht." .
Und nun erzählte die jüngste Guttermann — erst ängstlich, dann lebhafter — von Ernst von Horbach und ihrer lungen Liebe.
Äu mein ft/ — bu bift iljin mitt lief) Zui ? freiste Jouß-o.
"Ich kann mir wenigstens nicht denken, wie Liebe anders sein soll." ,
„Und ob er deiner wert ist, Erika?" .
„Er ist ein mutiger Kriegsmann gewesen, und er ist eist Horbach."


